Wenn bisher noch große Teile der Linken in Deutschland (also nicht nur aus der sogenannten Partei, aber vor allem auch dort) die Vorgänge in Venezuela für eine hoffnungsvolle, sozialrevolutionäre und emanzipatorische Zukunftsschablone gehalten haben, so muss spätestens jetzt damit Schluss sein. Gestern wurde bekannt, dass das Regime in Caracas die großartigste Zeichentrickserie der westlichen Welt, die Simpsons, aus dem Programm eines Privatsenders streichen ließ. Begründung für diesen Schritt war der angeblich potenziell schädliche Einfluss auf Kinder.
An dieser Stelle zeigt sich doch deutlich die hässliche anti-emanzipatorische Fratze des “Sozialismus des 21. Jahrhunderts”. Ein Land, in dem eine so intelligente, humorvolle und traditionsreiche Serie wie die Simpsons keinen öffentlichen Raum bekommt (und durch die Verbannung in den Untergrund nur noch viel mehr zum Kult wird), kann doch unmöglich noch Ansatz für irgendeine linke Perspektive bieten.
Trotzalledem gibt es Hoffnung: Ersetzt wurde die Serie auf dem Sendeplatz interessanterweise durch die für Minderjährige zwar auch nicht besser geeignete Trash-Kult-Serie “Baywatch”. Wir erinnern uns: Mit deren Hauptdarsteller hat doch schon einmal eine große Revolution ihren nötigen Anschub bekommen. Am 31.12.1989 in Berlin war es David Hasselhoff (soweit ich mich erinnere), der nachdem die DDR-Bürger die Mauer schon großflächig angekratzt hatten, den Eisernen Vorhang endgültig zum Einsturz brachte. “I’ve been looking for freedom”, 20 Jahre später könnte es wieder allumpassendes Motto für die vergrandeten VenezolanerInnen werden.
um mal die anti-venezolanische Propagandamaschinerie in Deutschland zu hinterfragen stell ich mal zwei Links hier zum Thema rein. Sollte es etwa deutsche strategische Interessen in Südamerika geben, wo sich einige Länder dort immer noch gegen ein Freihandelsabkommen als Einstieg in eine Kapitalisierung nach europäischem Vorbild wehren und gar private Wirtschaftszweige unter staatliche Kontrolle stellen? Es ist erstaunlich, dass in diesem blog so unhinterfragt Sachen gespiegelt werden, die aus einem zumindest problematischen medialen Diskurs kommen.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27689/1.html
http://www.amerika21.de/blog/a1ay-carramba/?searchterm=simpsons
gruß
stefan