Auf der Titelseite der taz vom 2. Mai 2008 sehen wir die Schlagzeile „Krawalle am 1. Mai: Kreuzberg jetzt in Hamburg“ vor einem Bild, das einen behelmten Polizisten vor unscharfem Flammenhintergrund zeigt. Die Bildunterschrift erklärt, dass es sich um „Brennende Autos im Hamburger Stadtteil Barmbek“ handelt. Interessanter ist nun der Text in der unteren rechten Ecke des Bildes, der auf die Artikel im Innenteil verweist:
„Brennende Autos und Barrikaden, Schlagstöcke und Wasserwerfer: Während der 1. Mai in Berlin friedlich war, lieferten sich Linksextreme bei einer Demo gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Hamburg eine Straßenschlacht mit der Polizei.“ Verwiesen wird auf die Seiten 2, 21 und 22.
„Linksextreme“?
Im Artikel auf Seite 2 („Krawalle in Hamburg“, ap) sind es „Menschen“, „linke Demonstranten“, „vermummte Gegendemonstranten“, „Linke“, „Gegendemonstranten aus der linken und autonomen Szene“, die „gegen NPD-Aufmärsche protestiert“ haben, sich in Hamburg mit „Sicherheitskräften“ Straßenschlachten lieferten, teils direkt mit „Rechten“ zusammenstießen, den „Rechtsextremisten“ gegenüberstanden etc. Bei Redaktionsschluss habe es noch keine schweren Krawalle gegeben. Der ap-Bericht kommt zwar nicht ganz ohne „Extremisten“, aber immerhin ohne „Extreme“ und ohne Diffamierung der GegendemonstrantInnen aus. Die Seiten 21 und 22 beschäftigen sich ausschließlich mit dem 1. Mai in Berlin.
Die „Linksextremen“ in Hamburg scheinen also allein aus der Feder der Seite 1-Redaktion der taz zu stammen. Dies ist umso beunruhigender, als die Neonazi-Aufmärsche nur am Rande auftauchen, als seien auch für die taz das eigentliche Problem die „Linksextremen“ oder als seien Rechts- und Linksextremismus eben zwei Seiten einer Medaille.
Nun könnte man der taz auch unterstellen, dass sie gerne Kreuzberg mitsamt dem „revolutionären 1. Mai“ in die ganze Welt exportieren würde und Hamburg die erste Etappe ist. Schließlich sollen ja auch „eins, zwei, viele Dutschkestraßen“ geschaffen werden, und in Kreuzberg ist nur Platz für eine. Aber in Berlin war ja alles „friedlich“. Das Problem der Gewalt am 1. Mai wird also doppelt externalisiert: nicht die Linken, die ja auch in Berlin am Start waren, haben randaliert, sondern „Linksextreme“, und das auch noch im fernen Hamburg.
Oder erhöht das E-Wort auf der Titelseite den Absatz? Welche Beweggründe könnte die taz noch haben, den Extremismusbegriff so unnötig prominent zu platzieren? Kommentare willkommen.