von critiska, 4.05.2009

Eine Überraschung: Eine Kritik der Überwachung und der Politisierung “antisozialen Verhaltens”

Juli Zeh äußert sich in der ZEIT vom 30.4.09 zu ihrem neuen Schreib-Projekt, einem politischen Buch, dass sie gemeinsam mit Ilija Trojanow, dem Autor des “Weltensammlers” schreibt. Dort wird eine für mich überraschend klare gesellschaftskritische Perspektive formuliert. Ein Auszug:

“DIE ZEIT: Woran arbeiten Sie gerade?

Juli Zeh: Ich schreibe mit Ilija Trojanow ein politisches Pamphlet zum Thema persönliche Freiheit und Bürgerrechte im Antiterrorkampf, das Angriff auf die Freiheit heißen wird. Vor einem Jahr hat Ilija einen langen Essay dazu veröffentlicht; als ich den las, hatte ich das Gefühl: Das ist mir so nah, das könnte ich beinahe selbst geschrieben haben, bis in die Formulierungen hinein. Darüber haben wir gesprochen und beschlossen: Wenn zwei Leute zu einem Thema eine so deutliche Meinung vertreten, sollten sie sich doch zusammentun und ein Buch schreiben.”

weiter lesen unter: Woran arbeiten Sie gerade, Juli Zeh?

In dem Interview äußert sich Zeh auch zur Debatte um “antisoziales Verhalten” und seiner Kontrolle und Bestrafung. Zeh kritisiert:

“[... ] Nicht zuletzt geht es auch um eine neue, seltsame, für mich besonders gruselige Tendenz, nämlich jene, durch möglichst umfassende Überwachung »antisoziales Verhalten« auszuschließen. Allein schon der Begriff! Antisoziales Verhalten bedeutet zum Beispiel das Wegwerfen von Kaugummipapier oder lärmende Kinder oder Fehler im Straßenverkehr. Alles das soll bald zur »Inneren Sicherheit« gehören. Wir weisen darauf hin, dass sich viele Antiterrorgesetze in Wahrheit gar nicht gegen den Terrorismus, sondern gegen den Normalbürger richten. [...]“

Unsere AG Kids Control mit ihrem gerade ausgelaufenen Austellung “Are the Kids alright?”sieht eine gedankliche Nähe zu diesen engagierten Gedanken und ist gespannt auf die Veröffentlichung des Buches im August diesen Jahres. Infos unter: http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-23418-5&area=Literatur

Die Rückkehr der kritischen Intellektuellen?

Eine weitere interessante Frage könnte sein, ob es eine Repolitisierung schriftstellerischer Tätigkeiten gibt? Juli Zeh ist natürlich in diesem Kontext kein unbeschriebenes Blatt, sondern hat sowohl in ihren Romanen wie Reportagen politische und gesellschaftliche Perspektiven in die Werke eingeflochten.

Und dass Ilija Trojanow hier eine weitere wichtige Figur verkörpert, ist ebenfalls bekannt. Seine Essaysammlung Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen ist schon im Titel eine klares Statement gegen kulturellen Rassismus und Ethnozentrismus.

Die Frage ist darüber hinaus natürlich reine Kaffeesatzleserei, aber auch sowas macht ja bekanntlich reichlich Freude. Wir bleiben hier wachsam und schauen, was sich so bewegt in der literarischen Welt.

Abschließen möchte ich meine Bemerkungen mit dem finalen Zitat von Juli Zeh aus dem oben genannten Interview zum Stil des Buches und seiner “Zielgruppe”:

“[...] Bei diesem Buch ist es eher ein Austoben nach außen, ein kurzer, stark verdichteter Text von 120 Seiten, vom Stil her nicht so intellektuell-essayistisch, wie man normalerweise hier in Deutschland schreibt, sondern wirklich polemisch. Was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird angegriffen.”

Der Beitrag wurde am Montag, den 4. Mai 2009 von critiska veröffentlicht. Die Kommentare zu diesem Eintrag lassen sich durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können den Beitrag kommentieren, oder einen Trackback auf ihrer Seite einrichten. Der Beitrag wurde folgenden Themen zugeordnet: , , , , , .

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