von grenwi, 27.10.2009

Bloß gut, die Welt ist wieder gerade gerückt: Hatte die Leipziger Volkszeitung in Bezug auf den Naziüberfall auf Fußballfans des Roten Stern Leipzig in Brandis am vergangenen Samstag überraschend Emphatie für die Opfer formuliert und die neonazistische Tat skandalisiert, ganz im Gegensatz zu ihrer üblicher Berichterstattungsweise.

Am 24.10.2009 waren ca. zum Teil vermummte 60 Neonazis zu Beginn eines Fußballspiels der Bezirksklasse zwischen dem FSV Brandis und dem Connewitzer Verein “Roter Stern Leipzig” in das Stadion gestürmt und griffen sowohl Fans als auch Spieler des Leipziger Vereins an. Der LVZ-Redakteur Frank Müller beschreibt in seiner Darstellung im Sportteil am Montag des 26.10.2009 daraufhin:

“Nach kurzem Wortgefecht mit dem Anhang der Gäste attackierten die durch ihre Rufe und Gesten eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnenden Eindringlinge die 130 Roter-Stern-Fans mit Schlagstöcken, Flaschen, Steinen sowie anderen Wurfgeschossen und Gegenständen. Die Leipziger Zuschauer wichen zunächst in den hinteren Teil des Geländes und schließlich auch auf den Rasen aus. Dadurch wurden teilweise die Spieler in die Schlägerei einbezogen. Die in der Mehrzahl befindlichen Gästefans drängten die Neonazis schließlich zurück, worauf diese den Sportplatz an verschiedenen Stellen verließen.”

und erwähnt am Schluss seines Berichts:

“Der vorwiegend von politisch links orientierten Mitgliedern getragene Verein Roter Stern war schon mehrfach Attacken aus dem rechten Lager ausgesetzt. Das Team und die Fans aus Leipzig-Connewitz waren gerade in letzter Zeit seit ihrem Bezirksklasse-Aufstieg auswärts von allen Gastgebern für ihren problemlosen, disziplinierten und sogar sympathischen Auftritt gelobt worden.”

Zwar ist in seiner Überschrift “Gewaltexzess in Brandis” noch immer der Aspekt Gewalt vordergründig thematisiert, die politsche Dimension wird aber immerhin im Text eindeutig benannt. Darüber hinaus wird auf eine parallelisierende Darstellung entlang der Links-Rechts-Achse des Extremismusmodells verzichtet.

Das kann natürlich so nicht stehenbleiben, dachte sich wohl jemand in der LVZ. Und so lesen wir in der heutigen Ausgabe auch gleich wieder von der üblichen Litanei immerwährender Kämpfe linker gegen rechter Extremisten, die lediglich durch ihr Interesse an Gewalt gespeist unsere Gesellschaft vergiften. So schreibt die Muldentaler Ausgabe der LVZ in der heutigen Ausgabe:

“Ein mit sinnloser Gewalt vorgetragener Angriff von rechtsextremen Chaoten machte aus einem Fußballfeld ein Schlachtfeld (LVZ berichtete). Nach den Attacken auf die Fans von Roter Stern Leipzig und deren Gegenwehr blieben Verletzte zurück, der Ruf der Region wurde wieder einmal in den Dreck getreten – und es blieben viele Fragen offen.

[...]

deutlich ist inzwischen auch geworden, dass der Übergriff der Rechtsextremisten auf die links bis linksautonom geltenden Fans von Roter Stern Leipzig nicht ohne Vorankündigung über die Bühne ging.

[...]

Im Vorfeld hatte auch das Roter Stern-Umfeld dazu aufgerufen, die Nazis zu stoppen. Internet-Veröffentlichungen auf rechtsextremen Plattformen danach ließen Schlimmes befürchten.”

Parallelisierung und Entpolitisierung gehen wieder Hand in Hand. In äußerst pathetischer Manier schließt der Bericht mit Fragen, auf die den LVZ-RedakteurInnen tatsächlich wohl auch überhaupt keine plausible Antwort einfallen mag:

“Was spielt sich eigentlich in den Köpfen der Beteiligten ab? Wo sind wir gelandet, wenn ein Bezirksklassespiel nicht ohne Polizei-Hundertschaften stattfinden kann? Bei Menschen in der Region regierten gestern Kopfschütteln und Ratlosigkeit.”

Mal wieder bedrohten also “diese Beteiligten”, also die Nazis und die angriffenen, so benannten linken Autonomen die beschauliche Idylle der Provinzgemeinschaft. Die kopfschüttelnden und ratlosen Menschen in der Region scheinen noch immer nicht kapiert zu haben, dass sie nunmehr fast 20 Jahre in einer Wohlfühlwelt für Neonazismus leben, an der auch sie mit ihrem Politik- und Demokratieverständnis nicht allzu kleine Anteile tragen. Die LVZ jedenfalls wird die Ratlosigkeit der Menschen nicht erschüttern.

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 27. Oktober 2009 von grenwi veröffentlicht. Die Kommentare zu diesem Eintrag lassen sich durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können den Beitrag kommentieren, oder einen Trackback auf ihrer Seite einrichten. Der Beitrag wurde folgenden Themen zugeordnet: , , , .

.: Kommentare

Nutzungsbedingungen


  1. Stefanie

    22.02.2018 | 04:41

    Ich Grijff Ihrre rss feed wie ich kann nicht bei der Suche nach E-Mail-Abonnement link oder e-Newsletter Service.
    Haben Sie haben Sie überhaupt? Mit freundlicher Lasseen mee wissen , sso dass I
    kann abonnieren. Danke.

Kommentar verfassen:

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite