von elb, 9.02.2010

In den USA ist der Februar Black History Month (In Berlin und Hamburg auch). Auf stuff white people do gibt es den passenden Artikel von macon d: “…wonder why there’s no ‘white history month‘”. In Großbritannien findet der jährliche Black History Month im Oktober statt. Die neonazistische British National Party agitiert jährlich mit einer Kampagne für einen “White History Month” im November. Sie argumentiert dabei a) ganz klassisch ethnopluralistisch mit der Forderung nach gleichen Entfaltungsrechten für alle “races and nationalities” und appelliert b) ebenfalls ganz klassisch an Ressentiments der weißen Dominanzgesellschaft gegen jede Affirmation spezifischer “anderer” Identitäten:

The BNP has no problem with anybody wishing to celebrate Black History Month, which allows black people to celebrate their identity, explore their heritage and show pride in their achievements.

The BNP would like to see all races and nationalities doing the same thing. It is only with pride and knowledge of who we are and where we came from, that we will all learn to live together in this world.

This is why the British National Party, Youth BNP, Student BNP and our historical group, British Pride, are giving their full support to official White History Month. During this month all white people around the world — and in Britain — will celebrate their history and heritage with pride.

The BNP hopes that White History Month will attract the same level of funding, public recognition and support from politicians and celebrities which Black History Month has drawn.

Ähm, nein.

(ich verlinke die BNP-Seiten hier aus hoffentlich verständlichen Gründen nicht. Wer sich das Elend unbedingt selbst ansehen möchte, möge eine Suchmaschine bemühen)

Andere Baustelle:

In den USA gaben die Grammy Awards wieder Anlass, über Abendgarderobe zu berichten. Derzeit scheint, na ja, sagen wir mal “beige”, eine Modefarbe zu sein. Die Bezeichnung der Farbengruppe als “nude” oder “fleischfarben” hat schon vor ein paar Monaten für Unruhe gesorgt – als Michelle Obama ein champagnerfarbenes Kleid trug und berichtet wurde, es sei ein wunderschönes hautfarbenes Kleid. Diesmal war es Beyoncé (neben anderen). Sociological Images dazu: “Fashion world still clueless about what naked non-white people look like“. Auf demselben Blog gibt es auch einen älteren Post über “hautfarbene” Pflaster, Wachsfarben etc.

Dies sind Beispiele dafür, dass Weißsein als “Normalität” kodiert wird. Womit – zumindest für mich – wiederum die Wichtigkeit einer kritischen Auseinandersetzung weißer Menschen mit rassistischen Normalzuständen bestätigt wäre. Dies beinhaltet zunächst einmal die Identifikation, Bewusstmachung, Reflexion und Hinterfragung eigener Privilegien. Unterstützung dabei bieten die Critical Whiteness Studies. Und dann fällt vielleicht auch eine Rassismusdefinition leichter, die Dominanz- und Machtverhältnisse reflektiert und Rassismus nicht mit Differenz verwechselt.

Ressourcen dazu:

  • Wikipedia (de) und Wikipedia (en)
  • Unpacking the Visible Knapsack von Peggy McIntosh
  • “Weißsein und kritische Weißseinsforschung” von Susan Arndt – aus dem Sammelband Mythen, Masken und Subjekte
  • “weiß-sein” von diskus
  • “Der Weißheit letzter Schluss” von Eske Wollrad
  • stuff white people do“, ein Blog von macon d, der über sich schreibt: “I’m a white guy, trying to find out what that means. Especially the “white” part.” – die Post geben Reflexionen wieder und regen eigene an.
  • “Beyond White Guilt”, eine Livejournal-Community “where people who are active in anti-racism communities can share in our struggles against internalized relations of dominance/subordination / superiority/inferiority and look for ways to move beyond these. Unlike many approaches to anti-racism communities, this one will not focus solely on the “Other,” while leaving whiteness invisible and unchallenged. For white members, this will require a willingness to look at ourselves and our often unconscious investment in the systems of white supremacy. This effort is undertaken in the belief that widespread anti-racist social change will not occur until white people are willing to turn a reflexive, self-critical eye upon ourselves and the unearned privileges we receive (and/or perform upon others) on a daily basis. For People of Color, as well as for whites, we hope that this community can become a resource for allies, bridge-building, and the special quality known as “tough love,” in which we push each other toward being better people, better community members and better activists.”
  • Deutschland Schwarz Weiß” von Noah Sow
  • …u.v.m.

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 9. Februar 2010 von elb veröffentlicht. Die Kommentare zu diesem Eintrag lassen sich durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können den Beitrag kommentieren, oder einen Trackback auf ihrer Seite einrichten. Der Beitrag wurde folgenden Themen zugeordnet: , , , , .

.: Kommentare

Nutzungsbedingungen


  1. anglizismus des jahres 2012: die wahl läuft an! « lexikographieblog

    7.12.2012 | 23:52

    [...] ist aber so was von daneben, dass man sich fragt, wer das im 21. Jahrhundert überhaupt verwendet (siehe auch). Mein persönlicher Favorit, bis auf weiteres: Hipster (Wikipedia-Artikel von 2012; und nein, ich [...]

  2. sex

    12.10.2014 | 18:30

    sex…

    .: Diffusionen.de | Rassismus und die weiße Norm…

Kommentar verfassen:

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite