von sfr, 5.03.2010

Wie war das mit der einst von der APPD ausgerufenen Balkanisierung Deutschlands?

Auf dieser Unterscheidung beruht das Konzept der Balkanisierung, also der Trennung der verschiedenen Pogo-Rassen, da ein Leben in einer einzigen, gemeinsamen Gesellschaft nicht „artgerecht“ sei.

Vielmehr soll jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden, gemäß seinen Vorstellungen unter Seinesgleichen zu leben. Arbeitsscheue sollen so nicht zur Arbeit gezwungen werden, während Arbeitssüchtige nicht zur Arbeitslosigkeit verurteilt sein sollen. Da die verschiedenen Mentalitäten dieser beiden Pogo-Rassen häufig zu Konflikten und Missstimmung führten, sollen beide auch vom ständigen Anblick und Erleben der jeweils anderen Lebenshaltung bewahrt werden.

Des Weiteren dient die Balkanisierung auch dem Schutz der ersten beiden Pogorassen vor den Angehörigen der Pogo-Rasse der Gewalttäter.

“Bruder Barnabas” hat die Idee der Einrichtung einer “Asoziale- und Parasitenzone (APZ) für die Arbeitsscheuen” jetzt in seiner diesjährigen Fastenpredigt beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg aufgegriffen, allerdings in einer etwas weniger emanzipatorischen Variante  als bei der APPD. In Anspielung auf die jüngsten Äußerungen von Guido Westerwelle in der “Hartz-IV-Debatte” heißt es da:

Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drum rum ein Stacheldraht. Hamma schon mal ghabt Dann gibt’s jeden Tag eine Wassersuppn und an Kantn Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover. Und überm Eingang steht, bewacht von neoliberalen Ichlingen im Gelbhemd, in eisernen Lettern: “Leistung muss sich wieder lohnen.

(Zum Nachschauen gibt’s die Rede hier.)

Ich find’s ja ganz treffend zugespitzt, aber neben dem FDP-Chef ist nun auch die Noch-Vorsitzende des Zentralrats der Juden über die KZ-Anspielung verärgert. Es geht also mal wieder um die Frage, was Satire darf. Immerhin geht es bei dieser Veranstaltung traditionell recht deftig zu. Der Kabarettist Michael Lerchenberg (Barnabas) rechtfertigt sich jedenfalls so:

Es mag ein paar Sozialschmarotzer geben, aber das ist kein Grund, Millionen Menschen zu diskreditieren. Es gab schon mal Zeiten, da wurden die vermeintlich Arbeitsscheuen weggesperrt. Ich habe in der Fastenpredigt nur ein paar Schritte weitergedacht.

Und gegenüber dem Bayerischen Rundfunk:

Es fallen dann plötzlich wieder so ähnliche Begriffe wie ‘Arbeitsdienst’ oder ‘arbeitsscheu’. Das sind alles Begriffe, die wir auch kennen aus dem Nationalsozialismus. Das haben wir versucht, damit darzustellen. Wenn uns dies gründlich misslungen sein sollte, dann entschuldige ich mich dafür, aber unsere Absicht war mit Sicherheit eine ganz andere.

Inzwischen denkt die Paulaner-Brauerei als Veranstalter des Spektakels darüber nach, Lerchenberger als Bußprediger Barnabas abzulösen. Zwar sei die Passage vorab besprochen worden, aber man habe sie offenbar falsch eingeschätzt. Zudem habe der Schauspieler die Textstelle in seiner Rede “deutlich verschärft”.

Tja, bleibt nur noch zu klären, wo jetzt eigentlich der “Gewalterlebnispark (GEP)” hin soll. Eigentlich wären die “leeren verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge” dafür doch mindestens genauso gut geeignet wie als “Asoziale- und Parasitenzone” …

Der Beitrag wurde am Freitag, den 5. März 2010 von sfr veröffentlicht. Die Kommentare zu diesem Eintrag lassen sich durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können den Beitrag kommentieren, oder einen Trackback auf ihrer Seite einrichten. Der Beitrag wurde folgenden Themen zugeordnet: , , , , .

.: Kommentare

Nutzungsbedingungen


  1. ska

    8.03.2010 | 08:30

    ich finde das eine sehr passende satire.  die echoes der vergangenheit, die in der aufforderung zum arbeiten als gesellschaftliche pflichtaufgabe sich manfestieren, sind doch offensichtlich. allerdings sind diese echoes viel älter, als sie in der aktuellen debatte diskutiert werden. oder woher kommen “arbeitshäuser” und ähnliche institutionen zur “behandlung” von menschen, die nicht arbeiten wollten; diese sind erfindungen des 17. u. 18. jahrhunderts.  die steigerung und rassistische aufladung dieses arbeitsfetisches im deutschen faschismus ist sicher einzigartig. ihre kontingenten vorläufer sind aber schon in den ambivalenzen der moderne vorzufinden (vgl. u. a. die bücher von zymunt bauman, “moderne und ambivalenz” und “dialektik der ordnung”).
    dass die vorsitzende des  zentralrats der juden sich über eine solche bemerkung beschwert, kann aus der perspektive der opfer und betroffenen sicher mehr als akzeptiert werden. das verdient den nötigen respekt
    beim genaueren lesen finde ich aber hat in diesen fall der kabarettist recht, auf die oben beschriebenen kontinuitäten eines ordnungsdenkens und arbeitswahns hinzuweisen. denn diese kontinuitäten sind ja das problem, und nicht die vermeintlich oder sogar auch wirklich unangemessene polemik. knobloch hat also aus meiner sicht eigentlich einen verbündeten in lerchenberg, der leider nicht gesehen wird. aber dies ist auch eine frage, a) was als problem anerkannt wird und b) sogar, wie wir faschismus und seine aktuellen postfaschistischen auswirkungen interpretieren.

Kommentar verfassen:

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Webseite