von sfr, 28.04.2011

Aus aktuellem Anlass ein Hinweis auf das Büchlein “Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin” von Volker Weiß.

Eine ausführliche Rezension findet sich beim NPD-Blog. Darin heißt es u.a.:

Der Hamburger Historiker und Publizist Volker Weiß hat mit dem Buch “Deutschlands Neue Rechte – Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin” einen äußerst lesenswerten und erhellenden Beitrag zu der sogenannten Sarrazin-Debatte veröffentlicht. Weiß untersucht die deutsche Untergangsliteratur seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und fördert aufschlussreiche Details ans Tageslicht.

So wird deutlich, dass Sarrazins Texte Beispiele eines Phänomens sind, das sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer wieder finden lasse – nämlich “die Beschwörung des Untergangs der eigenen Kultur, meist in Verbindung mit demographischen Berechnungen und dem Ruf nach einer starken Elite” (S. 11). Aus dem konservativen Klagen vom allgemeinen Sittenverfall sei bereits am Ende des 19. Jahrhunderts “das Verlangen nach einer offensiven Abwehr der Moderne” (S. 12) gewachsen, analysiert Weiß. Er verweist beispielsweise auf die Erstpublikation von Oswald Spengler “Untergang des Abendlandes” aus dem Jahr 1918, in dem die gleichen Symptome des Verfalls aufgeführt würden wie bei Sarrazin: Vermassung, Dekadenz und Verlust der eigenen Identität. Auch die vorgeschlagenen Heilmittel gleichen sich demnach: die “Stärkung” der Nation durch Opfergang und Disziplinierung der Masse bei Absonderung des “sozialen Ballasts” und Herausbildung einer nationalen Elite. [...]

Sarrazins “revolutionäre” Erkenntnisse bestünden vor allem in dem Auftragen historisch längst desavouierter Denkweisen, urteilt der Autor. Diese führten stets zur Forderung nach der Herausbildung einer zur Herrschaft berufenen Elite. Der Verweis auf angeborene Dummheit der unteren Schichten diente allerdings als Herrschaftsargument privilegierter Gruppen, das “müsste dem Sozialdemokraten Sarrazin aus der eigenen Parteigeschichte bekannt sein” (S. 117). Mit dieser Denkfigur verlasse Sarrazin bereits dem Rahmen des sozialdemokratischen Diskurses. Zudem werde das gesellschaftliche Klima für Migranten in Deutschland noch schlechter, so dass die hochqualifizierten Deutsch-Türken das Land verlassen, wie bereits zu beobachten ist, Sarrazin erreiche damit das Gegenteil von dem, was er vorgebe, erreichen zu wollen.

Sarrazin habe viel mehr eine Debatte in den Mainstream eingeführt, die zuvor jahrzehntelang ausschließlich am rechten Rand geführt worden sei, meint Weiß. Der angestoßene Diskurs habe damit Kreise erreicht, die etwa die NPD niemals hätte ansprechen können. Die Angst vor der Verdummung werde dabei auch von den integrierten Hauptakteuren der Verdummung vorgetragen, so Weiß, also von BILD bis RTL2. Die Untergangspropheten seien eng im Bunde mit jenen, vor denen sie warnen. Auf diese Neue Rechte müsse sich die Gesellschaft künftig einstellen, bilanziert der Autor.

Hier ein Interview mit Volker Weiß, in der er die so genannte Sarrazin-Debatte als ziemlich langweilig bezeichnet, da der sozialdemokratische Bestseller-Autor zum Teil aus dem späten 19. Jahrhundert stammende Thesen und Motive aufwärmt. Warum Weiß’ Essay dann aber den Titel “Deutschlands Neue Rechte” tragen muss, weiß wahrscheinlich nur der Verlag.

Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 28. April 2011 von sfr veröffentlicht. Die Kommentare zu diesem Eintrag lassen sich durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können den Beitrag kommentieren, oder einen Trackback auf ihrer Seite einrichten. Der Beitrag wurde folgenden Themen zugeordnet: , , , , , , .

.: Kommentare

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  1. sfr

    2.07.2011 | 15:59

    Bei “Endstation Rechts” wird das Weiß-Buch von Matthias Brodkorb besprochen und kritisiert. Daraufhin hat sich in den Kommantaren einen vielfältige Diskussion ergeben.

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