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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Bildung</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Making up Rassismus! – und ein Plädoyer für den „unwiss&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:37:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Rancière]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon   viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so   zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt   stellen.
Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische   Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon   viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so   zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt   stellen.</p>
<p>Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische   Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu kann man auf die   Ideen von Ian Hacking zurückgreifen, der in seinem Essay „<a href="http://www.generation-online.org/c/fcbiopolitics2.htm">Making up   People</a>“ auf sehr interessante Weise zeigt, wie Personengruppen gemacht,   also definiert, klassifiziert, quantifiziert, normiert etc. werden. Genau das   hat auch Sarrazin auf nahezu perfekte Weise hinbekommen.</p>
<p>Er hat das   vollzogen, was Hacking beschreibt: <em>„More generally, we try to biologise, to   recognise a biological foundation for the problems that beset a class of   people“</em>. Sarrazins Argumentation wirkt wie ein Begehren nach einer   biologisch und genetisch einwandfrei verstehbaren Welt, auf deren Grundlage   und durch das Wissen ihrer Funktionsweisen man ganz einfach steuern und   Probleme lösen kann. Nur wird diese Welt eben nicht durch diesen   biologistischen und genetisierten Blick einer adäquaten Analyse vollzogen,   sondern sie wird – inklusive der Menschen und ihrer Probleme – erst durch   diesen Blick erschaffen. Und so erschafft sich auch der Rassismus von   Sarrazin selbst. In dem er die vermeintlichen Probleme erzeugt, definiert,   ordnet und schließlich lösen will.</p>
<p>Dass diese Welt nicht so funktioniert, kann jede Person jeden Tag erleben,   wenn sie sich den Realitäten stellt und mit dem Blick für Ambivalenzen,   Uneindeutigkeiten und Kontingenzen eine andere Welt erschafft.</p>
<p>Daran schließt sich noch ein <em>weiterer Punkt</em> an, der in der   Debatte um die Thesen von Sarrazin nicht so im Fokus steht. Gemeint ist die   Frage der Entwicklung von Bildung und Wissen in unser heutigen Welt. Bei   Sarrazin muss man das Gefühl haben, dass der Zugang zu Bildung und das   Verstehen von Welt sich biologisch und sogar genetisch vermittelt. Das   heißt, dass das Ideal der Gleichheit der Menschen und der Gleicheit der   Chancen hier in tausend Stücke zerfällt.</p>
<p>Dieser Sichtweise, dass sich “Intelligenz” und Bildung genetisch   entwickeln und determinieren, kann man eine ganz andere Position   entgegenstellen. Sie stammt vom französischen Philosophen Jacques   Rancière, der sie in seinem Buch “Der unwissende Lehrmeister”   ausgebreitet hat. Ausgehend von seiner engagierten Darstellung der   historischen Figur Joseph Jacotot, eines universitäten Lehrbeauftragten in   den Niedelanden des 19. Jahrhunderts, macht Rancière daraus ein Plädoyer   für ein Lernen und Lehren ohne elitären Habitus. Dazu gehört ebenso das   Wissen um die Gleichheit aller Menschen. Ohne biologistische Zwangsbrille und   genetisch-deterministisches Weltbild auskommend, zeigt diese Sicht auf die   Menschen, dass die Möglichkeiten für Lernen und die Emanzipation durch   Bildung erst einmal alle gleich in allen Menschen vorzufinden sind. Wichtig   ist nur, diese Möglichkeiten zu fördern – was weder die aktuelle   Bildungslandschaft noch die Debatten über Migration und “Unterschicht”   tun.</p>
<p>Dazu Rancière: <em>“Man hat keine besonderen pädagogischen Leistungen   von einem emanzipierten Gärtner zu erwarten oder überhaupt von einem   unwissenden Lehrmeister. Was ein Empanzipierter wesentlich kann, ist,   Emanzipierender zu sein: nicht den Schlüssel zum Wissen geben, sondern das   Bewusstsein davon, was eine Intelligenz sein kann, wenn sie sich allen   anderen gleich und jeden anderen als ihr gleich betrachtet.”</em></p>
<p>Eine solche Position suchen wir bei Sarrazin und Co. vergeblich. Sie   glauben zu wissen, aber letztendlich stehen sie einer intellektuellen und   gesellschaftlichen Emanzipation fundamental entgegen.</p>
<p>[Auch erschienen als Editorial unseres Newsletters vom September 2010]</p>
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		<title>Zur Kritik der &#8220;kreativen Klasse&#8221;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/07/16/zur-kritik-der-kreativen-klasse/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 08:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
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		<category><![CDATA[soziale Klasse]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine neue Klasse geistert herum in dieser Gesellschaft, die &#8220;kreative Klasse&#8220;. Allerdings muss, so scheint es zumindest, keine_r Angst entwickeln zu müssen vor diesem Gespenst. Denn alle lieben diese Klasse: Sie ist &#8220;kreativ&#8221; schon im Begriff, etwas, was wir doch alle sind bzw. sein wollen (siehe den Artikel &#8220;Kreativität&#8221; von Ulrich Bröckling im Glossar der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine neue Klasse geistert herum in dieser Gesellschaft, die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kreative_Klasse">kreative Klasse</a>&#8220;. Allerdings muss, so scheint es zumindest, keine_r Angst entwickeln zu müssen vor diesem Gespenst. Denn alle lieben diese Klasse: Sie ist &#8220;kreativ&#8221; schon im Begriff, etwas, was wir doch alle sind bzw. sein wollen (siehe den Artikel &#8220;Kreativität&#8221; von Ulrich Bröckling im <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/glossar_der_gegenwart-_12381.html">Glossar der Gegenwart</a>).</p>
<p>Und sie ist ökonomisch ausdrückbar, was meint, dass sie Nutzen bringen kann für Unternehmen, nationalökonomische Zusammenhänge usw. Die Subjekte, sofern sie sich als &#8220;Unternehmerisches Selbst&#8221; (Ulrich Bröckling) verstehen, können in ihren Arbeits- und Lebenszusammenhängen etwas &#8220;schaffen&#8221; &#8211; für sich und diese Gesellschaft.</p>
<p>Aber was meint hier eigentlich kreativ im Kontext einer Klasse? Das erscheint mir doch sehr wie ein bekanntes Ab- und Ausgrenzungsspiel.</p>
<p>Das erinnert an die symbolischen und materiellen Ausgrenzungskämpfe a la &#8220;abgehängtes Prekariat&#8221; und &#8220;Unterschicht&#8221;, denen ihr kulturelles Kapitel durchgegangen ist und die qua Habitus zu quasi unrettbaren Subjekten für unsere produktive &#8220;Gesellschaft mit beschränkter Haftung&#8221; gemacht wurden. Ein <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/:Unterschicht-Das-Elend/533666.html">wahres Elend</a>, wie es ein Arikel von Walter Wüllenweber zutreffend konstruiert.</p>
<p>Und es erinnert an die Anfänge und Zeiten des Fordismus zu Beginn des letzten Jahrhunderts, in der auf der grundlage tayloristischer Arbeitsorganisation plötzlich den Facharbeiter_innen ihre Kompetenzen bei der Gestaltung der Arbeit und ihrer Produkte entzogen wurden. Hier liegt taucht der Manager als Figur der Fabrik- und Arbeitsorganisation, und nicht zuletzt der Entmachtung der Arbeiter_innen in der Geschichte auf.</p>
<p>Die Trennung zwischen &#8220;Geistige[r] und körperliche[r] Arbeit&#8221;, die schon <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Sohn-Rethel#Werke">Alfred Sohn-Rethel </a>problematisiert hat, schein heutzutage ein update zu erfahren.</p>
<p>Oder wir könnten die Tätigkeitstheorien nach L. S. Wygotsky oder A. N. Leontjew in eine theoriepolitische Stellung bringen, die ebenfalls bezweifeln, dass sich Denken und Handeln so einfach trennen lassen.</p>
<p>Aber lassen wir das Rumgemäkel. Lassen wir die Texte zu uns sprechen. Es gibt, um diese zu finden, bereits ein eigenes Internetportal für &#8220;die Kreativen&#8221;: <a href="http://www.kreativwirtschaft-deutschland.de/">Kreativwirtschaft Deutschland </a>heißt es. Unter &#8220;Über uns&#8221; ist zu lesen:</p>
<blockquote>
<p style="0px;" dir="ltr"><strong><span style="#447ea2;">&#8220;Unser Ziel ist es, Kultur und Kreativität als Wirtschaftsfaktor verständlicher und bekannter zu machen. </span></strong></p>
<p style="0px;" dir="ltr">Bernd Fesel: &#8220;Aus 15 Jahren Berufspraxis &#8211; im Kunstmarkt als Galerist, im Deutschen Bundestag als Lobbyist für die Kunst und Kultur sowie im Sponsoring in fast allen Branchen der Kultur &#8211; weiß ich, dass die Vermittlung der verschiedenen Welten von Kultur und Wirtschaft unter Erhaltung ihrer jeweiligen Identität eine ständige Aufgabe ist. 2003 gab es dafür weder ein bundesweit öffentliches Fachforum noch eine Priorität auf der politischen Agenda. Dies zu ändern, war meine Motivation das Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft zu gründen. Nicht zu letzt aus meinen Doppel-Studium der Volkswirtschaftslehre (Diplom) und der Philosophie (Magister) war die Verbindung von Wirtschaft und Werte theoretisch und persönlich vertraut.&#8221;</p>
<p><strong>Unser Credo:<br />
</strong>Die Verbindung von Kulturpolitik und Kulturwirtschaft wie von Kultur und Wirtschaft, das Schnittstellen-Management und die damit verbundene Sprach-Übersetzung ist der rote Faden für die Arbeit des Büros für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft.&#8221;</p></blockquote>
<p>Aha. Kultur und Kreativität als Wirtschaftsfaktor verständlicher und bekannter machen. Ein Glück, der Text trennt Kultur von der Kreativität, nachher käme noch eine auf eine Klageidee, dass das eben nicht das Gleiche ist. Naja, und verstehen &#8230; das ist immer gut. und Wirtschaftsfaktor &#8230; klasse! Bin dafür.</p>
<p>Und es geht noch weiter, mit richtigen Definitionen:</p>
<blockquote><p><span style="#447ea2;"><strong>&#8220;Unsere Perspektive</strong><br />
</span>Der Begriff Kulturwirtschaft bzw. Kreativwirtschaft wird von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen verwandt und erforscht &#8211; immer mit anderen Konotationen. Unsere Perspektive orientiert sich am Selbstverständnis der Kulturunternehmer, nicht einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin. Vielmehr werden diese wie in einem &#8220;tool box&#8221; herangezogen, um verschiedene Phänomene in der Kulturwirtschaft mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen.</p>
<p>Zunächst ist wichtig zu sehen, dass der Begriff meistens heute nicht (mehr) im Sinne der Kritik Adornos an der industrialisierten Produktion von Kultur gebraucht wird. Unverändert wird der Begriff jedoch vielfach als &#8220;Kritik&#8221; verwandt, um eine falsche Ökonomisierung nicht-ökonomischer Produkte bzw. Prozesse zu kennzeichnen. Auch dient der Begriff vielen dazu, das Engagement von Sponsoren aus der Industrie für die Kultur zu bezeichnen. Auch diese Perspektiven sind mit dem seit 2004 verwandten Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht gemeint.</p>
<p><span style="#447ea2;"><strong>Definitionsansatz</strong><br />
</span>Kultur- und Kreativwirtschaft meint demnach alle Aktivitäten zur Herstellung und zum Vertrieb von Kulturprodukten mit dem Ziel Geld zu verdienen. Dies umfaßt das Kommissions- wie auch das Lizenzgeschäft und das Urheberrecht als dem wesentlichen Marktordnungsgesetz. Damit ist zugleich klar: Kulturwirtschaft ist keine neue Branche oder Tätigkeit, sondern ist seit Jahrtausenden bekannt.</p>
<p>Heute gibt es in Europa eine Vielzahl von Ansätzen, wie man Kultur und Kreativität als Wirtschaftstätigkeit verstehen und interpretieren kann. In einem Vortrag auf der 4. Jahrestagung Kulturwirtschaft hat Joachim Geppert dazu einen kompakten Überblick gegeben.</p>
<p><a href="http://www.kreativwirtschaft-deutschland.de/LinkClick.aspx?fileticket=TEQZQwu6nlQ%3d&amp;tabid=100" target="_blank"></a><span style="#0000ff;"><strong><span style="#447ea2;">Was sind Kulturgüter im Unterschied zu Industriegütern?</span></strong><br />
</span>Aus unserer Sicht ist der Kern der Kulturwirtschaft, dass Kulturgüter handelbare Wirtschaftsgüter sind, dessen Ziel nicht Gewinnerzielungsabsicht ist. Und dies bei der Entstehung wie beim internationalen Marken-Durchbruch. Kulturprodukte haben bzw. behalten eine kulturelle Identität, die durch den Markt nicht erodiert &#8211; wenn sie auch zweifelsfrei in einem Spannungsverhältnis dazu steht. Erodiert die kulturelle Identität, ist es kein Kulturprodukt mehr.</p>
<p>Für solche Kulturgüter gibt es eigene Marktgesetze, die auch die Volkswirtschaft mit den Ansätzen &#8220;Öffentliche Güter&#8221;, Spieltheorie und Neue Institutionen Ökonomie erforscht hat. Danach sind Kulturprodukte &#8211; im Unterschied zu Industriegüter &#8211; keine Erfahrungsgüter, sondern <span style="#447ea2;"><strong>Vertrauensgüter</strong>.</span> Vielfach überascht auch, dass gerade die ökonomische Theorie die öffentliche Finanzierung von Kultur wirtschaftlich begründen kann.&#8221;</p></blockquote>
<p><em><strong>Zunächst</strong></em>: Adorno und Kritik sind out. Schade eigentlich. Naja, man kann nicht alles haben.</p>
<p><strong><em>Zweitens</em></strong>: Diese Leute sind rafinierte Postmoderne: Sie nutzen den Begriff &#8220;Der Begriff Kulturwirtschaft bzw. Kreativwirtschaft&#8221;, wie es ihnen passt. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pippi_Langstrumpf">Pippi Langstrumpf</a>scher Manier (&#8220;wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt&#8221;) orieniert sich deren &#8220;Perspektive &#8230; am Selbstverständnis der Kulturunternehmer, nicht einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin&#8221;. Denn die Begriffe &#8220;werden .. wie in einem &#8216;tool box&#8217; herangezogen, um verschiedene Phänomene in der Kulturwirtschaft mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen&#8221;. Super, Eklektizismus in Reinform. Ich werde noch &#8220;Fan&#8221; von dieser Kreativwirtschaft bei Facebook, aber zumindest möchte ich sie als &#8220;Freund&#8221; haben.</p>
<p><strong><em>Drittens</em></strong>: &#8220;Kulturprodukte haben bzw. behalten eine kulturelle Identität&#8221;. Ähem &#8230; was ist das nun wieder, eine kulturelle Identität. Wusste ich noch gar nicht, das es sowas gibt &#8230; muss ich beizeiten mal bedenken.</p>
<p><em><strong>Viertens</strong></em>: Theorien erklären die Welt, Teil ???: In unserem Fall &#8220;die Volkswirtschaft mit den Ansätzen &#8216;Öffentliche Güter&#8217;, Spieltheorie und Neue Institutionen Ökonomie&#8221; haben was &#8220;erforscht&#8221; und bestätigen: &#8220;Danach sind Kulturprodukte &#8211; im Unterschied zu Industriegüter &#8211; keine Erfahrungsgüter, sondern <span style="#447ea2;"><strong>Vertrauensgüter</strong>.</span> Vielfach überascht auch, dass gerade die ökonomische Theorie die öffentliche Finanzierung von Kultur wirtschaftlich begründen kann.&#8221; Was machen affirmative Theorien sonst, wenn nicht begründen, was sie erforschen sollen &#8211; oder? Ach, ich bin ganz durcheinander &#8230; das viele Kreative ist mir zu Kopf gestiegen. Oder doch in den Körper &#8230;?</p>
<p>Alles Kreativ, oder was? Wohl eher alles Machtspiele, Distinktionskämpfe und halbgares Popökonomisieren! Ach, Karl, lass analytischen und kreativen Verstand regnen &#8230;</p>
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		<title>Was lustig gemeint ist, kann nicht rassistisch sein</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 18:10:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotype]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kampagne <a href="http://www.studieren-in-fernost.de">"Studieren in Fernost" </a>soll Abiturient_innen für ein Studium an ostdeutschen Universitäten begeistern. Weil "neue Bundesländer" nicht sexy genug klingt, wird in die Exotismus-Schublade gegriffen. "Fernost" klingt nach Kultur, Exotik, wohlchoreografierten Kampfsportszenen, Gongs und Geishas... und nach Boom, Wirtschaftswachstum, Zukunft gepaart mit uralten Wissenskulturen. Was wäre also besser geeignet, um jungen Menschen aus den alten Bundesländern ein Studium im "Osten" schmackhaft zu machen und bei ihnen "oft noch vorhandene Vorbehalte zu entkräften"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kampagne <a href="http://www.studieren-in-fernost.de">&#8220;Studieren in Fernost&#8221; </a>soll Abiturient_innen für ein Studium an ostdeutschen Universitäten begeistern. Weil &#8220;neue Bundesländer&#8221; nicht sexy genug klingt, wird in die Exotismus-Schublade gegriffen. &#8220;Fernost&#8221; klingt nach Kultur, Exotik, wohlchoreografierten Kampfsportszenen, Gongs und Geishas&#8230; und nach Boom, Wirtschaftswachstum, Zukunft gepaart mit uralten Wissenskulturen. Was wäre also besser geeignet, um jungen Menschen aus den alten Bundesländern ein Studium im &#8220;Osten&#8221; schmackhaft zu machen und bei ihnen &#8220;oft noch vorhandene Vorbehalte zu entkräften&#8221;?</p>
<p>Vielleicht dachte sich das die <a href="http://www.hochschulinitiative.de/">&#8220;Hochschulinitiative Neue Bundesländer&#8221;</a> so ähnlich, als sie sich für das Konzept der Agentur Scholz&amp;Friends entschied. Die Kampagne arbeitet außerdem mit <a href="http://www.schuelervz.net/studiereninfernost">schülerVZ</a> zusammen und wurde unter anderem für diese innovative Kooperation am 9. Juni 2009 mit dem Deutschen Multimedia Award (DMMA) <a href="http://www.s-f.com/agenda/Press/tabid/224/Default.aspx?id=1537">ausgezeichnet</a>. Finanziert wird die Kampagne durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Kampagne ist also zumindest als solche erfolgreich.</p>
<p>Auch wenn die Website &#8220;nur ein kleiner Teil&#8221; der Kampagne ist, dürften das Logo und die Hochschulfilme auf der grellfarbigen Website für die Wahrnehmung der Gesamtkampagne eine große Rolle spielen. Beginnen wir also mit dem Logo.</p>
<p style="text-align: center;"><img style="float: left;" src="http://www.stura.tu-chemnitz.de/redaks_img/273/logo_fernost.jpeg" alt="" width="292" height="149" /></p>
<p>Lustig soll es sein. Es geht um die Neuen Bundesländer und &#8220;Vorbehalte&#8221; sollen &#8220;abgebaut&#8221; werden. Also passt Zonen-Gabi nicht so ganz. Könnte sich außerdem jemand auf den Schlips getreten fühlen. Und grau sollte das Logo auch nicht sein (oder gar braun), denn: der Osten ist bunt, jawoll. Mal brainstormen&#8230; Fernost&#8230; was fällt uns da ein&#8230; die naheliegende Lösung: stilisierte Schlitzaugen! Einmal in rosa, einmal in blau! Einmal mit einem traurigen und einmal mit einem lachenden Strichmund! Und damit die Fernost-Referenz niemandem entgeht, bekommen die beiden als Körper diese lustigen Schriftzeichen, mit denen da in Fernost geschrieben wird.</p>
<p>Ein Logo hat die Kampagne also schon. Jetzt muss noch aufgepasst werden, dass die Hochschulfilme nicht zu dröge oder informativ daherkommen. Am besten brauchen wir zwei lustige Menschen, die uns durch die Videos führen. Die könnten ja ein bisschen fernöstlich aussehen. Und so fernöstliche Namen haben. Wie wäre es mit Gang und Dong? In den <a href="http://www.studieren-in-fernost.de/category/filme/">Videos</a>, die jeweils eine Universität präsentieren, fahren Gang und Dong in einem grellbunten Kleinbus und zu einem irgendwie asiatisch klingendem Jingle durch ostdeutsche Hochschulstädte. Sie verhalten sich ziemlich clownesk, ziehen sich schrill an und bedienen so einige Klischees. Eher konservativ gekleidet werben sie auch für die Studiensuchmaschine:</p>
<p style="text-align: center;"><img style="float: center; margin-left: 10px; margin-right: 10px;" src="http://www.hochschulinitiative.de/content/de/kampagne/massnahmen/detailContentCollection/00/text_files/file0/maschine.jpg" alt="" width="277" height="277" /></p>
<p>Abgesehen davon, wie die Aufmerksamkeitsstrukturen von Jugendlichen eingeschätzt werden und die Kriterien, nach denen sie ihre Universität wählen; abgesehen davon, dass die Kampagne &#8211; wie die Konferenzen Sächsischer und Thüringer Studierendenschaften <a href="http://www.stura.uni-leipzig.de/kss-cms/fileadmin/kss/pressemitteilungen/2009/PM_11_2009_090402_Studieren_in_FernOst_ist_Geldverschwendung.pdf">kritisierten</a> &#8211; eine Geldverschwendung ist und lieber in bessere Studienbedingungen investiert werden sollte; abgesehen davon, dass die Idee mit den &#8220;Campusexperten&#8221; gut ist; abgesehen davon, dass ich auch nicht weiß, wie man eine solche Kampagne &#8220;gut&#8221; machen sollte: <strong>Finden es denn wirklich alle OK, Charaktere, die Gang und Dong heißen, als wandelnde Klischees und Spaßvögel durch die Filmchen stolpern zu lassen?</strong></p>
<p><a href="http://www.hochschulinitiative.de/content/de/kampagne/massnahmen/detailContentCollection/00/text_files/file0/maschine.jpg">&#8220;Portraying Asian People as Ridiculous&#8221;</a>, so der Titel eines Posts auf <a href="http://contexts.org/socimages">Sociological Images</a>, kritisiert einen US-amerikanischen Fastfood-Werbespot, der ostasiatische Männer in einer ähnlichen Weise einsetzt (Sociological Images hat übrigens auch besser durchdachte Posts zu bieten und ist generell sehr empfehlenswert!). Und macon d von <a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com/">stuff white people do</a> hat vor kurzem zu einem ähnlichen Thema gepostet: &#8220;<a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com/2009/06/spice-up-blandly-white-entertainment.html">spice up blandly white entertainment with bizarre asian characters</a>&#8220;. Wie man in seinem Post lesen kann, hat diese Darstellungsweise Tradition.</p>
<p>&#8220;Humor&#8221; und &#8220;Ironie&#8221; machen aus Stereotypen nicht automatisch harmlose Späßchen&#8230; &#8220;war doch nur Spaß&#8221; ist ein häufiger Abwehrreflex, um sich nicht mit Rassismen, Sexismen etc. auseinanderzusetzen. Eine öffentlich finanzierte Kampagne, die völlig ohne Not die Exotismus-Karte zieht, muss sich zumindest fragen lassen, warum. Meiner Ansicht nach gehört sie auch aus diesem Grund kritisiert. Was meinen andere?</p>
<p>Achtteilige Serie von Sociological Images zu &#8220;People of Color&#8221; in der Werbung: <a href="http://contexts.org/socimages/2008/05/18/why-and-how-people-of-color-are-included-in-advertising-first-in-a-series/">hier</a></p>
<p><strong>Update</strong>:</p>
<p>Auf &#8220;Sociological Images&#8221; hat sich einer der Macher von &#8220;Studieren in Fernost&#8221; zur Kritik geäußert. Hier der <a href="http://contexts.org/socimages/2009/06/17/portraying-asian-people-as-ridiculous/#comment-63989">Link zum gesamten Kommentar</a>.</p>
<p>Ein paar Sätze würde ich gern herausgreifen:</p>
<blockquote><p>&#8220;The campaign uses well-known stereotypes about Asia in order to draw attention to less obvious stereotypes about eastern Germany. We want young people to re-think (or unthink^^) their notion of what is an exciting region in the heart of Europe with lots of excellent opportunities for studying and living. It only works if people recognise these stereotypes as such. The feedback we get from young Germans with Asian origin and from young people in Japan is very encouraging.&#8221;</p></blockquote>
<p>Also bleibt es dabei: Stereotype sollen mit Stereotypen bekämpft werden. Dahingehend bleibt meine Kritik bestehen. Den obigen Verweis auf die Traditionen, an die mit der Verwendung bestimmter stereotypischer Darstellungen möglicherweise angeknüpft wird, möchte ich wiederholen. Zur (humoristischen) Bekämpfung von Stereotypen gibt es schließlich immer auch die Mittel der Überzeichnung oder der Selbstironie. Die zitierte Argumentation überzeugt mich nicht.</p>
<p>Der letzte Satz spricht ein Thema an, das ich in meinem Post nicht erwähnt hatte. Ich will mir nicht anmaßen, im Namen anderer zu bestimmen, was rassistisch ist. &#8220;Missionieren Sie nicht im Namen anderer&#8221;, schriebt Noah Sow in ihrem Buch<a href="http://www.deutschlandschwarzweiss.de/"> &#8220;Deutschland Schwarz Weiß&#8221;</a> &#8211; mich ertappt fühlend, versuche ich, das zu unterlassen. Daher habe ich absichtlich vermieden, die Kampagne als rassistisch zu kritisieren, und statt dessen &#8211; mit kritischem Blick, versteht sich &#8211; eine Frage gestellt.</p>
<p>Die ich nun erweitern möchte: Stereotype über eine Gruppe dazu verwenden, vermeintlich &#8220;weniger offensichtliche&#8221; Stereotype aufzudecken &#8211; kann das funktionieren? Und angenommen es funktionierte: macht das den Gebrauch der Stereotype OK?</p>
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		<title>Endlich (mehr) Sicherheit?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/06/24/endlich-mehr-sicherheit/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 07:33:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf Deutschland Radio Kultur lief gestern ein interessanter Beitrag zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221;.
Unter der Überschrift &#8220;Vom Bürgerrecht zur Ware? Sicherheit wird zur Boombranche&#8221; dreht sich der Beitrag vor allem um private Sicherheitsdienste und -Unternehmen, und deren Möglichkeiten der Überwachung des Gesellschaftlichen. Hier der Teaser zum Beitrag:
Überall entstehen Sicherheitsunternehmen, die mit Techniken und Möglichkeiten ausgestattet sind, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf Deutschland Radio Kultur lief gestern ein interessanter Beitrag zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221;.</p>
<p>Unter der Überschrift &#8220;<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/979193/">Vom Bürgerrecht zur Ware?</a> Sicherheit wird zur Boombranche&#8221; dreht sich der Beitrag vor allem um private Sicherheitsdienste und -Unternehmen, und deren Möglichkeiten der Überwachung des Gesellschaftlichen. Hier der Teaser zum Beitrag:</p>
<blockquote><p><strong>Überall entstehen Sicherheitsunternehmen, die mit Techniken und Möglichkeiten ausgestattet sind, die früher nur Geheimdiensten und Staatsorganen zur Verfügung standen. Dass das ein Problem sein kann, haben zuletzt die Bespitzelungsaffären bei der Telekom und der Bahn gezeigt.<br />
</strong></p>
<p>Generell hat die Überwachung von Mitarbeitern am Arbeitsplatz permanent zugenommen. Sei es, dass Supermarktangestellte ausgehorcht und beobachtet werden, sei es, dass der E-Mail-Verkehr am Schreibtisch gescannt und ausgewertet wird. Dabei geht es nicht um Einzelfälle, bei denen ein konkreter Korruptions- oder sonstiger Missbrauchsverdacht vorliegt, sondern um flächendeckende systematische Überwachung, die durch die neuen Techniken erst möglich geworden ist.</p>
<p>Würde der Staat so auftreten, wäre allgemeine Empörung groß, privaten Unternehmen scheint man das eher zu verzeihen. Das liegt auch daran, dass sich der Staat aus manchen sicherheitsrelevanten Bereichen vollkommen zurückgezogen hat. So ist etwa der Schutz des Postgeheimnisses im elektronischen Datenverkehr komplett an Private (Norton, Antivir etc.) ausgelagert. Das wird merkwürdigerweise kaum als Problem wahrgenommen. Doch man stelle sich vor, was los wäre, wenn kriminelle Organisationen in Deutschland jeden Tag tausende von Briefkästen aufbrechen würden, um sich Zugang zur Post zu verschafften. Den Hinweis, dass die Bürger ihre Post mit Hilfe privater Unternehmen halt richtig &#8220;schützen&#8221; müssten, würde man wohl kaum akzeptieren.</p></blockquote>
<p>Hier auch der <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/22/drk_20090622_1930_fac2384c.mp3">Link zum Podcast</a>. Empfohlen wir in dem Kontext des Beitrages auch das Buch <a href="http://books.google.de/books?id=oIpkFAqE85wC&amp;printsec=frontcover">Private Sicherheitsdienste im öffentlichen Raum</a> von Benno Kirsch.</p>
<p>Eine Leseempfehlung von mir zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221; in all seinen globalen, vermeintlich abstrakten, Auswirkungen und Materialisierungen: Das Buch &#8220;<a href="http://www.transcript-verlag.de/ts631/ts631.php">Gouvernementalität der Sicherheit</a>. Zeitdiagnostische Beiträge im Anschluss an Foucault&#8221;, Transcript: Bielefeld 2009.</p>
<p>Besonders schön ist die Aufmachung des Umschlages, in der in kleinen bildern klar wird, gegen &#8220;was&#8221; wir ver-sichert werden müssen, also in dem Fall ein &#8220;Tempel der Macht&#8221;, der gegen &#8220;Erdbeben, Atomrisiken, Molotow-Cocktails und Bomben geschützt werden muss.</p>
<p><img src="/Stefan/meine%20bilder/anne%20mehrer/eltern/ts631g.jpg" alt="" /></p>
<p><img src="/DOKUME~1/SKAENW~1.NET/LOKALE~1/Temp/moz-screenshot.jpg" alt="" /><img src="/DOKUME~1/SKAENW~1.NET/LOKALE~1/Temp/moz-screenshot-1.jpg" alt="" /></p>
<p>Also das heutige Motto ordentlich einbimsen: Einmal <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/11549.html">Ent-Sichern</a>, bitte!</p>
<p>[27.6.09] Und zur Ergänzung der Kritik des  Sicherheitsdenkens hier noch ein <a href="http://www.spw.on.spirito.de/data/spw147_einleitung_schwerpunkt.pdf?pid=87">Artikel aus der spw &#8211; </a>zeitschrift für politik und wirtschaft. Dabei wird die &#8220;Politik der Sicherheit&#8221; mit der &#8220;Unsicherheit der Intellektuellen&#8221; kontrastiert. Es geht um Überlegungen zu intellektueller, zeitgemässer Tätigkeit, die kritisch die Geschichte der Gegenwart befragt. zuerst veröffentlicht in spw nr. 147, Jg. 2006, S. 19-21</p>
<p><strong>Politik der Sicherheit – Unsicherheit der Intellektuellen<br />
</strong></p>
<p><em><strong>Zum Risiko einer Wahrheitspolitik der epistemologischen Infragestellungen<br />
</strong></em></p>
<p>Wie hängen die politische Auseinandersetzung um Sicherheit, die Unsicherheit kritischwissenschaftlicher<br />
Praxis und eine Verunsicherung unserer Ordnung des Denkens zusammen?<br />
Diese auf den ersten Blick entfernten gesellschaftlichen Felder möchten die folgenden<br />
Ausführungen miteinander verweben. Ausgehend von der Diskussion von Alternativen des<br />
politischen Umgangs mit dem Thema Sicherheit führen die Überlegungen in einen zu einem<br />
historischen Bezug zwischen der Etablierung des modernen Staates und dem Sicherheits-<br />
Denken. Darauf aufbauend wird versucht, eine Perspektive der Verortung intellektueller<br />
Tätigkeiten zu entwickeln, die zwischen dem Risiko kritischer Wissenschaft zu betreiben und<br />
der Verunsicherung der epistemologischen Grundlagen unserer Gesellschaft(en) (k)einen<br />
„wahren“ Standpunkt finden kann.</p>
<p><em><strong>Sicherheitspolitik(en)<br />
</strong></em>Sicherheit ist für viele Menschen ein subjektives Bedürfnis. Und auch innerhalb politischer<br />
Auseinandersetzungen und Denkweisen wird dieses Bedürfnis oft diskutiert und gefordert wie<br />
gefördert. Anhand des Begriffes der „Sicherheit“ kann man einiges zur Diskussion stellen.<br />
Für die politische Praxis und ihre Reflexion ergeben sich (mindestens) zwei Möglichkeiten.<br />
Vor dem Hintergrund eines gesellschaftlich sehr wirkungsmächtigen Diskurses (z.B. von<br />
Medien, politischen Auseinandersetzungen, ja selbst wissenschaftlichen Debatten getragen),<br />
der eine scheinbar natürliche Evidenz erzeugt, kann Politik erstens die Hände hoch heben und<br />
sich ergeben. Sie kann auf das erzeugte Sicherheitsbedürfnis reagieren, mit rhetorischen und<br />
praktischen Mitteln. Sie fügt sich so den Regeln des Sagbaren; gleichzeitig ist das, was<br />
außerhalb dieser Sagbarkeit liegt, nicht existent und wird ignoriert. Damit (re-)produziert sie<br />
den Sicherheitsdiskurs, ohne ihn kritisch zu hinterfragen.<br />
Die zweite Variante ist etwas komplexer, ja wesentlich anstrengender. Und sie ist auch schon<br />
(in einem engen Sinne von Politik verstanden) keine alleinige politische Möglichkeit, sondern<br />
ebenso eine gesellschaftliche Fragestellung. Sie ist eine kritische Herangehensweise an die<br />
sozialen Bedingungen und scheinbar unhinterfragbaren Realitäten.</p>
<p>Fragen, die sich aus einer solchen Haltung ergeben, könnten folgendermaßen lauten: Von<br />
welcher Sicherheit der BürgerInnen wird eigentlich ausgegangen? Gibt es eine geschlossene<br />
Vorstellung von Sicherheit? Oder ist diese Sicherheitsvorstellung vielleicht sogar schicht-,<br />
klassen-, etc. spezifisch zu betrachten? Ist die geforderte Sicherheit ein natürliches Bedürfnis<br />
der bürgerlichen Individuen, oder innerhalb eines gesellschaftlichen Netzes von<br />
Sicherheitsdiskursen, ProduzentInnen und Positionen eingewoben?</p>
<p>Aber kann Politik solche Fragen gerade unter den aktuellen Verhältnissen noch stellen, hat sie<br />
dafür Ressourcen, Räume, Resonanzen? Wenn ich mir den Mainstream politischer Positionen<br />
und Parteien anschaue, kann diese Frage nur verneint werden. Auch die Regierung, die in der<br />
politischen Farbenlehre mit „Rot-Grün“ angestrichen wird, hat keine Fragen gestellt, sondern<br />
sich auf Bedürfnisse und Bedrohungen – seien sie nun produziert oder vielleicht doch objektiv<br />
messbar – auf Sicherheitspolitiken eingelassen. Auch von der neuen Regierung ist keine<br />
andere Form der Betrachtung und Handlung zu erwarten.<br />
Inzwischen sind die Sagbarkeiten in der politischen Praxis so weit verschoben, dass sogar<br />
Gesinnungstests für „Ausländer“ durchgeführt werden können (vgl. die Einführung in Baden-<br />
Würtemberg). Sie sind ein Symbol der Sicherheit gegenüber „dem Fremden“: WelcheR<br />
MigrantIn wird schon extremistisch, wenn sie die Nationalhymne singen kann?<br />
An dieser Stelle könnte man ins Konzert der Ideologiekritik einstimmen. Ich glaube<br />
allerdings, auch wenn ich diese Analyse, Sicherheit als bürgerlich-konservatives Konzept von<br />
Gesellschaft und den Bedürfnissen ihrer Subjekte zu begreifen, ebenfalls teilen kann, dass es<br />
daneben eine weitere Perspektive gibt, dieses Problem zu thematisieren. Diese Perspektive<br />
macht eine historisch-gegenwartsverbundene Betrachtung notwendig.</p>
<p><em><strong>Sicherheits-Denken<br />
</strong></em>Die Entwicklung moderner Staatlichkeit und der damit verbundenen<br />
Gesellschaftsvorstellungen spätestens seit dem 18. Jahrhundert spült vermehrt systematische<br />
Sicherheitsdiskurse an die Oberfläche. Michel Foucault hat diese Entwicklung der<br />
„Dispositive der Sicherheit“ als Frage zugespitzt: „Kann man dann sagen …, dass die<br />
Gesamtökonomie der Macht in unseren Gesellschaften dabei ist, zur Sicherheitsordnung zu<br />
werden? Ich möchte hier also eine Art Geschichte der Sicherheitstechnologien vorlegen und<br />
zu ermitteln versuchen, ob man tatsächlich von einer Sicherheitsgesellschaft sprechen kann.“<br />
(Foucault 2004: 26)<br />
Die „Regierung der Freiheit“ (Wolfgang Fach) benötigt eine Sicherheitskonzeption, um der<br />
gesellschaftlichen Freiheit in z. B. in der Wirtschaft und für die bürgerlichen Individuen ihre<br />
Grenzpfeiler einzuschlagen. Ohne Sicherheit kann diese (z.B. liberale) Gesellschaft nicht<br />
gedacht werden, kann die Realität nicht produziert werden: „Vielmehr funktioniert der Begriff<br />
… [Sicherheit] als ein Element von Regierung, das die Realität nicht nur richtig oder falsch,<br />
verzerrt oder unverstellt wiedergibt, sondern sie vor allem strukturiert und verändert.“ (Lemke<br />
2000: 44)<br />
Regierung meint demnach nicht nur die politische Regierung, sondern eine Perspektive der<br />
Führung von Individuen in verschiedensten Kontexten, institutionellen Arrangements und<br />
sozialen Konstellationen. Foucault definiert Regierung als „die Gesamtheit von Prozeduren,<br />
Techniken, Methoden, welche die Lenkung der Menschen untereinander gewährleisten“<br />
(Foucault, zit. n. Bröckling et. al. 2004: 10). Sicherheit bietet also seit der Entwicklung<br />
moderner Staatlichkeit eine Möglichkeit, Gesellschaft zu problematisieren. Diese Gesellschaft<br />
kann über Gefährlichkeiten, Risiken usw. als unsicher betrachtet werden, was eine<br />
Intervention möglich, wenn nicht sogar unvermeidbar macht. Die Regierungspraktiken, die<br />
Sicherheit erzeugen wollen, haben hier eine Basis ihrer politischen Rationalität gefunden. Und<br />
diese Möglichkeit, Gesellschaft über Sicherheit zu betrachten und zu regieren, hat sich bis<br />
heute erhalten.</p>
<p><em><strong>Die Unsicherheit kritischer Wissenschaft<br />
</strong></em>Was hat nunmehr eine Verortung kritischer Intellektueller und von kritischer Wissenschaft<br />
mit der Sicherheit einer Gesellschaft zu schaffen? Es bestehen m.E. jenseits der von Bourdieu<br />
festgestellten komplexen Lage des wissenschaftlichen Feldes (vgl. Bourdieu 1988)<br />
Möglichkeiten, Wissenschaftlichkeit in intellektuelle Tätigkeit zu überführen. Eine der<br />
„Geburtsstunden“ intellektueller Handlungen ist mit der Dreyfus-Affäre verbunden, in der<br />
Emile Zolas „J’accuse!“ zu einem bis heute nicht ganz verhallten Ausruf ungerechter<br />
gesellschaftlicher Zustände in Erinnerung gerufen wird (vgl. Morat in diesem Heft).<br />
Solche öffentliche Positionierung heißt immer auch, sich angreifbar zu machen und einer<br />
Verletzlichkeit preiszugeben. Gerade in den Strukturen wissenschaftlicher Institutionen und<br />
Denk-Produktionen/Produkten kann diese Haltung zu einem unkalkulierbaren Risiko werden.<br />
Denn explizit erkennbare politische Einmischung oder auch nur kritische Äußerungen jenseits<br />
der Schablone eines Mainstream-Denkens kann eine Begrenzung der eigenen Möglichkeiten<br />
bedeuten, da die wissenschaftlichen Regeln des Sagbaren Distanz zu anderen Feldern,<br />
insbesondere der Politik, vorschreiben. Diese Regelverstöße können Folgen auf verschiedenen<br />
Ebenen hervorrufen, die teilweise miteinander verwoben sind: Auf einer existenzsichernden<br />
Ebene keine Anstellung oder nur prekarisierte Formen, auf einer Laufbahn das Ende von<br />
Berufungen oder neuen Posten, auf einer intervenierenden Ebene die Unmöglichkeit bzw.<br />
Beschränkung, etwas zu sagen oder zu schreiben, was im wissenschaftlichen Feld Gehör<br />
findet.<br />
Die Unsicherheit seiner vor allem beruflichen Existenz ist dem kritischen Intellektuellen also<br />
zumeist als „Standard“-Disposition eingeschrieben. Zumindest so lange, bis ihm oder ihr eine<br />
sichere Stellung eine materielle Freiheit zur Seite stellt, die freies Denken erleichtert. Aber<br />
dies ist wahrlich nicht die Regel.</p>
<p><em><strong>Wahrheitsspiele des Risikos<br />
</strong></em>Anhand der Beschreibungen der Perspektiven auf Sicherheitspolitiken wird deutlich, dass für<br />
unsere Problemstellung der gleichsam wichtigere Anspruch an Intellektuelle darin besteht,<br />
kreative Unsicherheit durch die intellektuelle Denk- und Analyse-Tätigkeit zu produzieren.<br />
Unsicherheit meint in diesem Fall das Stiften von Irritation(en). Dies kann auf verschiedene<br />
Art und Weise geschehen.<br />
Pierre Bourdieu hat versucht, diese Verunsicherung durch die Untersuchung von sozialen<br />
Räumen zu produzieren. Es ist eine analytische Perspektive, die uns ermöglicht, Macht- und<br />
Herrschaftsstrukturen aufzuzeigen. Bourdieu versteht soziale Räume als vorstrukturierte<br />
Materialitäten. In diesen sozialen Räumen spiegeln sich auf den darin durch historische<br />
Kämpfe entwickelten Feldern der Macht (z.B. Politik, Wissenschaft, Öffentlichkeit etc.)<br />
Konflikte wider und können sich im – für uns – ungünstigen Fall zu Herrschaftsverhältnissen<br />
verfestigen. Deshalb ist es wichtig, diese Felder in Bewegung zu bringen bzw. zu halten,<br />
damit die Räume eine „Durchschüttelung“ erfahren und ihrer nur scheinbaren Evidenz<br />
beraubt werden.<br />
Die Kritik epistemologische r Sicherheiten ist eine weitere Möglichkeit, Irritationen zu<br />
erzeugen. Sicherheit wird im wissenschaftlichen Feld der Auseinandersetzungen mit Theorien<br />
und empirischen Ergebnissen zumeist mit Wahrheit übersetzt. Aber Wahrheiten sind auch im<br />
gesamten gesellschaftlichen Spielfeld ein gefragter Einsatz. Denn Wahrheiten als Grundlagen<br />
z.B. politischer Praktiken sind nicht zu verachten. Sie legitimieren Gesetze, Interventionen,<br />
Techniken der Regierung, indem durch die Aussprache spezifischer Wahrheiten scheinbare<br />
Alternativlosigkeit und Sachzwänge erzeugt werden. Sie sichern sowohl politische als auch<br />
wissenschaftliche Überlegungen und Effekte. Von Foucault wird in diesem Kontext der<br />
Begriff der „Politik der Wahrheit“ als eine Möglichkeit angesprochen, Wahrheiten als<br />
systemische Resultate innerhalb von diskursiven Ordnungen zu betrachten (Foucault 1992:<br />
14f). Die Wahrheiten haben damit eine Funktion, die sie in einem Komplex zwischen<br />
Wissensformationen, Machtmechanismen und natürlich auch den angestrebten<br />
Verhaltensweisen der Subjekte politisch ausfüllen. Unser Beispiel der Sicherheit wird als<br />
Wahrheitspolitik eingesetzt, dass u. a. auf einem Wissen über Risiken der Bedrohung gestützt<br />
ist, Techniken der „Versicherheitlichung“ entwickelt und für die Individuen (begrenzte)<br />
Möglichkeiten der Existenz erlaubt.<br />
Der foucaultsche Kritikbegriff kann den angesprochenen Wahrheiten ihre festen Standbeine<br />
entziehen (vgl. Foucault 1992). Auch hier ist diese Perspektive nicht mit Ideologiekritik<br />
gleichzusetzen. Nicht die Interessen, Wahrheiten, Vorstellungen etc. hinter den Begriffen,<br />
sind an die Oberfläche gesellschaftlicher Verhältnisse zu zerren, sondern die Oberfläche<br />
selbst und ihre Begriffe zu ihrer Beschreibung sind zu fokussieren. Damit steht das „Wie“ der<br />
Produktion bestimmter politischer Handlungslogiken und Realitäts-/Wahrheitsproduktion und<br />
nicht so sehr das „Was“ politischer Inhalte im Vordergrund. Es wird deshalb keine Bewertung<br />
abgegeben, „vielmehr soll die Kritik das System der Bewertung selbst herausarbeiten“ (Butler<br />
2002: 252): also vor allem darüber aufzuklären, wie diese politische Praxis zustande kommt,<br />
wie sie in ihren Grundlagen arbeitet und funktioniert. Die Herausforderung besteht darin,<br />
eben epistemologisch, also erkenntnistheoretisch, die Funktionsweise der Politiken der<br />
Sicherheit zu hinterfragen und damit eine neue aufklärerische Position einzunehmen. Und<br />
diese kritische Perspektive soll auf keinen Fall eine erneute Sicherheit produzieren. Dass<br />
Foucaults „angebotene Antworten nicht vorrangig auf Beruhigung zielen“ (ebd.: 252),<br />
sondern im Gegenteil auf Beunruhigung, auf Bewegungen, gegen das Einfahren von<br />
Routinen, gegen das Einrasten von Vorrichtungen etc, ist damit nicht verwunderlich. Also:<br />
Sicherheit verunsichern – Unsicherheit zu einer Sicherheit machen.</p>
<p><em><strong>Literatur:<br />
</strong></em>Bourdieu, Pierre (1988): Homo academicus, Frankfurt/Main<br />
Bröckling, Ulrich et. al. (Hrsg.) (2004): Glossar der Gegenwart, Frankfurt/Main<br />
Butler, Judith (2002): Was ist Kritik? Ein Essay über Foucaults Tugend, in: Deutsche<br />
Zeitschrift für Philosophie 50, Nr. 2 2002: 249-265<br />
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik?, Berlin<br />
Foucault, Michel (2004) Geschichte der Gouvernementalität I. Sicherheit, Territorium,<br />
Bevölkerung. Vorlesungen am Collège de France 1977-1978, Frankfurt/Main<br />
Lemke, Thomas (1997): Eine Kritik der politischen Vernunft. Foucaults Analyse der<br />
modernen Gouvernementalität, Hamburg/Berlin<br />
Lemke, Thomas (2000): Neoliberalismus, Staat und Selbsttechnologien. Ein kritischer<br />
Überblick über die governemenatality studies, in: Politische Vierteljahresschrift, 41.<br />
Jg., H 1 2000: 31-47</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine Universität mit &#8220;Selbstbewusstsein&#8221;?</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 19:50:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Folgenden Text unter dem Titel &#8220;Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität&#8221; (von Benjamin
Rohr, Daniel Palm &#38; Mitwirkende) , der vor einigen Tagen über verschiedene Verteiler im Umfeld der (inzwischen geräumten) Unibesetzung gestreut wurde, möchte ich hier gerne dokumentieren und zur Diskussion stellen &#8211; meine Kommentare und Fragen habe ich in den Text eingeschrieben [dies ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Folgenden Text unter dem Titel &#8220;<strong>Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität</strong>&#8221; (von Benjamin<br />
Rohr, Daniel Palm &amp; Mitwirkende) , der vor einigen Tagen über verschiedene Verteiler im Umfeld der (inzwischen geräumten) Unibesetzung gestreut wurde, möchte ich hier gerne dokumentieren und zur Diskussion stellen &#8211; meine Kommentare und Fragen habe ich in den Text eingeschrieben [dies ist ein work-in-progress, letzte aktualisierung am 22.6.09]:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Präambel<br />
</strong></p>
<p><strong> </strong>Dieser Text wurde aus der Sicht der Geistes? bzw. Sozialwissenschaften geschrieben, also der Wissenschaften, die im englischsprachigen Raum unter den Begriff der Humanities subsumiert werden. Die hier postulierten Forderungen beziehen sich demnach primär auf diese Fachbereiche. Es wäre anmaßend, im Sinne eines Imperialismus der Humanities zu versuchen, die hier ausgeführten Gedanken bedingungslos auf alle Disziplinen übertragen zu wollen, ohne mögliche strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.<br />
Doch ist letztlich die gesamte Universität ein Teil der Gesellschaft und somit direkt mit dem Menschen verbunden, auch wenn Mensch und Gesellschaft nicht Gegenstand ihrer Arbeit sind. Aufgrund dessen muss die Universität als Ganze das hier Geschriebene auf sich beziehen und Entscheidendes für sich herausziehen.</p>
<p><strong>Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität<br />
</strong>Die Universität als gesellschaftliche Akteurin befindet sich im Spannungsfeld zwischen Selbstbewahrung und -verwirklichung einerseits und Integration in die Gesellschaft andererseits. Oder anders ausgedrückt: Die Universität ist weder reiner Selbstzweck, noch darf sie zum bloßen Mittel verkommen. Das Schaffen und Bewahren weit reichender Autonomie ist eine existentielle Grundvoraussetzung; gleichzeitig ist Universität nicht losgelöst von Gesellschaft zu denken. Nur die selbstbewusste Universität kann es schaffen, beide Ansprüche zu vereinen und in diesem Widerspruch zu existieren.</p>
<p>Doch die Universität ist klein; es fehlt ihr an Selbstbewusstsein.</p>
<p>Ist hier von Selbstbewusstsein die Rede, so müssen zwei Bedeutungsebenen dieses Begriffes berücksichtigt werden. Einerseits muss die Universität ein Bewusstsein ihrer selbst entwickeln, sie muss sich erkennen und herausfinden wer oder was sie ist. Andererseits – und dies ist eng mit der ersten Bedeutung verbunden – meint Selbstbewusstsein Selbstsicherheit. Sich ihrer selbst bewusst, kann die Universität selbstbewusst auftreten. Die Humboldtsche Universität war einem exklusiven Kreis von Eliten vorbehalten, dem man Privilegien wie die Freiheit von Forschung und Lehre einräumte. Oft wird heute dieses Bildungsverständnis bemüht, ohne es jedoch ausreichend kritisch zu hinterfragen. Beispielsweise werden sowohl die Rolle der Universität während der Zeit des Nationalsozialismus als auch der eben genannte elitäre Kontext nur selten in den Focus der Kritik gerückt.<br />
Das Verhältnis von Bildung und Gesellschaft hat sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts gravierend verändert. Mit dem Anspruch „Jeder hat das Recht auf Bildung“ ergab sich das Problem der begrenzten Mittel. Nicht jeder kann sich seinen Elfenbeinturm leisten.<br />
Dieser Widerspruch zwischen dem krampfhaften einseitigen Festhalten an einem anachronistischen Ideal und den veränderten Bedingungen scheint für die Orientierungs- und Profillosigkeit der Universität mitverantwortlich zu sein. Sie hat es versäumt, sich ihrer Verantwortung und Rolle innerhalb der Gesellschaft bewusst zu werden; sie ist unfähig zur eigenen Positionierung.<br />
Die Radikalisierung der Humboldtschen Universität hin zu den so genannten Exzellenzuniversitäten,<br />
wie sie Wolfgang Fach in „&#8217;Unbedingte Universitäten&#8217;. Exzellenz als Geist und Geistlosigkeit“ beschreibt, kann als Folge der neu formulierten Ansprüche an Bildung begriffen werden. Mit der Umsetzung des Ideals „Bildung für alle“ und den damit einhergehenden höheren Immatrikulationszahlen löste sich die scharfe Abgrenzung zwischen universitären Eliten und Nicht-Akademikern auf.&#8221;</p></blockquote>
<p><em><strong>Kommentar: </strong></em>Hier wird das Ideal wohl mit den komplexen Realitäten verwechselt. Sicherlich haben sich die Studierendenzahlen seit der Bildungsexpansion Ende der 60er/Anfang der 1970er Jahre quantiativ erhöht. Aber das Ideal &#8220;Bildung für Alle&#8221;, wenn es denn wirklich so auf dem demokratisch-emanzipativen Bauchladen vor sich hergetragen wurden, hat nie seine tatsächliche Entsprechung entwickeln können.</p>
<p>Und das sich durch die Bildungsexpansion die Abgrenzung zwischen unversitären Eliten (was bzw. wer soll das eigentlich sein?) und Nichtakademikern aufgelöst hätten, kann man nun wirklich nicht sagen. Da bleibt dann doch &#8220;<a href="http://www.zeit.de/1972/07/Die-Illusion-der-Chancengleichheit">Die Illusion der Chancengleichheit</a>&#8221; bestehen, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu">Pierre Bourdieu</a>, der große französische Sozialwissenschaftler, schon zwischen den 1960ern und Anfang der 70er Jahre konstatiert hat.</p>
<p>Und wenn man sich die <a href="http://www.sozialerhebung.de/">Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerkes </a>anschaut, die alle drei Jahre erhoben werden, müsste eigentlich klar werden, das eine soziale Öffnung der Universitäten kaum stattgefunden hat. Gerade die sozial benachteiligten Milieus haben es nie hinreichend schaffen können, gleichberechtigt an Universitäten zu gelangen. Von Pisa und Co-Erhebungen in Sachen sozialer Schließungsprozesse ganz zu schweigen.</p>
<p>Und wie hermetisch die Sozialstruktur in der BRD bis heute geblieben ist, kann man u.a. bei <a href="http://www.campus.de/isbn/9783593353067">Hilke Rebensdorf</a> und ihrer Untersuchung der politischen Klasse nachlesen, sowie ebenfalls bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe)">Michael Hartmanns</a> eindrucksvollen Untersuchungen zum <a href="http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&amp;dig=2002/10/09/a0321">Mythos von Leistungseliten</a>, die Ulrich Brieler in der taz vom 9.19.2002 pointiert rezensiert hat. Dazu auch ein lesenswertes <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/Elite;art772,2481835">Interview mit Hartmann</a> im Tagesspiegel vom 23.2.2008. Die Offenheit dieser Gesellschaft ist also ein (Real-)Illusion, die auch durch ständige Reproduktion nicht weniger problematisch wird. Hier müsste das Papier also dringend überarbeitet werden.</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieser gesteigerten Möglichkeit für Menschen, ein Hochschulstudium aufzunehmen, wird mit einer Ausdifferenzierung innerhalb der Hochschullandschaft begegnet: „Massenuniversitäten“, Fachhochschulen, Exzellenzuniversitäten etc. „Mit ihr [der Exzellenz] verbunden ist ein Paradigmenwechsel: Nicht mehr Ideen wetteifern miteinander, sondern Institutionen – Universitäten“ii. Die so genannte Exzellenz der Universitäten unterliegt der Ökonomisierung von Innovation, welche nicht durch den freien Geist bestimmt wird, sondern durch aktuelle Moden und das dafür verfügbare Geld. Diese Logik führt zu einem Wettbewerb, der einen aggressiven Kampf um das Monopol, den ersten Platz im Exzellenz-Ranking, mit sich zieht. Fach illustriert dies anhand eines Bildes aus der Biologie. Der Universitätsdarwinismus bringt Giraffen hervor, welche die Blätter von den Baumkronen fressen können, um zu überleben. Diese Universitäten haben kein Identitätsproblem. Sie sind die angeblichen Gewinnerinnen eines Konkurrenzkampfes, was es ihnen ermöglicht, sich über fragwürdige Zertifikate zu definieren. Gleichzeitig schafft die universitäre Evolution Ziegen. Diese kleinen und stark spezialisierten Universitäten grasen im Unterholz. Sie suchen sich ihre Nischen, geben sich anhand ihrer Spezialisierung ein Profil und schaffen es so, sich zu erhalten. Es scheint demnach Ausnahmen zu geben, welche nicht mit einem fehlenden Selbstbewusstsein zu kämpfen haben.<br />
Wie Fach deutlich macht, ist das identitätsstiftende Moment der Exzellenz bzw. der Spezialisierung jedoch ein künstliches, ein entfremdetes. Die folgende Betrachtung des Selbstbewusstseinsmangels bezieht sich demnach nicht allein auf die Allgemeine Universität, welche weder Exzellenz- noch Spezialuniversität ist und sein kann, sondern auf die Universität im Allgemeinen.</p>
<p>Mangel an Selbstbewusstsein drückt sich u. a. in Verschulungstendenzen im Studium aus. Lehrende befürchten, dass ihnen die Studierenden aus der Vorlesung laufen, sobald sie die Anwesenheitslisten abschaffen. Den Studierenden wird das Selbstbewusstsein bzw. die Eigenverantwortung abgesprochen. Sie werden entmündigt. Man traut ihnen nicht zu, dass sie ihr Studium eigenverantwortlich gestalten können und glaubt, ihnen die Entscheidungen abnehmen zu müssen, um sie „zu ihrem Glück zu zwingen“. Pflichtmodule, wöchentliche Hausaufgaben und permanenter Leistungsdruck, der durch die hohe und von Anfang an bestehende Prüfungslast erzeugt wird, sind Ausdruck dieser Bevormundung. Darüber hinaus steigt – bedingt durch das fehlende Selbstbewusstsein – der Einfluss externer Kräfte auf die Universität. Die Universität entmündigt sich selbst. Erst verrät sie ihre Prinzipien wie die Freiheit von Forschung und Lehre oder die „unbedingte Freiheit der Frage und Äußerung“iiiund begibt sich außerhalb ihrer Mauern auf die Suche nach neuen. Sie wird fündig und unterwirft sich kapitalistischen Handlungsmaximen: Rationalisierung, Effizienzsteigerung, Messen aller Handlungen unter dem Aspekt der Verwertbarkeit mit dem Ziel den materiellen Wohlstand zu maximieren. Dann stellt sie fest, dass sie allein es nicht schafft, privatwirtschaftlich zu funktionieren und diese Kriterien umfassend zu erfüllen und begibt sich erneut auf die Suche. Diese Suche nach externer Hilfe manifestiert sich u. a. im Hochschulrat, welcher nicht allein mit Hochschulangehörigen besetzt ist, bzw. im Einfluss privatwirtschaftlicher Unternehmen auf Lehr- und Forschungsinhalte, in der Drittmittelakquirierung oder in der Kommerzialisierung der Hochschulen. Wobei hier die Gefahr besteht, Dienerin von unternehmerischen Eigeninteressen zu werden, welche den genannten Kriterien letztlich entgegenstehen.Die Universität muss sich ihrer selbst, ihrer Rolle und Verantwortung bewusst werden. Nur so kann sie sich gegenüber der Gesellschaft öffnen ohne sich zu verraten. Solange sie weiß, was sie ist und was sie kann, solange kann sie sich auch innerhalb der Gesellschaft positionieren, kann ihre Räumlichkeiten und ihre Expertise offerieren, kann kritisch-gestalterisch eingreifen. Mangelt es ihr jedoch an Selbstreflexion und Selbstsicherheit, so verkommt jede Öffnung zur reinen Instrumentalisierung der Universität. Ihr Ruf lautet nun: „Hier bin ich! Macht mit mir, was ihr wollt!“. Indem sie sich öffnet, macht sie sich zur Handlangerin von Politik und Wirtschaft. So kommt es, dass unter „Öffnung“ die Einrichtung einer Sparkassenfiliale in universitären Gebäuden oder das Selbstverständnis der Hochschulen als Produzentinnen von Arbeitskräften verstanden wird.<br />
Sind im ersten Fall Kritik, Opposition und Widerstand die Prinzipien, welche Universität und Gesellschaft verbinden, so sind es im zweiten Anpassung, Auslieferung und Dienen.</p>
<p>Möchte die Universität nicht gänzlich an Bedeutung verlieren oder sich in letzter Konsequenz gar auflösen, so muss sie es schaffen, ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.</p>
<p>Es lassen sich zwei Wege ausfindig machen, zu einem neuen Selbstbewusstsein zu gelangen. Zum einen mögen die „exzellenten“ Universitäten erkennen, dass dieser artifizielle und entfremdete wissenschaftliche Wettstreit einer Universität unwürdig ist. Dieser Fall ist unwahrscheinlich. Realistischer ist es, anzunehmen, dass die Allgemeine Universität aus ihrer Verzweiflung heraus umdenkt und zu neuer Stärke und Bedeutung findet. Um die Analogie zum Tierreich noch einmal aufzugreifen: Auch wenn der Elefant, mit dem die Allgemeine Universität nicht allein aufgrund ihrer Größe und Masse verglichen werden kann, schwerfällig ist, so kann er doch enorme Kräfte entfalten. Darüber hinaus – und dies scheint von zentralerer Bedeutung zu sein – hat er, neben seiner sozialen Eigenschaft als Herdentier, ein Selbstbewusstsein. Er ist befähigt sich selbst im Spiegel zu erkennen.iv Wichtig ist, zu verstehen, dass der Entwurf eines Verständnisses der Allgemeinen Universität – der Rettung dieser aus ihrer Orientierungslosigkeit wegen – keinesfalls gleichbedeutend ist mit der Akzeptanz des intellectual divide, also der Unterscheidung in exzellente und damit förderungswürdige und nicht exzellente Universitäten, wie ihn Fach konstatiert. Diese Diskriminierung zwischen den Universitäten ist grundsätzlich in Frage zu stellen.</p></blockquote>
<p><strong>Wie könnte das Selbstbewusstsein bzw. -verständnis aussehen?<br />
</strong></p>
<blockquote><p><strong> </strong>„Die Universität macht die Wahrheit zum Beruf – und sie bekennt sich zur Wahrheit, sie legt ein Wahrheitsgelübde ab. Sie erklärt und gelobt öffentlich, ihrer uneingeschränkten Verpflichtung gegenüber der Wahrheit nachzukommen“v. Diese Verpflichtung gegenüber der Wahrheit, oder vielmehr gegenüber der Idee der Wahrheit, ist für die Wissenschaft und damit die Universität existentiell. Doch sagt dies, wie Derrida bemerkt, nichts über den Status der Wahrheit aus. Es meint nicht notwendigerweise die Suche nach einer metaphysischen Wahrheit, deren Existenz vorausgesetzt wird. Wahrheit kann ebenso als normative oder auf Konsens beruhende verstanden werden. Letztlich ist selbst ihre Ablehnung eine Auseinandersetzung mit dem Begriff oder der Idee der Wahrheit.<br />
Primär wird aber der Streit darüber, was Wahrheit ist oder nicht ist, in der Universität geführt. Dieses Privileg erhielt die Universität einst vom König. Heute scheint es eine auf dieser Tradition beruhende Vereinbarung zu sein, welche es der Universität zugesteht, über Wissen und Wahrheiten zu entscheiden. Ist die Universität der Ort der Wahrheit, so doch nur solange ihr die absolute Unabhängigkeit zugestanden wird. Eine der Wahrheit verpflichtete Institution darf nicht von außen, von politischen und/oder wirtschaftlichen Kalkülen, geprägt werden. Jeder Eingriff in die Universität färbt auf das dort hervorgebrachte Wissen ab. Die Idee der und der Glaube an die Wahrheit kann nur unter der Bedingung der Unbedingtheit der Universität aufrecht erhalten werden. Ist das universitäre Wissen in hohem Maße von außen beeinflusst, so unterscheidet es sicht nicht vom restlichen Wissen und verliert seine Autorität.<br />
Die Forderung nach der „unbedingten“, der „bedingungslosen“vi Universität soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Universität immer auch politisch ist und sich somit zugleich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen muss. Alles was in der Universität passiert, passiert in ihren Mauern und wirkt nach außen. Mit dem Vertrauen in das unbeeinflusste wissenschaftliche Wissen, kann die Universität politisch werden.<br />
Geht ihr jedoch der alleinige Einfluss auf das universitäre Wissen verloren, so wird sie in jedem politischen Akt instrumentalisiert. Bourdieu spricht in diesem Zusammenhang von „scholarship with committment“. „Tatsächlich müssen wir als autonome Wissenschaftler nach den Regeln der scholarship arbeiten, um ein engagiertes [respektive politisches] Wissen aufbauen und entwickeln zu können“vii.<br />
Die universitäre Freiheit verpflichtet. Mit der Forderung nach finanzieller und politischer Unabhängigkeit, welche in letzter Konsequenz zwar utopisch aber dennoch ungemein wichtig ist, muss auch die Bereitschaft verbunden sein, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“. Diese Aussage soll nicht die (unmögliche) Trennung zwischen Universität und Gesellschaft suggerieren, sondern lediglich die Verantwortung der Universität im gesellschaftlichen Kontext verdeutlichen. Eng mit der Bereitstellung von wissenschaftlichem Wissen und der Forderung nach committment verbunden ist auch die kritische Auseinandersetzung mit Mensch und Gesellschaft und den Herausforderungen unserer Zeit. Die Universität sollte ihre Autorität, die ihr auf gewissen Gebieten zugesprochen wird, anerkennen. Sie muss sich der politischen Bedeutung ihres Schaffens bewusst werden, wie auch der Gefahr ihrer daraus resultierenden Instrumentalisierung.<br />
Die einzige Antwort kann eine Bereitschaft zum bewussten politischen Handeln sein. Der Begriff der Kritik ist untrennbar mit der Institution Universität verbunden. Es muss der Anspruch der Universität sein, reflektierende, kritische und fragende Menschen hervorzubringen. Dafür müssen ihnen Kompetenzen vermittelt werden. Nicht zu Fachidioten, sondern zu „Experten für  das Allgemeine“ sollen die Studierenden werden. Derrida verbindet mit der Universität die Prinzipien „der Autonomie, des Widerstands, des Ungehorsams“viii. Da die Kritik immer auch über das Bestehende hinausweist, indem sie die Möglichkeit der Verbesserung in sich trägt, ist sie entscheidend für den Fortschritt einer jeden Gesellschaft. Dieser zentralen Aufgabe muss die Universität nachkommen.<br />
Zugegeben: dieses Bild einer Universität ist ein idealistisches, welches noch nie der Realität<br />
entsprach und es wohl auch nie tun wird. Gleichwohl ist es wichtig dieses Ideal aufrecht<br />
zu erhalten, um eine Idee von Universität zu bewahren, an der sich die gegenwärtigen<br />
Zustände messen lassen müssen.</p>
<p>Benjamin Rohr, Daniel Palm &amp; Mitwirkende</p>
<p>i Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 26<br />
ii Fach, Wolfgang, 2008: „Unbedingte Universitäten“. Exzellenz als Geist und Geistlosigkeit,<br />
in: Forum Wissenschaft, Heft 1/2009<br />
iii Derrida, Jacques, 2001: Die unbedingte Universität. Frankfurt am Main: Suhrkamp,<br />
S.10<br />
iv http://www.pnas.org/content/103/45/17053.abstract, Stand: 05.06.2009<br />
v Derrida: S.10; Hervorhebung im Original<br />
vi Ebd. S.9<br />
vii Bourdieu, Pierre: Für eine engagierte Wissenschaft (Vortrag Mai 2001, Athen)</p>
<p>http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/74/81/</p>
<p>viii Derrida: S.21</p></blockquote>
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		<title>Bildungsstreik in Leipzig!</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 06:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Ab heute (Montag, 15.6.09) ist Streikwoche zum Thema Bildung in Leipzig.
nähere Infos Hier!
Heute gibt es u.a. eine Podiumsdiskussion zum Thema Bologna-Prozess/Bachelor- und Master-Einführung ab 19 Uhr in der mb. Mehr Infos hier.
Und am Mittwoch gibt es ab 10.30 Uhr (HTWK) eine Demo, die schließlich mit einer Kundgebung am Augustusplatz enden wird.
Das ganze läuft im Rahmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ab heute (Montag, 15.6.09) ist Streikwoche zum Thema Bildung in Leipzig.</strong></p>
<p><a href="http://www.bildungsstreik.tumblr.com/">nähere Infos Hier!</a></p>
<p>Heute gibt es u.a. eine Podiumsdiskussion zum Thema Bologna-Prozess/Bachelor- und Master-Einführung ab 19 Uhr in der mb. <a href="http://www.jusos-leipzig.de/">Mehr Infos hier</a>.</p>
<p>Und am Mittwoch gibt es ab 10.30 Uhr (HTWK) eine Demo, die schließlich mit einer Kundgebung am Augustusplatz enden wird.</p>
<p>Das ganze läuft im Rahmen einer <a href="http://www.bildungsstreik2009.de/">bundesweiten Steikaktion</a>.</p>
<p>Tja, hinaus in die Sonne &#8230; um die reale Utopie zu fordern und zu fördern?</p>
<p>Mehr Gedanken dazu jetzt und (wieder aktualisiert) später &#8230;</p>
<p>Interessant ist ein Bericht der LVZ vom 16.5.09 zum Bildungssteik an einer Leipziger Schule.</p>
<p><!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]--></p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">„Streiken heißt nicht Schwänzen“</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">Schülerprotest am Klinger-Gymnasium / Bildungsagentur hält sich zunächst zurück</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">Die Klingel im Max-Klinger-Gymnasium schellte gestern vergeblich: Viele Schüler ignorierten das Signal zur</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">ersten Stunde. Acht Uhr beginnt normalerweise der Unterricht in dem Plattenbau in Grünau, doch statt in</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">den Klassenzimmern traf sich ein Großteil der Schülerschaft auf dem Hof zur Kundgebung. Absperrbänder an Türen mit der Aufschrift „Bildungsstreik“ signalisierten, dass sich die Gymnasiasten in die bundesweite Protestbewegung einklinken.</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Wir lassen uns aber nicht von ideologischen Strömungen instrumentalisieren, halten hier keine Propaganda-Veranstaltung für irgendjemanden ab“, erklärte Steffen Juhran. Der Abiturient gehört zum Arbeitskreis Bildung, der sich schon vor zwei Wochen am Klinger konstituiert hatte, um die Aktionen vorzubereiten und sie „nicht destruktiv, sondern konstruktiv“ zu gestalten. Juhran: „Es geht nicht gegen die Lehrer hier und</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">auch nicht gegen unsere Schule an sich.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">Warum die Gymnasiasten mobil machen, versuchte Bertrand Zunker in Worte zu fassen. Mit dem Bildungssystem,</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">wie es derzeit gestrickt sei, ließe sich kein Blumentopf gewinnen, so seine</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">Lautsprecher-Botschaft an die versammelte Mannschaft. „Die Lehrerkollegien sind überaltert, die Lehrpläne</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">überfrachtet, das dreigliedrige Schulsystem antiquiert, die Klassen zu groß, der Bildungskanon nicht zeitgemäß“, listete der Neuntklässler Defizite auf und stellte die Sinnfrage: „Wozu ist Schule da, wenn die Abschlüsse einer ständigen Entwertung unterliegen, wenn die Abgänger von Mittelschulen kaum noch Berufschancen haben</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">und endlose Runden in Warteschleifen drehen müssen?“ Pisa hin oder her – Zunker hält nichts von der</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Selbstbeweihräucherung“ Sachsens, das bei der Bildungsstudie Vergleichsweise gut abgeschnitten hatte. Auch im Freistaat werde gleich dem Nürnberger Trichter viel unnützes Wissen in die Schülerköpfe geschüttet.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Wir werden damit vollgepumpt, um es dann zur Prüfung auszuspucken.“ Da die Bildungspolitiker versuchten, sich mit „Worthülsen und Phrasen über eine angebliche Bildungsrepublik“ aus der Affäre zu ziehen, müssten die Schüler im Schulterschluss mit den Studenten nun Druck machen, um „aus dem Hamsterrad herauszukommen“. Streik stand am Klinger gestern zwar drauf, aber drin war keine Totalverweigerung. Nach der Ouvertüre auf dem Hof, konnten die Schüler am Vormittag wählen, ob sie beim regulären Unterricht die Bank drücken oder sich in Diskussionsrunden etwa zu den Themen „Demokratie in Schule und Gesellschaft“ oder „Selbstbestimmung in der Bildung“ einbringen. Rund die Hälfte nutzte die alternativen Angebote. S c h u l l e i t e r i n Margit Hanisch kehrte nicht die gestrenge Direktorin heraus: „Die Schüler müssen sich auch in Meinungsbildung ausprobieren können. Ich vertraue auf ihre Ehrlichkeit und ihre Rücksichtnahme auf jene, die am Unterricht teilnehmen wollen“. Hanisch war sich aber auch der rechtlichen Gratwanderung bewusst: „Alle, die nicht den regulären Schulbetrieb absolvieren wollen, mussten eine Einverständniserklärung der Eltern beibringen, auch aus versicherungstechnischen Gründen.“ Ebenso wie der Schülerrat hatte sie sich im Vorfeld mit einem erklärenden Brief an die Eltern gewandt und auch die Leipziger Bildungsagentur über die anstehenden Aktionen informiert. Agentursprecher Roman Schulz: „Juristisch gesehen, haben Schüler kein Streikrecht. Eine Denkweise wäre, solche Schulpflichtverstöße konsequent zu ahnden, zumal es demokratisch gewählte Gremien für Grundsatzdebatten gibt.“ Er hoffe aber, dass die Behörde nicht aktiv werden müsse: „Es geht darum, ob das Ganze nicht politisch unterwandert wird und in einem tolerierbaren Rahmen abläuft. Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Damit sich keiner unter dem Deckmantel des Streiks in die Büsche schlägt, hatten die Protestorganisatoren Listen ausgelegt, in denen jeder per Unterschrift bekunden musste, dass er bei den Workshops oder aber im Unterricht präsent ist. Steffen Juhran: „Streiken heißt nicht Schwänzen.“ </span><em><span style="black;">Mario <span> </span>Beck</span></em></p>
</blockquote>
<p>Nicht weniger belustigend ist eine <a href="http://www.cducsu.de/Titel__pressemitteilung_linke_nutzen_bildungsstreiks_als_wahlkampf_events/TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__13362/Inhalte.aspx">Pressemitteilung der CDU-Bundestagsfraktion v. 15.6.09 </a>zum Thema:</p>
<blockquote><p>&#8220;Linke nutzen Bildungsstreiks als Wahlkampf-Events.<br />
Aufrufe linker Studentenverbände und Gewerkschaften entlarvend</p>
<p>Zu den von fzs, GEW und anderen Organisationen ausgerufenen<br />
Bildungsstreiks erklärt der bildungs- und forschungspolitische Sprecher<br />
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Müller MdB:</p>
<p>Entlarvend sind die Aufrufe linker Studentenverbände und Gewerkschaften zu<br />
Bildungsstreiks. Mit Musikfestfestivals, Partys und vorgetäuschten<br />
Banküberfällen wollen sie Studierende und Schüler zu ?Bildungsstreiks?<br />
anlocken und damit von ihrer Ausbildung abhalten. Im Sommer seien Parks<br />
irgendwie tausendmal attraktiver als Schulen. Darum setze man sich lieber<br />
in den Park. Schüler und Studenten sollten mitbringen, was für einen<br />
netten Streik-Tag im Park von Nutzen sein könne.</p>
<p>Wer so Schüler und Studenten davon abhalten will, ihr Recht auf Bildung<br />
wahrzunehmen, offenbart, wie wenig ihm tatsächlich an der Bildung junger<br />
Menschen gelegen ist. Hier sollen arglose Schüler und Studenten als<br />
Statisten für öffentlichkeitswirksame Wahlkampf-Events der Linken gewonnen<br />
werden.</p>
<p>Wem wirklich an der Bildung gelegen wäre, der müsste derzeit gegen die<br />
Pläne des rot-roten Berliner Senates aufbegehren, Schulplätze künftig<br />
nicht mehr nach Leistung sondern per Los zu vergeben. Bei solchen Demos<br />
dürfte allerdings niemandem zum Feiern zumute sein.&#8221;</p></blockquote>
<p>Selten so über das Beleidigtsein eines Bildungskindes, mit dem keine Personen mehr spielen will gelächelt <img src='http://www.diffusionen.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ansonsten verweise ich gerne auf die noch gar nicht so alten Gedanken zum Thema <a href="http://www.diffusionen.de/2009/05/10/universitat-zerschlagen-vs-universitatskulturen-zuchten/">Universitätskulturen</a> auf diesem Blog &#8230;</p>
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