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	<title>.: Diffusionen.de &#187; EnWi</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Keine Angst vor Engagierter Wissenschaft!</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 14:13:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Slow blogging" soll ja ein Trend sein - so waberte es zumindest vor einigen Monaten durch die Blogosphäre. In diesem Sinne folgt jetzt ein Beitrag zu einer Fundsache aus dem November 2008. Sie passt zur Debatte um engagierte Wissenschaft, die wir im und um den gleichnamigen Verein führen.

Engagierte Wissenschaft, das heißt ja auch: als Wissenschaftler_in und als Person Stellung zu beziehen. Damit setzt man sich dem Verdacht aus, voreingenommen zu sein. Zur engagierten Wissenschaft gehört mithin auch akademische Lehre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Slow blogging&#8221; soll ja ein Trend sein &#8211; so waberte es zumindest vor einigen Monaten durch die Blogosphäre. In diesem Sinne folgt jetzt ein Beitrag zu einer Fundsache aus dem November 2008. Sie passt zur Debatte um engagierte Wissenschaft, die wir im und um den gleichnamigen <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de">Verein</a> führen.</p>
<p>Engagierte Wissenschaft, das heißt ja auch: als Wissenschaftler_in und als Person Stellung zu beziehen. Damit setzt man sich dem Verdacht aus, voreingenommen zu sein. Zur engagierten Wissenschaft gehört mithin auch akademische Lehre.</p>
<p>Joanna Walters berichtete im <a href="http://www.guardian.co.uk/education/2008/nov/11/students-academics-leftwing-politics/print">Guardian</a> im November 2008 über neue Studien, die konservative Indoktrinierungsängste widerlegen:</p>
<blockquote><p>Fresh research carried out in the US on America&#8217;s universities has produced results purporting to show that students&#8217; politics are not formed by their tutors. Although American universities are indeed stuffed full of liberal and social democratic faculty, they do not try to turn their students into lefties, say the authors.</p>
<p>The new claims attempt to assuage the suspicions of conservatives &#8211; including many parents and politicians &#8211; who have long complained of brainwashing and bias on campus, even setting up bodies to monitor and expose alleged offenders.</p></blockquote>
<p>Dabei ist es einer Studie zweier Politolog_innen (<a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;aid=5293192&amp;fulltextType=RA&amp;fileId=S1049096509090453">Woessner und Kelly-Woessner</a>) zufolge auch nicht nötig, die eigene (politische) Meinung zu verstecken:</p>
<blockquote><p>The authors do not deny that the majority of academics are left of centre, and that many of them reveal their politics to students. &#8220;But that is different from indoctrinating them with it,&#8221; says Kelly-Woessner, who works at nearby Elizabethtown College in Pennsylvania.</p></blockquote>
<p>Die politische Einstellung sei meist zu Beginn des Studiums schon recht gefestigt (<a href="http://www.brookings.edu/press/Books/2008/closedminds.aspx">Fritschler/Mayer/Smith</a>; Mariani/Hewitt). Sofern sich die politische Einstellung während des Studiums änderte, seien den Studien zufolge eher Interaktionen mit den Kommiliton_innen (Woessner/Kelly-Woessner) oder andere Faktoren wie Gender und sozioökonomischem Status (<a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;aid=2315520">Mariani/Hewit</a>t) ausschlaggebend.</p>
<p>Eine den USA vergleichbare Angst vor Gehirnwäsche und entsprechende Hexenjagden, wie sie im zitierten Artikel beschrieben werden, hören sich für hiesige Verhältnisse fremd an. Völlig irrelevant sind die Ergebnisse für unsere Debatte jedoch nicht. Für engagierte Wissenschaft bedeuten solche Ergebnisse meiner Ansicht nach: In wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, auch in der Lehre, ist die Qualität der Argumentation ausschlaggebend. Den Gesprächspartner_innen ist zuzumuten, zwischen Argument und politischem &#8220;Bekenntnis&#8221; zu differenzieren und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Also keine Angst vor kontroversen Themen, keine Angst vor politischen Statements, keine Angst vor engagierter Wissenschaft. Denn:</p>
<blockquote><p>The twist, points out Fritschler, is that fears of being accused of indoctrination have led to a disengagement from civic and political affairs and discouragement of debate. The problem now, he fears, is: &#8220;Not too much politics, but too little.&#8221;</p></blockquote>
<p>Literatur:</p>
<p>Mariani, Mack D./Hewitt, Gordon J. (2008): <a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;aid=2315520">&#8220;Indoctrination U.? Faculty Ideology and Changes in Student Political Orientation&#8221;</a>, in: <em>PS: Political Science &amp; Politics </em>(2008),  <span class="volume">41 (4)</span>:773-783</p>
<p>Smith, Bruce L.R./Mayer, Jeremy D./Fritschler, A.Lee (2008): <a href="http://www.brookings.edu/press/Books/2008/closedminds.aspx">Closed Minds? Politics and Ideology in American Universities</a>, Brookings Institution Press</p>
<p>Woessner, Matthew/Kelly-Woessner, April (2009): &#8220;<a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;aid=5293192&amp;fulltextType=RA&amp;fileId=S1049096509090453">I Think My Professor is a Democrat. Considering Whether Students Recognize and React to Faculty Politics</a>&#8220;, in: <em>PS: Political Science &amp; Politics </em>(2009),  <span class="volume">42 (2)</span>:343-352</p>
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		<title>Endlich (mehr) Sicherheit?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/06/24/endlich-mehr-sicherheit/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 07:33:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf Deutschland Radio Kultur lief gestern ein interessanter Beitrag zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221;.
Unter der Überschrift &#8220;Vom Bürgerrecht zur Ware? Sicherheit wird zur Boombranche&#8221; dreht sich der Beitrag vor allem um private Sicherheitsdienste und -Unternehmen, und deren Möglichkeiten der Überwachung des Gesellschaftlichen. Hier der Teaser zum Beitrag:
Überall entstehen Sicherheitsunternehmen, die mit Techniken und Möglichkeiten ausgestattet sind, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf Deutschland Radio Kultur lief gestern ein interessanter Beitrag zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221;.</p>
<p>Unter der Überschrift &#8220;<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/979193/">Vom Bürgerrecht zur Ware?</a> Sicherheit wird zur Boombranche&#8221; dreht sich der Beitrag vor allem um private Sicherheitsdienste und -Unternehmen, und deren Möglichkeiten der Überwachung des Gesellschaftlichen. Hier der Teaser zum Beitrag:</p>
<blockquote><p><strong>Überall entstehen Sicherheitsunternehmen, die mit Techniken und Möglichkeiten ausgestattet sind, die früher nur Geheimdiensten und Staatsorganen zur Verfügung standen. Dass das ein Problem sein kann, haben zuletzt die Bespitzelungsaffären bei der Telekom und der Bahn gezeigt.<br />
</strong></p>
<p>Generell hat die Überwachung von Mitarbeitern am Arbeitsplatz permanent zugenommen. Sei es, dass Supermarktangestellte ausgehorcht und beobachtet werden, sei es, dass der E-Mail-Verkehr am Schreibtisch gescannt und ausgewertet wird. Dabei geht es nicht um Einzelfälle, bei denen ein konkreter Korruptions- oder sonstiger Missbrauchsverdacht vorliegt, sondern um flächendeckende systematische Überwachung, die durch die neuen Techniken erst möglich geworden ist.</p>
<p>Würde der Staat so auftreten, wäre allgemeine Empörung groß, privaten Unternehmen scheint man das eher zu verzeihen. Das liegt auch daran, dass sich der Staat aus manchen sicherheitsrelevanten Bereichen vollkommen zurückgezogen hat. So ist etwa der Schutz des Postgeheimnisses im elektronischen Datenverkehr komplett an Private (Norton, Antivir etc.) ausgelagert. Das wird merkwürdigerweise kaum als Problem wahrgenommen. Doch man stelle sich vor, was los wäre, wenn kriminelle Organisationen in Deutschland jeden Tag tausende von Briefkästen aufbrechen würden, um sich Zugang zur Post zu verschafften. Den Hinweis, dass die Bürger ihre Post mit Hilfe privater Unternehmen halt richtig &#8220;schützen&#8221; müssten, würde man wohl kaum akzeptieren.</p></blockquote>
<p>Hier auch der <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2009/06/22/drk_20090622_1930_fac2384c.mp3">Link zum Podcast</a>. Empfohlen wir in dem Kontext des Beitrages auch das Buch <a href="http://books.google.de/books?id=oIpkFAqE85wC&amp;printsec=frontcover">Private Sicherheitsdienste im öffentlichen Raum</a> von Benno Kirsch.</p>
<p>Eine Leseempfehlung von mir zum Thema &#8220;Sicherheit&#8221; in all seinen globalen, vermeintlich abstrakten, Auswirkungen und Materialisierungen: Das Buch &#8220;<a href="http://www.transcript-verlag.de/ts631/ts631.php">Gouvernementalität der Sicherheit</a>. Zeitdiagnostische Beiträge im Anschluss an Foucault&#8221;, Transcript: Bielefeld 2009.</p>
<p>Besonders schön ist die Aufmachung des Umschlages, in der in kleinen bildern klar wird, gegen &#8220;was&#8221; wir ver-sichert werden müssen, also in dem Fall ein &#8220;Tempel der Macht&#8221;, der gegen &#8220;Erdbeben, Atomrisiken, Molotow-Cocktails und Bomben geschützt werden muss.</p>
<p><img src="/Stefan/meine%20bilder/anne%20mehrer/eltern/ts631g.jpg" alt="" /></p>
<p><img src="/DOKUME~1/SKAENW~1.NET/LOKALE~1/Temp/moz-screenshot.jpg" alt="" /><img src="/DOKUME~1/SKAENW~1.NET/LOKALE~1/Temp/moz-screenshot-1.jpg" alt="" /></p>
<p>Also das heutige Motto ordentlich einbimsen: Einmal <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/11549.html">Ent-Sichern</a>, bitte!</p>
<p>[27.6.09] Und zur Ergänzung der Kritik des  Sicherheitsdenkens hier noch ein <a href="http://www.spw.on.spirito.de/data/spw147_einleitung_schwerpunkt.pdf?pid=87">Artikel aus der spw &#8211; </a>zeitschrift für politik und wirtschaft. Dabei wird die &#8220;Politik der Sicherheit&#8221; mit der &#8220;Unsicherheit der Intellektuellen&#8221; kontrastiert. Es geht um Überlegungen zu intellektueller, zeitgemässer Tätigkeit, die kritisch die Geschichte der Gegenwart befragt. zuerst veröffentlicht in spw nr. 147, Jg. 2006, S. 19-21</p>
<p><strong>Politik der Sicherheit – Unsicherheit der Intellektuellen<br />
</strong></p>
<p><em><strong>Zum Risiko einer Wahrheitspolitik der epistemologischen Infragestellungen<br />
</strong></em></p>
<p>Wie hängen die politische Auseinandersetzung um Sicherheit, die Unsicherheit kritischwissenschaftlicher<br />
Praxis und eine Verunsicherung unserer Ordnung des Denkens zusammen?<br />
Diese auf den ersten Blick entfernten gesellschaftlichen Felder möchten die folgenden<br />
Ausführungen miteinander verweben. Ausgehend von der Diskussion von Alternativen des<br />
politischen Umgangs mit dem Thema Sicherheit führen die Überlegungen in einen zu einem<br />
historischen Bezug zwischen der Etablierung des modernen Staates und dem Sicherheits-<br />
Denken. Darauf aufbauend wird versucht, eine Perspektive der Verortung intellektueller<br />
Tätigkeiten zu entwickeln, die zwischen dem Risiko kritischer Wissenschaft zu betreiben und<br />
der Verunsicherung der epistemologischen Grundlagen unserer Gesellschaft(en) (k)einen<br />
„wahren“ Standpunkt finden kann.</p>
<p><em><strong>Sicherheitspolitik(en)<br />
</strong></em>Sicherheit ist für viele Menschen ein subjektives Bedürfnis. Und auch innerhalb politischer<br />
Auseinandersetzungen und Denkweisen wird dieses Bedürfnis oft diskutiert und gefordert wie<br />
gefördert. Anhand des Begriffes der „Sicherheit“ kann man einiges zur Diskussion stellen.<br />
Für die politische Praxis und ihre Reflexion ergeben sich (mindestens) zwei Möglichkeiten.<br />
Vor dem Hintergrund eines gesellschaftlich sehr wirkungsmächtigen Diskurses (z.B. von<br />
Medien, politischen Auseinandersetzungen, ja selbst wissenschaftlichen Debatten getragen),<br />
der eine scheinbar natürliche Evidenz erzeugt, kann Politik erstens die Hände hoch heben und<br />
sich ergeben. Sie kann auf das erzeugte Sicherheitsbedürfnis reagieren, mit rhetorischen und<br />
praktischen Mitteln. Sie fügt sich so den Regeln des Sagbaren; gleichzeitig ist das, was<br />
außerhalb dieser Sagbarkeit liegt, nicht existent und wird ignoriert. Damit (re-)produziert sie<br />
den Sicherheitsdiskurs, ohne ihn kritisch zu hinterfragen.<br />
Die zweite Variante ist etwas komplexer, ja wesentlich anstrengender. Und sie ist auch schon<br />
(in einem engen Sinne von Politik verstanden) keine alleinige politische Möglichkeit, sondern<br />
ebenso eine gesellschaftliche Fragestellung. Sie ist eine kritische Herangehensweise an die<br />
sozialen Bedingungen und scheinbar unhinterfragbaren Realitäten.</p>
<p>Fragen, die sich aus einer solchen Haltung ergeben, könnten folgendermaßen lauten: Von<br />
welcher Sicherheit der BürgerInnen wird eigentlich ausgegangen? Gibt es eine geschlossene<br />
Vorstellung von Sicherheit? Oder ist diese Sicherheitsvorstellung vielleicht sogar schicht-,<br />
klassen-, etc. spezifisch zu betrachten? Ist die geforderte Sicherheit ein natürliches Bedürfnis<br />
der bürgerlichen Individuen, oder innerhalb eines gesellschaftlichen Netzes von<br />
Sicherheitsdiskursen, ProduzentInnen und Positionen eingewoben?</p>
<p>Aber kann Politik solche Fragen gerade unter den aktuellen Verhältnissen noch stellen, hat sie<br />
dafür Ressourcen, Räume, Resonanzen? Wenn ich mir den Mainstream politischer Positionen<br />
und Parteien anschaue, kann diese Frage nur verneint werden. Auch die Regierung, die in der<br />
politischen Farbenlehre mit „Rot-Grün“ angestrichen wird, hat keine Fragen gestellt, sondern<br />
sich auf Bedürfnisse und Bedrohungen – seien sie nun produziert oder vielleicht doch objektiv<br />
messbar – auf Sicherheitspolitiken eingelassen. Auch von der neuen Regierung ist keine<br />
andere Form der Betrachtung und Handlung zu erwarten.<br />
Inzwischen sind die Sagbarkeiten in der politischen Praxis so weit verschoben, dass sogar<br />
Gesinnungstests für „Ausländer“ durchgeführt werden können (vgl. die Einführung in Baden-<br />
Würtemberg). Sie sind ein Symbol der Sicherheit gegenüber „dem Fremden“: WelcheR<br />
MigrantIn wird schon extremistisch, wenn sie die Nationalhymne singen kann?<br />
An dieser Stelle könnte man ins Konzert der Ideologiekritik einstimmen. Ich glaube<br />
allerdings, auch wenn ich diese Analyse, Sicherheit als bürgerlich-konservatives Konzept von<br />
Gesellschaft und den Bedürfnissen ihrer Subjekte zu begreifen, ebenfalls teilen kann, dass es<br />
daneben eine weitere Perspektive gibt, dieses Problem zu thematisieren. Diese Perspektive<br />
macht eine historisch-gegenwartsverbundene Betrachtung notwendig.</p>
<p><em><strong>Sicherheits-Denken<br />
</strong></em>Die Entwicklung moderner Staatlichkeit und der damit verbundenen<br />
Gesellschaftsvorstellungen spätestens seit dem 18. Jahrhundert spült vermehrt systematische<br />
Sicherheitsdiskurse an die Oberfläche. Michel Foucault hat diese Entwicklung der<br />
„Dispositive der Sicherheit“ als Frage zugespitzt: „Kann man dann sagen …, dass die<br />
Gesamtökonomie der Macht in unseren Gesellschaften dabei ist, zur Sicherheitsordnung zu<br />
werden? Ich möchte hier also eine Art Geschichte der Sicherheitstechnologien vorlegen und<br />
zu ermitteln versuchen, ob man tatsächlich von einer Sicherheitsgesellschaft sprechen kann.“<br />
(Foucault 2004: 26)<br />
Die „Regierung der Freiheit“ (Wolfgang Fach) benötigt eine Sicherheitskonzeption, um der<br />
gesellschaftlichen Freiheit in z. B. in der Wirtschaft und für die bürgerlichen Individuen ihre<br />
Grenzpfeiler einzuschlagen. Ohne Sicherheit kann diese (z.B. liberale) Gesellschaft nicht<br />
gedacht werden, kann die Realität nicht produziert werden: „Vielmehr funktioniert der Begriff<br />
… [Sicherheit] als ein Element von Regierung, das die Realität nicht nur richtig oder falsch,<br />
verzerrt oder unverstellt wiedergibt, sondern sie vor allem strukturiert und verändert.“ (Lemke<br />
2000: 44)<br />
Regierung meint demnach nicht nur die politische Regierung, sondern eine Perspektive der<br />
Führung von Individuen in verschiedensten Kontexten, institutionellen Arrangements und<br />
sozialen Konstellationen. Foucault definiert Regierung als „die Gesamtheit von Prozeduren,<br />
Techniken, Methoden, welche die Lenkung der Menschen untereinander gewährleisten“<br />
(Foucault, zit. n. Bröckling et. al. 2004: 10). Sicherheit bietet also seit der Entwicklung<br />
moderner Staatlichkeit eine Möglichkeit, Gesellschaft zu problematisieren. Diese Gesellschaft<br />
kann über Gefährlichkeiten, Risiken usw. als unsicher betrachtet werden, was eine<br />
Intervention möglich, wenn nicht sogar unvermeidbar macht. Die Regierungspraktiken, die<br />
Sicherheit erzeugen wollen, haben hier eine Basis ihrer politischen Rationalität gefunden. Und<br />
diese Möglichkeit, Gesellschaft über Sicherheit zu betrachten und zu regieren, hat sich bis<br />
heute erhalten.</p>
<p><em><strong>Die Unsicherheit kritischer Wissenschaft<br />
</strong></em>Was hat nunmehr eine Verortung kritischer Intellektueller und von kritischer Wissenschaft<br />
mit der Sicherheit einer Gesellschaft zu schaffen? Es bestehen m.E. jenseits der von Bourdieu<br />
festgestellten komplexen Lage des wissenschaftlichen Feldes (vgl. Bourdieu 1988)<br />
Möglichkeiten, Wissenschaftlichkeit in intellektuelle Tätigkeit zu überführen. Eine der<br />
„Geburtsstunden“ intellektueller Handlungen ist mit der Dreyfus-Affäre verbunden, in der<br />
Emile Zolas „J’accuse!“ zu einem bis heute nicht ganz verhallten Ausruf ungerechter<br />
gesellschaftlicher Zustände in Erinnerung gerufen wird (vgl. Morat in diesem Heft).<br />
Solche öffentliche Positionierung heißt immer auch, sich angreifbar zu machen und einer<br />
Verletzlichkeit preiszugeben. Gerade in den Strukturen wissenschaftlicher Institutionen und<br />
Denk-Produktionen/Produkten kann diese Haltung zu einem unkalkulierbaren Risiko werden.<br />
Denn explizit erkennbare politische Einmischung oder auch nur kritische Äußerungen jenseits<br />
der Schablone eines Mainstream-Denkens kann eine Begrenzung der eigenen Möglichkeiten<br />
bedeuten, da die wissenschaftlichen Regeln des Sagbaren Distanz zu anderen Feldern,<br />
insbesondere der Politik, vorschreiben. Diese Regelverstöße können Folgen auf verschiedenen<br />
Ebenen hervorrufen, die teilweise miteinander verwoben sind: Auf einer existenzsichernden<br />
Ebene keine Anstellung oder nur prekarisierte Formen, auf einer Laufbahn das Ende von<br />
Berufungen oder neuen Posten, auf einer intervenierenden Ebene die Unmöglichkeit bzw.<br />
Beschränkung, etwas zu sagen oder zu schreiben, was im wissenschaftlichen Feld Gehör<br />
findet.<br />
Die Unsicherheit seiner vor allem beruflichen Existenz ist dem kritischen Intellektuellen also<br />
zumeist als „Standard“-Disposition eingeschrieben. Zumindest so lange, bis ihm oder ihr eine<br />
sichere Stellung eine materielle Freiheit zur Seite stellt, die freies Denken erleichtert. Aber<br />
dies ist wahrlich nicht die Regel.</p>
<p><em><strong>Wahrheitsspiele des Risikos<br />
</strong></em>Anhand der Beschreibungen der Perspektiven auf Sicherheitspolitiken wird deutlich, dass für<br />
unsere Problemstellung der gleichsam wichtigere Anspruch an Intellektuelle darin besteht,<br />
kreative Unsicherheit durch die intellektuelle Denk- und Analyse-Tätigkeit zu produzieren.<br />
Unsicherheit meint in diesem Fall das Stiften von Irritation(en). Dies kann auf verschiedene<br />
Art und Weise geschehen.<br />
Pierre Bourdieu hat versucht, diese Verunsicherung durch die Untersuchung von sozialen<br />
Räumen zu produzieren. Es ist eine analytische Perspektive, die uns ermöglicht, Macht- und<br />
Herrschaftsstrukturen aufzuzeigen. Bourdieu versteht soziale Räume als vorstrukturierte<br />
Materialitäten. In diesen sozialen Räumen spiegeln sich auf den darin durch historische<br />
Kämpfe entwickelten Feldern der Macht (z.B. Politik, Wissenschaft, Öffentlichkeit etc.)<br />
Konflikte wider und können sich im – für uns – ungünstigen Fall zu Herrschaftsverhältnissen<br />
verfestigen. Deshalb ist es wichtig, diese Felder in Bewegung zu bringen bzw. zu halten,<br />
damit die Räume eine „Durchschüttelung“ erfahren und ihrer nur scheinbaren Evidenz<br />
beraubt werden.<br />
Die Kritik epistemologische r Sicherheiten ist eine weitere Möglichkeit, Irritationen zu<br />
erzeugen. Sicherheit wird im wissenschaftlichen Feld der Auseinandersetzungen mit Theorien<br />
und empirischen Ergebnissen zumeist mit Wahrheit übersetzt. Aber Wahrheiten sind auch im<br />
gesamten gesellschaftlichen Spielfeld ein gefragter Einsatz. Denn Wahrheiten als Grundlagen<br />
z.B. politischer Praktiken sind nicht zu verachten. Sie legitimieren Gesetze, Interventionen,<br />
Techniken der Regierung, indem durch die Aussprache spezifischer Wahrheiten scheinbare<br />
Alternativlosigkeit und Sachzwänge erzeugt werden. Sie sichern sowohl politische als auch<br />
wissenschaftliche Überlegungen und Effekte. Von Foucault wird in diesem Kontext der<br />
Begriff der „Politik der Wahrheit“ als eine Möglichkeit angesprochen, Wahrheiten als<br />
systemische Resultate innerhalb von diskursiven Ordnungen zu betrachten (Foucault 1992:<br />
14f). Die Wahrheiten haben damit eine Funktion, die sie in einem Komplex zwischen<br />
Wissensformationen, Machtmechanismen und natürlich auch den angestrebten<br />
Verhaltensweisen der Subjekte politisch ausfüllen. Unser Beispiel der Sicherheit wird als<br />
Wahrheitspolitik eingesetzt, dass u. a. auf einem Wissen über Risiken der Bedrohung gestützt<br />
ist, Techniken der „Versicherheitlichung“ entwickelt und für die Individuen (begrenzte)<br />
Möglichkeiten der Existenz erlaubt.<br />
Der foucaultsche Kritikbegriff kann den angesprochenen Wahrheiten ihre festen Standbeine<br />
entziehen (vgl. Foucault 1992). Auch hier ist diese Perspektive nicht mit Ideologiekritik<br />
gleichzusetzen. Nicht die Interessen, Wahrheiten, Vorstellungen etc. hinter den Begriffen,<br />
sind an die Oberfläche gesellschaftlicher Verhältnisse zu zerren, sondern die Oberfläche<br />
selbst und ihre Begriffe zu ihrer Beschreibung sind zu fokussieren. Damit steht das „Wie“ der<br />
Produktion bestimmter politischer Handlungslogiken und Realitäts-/Wahrheitsproduktion und<br />
nicht so sehr das „Was“ politischer Inhalte im Vordergrund. Es wird deshalb keine Bewertung<br />
abgegeben, „vielmehr soll die Kritik das System der Bewertung selbst herausarbeiten“ (Butler<br />
2002: 252): also vor allem darüber aufzuklären, wie diese politische Praxis zustande kommt,<br />
wie sie in ihren Grundlagen arbeitet und funktioniert. Die Herausforderung besteht darin,<br />
eben epistemologisch, also erkenntnistheoretisch, die Funktionsweise der Politiken der<br />
Sicherheit zu hinterfragen und damit eine neue aufklärerische Position einzunehmen. Und<br />
diese kritische Perspektive soll auf keinen Fall eine erneute Sicherheit produzieren. Dass<br />
Foucaults „angebotene Antworten nicht vorrangig auf Beruhigung zielen“ (ebd.: 252),<br />
sondern im Gegenteil auf Beunruhigung, auf Bewegungen, gegen das Einfahren von<br />
Routinen, gegen das Einrasten von Vorrichtungen etc, ist damit nicht verwunderlich. Also:<br />
Sicherheit verunsichern – Unsicherheit zu einer Sicherheit machen.</p>
<p><em><strong>Literatur:<br />
</strong></em>Bourdieu, Pierre (1988): Homo academicus, Frankfurt/Main<br />
Bröckling, Ulrich et. al. (Hrsg.) (2004): Glossar der Gegenwart, Frankfurt/Main<br />
Butler, Judith (2002): Was ist Kritik? Ein Essay über Foucaults Tugend, in: Deutsche<br />
Zeitschrift für Philosophie 50, Nr. 2 2002: 249-265<br />
Foucault, Michel (1992): Was ist Kritik?, Berlin<br />
Foucault, Michel (2004) Geschichte der Gouvernementalität I. Sicherheit, Territorium,<br />
Bevölkerung. Vorlesungen am Collège de France 1977-1978, Frankfurt/Main<br />
Lemke, Thomas (1997): Eine Kritik der politischen Vernunft. Foucaults Analyse der<br />
modernen Gouvernementalität, Hamburg/Berlin<br />
Lemke, Thomas (2000): Neoliberalismus, Staat und Selbsttechnologien. Ein kritischer<br />
Überblick über die governemenatality studies, in: Politische Vierteljahresschrift, 41.<br />
Jg., H 1 2000: 31-47</p>
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		</item>
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		<title>Universität zerschlagen vs. Universitätskulturen züchten?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/05/10/universitat-zerschlagen-vs-universitatskulturen-zuchten/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 17:09:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nächste Woche feiert die hiesige Alma Mater Lipsiensis (den meisten besser als Uni Leipzig von der Zunge gehend) &#8220;ihren&#8221; 600-jährigen Geburtstag mit einem Symposium zum Thema &#8220;Wissen und Geist: Universitätskulturen&#8221;. Das ganze ist aber wahrscheinlich keine heimliche Werbung für Joghurt mit seinen vermeintlich nahrhaften drehenden Kulturen.
Sondern unter den dreifaltigen Motti &#8220;Gründungskulturen&#8221;, &#8220;Gegenwartskulturen&#8221; und &#8220;Zukunftskulturen&#8221; werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nächste Woche feiert die hiesige Alma Mater Lipsiensis (den meisten besser als Uni Leipzig von der Zunge gehend) &#8220;ihren&#8221; 600-jährigen Geburtstag mit einem Symposium zum Thema <a href="http://www.uni-leipzig.de/unikulturen/index.html"><strong>&#8220;Wissen und Geist: Universitätskulturen&#8221;</strong></a>. Das ganze ist aber wahrscheinlich keine heimliche Werbung für Joghurt mit seinen vermeintlich nahrhaften <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joghurt#Bakterienkulturen">drehenden Kulturen.</a></p>
<p>Sondern unter den dreifaltigen Motti &#8220;Gründungskulturen&#8221;, &#8220;Gegenwartskulturen&#8221; und &#8220;Zukunftskulturen&#8221; werden wohl Vergangenheiten, Gegenwärte und Zukünfte der Leipziger Universität im besonderen und der Institution Universität im Allgemeinen ordentlich durchdacht und diskutiert. Ob dabei auch kritische Positionen ausgetauscht werden, ist schwer zu bewerten.<br />
Denn wenn wir beim Joghurt-Bild bleiben: Wenn eine (von mir vielleicht präferierte) linksdrehende Kulturbewegung der Universität angestoßen wird, wo endet dann diese Drehung? Als Pirouette wäre sie dann gleich wieder am Anfang des Drehbeginns. Es ist deshalb gar nicht so einfach, Bewegung einfach mal zu fordern und zu fördern, ohne im Stillstand zu verweilen.</p>
<p>Der französische Denker <strong><span style="xx-small;">André Gorz </span></strong><span style="xx-small;">hingegen fordert(e) schon 1970 konfrontativ und konsequent </span><strong><a href="http://www.bildungskritik.de/Texte/Unis_zerschlagen/unis_zerschlagen.htm">&#8220;Zerschlagt die Universität&#8221; </a></strong></p>
<p>Gorz formuliert es so:</p>
<blockquote><p>&#8220;1. Die Universität kann nicht funktionieren, also muss man verhindern, dass sie funktioniert, damit diese Funktionsunfähigkeit ans Tageslicht kommt. Keine irgendwie geartete Reform kann diese Institution lebensfähig machen; also muss man die Reformen bekämpfen, sowohl hinsichtlich ihrer Auswirkungen als auch ihrer Ziele und zwar nicht weil sie gefährlich, sondern weil sie illusorisch sind. Die Krise der Universität reicht (wie wir zeigen werden) über den Hochschulbereich hinaus und umfasst in ihrer Gesamtheit die gesellschaftliche und technische Arbeitsteilung; also muss diese Krise zum Ausbruch kommen. Man kann darüber diskutieren, wie und auf welche Weise diese Krise herbeizuführen ist. Es gibt gute und weniger gute Möglichkeiten. Allerdings ist Diskussion und Kritik nur dann sinnvoll, wenn sie von denen kommt, die eingesehen haben, dass der Reformismus unbedingt abzulehnen ist und zwar als Ganzes.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Diagnose, dass Universität und Gesellschaft viel mehr miteinander verwoben sind und die Krisen des Gesellschaftlichen und der (universitäter) Wissensproduktion und -verwaltung miteinander in Beziehung stehen, ist sicher eine richtige und wichtige Feststellung. Und diese Feststellung kommt in der aktuellen Debatte oft viel zu kurz.</p>
<p>Auch Reinhard Mohr proklamiert 1971 <a href="http://www.conne-island.de/nf/40/18.html">unter dem gleichen Titel</a> eine radikale Veränderung der Universität in der Gesellschaft:</p>
<blockquote><p>&#8220;Zerschlagt die Universität: Befreit sie von ihrer Funktion und Position innerhalb der gesellschaftlichen Organisation der Arbeitsteilung!<br />
Das heißt: Das Chaos vorantreiben, bis diese Uni für Krupp &amp; Co. endgültig unbrauchbar und unbeherrschbar wird.<br />
Das heißt: Nicht vergessen, was wir wollen.<br />
Festhalten an der konkreten Utopie einer Gesellschaft, die auf der Grundlage einer Produktion von Gebrauchswerten nur einen „Sachzwang“ kennt: Freiheit.<br />
Es lebe die Hochschulguerilla!<br />
Wir wollen alles.&#8221;</p></blockquote>
<p>Was also tun? <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/74/81/">Für eine engagierte Wissenschaft</a> streiten und streiken, so mein Vorschlag. Im bourdieuschen Sinne also erstens darüber nachdenken, wie Wissensproduktion und Wissensverhältnisse im Joghurt der gesellschaftlichen Machtverhältnisse eingerührt (worden) sind. Und zweitens ist zu überlegen, zu welchen Drehungen und Wendungen in einer Gesellschaft engagierte Wissenschaft beitragen kann. Und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>EnWi zum Hören 1: Jugendliche außer Kontrolle</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/05/09/enwi-zum-horen-1-jugendliche-auser-kontrolle/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 May 2009 16:34:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Engagierte Wissenschaft e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Asbo]]></category>
		<category><![CDATA[Audio]]></category>
		<category><![CDATA[EnWi]]></category>
		<category><![CDATA[Kids]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Ausstellung "Are the Kids Alright?" ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wer sie verpasst oder Entzugserscheinungen hat, kann sich einen Radiobeitrag dazu anhören: der Beitrag "Jugendliche außer Kontrolle" von Mareike Wiemann enthält O-Töne von AusstellungsmacherInnen und einem beteiligten Künstler.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ausstellung &#8220;Are the Kids Alright?&#8221; ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wer sie verpasst oder Entzugserscheinungen hat, kann sich einen Radiobeitrag dazu anhören: der Beitrag <a href="http://mephisto976.uni-leipzig.de/sendungen/kultstatus/beitrag/artikel/jugendliche-ausser-kontrolle.html">&#8220;Jugendliche außer Kontrolle&#8221;</a> von Mareike Wiemann enthält O-Töne von AusstellungsmacherInnen und einem beteiligten Künstler.</p>
<blockquote><p>Jugendliche haben seit jeher einen schlechten Ruf: Sie lungern irgendwo herum, benehmen sich unmöglich und sorgen damit für Ängste bei den Erwachsenen. Wie sich das auswirkt, damit beschäftigte sich eine Ausstellung in der „Essential Existence Gallery“ in Plagwitz. Mareike Wiemann hat nachgeforscht.</p></blockquote>
<p>Der Beitrag kann <a href="http://mephisto976.uni-leipzig.de/sendungen/kultstatus/beitrag/artikel/jugendliche-ausser-kontrolle.html">hier</a> angehört oder heruntergeladen werden.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Antisoziales Verhalten&#8221; und politische &#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2009 17:15:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Engagierte Wissenschaft e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Verhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Rest der Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Asbo]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Intellektuelle]]></category>
		<category><![CDATA[Kids]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Überraschung: Eine Kritik der Überwachung und der Politisierung &#8220;antisozialen Verhaltens&#8221; 
Juli Zeh äußert sich in der ZEIT vom 30.4.09 zu ihrem neuen Schreib-Projekt, einem politischen Buch, dass sie gemeinsam mit Ilija Trojanow, dem Autor des &#8220;Weltensammlers&#8221; schreibt. Dort wird eine für mich überraschend klare gesellschaftskritische Perspektive formuliert. Ein Auszug:
&#8220;DIE ZEIT: Woran arbeiten Sie gerade?
Juli [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Überraschung: Eine Kritik der Überwachung und der Politisierung &#8220;antisozialen Verhaltens&#8221; </strong></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Juli_Zeh">Juli Zeh </a>äußert sich in der ZEIT vom 30.4.09 zu ihrem neuen Schreib-Projekt, einem politischen Buch, dass sie gemeinsam mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ilija_Trojanow">Ilija Trojanow</a>, dem Autor des &#8220;Weltensammlers&#8221; schreibt. Dort wird eine für mich überraschend klare gesellschaftskritische Perspektive formuliert. Ein Auszug:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;DIE ZEIT: </strong>Woran arbeiten Sie gerade?</p>
<p><strong>Juli Zeh: </strong>Ich schreibe mit Ilija Trojanow ein politisches Pamphlet zum Thema persönliche Freiheit und Bürgerrechte im Antiterrorkampf, das <em>Angriff auf die Freiheit</em> heißen wird. Vor einem Jahr hat Ilija einen langen Essay dazu veröffentlicht; als ich den las, hatte ich das Gefühl: Das ist mir so nah, das könnte ich beinahe selbst geschrieben haben, bis in die Formulierungen hinein. Darüber haben wir gesprochen und beschlossen: Wenn zwei Leute zu einem Thema eine so deutliche Meinung vertreten, sollten sie sich doch zusammentun und ein Buch schreiben.&#8221;</p></blockquote>
<p>weiter lesen unter: <a href="http://www.zeit.de/2009/19/Tag-der-Arbeit-Zeh">Woran arbeiten Sie gerade, Juli Zeh? </a><a href="http://www.zeit.de/2009/19/Tag-der-Arbeit-Zeh"> </a></p>
<p>In dem Interview äußert sich Zeh auch zur Debatte um &#8220;antisoziales Verhalten&#8221; und seiner Kontrolle und Bestrafung. Zeh kritisiert:</p>
<blockquote><p>&#8220;[... ] Nicht zuletzt geht es auch um eine neue, seltsame, für mich besonders gruselige Tendenz, nämlich jene, durch möglichst umfassende Überwachung »antisoziales Verhalten« auszuschließen. Allein schon der Begriff! Antisoziales Verhalten bedeutet zum Beispiel das Wegwerfen von Kaugummipapier oder lärmende Kinder oder Fehler im Straßenverkehr. Alles das soll bald zur »Inneren Sicherheit« gehören. Wir weisen darauf hin, dass sich viele Antiterrorgesetze in Wahrheit gar nicht gegen den Terrorismus, sondern gegen den Normalbürger richten. [...]&#8220;</p></blockquote>
<p>Unsere AG Kids Control mit ihrem gerade ausgelaufenen Austellung <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/content/blogcategory/29/97/">&#8220;Are the Kids alright?&#8221;</a>sieht eine gedankliche Nähe zu diesen engagierten Gedanken und ist gespannt auf die Veröffentlichung des Buches im August diesen Jahres. Infos unter: <a href="http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-23418-5&amp;area=Literatur">http://www.hanser.de/buch.asp?isbn=978-3-446-23418-5&amp;area=Literatur</a></p>
<p><strong>Die Rückkehr der kritischen Intellektuellen?</strong></p>
<p>Eine weitere interessante Frage könnte sein, ob es eine Repolitisierung schriftstellerischer Tätigkeiten gibt? Juli Zeh ist natürlich in diesem Kontext kein unbeschriebenes Blatt, sondern hat sowohl in ihren Romanen wie Reportagen politische und gesellschaftliche Perspektiven in die Werke eingeflochten.</p>
<p>Und dass Ilija Trojanow hier eine weitere wichtige Figur verkörpert, ist ebenfalls bekannt. Seine Essaysammlung <strong><em>Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen</em></strong> ist schon im Titel eine klares Statement gegen kulturellen Rassismus und Ethnozentrismus.</p>
<p>Die Frage ist darüber hinaus natürlich reine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffeesatzlesen#Lesen_im_Kaffeesatz_.28Kaffeedomantie.29">Kaffeesatzleserei, </a>aber auch sowas macht ja bekanntlich reichlich Freude. Wir bleiben hier wachsam und schauen, was sich so bewegt in der literarischen Welt.</p>
<p>Abschließen möchte ich meine Bemerkungen mit dem finalen Zitat von Juli Zeh aus dem oben genannten Interview zum Stil des Buches und seiner &#8220;Zielgruppe&#8221;:</p>
<blockquote><p>&#8220;[...] Bei diesem Buch ist es eher ein Austoben nach außen, ein kurzer, stark verdichteter Text von 120 Seiten, vom Stil her nicht so intellektuell-essayistisch, wie man normalerweise hier in Deutschland schreibt, sondern wirklich polemisch. Was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird angegriffen.&#8221;</p></blockquote>
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		<item>
		<title>Rentner vs. Jugendliche: wer ist gefährlicher?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/03/31/rentner-vs-jugendliche-wer-ist-gefahrlicher/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 08:39:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Engagierte Wissenschaft e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Rest der Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerkriminalität]]></category>
		<category><![CDATA[EnWi]]></category>
		<category><![CDATA[Kids]]></category>

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		<description><![CDATA[Mely Kiyak vermisst in ihrer Kolumne in der FR einen gesellschaftlichen Aufschrei:
&#8220;Liebe Kollegen von der Bild!
Ein Rentner hat drei Nachbarn erschlagen. Hätte er einen Migrationshintergrund, hätte man eine Debatte.&#8221;
Kiyak fordert eine Integrationsdebatte und erinnert an die Debatte um ausländische Jugendkriminalität anno 2008 (dazu immer noch lesenswert: das Positionspapier von FKR und ADB):
&#8220;Wo sind die Kriminalpsychologen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mely Kiyak vermisst <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/kommentare/?em_cnt=1701914&amp;em_src=439083&amp;em_ivw=fr_kommentar">in ihrer Kolumne in der FR</a> einen gesellschaftlichen Aufschrei:</p>
<blockquote><p>&#8220;Liebe Kollegen von der Bild!<br />
Ein Rentner hat drei Nachbarn erschlagen. Hätte er einen Migrationshintergrund, hätte man eine Debatte.&#8221;</p></blockquote>
<p>Kiyak fordert eine Integrationsdebatte und erinnert an die Debatte um ausländische Jugendkriminalität anno 2008 <span id="more-36"></span>(dazu immer noch lesenswert: das <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/94/83/">Positionspapier von FKR und ADB</a>):</p>
<blockquote><p>&#8220;Wo sind die Kriminalpsychologen, die Sozialpädagogen, wo bleibt die Integrationsdebatte mit den dringend zu klärenden Fragen: &#8220;Was haben wir falsch gemacht? Kann man Rentner in unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung integrieren? Wie kann man den offensichtlichen Werteverfall bei deutschen Rentnern stoppen?&#8221; Wir haben Wahlkampf, sollte dieser Fall nicht dringend thematisiert werden?&#8221;</p></blockquote>
<p>(via <a href="http://blog.derbraunemob.info/2009/03/30/mitbuerger-ohne-migrationshintergrund-gefaehrlich/">Der Schwarze Blog</a>)</p>
<p>Mich erinnert das an den wunderbaren &#8220;Hell&#8217;s Grannies&#8221;-Sketch von Monty Python:<!--more--></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/prM9gIkozh4&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/prM9gIkozh4&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Die Umkehr des Blicks in diesen beiden Beiträgen macht deutlich: die Debatte um &#8220;kriminelle ausländische Jugendliche&#8221; verband wirkungsvoll zwei Bedrohungsszenarien &#8211; sowohl &#8220;Jugendliche&#8221; als auch &#8220;Ausländer&#8221; werden als fremd, unberechenbar, integrationsbedürftig und deviant markiert.</p>
<p>Um &#8220;deviante Jugendliche&#8221; geht es auch heute um 18 Uhr in der naTo bei einem Vortrag: <strong>Holger Ziegler </strong>(Bielefeld) spricht über <strong>&#8220;Die institutionalisierte Intoleranz &#8211; Über den Umgang mit jugendlicher Devianz in England und Deutschland&#8221;</strong>. Der Vortrag ist Teil des Rahmenprogramms der <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/120/97/">Ausstellung &#8220;Are the Kids alright?&#8221;</a>, die noch bis zum 26.4. in der EEG (Karl-Heine-Str. 93) läuft. Mehr Informationen zum Vortrag gibt es <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/125/42/">hier</a>.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>ASBO, ich hör immer nur Asbo&#8230;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/03/27/asbo-ich-hor-immer-nur-asbo/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Mar 2009 09:34:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Engagierte Wissenschaft e.V.]]></category>
		<category><![CDATA[Asbo]]></category>
		<category><![CDATA[EnWi]]></category>
		<category><![CDATA[Kids]]></category>

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		<description><![CDATA[So genannte Anti-social behaviour orders (ASBO) waren einer der Auslöser der heute in der essential existence gallery eröffnenden Ausstellung "Are the Kids Alright?".

ASBOs sind in aller Munde - sie bezeichnen nicht mehr nur die Verfügung/Verordnung, sondern auch die Personen, die sie bekommen:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So genannte Anti-social behaviour orders (ASBO) waren einer der Auslöser der heute in der <a href="http://www.eexistence.de/">essential existence gallery</a> eröffnenden Ausstellung <a href="http://kids.engagiertewissenschaft.de">&#8220;Are the Kids Alright?&#8221;</a>.</p>
<p>ASBOs sind in aller Munde &#8211; sie bezeichnen nicht mehr nur die Verfügung/Verordnung, sondern auch die Personen, die sie bekommen:</p>
<blockquote><p>But as one young person pointed out in an online chatroom: &#8220;I am 15 years old and I have never smoked, drunk alcohol, had sex or been offered drugs. For every <a href="http://www.guardian.co.uk/society/asbos">asbo</a> in a hoodie with a knife tucked up his sleeve, there&#8217;s at least 100 good guys. The good guys don&#8217;t make headlines.&#8221; (<a href="http://www.guardian.co.uk/society/joepublic/2009/mar/26/parents-children-wellbeing">the guardian</a>)</p></blockquote>
<p>Der Asbo ist sogar <a href="http://www.guardian.co.uk/education/2005/jun/21/learnlessonplans.secondaryschools">im Lexikon angekommen</a>. Mit Asbos werden Witze gemacht, T-Shirts und Bücher verkauft. Sie sind beliebt &#8211; aber auch <a href="http://www.guardian.co.uk/society/2005/jun/12/penal.humanrights">umstritten</a>. Sind Verbote effektiv? Sind solch detaillierte Eingriffe zulässig? Verletzt die öffentliche Anprangerung &#8211; das <em>&#8220;naming and shaming&#8221;</em> &#8211; als unerlässlicher Bestandteil des Asbo nicht Bürgerrechte und Privatsphäre? Und wer ist eigentlich &#8220;die Gesellschaft&#8221;?</p>
<p>Das Mittel des Asbo wird aktuell auch gegen homophobe Witze im Hip-Hop genutzt &#8211; bringt nix, sagt <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2009/mar/25/chris-moyles-homophobia">Zoe Williams im Guardian</a>. &#8220;The more you outlaw words, the more power you give them.&#8221; Vielleicht hat sie Recht &#8211; den Eindruck könnte jedenfalls bekommen, wer den <a href="http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/rod_liddle/article5950286.ece">Kommentar von Rod Liddle</a> in der Times liest: er freut sich, dass homophobe Witze endlich wieder lustig werden, so wie er rassistische Witze auch erst wieder lustig findet, weil sie verboten sind.</p>
<p>Absurde ASBOs der letzten Monate:</p>
<ul>
<li>Mann darf keine Filzstifte mehr bei sich tragen (<a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2009/jan/02/felt-tip-pens-asbo">the guardian</a>)</li>
</ul>
<ul>
<li>Schafe verletzen ASBO-Auflagen und bringen einem Schäfer Bewährungsstrafe ein (<a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2009/jan/31/uk-news-in-brief">the guardian</a>)</li>
</ul>
<p>Mehr über ASBOs, ihre Effekte und Aneignungen gibt es zu sehen, zu hören und zu lesen bei der <a href="http://kids.engagiertewissenschaft.de">Ausstellung &#8220;Are the Kids Alright?&#8221; der AG KidsControl</a> &#8211; ab heute bis 26. April in der <a href="http://www.eexistence.de/">essential existence gallery </a>im Westwerk, Karl-Heine-Str. 93, Leipzig.</p>
<p style="text-align: left;">
]]></content:encoded>
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