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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Geschichte</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Kritik an Blackface-Werbeplakat</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/12/20/kritik-an-blackface-werbeplakat/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 07:47:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Karneval ist alles erlaubt? Das finden zumindest einige Leipziger studentische Karnevalsvereine, unter anderem der Ba-Hu-Elferrat. Die AG postkolonial bei EnWi hat eine kritische Stellungnahme zu deren rassistischem Blackface-Plakat veröffentlicht, das von vielen namhaften Initiativen unterstützt wurde. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Karneval ist alles erlaubt? Leipziger studentische Karnevalsvereine haben sich dieses Jahr zu beleidigenden Plakatwerbungen entschlossen. Der Ba-Hu-Elferrat warb für seinen Fasching am 11.11.2010 mit einem schwarz angemalten Weißen, der Roberto Blanco parodieren sollte. Der Schwarze Blog <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/11/13/blackface-karneval-nicht-rassistisch-da-in-leipzig/">berichtete</a> bereits im November dazu und dokumentiert eine Mailauseinandersetzung mit dem Sprecher des Ba-Hu-Elferrats. Nach dem Motto &#8216;Ein bisschen Spaß muss sein&#8217; verteidigt dieser das Recht seines Vereins auf rassistische &#8216;Späße&#8217; und weist darauf hin, dass &#8220;in Deutschland insbesondere Leipzig&#8221; Kolonialrassismus keine Rolle spiele und man das deswegen dürfe.</p>
<p>Während die gesamte Abwehrtaktik (in der Antirassismusarbeit im englischsprachigen Raum als &#8220;Derailing&#8221; bezeichnet, mehr weiß die sarkastische Anleitung <a href="http://www.derailingfordummies.com/">Derailing for Dummies</a>) des Ba-Hu-Öffentlichkeitsarbeiters kritikwürdig ist – da ist alles dabei: Täter-Opfer-Umkehr, Zensurvorwürfe, Emotionalisierung der Kritik, eigentlich sei all dies ein Zeichen der &#8220;Bewunderung&#8221; Schwarzer – schreit insbesondere die Behauptung, Kolonialrassismus habe in Deutschland keine Bedeutung, nach Berichtigung.</p>
<p>Dies hat nun die <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Postkolonial">AG postkolonial</a> bei EnWi übernommen. In einer <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Rassismus_ist_kein_Karnevalsspass_Stellungnahme_zum_Blackface_Werbeplakat_des_BaHu_Elferrats">Stellungnahme</a> weist sie darauf hin, dass und wie Kolonialismus Alltag und Kultur auch in Leipzig wesentlich beeinflusste. Auch den berechtigten Rassismusvorwurf an das Plakat erklärt und kontextualisiert die Stellungnahme:</p>
<blockquote><p>Es ist rassistisch, weil das Plakat auf Stereotype zurückgreift, die von Weißen geschaffen wurden, um Schwarze als einfältig herabzuwürdigen und auf diese Weise eine weiße Identität als rational und überlegen zu erfinden. Das Plakat ist rassistisch, weil es Schwarze entmenschlicht, nämlich aus ihnen Figuren macht, über die Weiße jederzeit verfügen können, um sich und andere Weiße zu bespaßen.</p>
<p>Rassismus ist kein Problem allein von Neonazis. Darauf weisen unzählige WissenschaftlerInnen und politische Initiativen hin – und das keineswegs mit erhobenem Zeigefinger gegen vermeintlich Falschdenkende, sondern aus der selbstkritischen Einsicht heraus, dass Rassismus die Gesellschaft, in der wir leben, durchdringt und damit alle in ihr lebenden Menschen, uns alle, prägt. Eine Einsicht, die nicht nur, aber in ganz besonderem Maße Weiße Menschen dazu einlädt, darüber nachzudenken, warum sie so vehement einfordern, sich auf Kosten von People of Color amüsieren zu dürfen und warum sie so vehement verweigern, in diesem ihrem Spaß von Personen gebremst zu werden, die sich durch diesen Spaß diskriminiert fühlen.</p></blockquote>
<p>Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von zahlreichen Initiativen, die sich in Deutschland für die Aufarbeitung der Rolle kolonialer Bilder insbesondere im Alltagsrassismus einsetzen. Darunter die<a href="http://www.isdonline.de/"> Initiative Schwarze Menschen in Deutschland</a>,  <a href="http://www.africavenir.org/de/home.html">AfricAvenir</a>, sowie die postkolonialen Initiativen <a href="http://www.berlin-postkolonial.de/">berlin postkolonial e.V</a>., <a href="http://frankfurt.postkolonial.net/">frankfurt-postkolonial</a>, <a href="http://www.freiburg-postkolonial.de/">freiburg-postkolonial.de</a> und <a href="http://www.kopfwelten.org/kp/">KopfWelten &#8211; gegen Rassismus und Intoleranz e.V. / Köln Postkolonial</a></p>
<p>Auch Leipziger Gruppen – das Forum für kritische Rechtsextremismusforschung, das <a href="http://www.uni-leipzig.de/~afrika/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=20&amp;Itemid=41&amp;lang=de">AfrikanistikForum am Institut für Afrikanistik der Uni Leipzig</a> und die Berlin-Leipziger Gruppe &#8220;<a href="http://www.berliner-afrika-konferenz.de/events/92">Kolonialismus im Kasten?</a>&#8221; unterstützen den Aufruf. Eine <a href="http://www.stura.uni-leipzig.de/news-einzel/datum/2010/11/15/fasching-alles-nur-spass/">kritische Stellungnahme des StuRa-Referats für Antirassismus</a> reagierte ebenfalls im November auf dieses Plakat sowie eines des Medi-Elferrats (Bild <a href="http://www.leipzig-medizin.de/bilder/medifasching_11_2010k.jpg">hier</a>).</p>
<p>Die gesamte Stellungnahme der AG postkolonial gibt es <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Rassismus_ist_kein_Karnevalsspass_Stellungnahme_zum_Blackface_Werbeplakat_des_BaHu_Elferrats">hier</a> – auch <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/file/2042/download/2721">als PDF zum Download</a>.</p>
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		<title>&#8220;Revolution ohne Basis&#8221;? Zur nationalen Entwicklung &#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 07:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Türkei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Türkei: Projektionsfläche von antieuropäischen Ressentiments, westlichen Ordnungsvorstellungen, antislamischen und -türkischen Reflexen. Dazu gelobtes Land von Modernisierung und Laizismus, emanzipativer nationaler Konstruktion, etc. pp. Nicht zuletzt: &#8220;unser&#8221; Urlaubsland.
Das dies alles nicht so einfach funktioniert, ist vermutlich vielen Leuten klar. Doch welche Geschichte repräsentieren die angesprochenen Bilder. Und wofür steht &#8220;die Türkei&#8221;, wenn es sie denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Türkei: Projektionsfläche von antieuropäischen Ressentiments, westlichen Ordnungsvorstellungen, antislamischen und -türkischen Reflexen. Dazu gelobtes Land von Modernisierung und Laizismus, emanzipativer nationaler Konstruktion, etc. pp. Nicht zuletzt: &#8220;unser&#8221; Urlaubsland.</p>
<p>Das dies alles nicht so einfach funktioniert, ist vermutlich vielen Leuten klar. Doch welche Geschichte repräsentieren die angesprochenen Bilder. Und wofür steht &#8220;die Türkei&#8221;, wenn es sie denn so gibt?</p>
<p>Dazu hat <a href="http://www.history.ucla.edu/people/faculty?lid=252">Perry Anderson</a>, ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Perry_Anderson">renommierter, kritischer Historiker</a>, gerade ein Buch veröffentlicht, dass nun auch auf Deutsch erschienen ist. Es heißt &#8220;<strong>N</strong><strong><strong>ach </strong>Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa</strong>&#8220;, <em>Perry Anderson</em>. Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Berenberg, Berlin 2009, 184 S., 19 €</p>
<p>Eine Rezension dazu im <a href="http://www.freitag.de/kultur/0927-perry-anderson-tuerkei-moderne-olli-rehn-kurden">Freitag vom 2.7.2009</a>.</p>
<p>Die Herstellung der &#8220;modernen&#8221; Türkei wird darin als eine &#8220;Revolution von oben&#8221; dargestellt, der sozusagen schon seit ihrer erfolgreichen Implementierung ihre Basis in der Bevölkerung gefehlt hat. Weitere Brüche und problematische Politiken dieses nationalen Projektes beschreibt der Rezensent:</p>
<blockquote>
<h2>&#8220;Dessen [der Massenmord an den Armeniern, c.] bis heute andauernde Leugnung hält Anderson – ganz zu Recht – für einen ähnlichen schwerwiegenden Geburtsfehler der Republik wie den falschen Säkularismus. In seinem Bestreben, die Religion zu kontrollieren, habe der „robuste Atheist“ Atatürk die Religion erst verstaatlicht, dann aber zunehmend als Identitäts-Füllstoff für das „dubiose Konstrukt“ seiner erfundenen Nation instrumentalisiert. Zusammen mit der „Sakralisierung des Staates“ sei jene „pervertierte Dialektik von Staat und Religion“ entstanden, die die Türkei heute noch beherrscht. Die Entwicklung der Religion als „unausgesprochener Definition des Nationalen“ hallt in dem legendären Satz des Putschgenerals Evren nach: „Laizismus bedeutet nicht Atheismus“, den Anderson zitiert. Die Mär vom Militär als „Hüter des Säkularismus“ sieht man bei diesem Bekenntnis in einem anderen Licht.&#8221;</h2>
</blockquote>
<p>Und heute: scheinen die Homogenierungsträume der Politiker_innen nicht mehr so einfach zu funktionieren. Die Gesellschaft scheint gespalten zwischen religiösen bzw. religiös-strategischen Machtakteur_innen, Militärinteressen, sowie laizistischen Akteur_innen, die ebenfalls um ihre Machtbasen und Einflussnahmen in dieser Gesellschaft streiten. Das ist vielleicht, bei allen unerwünschten und mehr kritikablen Gewaltverhältnissen besser, als wenn sich eine Vorstellung von &#8220;der Türkei&#8221; durchgesetzt hätte &#8211; sowohl im Inneren, als auch, was die westlichen Bilder der Türkei betrifft. Und wer noch etwas über die Bilder Europas lernen und lesen will, kann gerne den Artikel von Perry Anderson aus der <a href="http://www.lettre.de/archiv/79_Anderson.html">lettre international nr. 79</a> zu Rate ziehen.</p>
<p>Mit welchem Ausgang pakt die Geschichte die Lebenden? The Future is unwritten&#8230;</p>
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