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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Integration</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Demokratie statt Integration</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 21:43:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[.:Diffusionen.de dokumentiert die vom Netzwerk für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung initiierte Stellungnahme &#8220;Demokratie statt Integration&#8221;. Die Stellungnahme wurde bereits von über 400 Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen unterzeichnet und erscheint am 1. Oktober 2010 unter dem Titel &#8220;Nein zur Ausgrenzung!&#8221; in der taz. Wer unterzeichnen möchte, kann das hinter diesem Link tun. 
Die Bundesbank ist Thilo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>.:Diffusionen.de dokumentiert die vom <a href="http://kritnet.org/">Netzwerk für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung</a> initiierte Stellungnahme <a href="http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org/">&#8220;Demokratie statt Integration&#8221;</a>. Die Stellungnahme wurde bereits von über 400 Wissenschaftler_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen unterzeichnet und erscheint am 1. Oktober 2010 unter dem Titel <a href="http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/nein-zur-ausgrenzung/">&#8220;Nein zur Ausgrenzung!&#8221;</a> in der taz. Wer unterzeichnen möchte, kann das hinter diesem <a href="http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org/">Link</a> tun. </em></p>
<blockquote><p>Die Bundesbank ist Thilo Sarrazin los. Damit ist die Geschichte aber längst nicht vorbei. Denn beunruhigend sind nicht allein die populistischen Thesen dieses Bankiers, beunruhigend ist vielmehr die Plausibilität, die seinen Ausführungen zugestanden wird. Eine erstaunliche Anzahl von PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und MeinungsmacherInnen sind sich einig: Der Sarrazin’sche Biologismus hat zwar in Deutschland einen besonderen Hautgout, im Kern aber habe der Mann doch Recht. Nicht wenige feiern den ehemaligen Finanzsenator Berlins als Tabubrecher mit visionärem Blick für Deutschlands Zukunft. Wir fragen: welches Tabu? Die Skandalisierung der Migration gehört zum Standardrepertoire in Deutschland. Es ist sinnlos, den infamen Behauptungen von Sarrazin et al. wissenschaftliche Fakten entgegenstellen zu wollen, um zu beweisen, was MigrantInnen „wirklich“ tun oder lassen.</p>
<p>Man kann diese Debatte nicht versachlichen, denn nichts an ihr ist richtig. Wir akzeptieren schlicht keine Haltung, die gesellschaftliche Verhältnisse nach Kosten-Nutzen-Erwägungen durchrechnet und Arme und MigrantInnen zur Ausschusspopulation erklärt. Dies geschieht im Kontext einer globalen Wirtschaftskrise, von der nur allzu klar ist, wer ihre Folgen tragen soll.</p>
<p>Wir wollen das Offensichtliche klar stellen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft. Das bedeutet: Wenn wir über die Verhältnisse und das Zusammenleben in dieser Gesellschaft sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, von Integration zu reden. Integration heißt, dass man Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder bekommen, alt werden und sterben, einen Verhaltenskodex aufnötigt, bevor sie gleichberechtigt dazugehören. Aber Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heißt, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen. Die Rede von der Integration ist eine Feindin der Demokratie.</p>
<p>Noch vor kurzem wurden MigrantInnen der besonderen Missachtung von Frauenrechten bezichtigt. Die aktuelle Hysterie zeigt aber einmal mehr, dass es den KritikerInnen der Migration nicht um Gleichberechtigung geht: Hier wird über Frauen nur noch als Gebärende gesprochen, die entweder zu viel oder zu wenig Nachwuchs produzieren. Es muss darum gehen, rechtliche und politische Strukturen zu schaffen, die es MigrantInnen ermöglichen, selbstbestimmt ihr Leben zu gestalten – und das beinhaltet auch, das Ausländerrecht zu verändern.</p>
<p>Wenn selbsternannte LeistungsträgerInnen sich ein quasi „naturgegebenes“ Recht zubilligen, über die Daseinsberechtigung anderer zu urteilen, dann ist das wohl ein neuer Mix aus Neoliberalismus und Rassismus. Bisher wurden Sprache, Kultur und religiöse Gebräuche der migrantischen Minderheiten für deren Lebensverhältnisse verantwortlich gemacht. Jetzt sollen es die Gene sein. Bisher wurde behauptet, dass durch Leistung, Arbeitsethos und Anpassung ein Platz in der Gesellschaft gesichert ist. Jetzt wird ganzen Gruppen nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Fähigkeit dazu abgesprochen. Inakzeptabel ist nicht nur der Rassismus, der in den Ausführungen von Sarrazin und seinen Mitläufern steckt, sondern auch die darin enthaltene Konsequenz, Hierarchien in dieser Gesellschaft als unverrückbar zu erklären und damit Politik an sich, die Konflikte, Verhandlungen und Kämpfe um ein besseres Leben für sinnlos zu erklären.</p>
<p>Es sind politische Entscheidungen, die für die Verarmung und soziale Deklassierung zunehmender Teile der Bevölkerung verantwortlich sind. Reden wir davon, wie dieses Deutschland jahrzehntelang den Eingewanderten ihre sozialen und politischen Rechte vorenthalten hat. Reden wir davon, dass MigrantInnen der Zugang zu Bildung, Wohnraum und Arbeitsplätzen, in öffentliche Institutionen und Ämter ebenso wie in Clubs und Fußballvereine systematisch erschwert wird. Das Problem sind weder die Armen noch die MigrantInnen, das Problem ist eine Politik, die Armut und Rassismus produziert. Das Problem ist eine Gesellschaft, die sich auch über Ausgrenzung definiert.</p>
<p>Unübersehbar ist, wie viele Sarrazin eilig beispringen und nach dem Recht auf Meinungsfreiheit rufen, ganz so, als ob er ein Problem hätte, seine Thesen öffentlich zu machen. Die Kritik an ihm wird zum Angriff auf die Freiheit des Wortes stilisiert. Der Aggressor wird so zum Opfer, auch das ist leider eine sehr gewöhnliche Inszenierung. Wer Sarrazins bevölkerungspolitische Ansichten übernimmt, arbeitet mit an der Spaltung unserer Gesellschaft.</p>
<p>Denn: Wenn Integration irgendetwas bedeuten kann, dann doch nur, dass alle drin stecken!
</p></blockquote>
<p>Die Liste der Unterzeichner_innen ist auf der Website <a href="http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org">http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org</a> einsehbar. Hier kann die Stellungnahme auch unterzeichnet werden. </p>
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		<title>Sarrazin, Rassismusdefinitionen und die SPD</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/03/24/sarrazin-rassismusdefinitionen-und-die-spd/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 11:15:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade läuft die internationale Woche gegen Rassismus. Die Debatte um die Äußerungen Thilo Sarrazins in der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; zeigt deutlich, dass keine Einigkeit darüber besteht, was &#8220;Rassismus&#8221; denn nun ist &#8211; geschweige denn, was es bedeutet, &#8220;gegen Rassismus&#8221; zu sein.
Wir erinnern uns: der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und prominenter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade läuft die <a href="http://www.interkultureller-rat.de/projekte/internationale-wochen-gegen-rassismus/#a1">internationale Woche gegen Rassismus</a>. Die Debatte um die Äußerungen Thilo Sarrazins in der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; zeigt deutlich, dass keine Einigkeit darüber besteht, was &#8220;Rassismus&#8221; denn nun ist &#8211; geschweige denn, was es bedeutet, &#8220;gegen Rassismus&#8221; zu sein.</p>
<p>Wir erinnern uns: der ehemalige Berliner Finanzsenator<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin"> Thilo Sarrazin</a>, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und prominenter SPD-Genosse, äußerte sich im <strong>September 2009</strong> in einem Interview mit der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; abfällig über &#8220;Menschen [...], die nicht ökonomisch gebraucht werden&#8221;. Zu diesen gehörten &#8220;Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat&#8221; und die &#8220;keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel&#8221; hätten. Die Mentalität dieser Menschen sei &#8220;aggressiv und atavistisch&#8221;, sie seien in weiten Teilen &#8220;weder integrationswillig noch integrationsfähig&#8221; und &#8220;produziert[en]&#8221; &#8220;ständig neue kleine Kopftuchmädchen&#8221;. Speziell türkische Menschen &#8220;erobern&#8221; Deutschland &#8220;durch eine höhere Geburtenrate&#8221;. Aber auch &#8220;verfettete Subventionsempfänger&#8221;, &#8220;Unterschichtengeburten&#8221; und &#8220;Nichtleistungsträger&#8221; will Sarrazin nicht mehr in Berlin haben. Im Gegensatz dazu sprach er von &#8220;vielen fleißigen asiatischen Arbeitern, von Thailand bis China&#8221; sowie von der &#8220;altdeutsche[n] Arbeitsauffassung&#8221; der &#8220;Detuschrussen&#8221; und attestierte jüdischen Menschen aus Osteuropa einen &#8220;um 15% höheren IQ&#8221; als der deutschen Bevölkerung. Direkte Folge: eine mediale Debatte, schnelle Solidaritätsbekundungen und Schulterklopfen für Sarrazin (unter anderem von <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/deutschland_in_aufruhr/">Henryk M. Broder</a>, <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/ralph-giordano-sarrazin-hat-vollkommen-recht_aid_442352.html">Ralph Giordano</a>, aber auch der DVU, der PRO-Bewegung und den Republikanern), Anregung eines Parteiausschlussverfahrens aus der SPD, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,654915,00.html">Ärger</a> <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/thilo-sarrazin-bundesbank-praesident-legt-ruecktritt-nahe_aid_441393.html">mit der Bank</a>- derweil Lettre International mit dem Blick über den Tellerrand und kontroversen Interviews wirbt.</p>
<p>Ein erster Antrag auf Parteiausschluss durch Mitglieder seines SPD-Kreisverbandes wird im <strong>November 2009 </strong>abgelehnt &#8211; unter anderem mit Verweis auf das Hamburger Programm der SPD, das eine  Integrationsbereitschaft &#8220;seitens der Migranten&#8221; fordere, und die  Tradition der SPD, die &#8220;stets Raum für verschiedene Auffassungen  gelassen&#8221; habe (siehe <a href="http://www.spd-berlin.de/w/files/spd-presse/pe-012-schiedskommission-zu-sarrazin.pdf">hier</a>).</p>
<p>Im <strong>Dezember 2009</strong> kommt ein vom SPD-Kreisverband Spandau und der SPD-Abteilung Alt-Pankow in Auftrag gegebenes wissenschaftliches <a href="http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2010/01/Botsch_Gutachten-SPD-Schiedskommission.pdf"> Gutachten</a> (Autor: Dr. Gideon Botsch, Moses-Mendelssohn-Institut) zu dem Schluss, dass &#8220;die Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin  im Interview mit der Zeitschrift &#8216;Lettre International&#8217; (deutsche Ausgabe, Heft 86)&#8221; eindeutig als rassistisch zu bewerten seien.  <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/01/22/wissenschaftliches-gutachten-sarrazins-aeuszerungen-eindeutig-rassistisch/">Der Schwarze Blog kommentiert</a>. Botsch beschreibt eingangs, dass es unterschiedliche Rassismusdefinitionen und unterschiedliche Spielarten des Rassismus gibt (bspw. kulturalisierenden Rassismus und &#8220;sozialen Rassismus&#8221;), und bezieht sich auf Albert Memmi, demzufolge Rassismus in einer &#8220;Hervorhebung von Unterschieden, in einer Wertung dieser Unterschiede und schließlich im Gebrauch dieser Wertung im Interesse und zugunsten des Anklägers&#8221; bestehe (Memmi, Rassismus, S. 44). Von Rassismus könne entsprechend nur gesprochen werden, wenn &#8220;Differenz, Wertung, Verallgemeinerung und Funktion&#8221; vorliegen (Botsch, S. 4). Das Gutachten weist den Äußerungen Sarrazins kulturalistischen und sozialen Rassismus sowie andere gruppenbezogene Vorbehalte nach &#8211; und weist explizit darauf hin, dass die Identifikation rassistischer Äußerungen nicht gleichzusetzen ist mit dem Vorwurf, jemand sei Rassist (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=b0Ti-gkJiXc&amp;feature=player_embedded">Jay Smooth hat&#8217;s immer noch gut formuliert</a> und diese Unterscheidung scheint auch rechtlich relevant zu sein, wie die <a href="http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1600708/">Kontroverse um Dr. Sabine Schiffer</a> deutlich macht).</p>
<p>Im <strong>März 2010</strong> entscheidet die SPD-Landesschiedskommission Berlin, dass Sarrazin Mitglied der SPD bleiben darf. Die Entscheidung (hier <a href="http://www.spd-berlin.de/w/files/spd-presse/pe-012-schiedskommission-zu-sarrazin.pdf">als  pdf</a>) hält fest: &#8220;<em>Rassismus hat in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands keinen Platz.</em>&#8221; (im Original fett) Sarrazin wird dennoch nicht ausgeschlossen &#8211; weil seine Äußerungen nicht alle Kriterien für Rassismus erfüllen. Weil nicht nur Migrant_innen, sondern auch ein &#8220;bestimmter Teil der deutschen Bevölkerung&#8221; kritisiert würden, finde kein Rassismus statt &#8211; es würden schließlich Gruppen von Migrant_innen mit Gruppen von Deutschen gleichgesetzt. Eine Verallgemeinerung finde nicht statt, weil Sarrazin nicht von &#8220;den Migranten&#8221; rede, sondern zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen unterscheide. In dem Dokument ist außerdem zu lesen, Sarrazins &#8220;Tabubruch&#8221; sei in &#8220;den Reihen der Menschen mit Migrationshintergrund&#8221; auf Verständnis gestoßen &#8211; und Sarrazin (der &#8220;Antragsgegner&#8221;) beklagt die Tabuisierung seiner Kritik u.a. durch &#8220;staatlich finanzierte Antidiskriminierungsvereine&#8221;, die den Rassismusvorwurf strategisch einsetzten, um Dinge &#8220;unter der Decke&#8221; zu halten. Zurück zur Entscheidung: wenn sich Sarrazin auch vom &#8220;Menschenbild des Hamburger Programms entfernt&#8221; hätte, so wiege das Gut der Meinungsfreiheit schwerer: &#8220;<em>Die Volkspartei SPD muss solche provokanten Äußerungen aushalten</em>.&#8221;  Sarrazin erhalte damit aber &#8220;<em>keinen Freifahrtschein für alle künftigen Provokationen</em>&#8221; (kursive Hervorhebungen sind im Original fett). Parteischädigendes Verhalten sei in seinen bisherigen Äußerungen noch nicht festzustellen.</p>
<p><a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/persilschein-fuer-alle-rassisten/">Sebastian Heiser kommentiert in der taz</a>: ein Parteiausschluss hätte &#8220;nochmal die ganz große Runde gemacht&#8221;, der Nicht-Ausschluss sei also als strategisch zu verstehen &#8211; und musste dennoch inhaltlich begründet werden, woran die Schiedskommission gescheitert sei. Dies habe verheerende Folgen &#8211; darunter in Heisers Worten &#8220;ein Persilschein für Rassisten&#8221;. <a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/das-ist-geradezu-grotesk/">Hajo Funke betont in der taz </a>den rassistischen und sozialdarwinistischen Charakter von Sarrazins Äußerungen, die er als &#8220;rassistischen Rechtspopulismus&#8221; bezeichnet. Die Kommission, die sich auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus#Rassismusdefinition_nach_Albert_Memmi">Rassismusdefinition von Albert Memmi</a> beruft, habe &#8220;den Memmi und den Rassismusdiskurs nicht verstanden&#8221;. Die Behauptung, durch die &#8220;Differenzierung zwischen Migrantengruppen&#8221; (taz) sei das Kriterium, dass sich eine Beschuldigung gegen fast alle Mitglieder einer Gruppe richte, nicht erfüllt, bezeichnet Funke as &#8220;geradezu grotesk&#8221;. <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/chance-verpasst/">Im Kommentar von Daniel Bax</a> wird die Schiedskommission mit der Aussage paraphrasiert, Sarrazins Aussagen seien nicht biologisch begründet, also nicht &#8220;im klassischen Sinne rassistisch&#8221;. Bax prophezeit: die SPD wird sich auch in Zukunft mit &#8220;dummen Sprüchen&#8221; Sarrazins &#8220;herumschlagen&#8221; müssen &#8211; weil die Entscheidung als Bestätigung seiner Positionen wirkt. Wie <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/sarrazin-darf-sozi-bleiben/">die taz berichtete</a>, gibt Sarrazin den Vorwurf, nicht für die SPD zu sprechen, nun an die Parteilinke weiter.</p>
<p>Die SPD lehnt also Rassismus ab. Kulturalisierende, ethnisierende und sozialdarwinistische Zuschreibungen, Abwertungen und Ressentiments gelten laut Landesschiedskommission zwar als problematisch, weil sie &#8220;viele Menschen verletzt&#8221; haben &#8211; aber nicht als Spielarten des Rassismus. Dass Intelligenz und ökonomische Nützlichkeit an soziale Herkunft, Nationalität und die Zugehörigkeit zu doch recht großen &#8220;Kulturkreisen&#8221; geknüpft werden und Sarrazin sich zudem aus dem Fundus antisemitischer Klischees bedient, scheint dabei nicht weiter zu stören. Wenn Sarrazins Äußerungen SPD-Organen nicht als &#8220;parteischädigend&#8221; gelten, sondern Positionen repräsentieren, die innerhalb der Volkspartei &#8220;ausgehalten&#8221; werden müssen, nimmt diese zumindest in meinen Augen Schaden. Um eine Formulierung von Sarrazin zu borgen: Ich muss niemanden respektieren, der mehrfach privilegiert ist, die Gleichwertigkeit aller Menschen abstreitet und ständig neue &#8220;Tabubrüche&#8221; produziert.</p>
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		<title>&#8220;Respekt²&#8221; für das &#8220;neue Deutschland&#8221;?</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 21:40:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Gegenteil von gut ist gut gemeint? Zur Relativierung und Abschaffung deutscher NS-Vergangenheit im migrantischen Rap dieser Gesellschaft. Eine Befragung

Vor einigen Wochen erschein die CD &#8220;Respekt!² Die Hinhören CD&#8220;, herausgegeben vom Jugendsender MDR Sputnik, in Kooperation mit dem Landesjugendring Thüringen e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und SPIESSER - Die Jugendzeitschrift.  Diese ist mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Gegenteil von gut ist gut gemeint? Zur Relativierung und Abschaffung deutscher NS-Vergangenheit im migrantischen Rap dieser Gesellschaft. Eine Befragung<br />
</strong></p>
<p>Vor einigen Wochen erschein die CD &#8220;<a href="http://respekt.yougend.com/pages/respekt-cd.php">Respekt!² Die Hinhören CD</a>&#8220;, herausgegeben vom Jugendsender MDR <a href="http://www.sputnik.de/">Sputnik</a>, in Kooperation mit dem <a href="http://www.landesjugendring-thueringen.de/">Landesjugendring Thüringen e.V.</a>, der <a href="http://www.lpb.sachsen-anhalt.de/">Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt</a> und <a href="http://www.spiesser.de/">SPIESSER </a>- Die Jugendzeitschrift.  Diese ist mit 13 Songs von prominenten KünstlerInnen wie Jennifer, Rostock, Tomte, Jan Delay, Peter Fox, Samy Deluxe etc. ausgestattete CD wurde und wird mit der Stückzahl von 40.000 Exemplaren u. a. an Schulen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verteilt. In diesem Kontext gab es auch im Mai 2009 eine sog. <a href="http://www.sputnik.de/respektwoche-2009/aktion">Respekt-Woche </a>des Radio-Senders Sputnik unter dem Motto &#8220;Respekt statt Hass, Toleranz statt Gewalt&#8221;.</p>
<p>Auf der besagten CD steuert der Rapper Samy Deluxe den Titel &#8220;Dis ist wo ich herkomm&#8221; einen zentralen Titel der CD bei, ist er doch auch im Booklet der Sachsen-CD mit den kompletten Lyrix vertreten. Und Samy Deluxe hat auch gerade eine <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Samy_Deluxe_Dis_wo_ich_herkomm_Deutschland_Deluxe.07062009.2739000.html">Biographie unter dem gleichen Namen </a>herausgebracht.</p>
<p>Aber was singt der schon seit Jahren bekannte und erfolgreiche Rapper da eigentlich genau? So fängt das Lied an:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ey, uh, yeah, hört ihr das?                                                                                                         Das ist &#8216;ne neue Perspektive auf die ganze Scheiße, haha!</p>
<p>Dies hier ist unser Deutschland<br />
Dies hier ist euer Deutschland<br />
Dies ist das Land wo wir leben<br />
Dies ist das neue Deutschland&#8221;</p></blockquote>
<p>Naja, also erstmal ne nationale Perspektive reinbringen &#8211; &#8220;Deutschland&#8221; ist erst mal als Referenzrahmen des Sprechens und als Problemraum aufgemacht.</p>
<p>Dann geht es fröhlich weiter:</p>
<blockquote><p><span>&#8220;Pass auf es geht so, hoff ihr verstehts so<br />
wir müssen was für unser Land tun für unser Ego<br />
Dies ist der Startschuss für die Kampange es geht los<br />
Ziele sind gesteckt und extrem groß es ist phäno-<br />
menal egal was ihr auch sagt<br />
ich werd beweisen das ich mehr für Deutschland mach als der Staat<br />
Mit meinen Partnern denn wir geben den Kids Perspektive<br />
bisschen Aufmerksamkeit und ein bisschen mehr Liebe&#8221;<br />
<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br />
<!--[endif]--></span></p></blockquote>
<p>Okey? Ein Rapper, der was für &#8220;Deutschland&#8221; machen will (sogar in guter neoliberaler Art und Weise ohne den Staat), was für die &#8220;Kids&#8221; &#8211; und zwar &#8220;Aufmerksamkeit und Perspektive. Na, wenn soziale Ungleichheit überall so einfach bekämpft werden könnte, dann lasst bitte den guten Samy in die ganze Welt mit seinen Projekten und seinen Songs. Aber mal Spass beiseite: Die sozialen Problemlagen und strukturellen Unglerechtigkeiten in der Gesellschaft werden gar nicht benannt, sondern verbleiben im Nichtsagbaren.</p>
<p>Aber der Song hat noch mehr zu bieten:</p>
<blockquote><p>&#8220;<!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]-->Ich schau mich um und habe Zweifel                                                                                           wie es weitergehen soll in diesem Land das meine Heimat ist                                                       Und ich sehe ein das die Vergangenheit hier nicht einfach ist<br />
doch wir können nicht steh&#8217;n bleiben<br />
weil die Uhr immer weiter tickt (tick &#8211; tack)<br />
Und wir haben kein Natinalstolz und das alles bloß wegen Adolf -<br />
ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich &#8216;n Österreicher<br />
Ich frag mich was soll das, als wäre ich Herbert Grönemeyer<br />
Die Nazizeit hat unsere Zukunft versaut<br />
die Alten sind frustriert deshalb badet die Jugend es aus<br />
Und wir sind es Leid zu leiden, bereit zu zeigen<br />
wir fangen gerne von vorne an, schluss mit den alten Zeiten&#8221;</p></blockquote>
<p>Ahh, ja &#8230; auch so ein altbekannte Argumentation. Die negative Geschichte hat &#8220;uns&#8221; eigentlich am Wickel, bremst &#8220;unsere&#8221; Entwicklung, unser Fortkommen, sorgt für Stillstand, obwohl sich alles doch weiter bewegt. Also, &#8220;Die Vergangenheit ist also &#8220;nicht einfach&#8221;, aber was daran eigentlich? Werden die Verbrechen der NS-Diktatur genannt? Nein, es geht um eine etwas nebulöse Vergangenheit. Und dann kommt die Krönung, die Pointe: Hitler, der ja Österreicher war, versaut(e) uns den Nationalstolz. Wie bitte? Als ob <a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php4?page=28&amp;show=15487">das Problem Hitler allein war </a>&#8230; irgendwie kommt das einem doch ätzend bekannt vor. Nirgends ein Verweis, dass es doch die deutsche Mehrheitsgesellschaft war, die durch ihr Handeln mindestens sechs Millionen Juden und viele andere Menschen getötet, ermordet und vernichtet haben, die alle zu nicht lebenswerten Subjekten gemacht wurden.</p>
<p>Aber damit noch nicht genug, ein wenig müssen noch das Kriegsende, die Wende, der Mauerfall, Nationalgeführ und die Schuld an zwei Weltkriegen in den Rap-Mixer, damit das rauskommt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Siehs mal so: <!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]--></p>
<p><span>64 Jahre nach dem Krieg, 20 nach der Wende<br />
das war kurz nach dem Mauerfall<br />
krass wenn ich dran denke<br />
7 Jahre nach der DM, 3 Jahre nach der WM<br />
Ein Monat waren wir kurz stolz dann mussten wir uns wieder schämen<br />
denn es heißt wir haben beide Weltkriege gestartet<br />
vielleicht kann man da auch keine Selbstliebe erwarten<br />
aber, was soll&#8217;n wir tun etwa für immer depressiv sein<br />
trotz den ganzen Fortschritten der kulturellen Vielfalt&#8221;<br />
<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br />
<!--[endif]--></span></p></blockquote>
<p>Der nächste Hammer folgt also: Weil es nur &#8220;so heißt&#8221;, dass &#8220;wir&#8221; beide Weltkriege gestartet haben, kann also keine Selbstliebe der Deutschen erwartet wartet werden. Also: Solche Sätze ermöglichen saubersten Geschichtsrevanchismus: Denn historisch richtig ist, dass &#8220;Deutschland&#8221; diese beiden Kriege verschuldet hat, daran gibt es überhaupt keinen historischen Zweifel. Wenn daraus keine Selbstliebe der Deutschen erwächst, dann erscheint mir das normal und sogar wünschenswert, nicht problematisch.</p>
<p>Kurzum &#8211; es bleiben viele Fragen, die dieser Text meiner Meinung nach aufwirft: Müssen migrantische Stimmen im Hip-Hop einen &#8220;deutsch&#8221;-Bezug aufmachen? Diese Bezugnahme be- und hinterfragt natürlich die bisherige weisse, rassisistische Konstruktion eines &#8220;Deutschsein&#8221;. Und eine Neonazi- Instrumentalisierung der Zeilen von Samy Deluxe könnte (glücklicherweise) auch schwierig werden, weil seine migrantische Subjektivität einer rassistischen Volks- oder Bevölkerungskonstruktion einer scheinbaren &#8220;Reinheit&#8221; einer Rasse entgegen stehen würde.</p>
<p>Trotzdem eine weitere Frage: Für wen spricht eigentlich der Rapper? Und mit wem? Die Frage der Repräsentation muss auf jeden Fall kritisch beleuchtet werden, gerade wenn hier an das Tun für ein Land , gegen Langeweile, Depression, Pessimismus und andere vermeintlich falsche Daseinszustände appelliert wird.</p>
<p>Zuletzt: Warum wird die Vergangenheit als Last, als Hindernis, als problematische Erzählung wahrgenommen? Ich hätte vielleicht eher erwartet, dass sie ein zu aktualisierender, zentraler Erinnerungsraum für die Gesellschaft sein sollte. Die Erinnerung könnte auch im migrantischen Rap diskutiert werden unter mindestens zwei Gesichtspunkten: a) Was für Alltagsrassistsiche und strukturelle Diskriminierungserfahrungen es in dieser postnazistischen Gesellschaft weiterhin gibt gegenüber Menschen, die wir als &#8220;Anders&#8221; wahrnehmen, ordnen, sortierten. Und sollte hier vor Kontinuitäten bzw. neuen Entwicklungen eher gewarnt werden, vor dem Hintergrund der historischen Schuld Deutschlands. b) Es wäre wünschenswert einmal zu schauen, welche alternativen Geschichten als aus einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus">postkolonialen Perspektive</a> in die offizielle Deutschlandgeschichtsschreibung hineingetragen werden müssten, die migrantische Stimmen und Erfahrungen zu erzählen haben &#8211; und die das homogene Deutschland(-Bild) inklusive Volksideologie etc. auch infrage stellen könnten. Diese beiden genannten und andere Gesichtspunkte müssen natürlich überall in emanzipativen und kritischen Räumen diskutiert und proliferiert werden &#8211; dass den MigrantInnen als Aufgabe einzuschreiben, wäre genau so eine (post)koloniale Praktik, die unerwünscht ist.</p>
<p>Ich kann zu diesem ganzen Problemfeld ehrlich keinen objektiven Standpunkt formulieren, dass wäre aus einer weißen, mittelklassegeprägten Perspektive absolut anmaßend. Deshalb sind diese ganzen Zeilen eher Fragen und Problematisierungen, denn fertige Antworten.</p>
<p>Aber by the way: Warum haben eigentlich die CD-MacherInnen diesen Track für den Sampler gewählt &#8211; und dann noch die Lyrics des Textes so zentral platziert?</p>
<p>Zugegeben: Ich bleibe bei diesen vielen Fragen etwas ratlos zurück&#8230;</p>
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		<title>&#8220;Deutschland sagt Danke&#8221;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2008/10/07/deutschland-sagt-danke/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 14:25:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Phoenix übertrug am 2. Oktober die Wiederholung einer ungewöhnlichen Gesprächsrunde, mit Angela Merkel als Moderatorin. &#8220;Deutschland sagt Danke&#8221; hieß die Veranstaltung, die am 1. Oktober in Berlin stattfand, um die &#8220;Aufbauleistung der ehemaligen Gastarbeiter&#8221; zu würdigen. Einerseits überfällig, andererseits auch problematisch&#8230;
Überfällig, weil es in der deutschen Diskurslandschaft positiv auffällt, dass ehemalige GastarbeiterInnen überhaupt gewürdigt werden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.phoenix.de/vor_ort/2008/10/02/0/202359.1.htm">Phoenix</a> übertrug am 2. Oktober die Wiederholung einer ungewöhnlichen Gesprächsrunde, mit Angela Merkel als Moderatorin. <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Artikel/2008/09/2008-09-23-deutschland-sagt-danke.html">&#8220;Deutschland sagt Danke&#8221;</a> hieß die Veranstaltung, die am 1. Oktober in Berlin stattfand, um die &#8220;Aufbauleistung der ehemaligen Gastarbeiter&#8221; zu würdigen. Einerseits überfällig, andererseits auch problematisch&#8230;<span id="more-25"></span></p>
<p>Überfällig, weil es in der deutschen Diskurslandschaft positiv auffällt, dass ehemalige GastarbeiterInnen überhaupt gewürdigt werden. Es wird daran erinnert, dass Menschen aus dem Ausland angeworben wurden, aus &#8220;deutschem&#8221; Interesse heraus, und dass die Situation, in der diese Menschen sich dann befanden, nicht gerade einfach war. Auf die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen wies auch Integrationsbeauftragte Maria Böhmer in ihrer <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2008/10/2008-10-01-ib-gastarbeiter.html">Rede</a> hin. Mit dem Blick zurück wird die Geschichte Deutschlands als &#8220;Einwanderungsland&#8221; erzählt, auch als Geschichte einer langsamen und schwerfälligen Öffnung der deutschen Gesellschaft, als Geschichte von Bereicherung und Annäherung. Einige der ca. 200 geladenen Gast- und VertragsarbeiterInnen der ersten Generation hatten in der Gesprächsrunde mit der Bundeskanzlerin die Möglichkeit, ihre eigene, persönliche Geschichte zu erzählen. Vertreter von Firmen, die GastarbeiterInnen beschäftigten, betonen deren große Bedeutung für die Firmen. All das hat etwas mit Anerkennung zu tun &#8211; auch ganz offiziell und nicht nur für Einzelne &#8211; und das ließ hierzulande bislang zu wünschen übrig.</p>
<p>Dennoch hinterlassen die Veranstaltung und die <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2008/10/2008-10-01-ib-gastarbeiter.html">Rede Böhmers</a> auch ein ungutes Gefühl und werfen Fragen auf. Ein nicht unbedingt intendierter, aber für die dilemmatische Natur politischer Sprache symptomatischer Effekt (und problematischer Aspekt) ist die dauernde Wiederholung der Grenzziehung zwischen &#8220;uns&#8221; und &#8220;Ihnen&#8221;, die einer solchen Veranstaltung innewohnt. Diese Grenze wird immer wieder neu aufgebaut, um sie dann wieder zu nivellieren &#8211; aber sie bleibt. Ein Beispiel aus Böhmers Rede:</p>
<blockquote><p><em><span>&#8220;Dies ist heute Ihr Tag. Die Bundeskanzlerin hat Sie eingeladen, weil wir Ihnen Dank sagen wollen.</span></em></p>
<ul>
<li><em></em> <em>Sie haben hart gearbeitet und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand in Deutschland beigetragen.</em></li>
<li><em>Sie haben sich für ein besseres Miteinander eingesetzt.<br />
</em></li>
<li><em>Sie haben Deutschland bereichert.</em><em></em></li>
</ul>
<p><em><span>Dafür herzlichen Dank!</span></em><em>Dieser Dank ist nicht allein der Dank der Politik oder der Wirtschaft. Es ist der Dank unseres Landes, unseres gemeinsamen Landes. Heute sagt Deutschland Danke!</em><em>&#8221;<br />
</em></p></blockquote>
<p><span>Lassen wir mal die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus">Anthropomorphisierung</a> beiseite &#8211; obwohl mit der Vorstellung, &#8220;Deutschland&#8221; könne &#8220;Danke&#8221; sagen, ein schönes Beispiel für das von <a href="http://people.bu.edu/stk/Research.html">Simon Keller</a> konstatierte <a href="http://people.bu.edu/stk/Papers/Nonsense.pdf">epistemische Problem mit der Loyalität zu einem Land</a> vorliegt. Dieses &#8220;Deutschland&#8221; jedenfalls scheint verschwimmende Grenzen zu haben. Es wurde<em> </em>durch Einflüsse von außen bereichert und bedankt sich dafür. Es gehört &#8220;uns&#8221;, und mit dem Einschub und dem Wörtchen &#8220;gemeinsam&#8221; wird ausgedrückt, dass die einstigen Gastarbeiter auch ein Teil von &#8220;uns&#8221; seien. Trotzdem sind sie es nicht ganz &#8211; denn &#8220;wir&#8221; können &#8220;ihnen&#8221; Danke sagen. Einige Zeilen später werden die Gewürdigten als <em>&#8220;liebe Gäste aus der ersten Generation&#8221;</em> bezeichnet. Dass ein Gast nicht zum Haushalt gehört, ist bekannt. Böhmers Formulierung impliziert aber auch, dass es noch mehr Generationen von Gästen gebe &#8211; so dass auch Menschen, die in der dritten Generation hier leben, das möglicherweise als &#8220;Gäste&#8221; tun. </span><em><span><span style="display: inline; background-color: #fff580;"><br />
</span></span></em></p>
<p>Im Zwiegespräch Angela Merkels mit einer jungen Frau, deren Großeltern als Gastarbeiter in die Bundesrepublik kamen, wurde diese Trennung von &#8220;uns&#8221; und &#8220;ihnen&#8221; beispielhaft deutlich. Die Enkel der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien Teil unserer gemeinsamen Zukunft, so Böhmer in ihrer Rede. Merkel fragte die junge Frau, wie es ihr in Deutschland gefalle, ob es schwierig gewesen sei, als Mädchen Abitur zu machen, und dass sie doch bestimmt Freundinnen habe, bei denen die elterliche Unterstützung für das Abitur nicht so selbstverständlich gewesen sei. In Deutschland gefalle es ihr gut, sagte die junge Frau, sie sei ja in Berlin geboren. Phoenix blendete eine Bildunterschrift ein: &#8220;(Name der jungen Frau) aus der Türkei&#8221;.</p>
<p>Obwohl betont wird, dass der Dank nicht nur aus Politik und Wirtschaft komme, fällt die wiederholte Betonung des insbesondere wirtschaftlichen, aber auch kulturellen Nutzens, den die MigrantInnen &#8220;Deutschland&#8221; gebracht haben, auf. Deutschland ist auch dank ihnen zum Exportweltmeister geworden, sie sorgten dafür, dass bei Daimler-Benz die Bänder reibungslos liefen, und dafür, dass in der BASF-Kantine neben Kartoffeln auch Spaghetti auf den Speiseplan kamen. Die <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Artikel/2008/09/2008-09-23-deutschland-sagt-danke.html">Pressemitteilung</a> der Bundesregierung hat auch Zahlen zu bieten:</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Volkswirtschaftler haben ausgerechnet, dass die zugewanderten Arbeitskräfte Deutschland jährlich um ein Prozent des Bruttoinlandsprodukt entlastet haben. Das sind satte 20 Milliarden Euro pro Jahr!&#8221; </em></p></blockquote>
<p>Die Versuchung ist immer groß, Menschen, die behaupten, Einwanderung würde &#8220;uns&#8221; schaden, entgegenzuhalten, dass sie &#8220;uns&#8221; nütze. Doch das Nutzenargument reduziert Menschen auf ihre Arbeitskraft und stärkt &#8211; unabhängig von der Intention der so Argumentierenden &#8211; die Vorstellung, dass &#8220;Nutzen&#8221; ein akzeptables Kriterium sei, um über die Rechte eines Menschen zu entscheiden.</p>
<p>Mit Vorsicht zu genießen ist auch die Betonung der Integrationsleistung der damaligen GastarbeiterInnen unter erschwerten Bedingungen. Es ist einerseits positiv, zu würdigen, dass Menschen sich unter widrigsten Bedingungen einen Platz in einer Gesellschaft/einer Stadt/&#8230; erarbeitet, erkämpft, gefunden&#8230; haben (auch wenn Daimler-Personalchef Fleig sich freut, &#8220;dass <em>wir</em> aus denen echte Stuttgarter gemacht haben, oder Sindelfinger&#8221;). Im Rahmen des aktuellen Integrationsimperativs gerät die Würdigung der Integrationsleistung der GastarbeiterInnen der ersten Generation zu einer weiteren Selbstverantwortungsforderung: Integriere Dich, aktiv, erwarte keine Hilfe. Andere haben das unter viel schwereren Bedingungen auch geschafft (mit &#8220;eiserner Disziplin&#8221;), Du kannst die Umstände nicht als Entschuldigung heranziehen.</p>
<p>Zu guter Letzt wird auch noch Rassismus der Mehrheitsgesellschaft verniedlicht: den Deutschen falle es schwer, auf andere zuzugehen; sie seien in den 1950er Jahren &#8220;ungeübt im Umgang mit anderen Kulturen&#8221; gewesen und hätten &#8220;nicht immer die Sprache des Herzens gesprochen&#8221; (Böhmer).</p>
<p>Fazit: ein überfälliger und guter Anfang, aber da kann noch einiges kommen.</p>
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		<title>Fußball die Dritte: &#8220;Integrationstest Halbfinale&#8221;?</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jun 2008 12:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Halbfinale der Europameisterschaft schien schon im Vorfeld ganz besonders viele Nerven zu treffen.
Schon seit einigen Wochen wird über die &#8220;richtige&#8221; Nationalmannschaft für deutschtürkische Fußballer diskutiert (vgl. taz, Cem Özdemir in der FAZ, u.v.m&#8230;.) In der türkischen Nationalmannschaft spielte in dieser EM mit Hamit Altintop lediglich ein Spieler eines deutschen Clubs. Seitdem klar wurde, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Halbfinale der Europameisterschaft schien schon im Vorfeld ganz besonders viele Nerven zu treffen.</p>
<p>Schon seit einigen Wochen wird über die &#8220;richtige&#8221; Nationalmannschaft für deutschtürkische Fußballer diskutiert (vgl. <a href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-fussball-em-2008/artikel/1/die-neuen-deutschlinge/">taz</a>, <a href="http://www.faz.net/s/Rub50CB16F2CCB7495BBAB0A154CC647299/Doc~EAA803A13B14E4CB78BD7BFC537A73532~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell">Cem Özdemir in der FAZ</a>, u.v.m&#8230;.) In der türkischen Nationalmannschaft spielte in dieser EM mit Hamit Altintop lediglich ein Spieler eines deutschen Clubs. Seitdem klar wurde, dass &#8220;Deutschland&#8221; und &#8220;die Türkei&#8221; sich im Halbfinale gegenüberstehen würden, überboten sich die Medien mit allerlei Schlagzeilen und Fotomontagen. Während BILD &#8220;Wir gegen die Türken&#8221; titelte (siehe <a href="http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1158908/">Foto</a>), machte die <a href="http://www.ftd.de/sport/euro2008/splitter/:Integrationstest%20Halbfinale/376896.html">Financial Times Deutschland</a> das Halbfinale zum &#8220;Integrationstest&#8221;, den die taz mit ihrem Halbfinaltag- <a href="http://img2.freeimagehosting.net/uploads/930de397a1.png">Titelbild </a>vermutlich bestanden haben dürfte. Doppelte Loyalitäten &#8211; sonst ein Schreckgespenst, das unbedingt verhindert werden muss &#8211; werden im Fußball plötzlich toleriert. Dass <a href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-fussball-em-2008/artikel/1/der-deutsche-aus-polen/">&#8220;der Deutsche aus Polen</a>&#8221; <a href="http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2008_23_00_02.htm">&#8220;die Kraft der zwei Herzen&#8221;</a> hat, wissen wir nicht erst, seit er bei seinen Toren gegen Polen nicht richtig jubelte. So lange er sie aber schießt, darf er das auch. Auch Hamit Altintop hat <a href="http://www.welt.de/sport/em2008/article2141389/Deutsch-Tuerke_Altintop_hat_Kraft_der_zwei_Herzen.html">&#8220;die Kraft der zwei Herzen&#8221;</a> &#8211; laut <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&amp;dig=2008%2F06%2F10%2Fa0040&amp;cHash=3afc071e30">taz</a> gilt das für etwa 50 EM-Stars.</p>
<p>&#8220;Heimatland gegen Heimatland&#8221; titelte die <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weltfussball/special/960/142646/index.html/sport/weltfussball/artikel/714/182150/article.html">Süddeutsche</a> &#8211; der Autor war mit der &#8220;Hauptsache, wir gewinnen&#8221;-Einstellung nicht allein, bedenkt man z.B. die <a href="http://www.morgenpost.de/berlin/article575302/Berlins_Tuerken_gewinnen_das_Halbfinale_in_jedem_Fall.html">Berliner Morgenpost</a> oder die im ZDF-Morgenmagazin interviewten SchülerInnen und LehrerInnen einer deutsch-türkischen Schule. Für das ZDF befinden &#8220;wir&#8221; uns sowieso im <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/29/0,3672,7258013,00.html">Multikulti-Fußballrausch</a>.</p>
<p>Wenig überraschend bot und bietet die EM viele Gelegenheiten für die &#8220;harmlose&#8221; Reproduktion nationaler Stereotype &#8211; die auch freudig genutzt wurden &#8211; sowie für das &#8220;harmlose&#8221; Fahnenschwenken. (Ein paar &#8220;harmlose&#8221; Hitlergrüße und Sieg-Schreie sind dabei nicht der Rede wert.) Nach dem Halbfinale werden nun wieder die Gemeinsamkeiten betont. &#8220;Ein Sommermärchen zwischen Currywurst und Döner&#8221; habe auf der Berliner Fanmeile stattgefunden, so BILD. <a href="http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/06/26/das-geilste-fan-fest/soviele-fahnen-gabs-noch-nie,geo=4955062.html">&#8220;So viel Fahne hatten wir noch nie!&#8221;</a> schreibt die Zeitung denn im Überschwang etwas geschichtsvergessen &#8211; zwar berichtet BILD nach eigenem Bekunden &#8220;leider erst seit 1952&#8243;, aber die Fahnenmeere zur WM 2006 auszublenden grenzt an Demenz. Currywurst und Döner haben sich aber in verschiedenen deutschen Städten auch nicht so gut verstanden &#8211; jedenfalls wurden Dönerläden Zielscheibe rassistischer Angriffe, unter anderem in Dresden. Da möchte man nicht wissen, was passiert wäre, wenn die Türkei ins Finale eingezogen wäre.</p>
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