<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>.: Diffusionen.de &#187; International</title>
	<atom:link href="http://www.diffusionen.de/tag/international/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.diffusionen.de</link>
	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
	<lastBuildDate>Wed, 05 Oct 2011 15:43:59 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Verfassungsschutz und Antifa im herrschaftsfreien Diskurs?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2011/05/31/sachsischer-vefassungsschutz-und-antifa-kampagne-fence-off-im-herrschaftsfreien-diskurs/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2011/05/31/sachsischer-vefassungsschutz-und-antifa-kampagne-fence-off-im-herrschaftsfreien-diskurs/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 May 2011 00:10:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sfr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Verhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[herrschaftsfreier Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[NPD]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassungsschutz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.diffusionen.de/?p=380</guid>
		<description><![CDATA[Nachdem das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) bereits am 10. Mai mit einer Kurzmeldung darauf hingewiesen hatte, dass sich auch &#8220;Linksextremisten&#8221; &#8211; konkret Mitglieder der &#8220;maßgeblich von Autonomen initiierten&#8221; Kampagne &#8220;Fence Off&#8221; gegen ein Nazizentrum in Leipzig &#8211; an einer &#8220;nicht extremistischen 8.-Mai-Demonstration&#8221; gegen ein &#8220;rechtsextremistisches Treffobjekt&#8221; (besagten NPD-Zentrum) beteiligten, hat die Behörde nun auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) bereits <a href="http://verfassungsschutz.sachsen.de/1240.htm">am 10. Mai mit einer Kurzmeldung darauf hingewiesen</a> hatte, dass sich auch &#8220;Linksextremisten&#8221; &#8211; konkret Mitglieder der &#8220;maßgeblich von Autonomen initiierten&#8221; Kampagne &#8220;Fence Off&#8221; gegen ein Nazizentrum in Leipzig &#8211; an einer &#8220;nicht extremistischen 8.-Mai-Demonstration&#8221; gegen ein &#8220;rechtsextremistisches Treffobjekt&#8221; (besagten NPD-Zentrum) beteiligten, hat die Behörde nun auch eine von der Kampagne veröffentlichte Broschüre in die Hände bekommen und knallhart ausgewertet: <a href="http://verfassungsschutz.sachsen.de/1242.htm">&#8220;Kampagne »Fence Off« veröffentlicht »antifa jugendinfo« mit extremistischem Inhalt&#8221;</a>.</p>
<p>Beleg für das Verdikt &#8220;extremistisch&#8221; (diesmal sogar ohne den Vorsatz &#8220;links-&#8221;!) ist zum einen, dass in dem Blättchen auch zwei Gruppen mit Texten vertreten sind, die schon seit vielen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit im sächsischen Verfassungsschutzbericht vertreten sind (&#8220;Leipziger Antifa&#8221; und &#8220;Antifaschistischer Frauenblock Leipzig&#8221;). Während auf den AFBL-Beitrag mit dem Titel &#8220;Was ist Antiamerikanismus?&#8221; nicht weiter eingegangen wird, werden aus dem LeA-Beitrag einige Passagen zitiert, die nach VS-Ansicht belegen, dass sich die Gruppe darin &#8220;einem gängigen Argumentationsmuster von Linksextremisten&#8221; bedient:</p>
<blockquote><p>Dem Leser soll [...] vermittelt werden, dass nicht der Rechtsextremismus der Gegner sei, sondern die politische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland, die das Entstehen des Rechtsextremismus erst möglich mache. Zu ihren Zielen äußert sich die LeA darin wie folgt: »Wir sind vielmehr daran interessiert, auch die konkrete Form und spezifische ideologische Verfasstheit der Gesellschaft im heutigen Deutschland zu kritisieren und abzuschaffen.« Daher fordert die LeA: »Staaten abschaffen, Deutschland zuerst!«.
</p></blockquote>
<p>Inwieweit dieser Ansatz tatsächlich ein &#8220;gängiges Argumentationsmuster von Linksextremisten&#8221; darstellt, wäre zu diskutieren. Immerhin grenzt sich die Gruppe in diesem Text von &#8220;antinationalen&#8221; Linken ab und versucht &#8211; laut Untertitel &#8211; darzulegen, warum &#8220;einige Linksradikale sich als antideutsch verstehen&#8221;.</p>
<p>Aber schon nach der ersten Meldung hatte die <a href="http://www.fenceoff.org/?p=722">&#8220;Fence Off&#8221;-Kampagne selbst beim VS nachgefragt</a>, wie dieser denn zu seiner Einschätzung komme. Das Landesamt hat darauf nach einiger Zeit tatsächlich geantwortet. Die in dem knappen Antwortschreiben genannten Belege für den der Kampagne attestierten &#8220;Linksextremismus&#8221; hat &#8220;Fence Off&#8221; nun <a href="http://www.fenceoff.org/?p=809">auf seiner Homepage veröffentlicht</a> &#8211; nicht ohne diese kritisch zu hinterfragen:</p>
<p>Als erstes führt der VS tatsächlich an, dass die Kampagne das <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Antifalogo.svg&amp;filetimestamp=20100506165151">Antifa-Logo</a> (und damit das &#8220;Symbol der linksextremistischen &#8216;Antifaschistischen Aktion / Bundesweite Organisation&#8217;&#8221;) verwende. Des weiteren habe es in einem Aufruf für eine Kundgebung im Rahmen der Kampagne &#8220;in typisch (antideutscher) linksextremistischer Diktion&#8221; gehießen: &#8220;Es geht also auch, aber nicht nur gegen Nazis, und das geht nicht mit, sondern nur ohne Deutschland’.&#8221; (Immerhin wird hier durch den Klammer-Einschub dezent darauf aufmerksam gemacht, dass diese &#8220;Diktion&#8221; wohl nicht für alle &#8220;Linksextremisten&#8221; typisch ist.) Schließlich verweist das Landesamt noch auf seine eigene, alles andere als stringente &#8220;Linksextremismus&#8221;-Definition aus dem <a href="http://verfassungsschutz.sachsen.de/download/Extremismus-Handbuch_2009.pdf">&#8220;Sächsischen Handbuch zum Extremismus und zu sicherheitsgefährdenden Bestrebungen&#8221;</a>, ohne jedoch darzulegen, wo und in welcher Weise die Kampagne bspw. für &#8220;revolutionäre Gewalt&#8221; plädiert, die &#8220;Dikatur des Proletariats&#8221; anstrebt oder sich auf &#8220;Theorien weiterer Ideologen wie Stalin, Trotzki, Mao Zedong und andere&#8221; beruft.</p>
<p>Ob der VS nach dieser Zurückweisung seiner Belege durch die Kampagne noch mal nachlegt, bleibt abzuwarten. Beinahe drängt sich angesichts der flott ausgetauschten Argumente der Eindruck eines zwanglosen, herrschaftsfreien Diskurses auf, aber das täuscht möglicherweise. Zumal die <a href="http://verfassungsschutz.sachsen.de/728.htm">&#8220;Vorstellung eines freien, selbstbestimmten Lebens innerhalb »herrschaftsfreier Räume«&#8221;</a> ja laut VS selbst ein Merkmal von &#8220;Linksextremisten&#8221; ist, die sich an anarchistischen Ideologien orientieren (im Gegensatz zu &#8220;marxistisch-revolutionären&#8221; bzw. &#8220;orthodox-kommunistischen&#8221; Strömungen).</p>
<p>In dem kritisierten &#8220;antifa jugendinfo&#8221; findet sich übrigens auch ein Text der <a href="http://inex.blogsport.de/">INEX</a>, in dem dargelegt wird, warum &#8220;Die Extremismustheorie [...] politischer Unsinn&#8221; ist. Damit scheint sich das LfV nicht wirklich auseinander gesetzt zu haben. Immerhin wird diesem Text bzw. dieser Gruppe vorerst noch nicht vorgeworfen, &#8220;(links-)extremistisch&#8221; zu argumentieren.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2011/05/31/sachsischer-vefassungsschutz-und-antifa-kampagne-fence-off-im-herrschaftsfreien-diskurs/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hängt sie! Zu den Wahlen in UK</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/05/07/hangt-sie-zu-den-wahlen-in-uk/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2010/05/07/hangt-sie-zu-den-wahlen-in-uk/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 May 2010 13:38:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rest der Welt]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.diffusionen.de/?p=205</guid>
		<description><![CDATA[Manchmal vergesse ich, wie sehr Dinge wie das Wahlsystem die politische Debatte strukturieren. Gestern wurde im Vereinigten Königreich gewählt und es zeichnet sich etwas ab, das seit 1974 nicht mehr dagewesen ist: eine Sitzverteilung, bei der keine Partei die absolute Mehrheit hat und die daher entweder eine Koalition oder eine Minderheitsregierung notwendig machen wird. Im Vereinigten Königreich bezeichnet man das als "Hung Parliament", ein gehängtes Parlament also, das sich nicht frei bewegen, sondern nur ein bisschen zappeln kann. Eine Situation, die in der BRD ganz normal ist, erscheint hier als Ausnahmefall und wird wahlweise zur Krise, wahlweise zur Revolution stilisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal vergesse ich, wie sehr Dinge wie das Wahlsystem die politische Debatte strukturieren. Gestern wurde im Vereinigten Königreich gewählt und es zeichnet sich etwas ab, das seit 1974 nicht mehr dagewesen ist: eine Sitzverteilung, bei der keine Partei die absolute Mehrheit hat und die daher entweder eine Koalition oder eine Minderheitsregierung notwendig machen wird. Im Vereinigten Königreich bezeichnet man das als &#8220;Hung Parliament&#8221;, ein gehängtes Parlament also, das sich nicht frei bewegen, sondern nur ein bisschen zappeln kann. Eine Situation, die in der BRD ganz normal ist, erscheint hier als Ausnahmefall und wird wahlweise zur Krise, wahlweise zur Revolution stilisiert.</p>
<p>Im Vorfeld zu dieser Wahl gab es eine richtiggehende Kampagne für eine solche Situation: <a href="http://hang-em.com/">Hang &#8216;em</a> (hängt sie). Die Kampagne mobilisierte für taktisches Wählen und veröffentlichte eine Liste von aussichtsreichen Kandidat_innen, deren Wahl eindeutige Mehrheiten verhindern könnte (die also kleineren Parteien angehören, parteilos sind und/oder als Parteirebellen gelten). Diese ambitionierte Kampagne dient dem Ziel einer Wahlrechtsreform:</p>
<blockquote><p>We have got to renew democracy in Britain. They won&#8217;t, so hang &#8216;em until  they do.</p></blockquote>
<p>Dabei geht es u.a. um die Änderung des Wahlrechts. Die Liberal Democrats, die zwar viel zugelegt haben, aber dennoch vom Wahlausgang enttäuscht sein dürften, streiten ohnehin für die Einführung des Verhältniswahlrechts (Proportional Representation, kurz: PR). Der amtierende Premierminister Gordon Brown (Labour) forderte heute in seiner Stellungnahme ein Referendum über das Wahlsystem. Labour und LibDem Ein Kommentar in der Times spricht angesichts der Wahl auch von <a href="http://www.timesonline.co.uk/tol/comment/columnists/guest_contributors/article7119063.ece">&#8220;a very British sort of revolution&#8221;</a>.</p>
<p>Wenn dies eine Revolution war &#8211; denn obwohl noch immer nicht alle Wahlkreise ausgezählt sind, &#8220;gehängt&#8221; wurde das Parlament auf jeden Fall &#8211; ist sie zumindest in einem Aspekt sehr britisch verlaufen: Hunderte Menschen standen &#8211; teils stundenlang, teils im Regen &#8211; noch in Schlangen vor den Wahllokalen, als diese um 22 Uhr schlossen. Wer bis 22 Uhr keinen Wahlzettel erhalten hat, kann nicht mehr wählen. Dazu berichten u.a. die <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/election_2010/8666537.stm">BBC</a> (hier ein <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/election_2010/8666302.stm">Video</a>) und ein spezieller <a href="http://www.guardian.co.uk/politics/blog/2010/may/07/polling-stations-chaos-queues-shutouts">Blog des Guardian</a>. Ein Blick in die Videos und Erfahrungsberichte zeigt viele junge Menschen, teils Erstwähler_innen, die lang, geduldig und erfolglos auf die Möglichkeit zur Stimmabgabe warteten. Da soll noch eine_r was über politikverdrossene Jugendliche sagen.</p>
<p>Begründungen dafür waren die hohe Wahlbeteiligung (wenn 65% Wahlbeteiligung nicht zu bewältigen sind, gibt es dann wohl ein Problem!) und das System der Wähler_innenverzeichnisse. Wenn das Argumente sind, ist unklar, wie 1992 eine Wahlbeteiligung von 77,7% gemanagt werden konnte. Auch hier stehen jedenfalls die Zeichen auf Reform. Auch die Frage des Wahltages dürfte erneut auf den Tisch kommen. Hier hatte die amtierende Regierung bereits eine Konsultation durchgeführt, bei der es auch darum gehen sollte, Wahlen ggf. auf einen Wochenendtag zu verlegen, um den Run auf die Wahllokale nach Feierabend zu verringern &#8211; aber ohne religiöse Sensibilitäten zu verletzen.</p>
<p>(Gegen eine Revolution spricht die Tatsache, dass Medien die <a href="http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk_politics/election_2010/8667820.stm">Rolle der Monarchin</a> betonen &#8211; nur sie kann jemanden einladen, eine Regierung zu bilden. Dass dabei betont werden muss, dass dies keiner Schiedsrichterrolle gleichkomme, sondern die Politiker_innen zunächst unter sich verhandeln müssten, mag indes verwundern.)</p>
<p>Neben der Wirtschaftskrise steht auch eine Reform der Verfassungsordnung &#8211; über das Wahlrecht hinaus &#8211; auf der Tagesordnung. LibDems und Labour möchten eine zweite, demokratisch gewählte Kammer einführen. Aber vieles hat sich bereits verändert: Eine konservative Minderheitsregierung jedenfalls stünde vor ganz neuen Herausforderungen. Als die Tories das letzte Mal regierten, gab es noch keine Regionalparlamente in Schottland, Wales und Nordirland. In ganz Schottland haben die Tories in dieser Wahl genau einen Sitz errungen &#8211; Schottland wäre also streng genommen mit nur einer Stimme in der Regierung vertreten, Wales mit acht. Dies dürfte zu einem schärferen Ton in den Debatten um parlamentarische Repräsentation der &#8220;four nations&#8221; führen.</p>
<p>Es wird spannend bleiben, die Debatten zu verfolgen. Wer das heute noch möchte, kann z.B. den <a href="http://news.bbc.co.uk/1/shared/election2010/liveevent/">Livestream der BBC</a> verfolgen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2010/05/07/hangt-sie-zu-den-wahlen-in-uk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Leipzig loben? Die Pleitegeier kreisen schon &#8230;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/08/26/leipzig-loben-die-pleitegeier-kreisen-schon/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2009/08/26/leipzig-loben-die-pleitegeier-kreisen-schon/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 07:21:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Cross Border Leasing]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Staat]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.diffusionen.de/?p=69</guid>
		<description><![CDATA[ „Die Rathauszocker“ – Leipzig in der globalen Ökonomie

Die Wochenzeitung Die Zeit hat sich in einer zweiteiligen Dossier-Reihe den katastrophalen Schäden gewidmet, die das Phänomen Cross-Border-Leasing für hiesige Kommunen angerichtet hat. Cross-Border Leasing ist „CBL. Cross Border Leasing, Leasing über Staatsgrenzen hinweg. Eine Kommune verkauft öffentliches Eigentum an einen ausländischen Investor – de facto war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]--> <strong>„Die Rathauszocker“ – Leipzig in der globalen Ökonomie</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Wochenzeitung <a href="http://pdf.zeit.de/2009/12/DOS-Cross-Border-Leasing.pdf">Die Zeit</a> hat sich in einer <a href="http://pdf.zeit.de/2009/30/DOS-Swap.pdf">zweiteiligen Dossier-Reihe</a> den katastrophalen Schäden gewidmet, die das Phänomen Cross-Border-Leasing für hiesige Kommunen angerichtet hat. Cross-Border Leasing ist „<span style="Arial;">CBL. Cross Border Leasing, Leasing über Staatsgrenzen hinweg. Eine Kommune verkauft öffentliches Eigentum an einen ausländischen Investor – de facto war es stets ein amerikanischer – und mietet es sofort zurück.</span>“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Angerichtet ist gut. Weil, genau betrachtet, haben sich viele Politiker_innen ziemlich doll verkalkuliert (genau die Politiker_innen übrigens, die sich selber als große Expert_innen in der Geldvermehrung in der internationalen Politischen Ökonomie aufgespielt haben).</p>
<p class="MsoNormal">Sie meinten, vor einigen Jahren die vermeintliche Goldgrube gefunden bzw. den Goldesel für sich gepachtet zu haben, als sie Cross-Border-Leasing betrieben und städtische Betriebe etc. – öffentliche Güter, genau – einfach verkauft haben, ohne so wissen, wie und unter welchen Konditionen. Peinlich? Nein: Ein Skandal und dazu eine politische Dummheit sonders gleichen. Und die meisten Stadtparlamente haben schön zugestimmt, der Widerstand war meistens gering, marginal, ohne Erfolg.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch die Leipziger Kommunalverwaltung hat eifrig mitgespielt im globalen Wettbewerb des weiter, höher, schneller und den Träumen von Schuldenfreiheit und einem besseren Leben. Vor allem Peter Kaminski (CDU), ein Provinzfinanzverwalter sonders gleichen und damals Stadtkämmerer.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Zeit schreibt zu diesem Herrn der Luftbuchungen:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><span style="Arial;">„Peter Kaminski wartet im Café Augustus in Leipzig, einem Pavillon, eingeklemmt zwischen dem Gewandhaus und der Baustelle des neuen Universitätsgebäudes. Kaminski war in den neunziger Jahren Stadtkämmerer, er hat das neue Geschäftsmodell in Leipzig durchgesetzt. In Jeans, schwarzem Rollkragenpulli und kariertem Sakko sitzt er da und macht einen entspannten Eindruck, so, als sei er mit sich im Reinen. Seit der Wiedervereinigung seien »die Kommunalfinanzen katastrophal gewesen«, sagt der Christdemokrat. Zwar habe es für Investitionen in der Stadt hohe Fördermittel des Bundes gegeben, »aber es waren immer auch Eigenmittel erforderlich« – die Leipzig nicht aufbringen konnte.<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="Arial;">Wie gerufen sei da Mitte der neunziger Jahre jener Rechtsanwalt namens Smith – »der hieß wirklich so!« – von der Finanzberatung PricewaterhouseCoopers in New York gekommen. Eines Tages habe dieser Mister Smith unangemeldet in Kaminskis Amtszimmer gestanden und ihm ein Geschäft vorgeschlagen, mit dem Leipzig viel verdienen könne. Drei Buchstaben nur: CBL. Cross Border Leasing, Leasing über Staatsgrenzen hinweg. Eine Kommune verkauft öffentliches Eigentum an einen ausländischen Investor – de facto war es stets ein amerikanischer – und mietet es sofort zurück.“<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal">Tja, dumm gelaufen für Herrn Kaminski und all den anderen Pseudoexpert_innen in ihren Vor-, Haupt- und Hinterzimmern in den Schlössern dieser Stadtverwaltungen. Es ist nämlich nix geworden mit dem Reichtum in zwei Zügen. Jetzt müssen viele Kommunen auf rechtliche Möglichkeiten hoffen, oder auf die Milde der Käufer ihrer öffentlicher Güter. Ausgang: ungewiss.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Fazit der Zeit ist nicht gerade moderat:</p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal">&#8220;Die Kommunen seien keine Opfer der Finanzkrise, sondern »Akteure«, glaubt der Kölner CBL-Experte Rügemer. »Sie haben solche Finanzprodukte mit ermöglicht, die, genauso wie die faulen amerikanischen Hypothekenkredite, zu dieser Finanzkrise geführt haben.«</p>
<p class="MsoNormal">Schlimmer ist noch, dass Kommunalpolitiker das Recht gebrochen haben: Sie haben über Verträge abgestimmt, die nicht auf Deutsch vorlagen, ein Verstoß gegen die Gemeindeordnungen. Sie haben kreditähnliche Rechtsgeschäfte abgeschlossen. Das ist ihnen verboten. Sie haben ihre Vorschriften missachtet und den Gerichtsstand New York akzeptiert.<br />
Das schnelle Geld war ihnen wichtiger als das langfristige Wohl der Bürger. <strong>Sie haben als Demokraten versagt</strong>.&#8221; (eig. Herv.)</p>
<p class="MsoNormal">
</blockquote>
<p class="MsoNormal">Diese Artikel sind wirklich lesenswert – um den Kopf zu schütteln über vermeintliche politische (Lokal-)Klassen. Und um zu verstehen, dass politische und gerade Verwaltungsprozesse dringend mehr demokratischer Kontrolle und Verständigungsprozesse bedürfen.</p>
<p class="MsoNormal">Sonst können wir das Kapitel Regieren und Verwalten endgültig abhaken. Das ist, by the way, vielleicht auch ein überdenkenswerte Utopie, oder?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2009/08/26/leipzig-loben-die-pleitegeier-kreisen-schon/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Planet Dubai vs. Planet of Slums?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/05/31/planet-dubai-vs-planet-of-slums/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2009/05/31/planet-dubai-vs-planet-of-slums/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 31 May 2009 18:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Habitus]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Jacques Rancière]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mike Davis]]></category>
		<category><![CDATA[Multitude]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>
		<category><![CDATA[Slums]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Klasse]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlicher Raum]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.diffusionen.de/?p=43</guid>
		<description><![CDATA[Von der neuen Stadtkultur zur globalen sozialen Ungleichheit
Dubai, deine Stadt(T)Räume &#8230;
Dubai, das klingt einfach schön &#8230; das klingt auf den ersten Blick nach Träumen von Reichtum und neuen, unbegrenzten Möglichkeiten, nach höher, schneller, weiter &#8230; nach Strand und Meer und Mehr.
Seine verträumten Impressionen zu seinem Erstkontakt mit Dubai beschreibt Mike Davis so:
&#8220;As your jet starts [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von der neuen Stadtkultur zur globalen sozialen Ungleichheit</strong></p>
<p><em><strong>Dubai, deine Stadt(T)Räume &#8230;</strong></em></p>
<p>Dubai, das klingt einfach schön &#8230; das klingt auf den ersten Blick nach Träumen von Reichtum und neuen, unbegrenzten Möglichkeiten, nach höher, schneller, weiter &#8230; nach Strand und Meer und Mehr.</p>
<p>Seine <a href="http://www.newleftreview.org/?page=article&amp;view=2635">verträumten Impressionen</a> zu seinem Erstkontakt mit Dubai beschreibt Mike Davis so:</p>
<blockquote><p>&#8220;As your jet starts its descent, you are glued to your window. The scene below is astonishing: a 24-square-mile archipelago of coral-coloured islands in the shape of an almost-finished puzzle of the world. In the shallow green waters between continents, the sunken shapes of the Pyramids of Giza and the Roman Colosseum are clearly visible. In the distance, three other large island groups are configured as palms within crescents and planted with high-rise resorts, amusement parks and a thousand mansions built on stilts over the water. The ‘Palms’ are connected by causeways to a Miami-like beachfront crammed with mega-hotels, apartment skyscrapers and yachting marinas. [...]&#8220;</p></blockquote>
<p>Doch, wie einige andere Träume auch, erscheint <a href="http://maps.google.de/maps?q=Dubai&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;split=0&amp;gl=de&amp;ei=8sYiStKnBI-nsAaqqcWwBg&amp;sa=X&amp;oi=geocode_result&amp;ct=image&amp;resnum=1">Dubai</a> auf den zweiten Blick eher als Alptraum, bzw. als eine Stadt der zwei Medaillien. Warum?</p>
<p>In ihrem Artikel <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/architektur/?em_cnt=1772656&amp;">&#8220;Zwei Welten&#8221;</a>, der am 27.5.09 in der Frankfurter Rundschau erschienen ist, zeichnen die beiden AutorInnen ELISABETH BLUM UND PETER NEITZKE ein viel differenzierteres Bild dieser Stadt.</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Selbstisolierung sozial homogener Klassen hat ein profundes Desinteresse an allen Formen stadtgesellschaftlichen Lebens. Dubais großenteils temporäre Bewohner sind nur an einem von den Fährnissen funktional durchmischter Städte befreiten Raum interessiert. Die Stadt, die sie meinen, ist ein Ort privatistischer Selbstbezüglichkeit. Investoren und ihre Kundschaft bleiben unter sich. Die komplexen Formen des gesellschaftlichen Lebens und die ihm entsprechenden öffentlichen Räume sucht man im neuen Dubai vergeblich.&#8221;</p></blockquote>
<p>Eine Stadt war und ist eigentlich immer noch ein Raum der erwartbaren und unerwarteten Begegnungen. Ein Raum für verschiedene öffentliche Bedürfnisse und Interessenlagen. Diesen Raum gibt es in Dubai nicht mehr, so die beiden AutorInnen. Und was damit nicht zuletzt einhergeht ist eine klare räumliche Anordnung zwischen den sozialen Klassen, wie die AutorInnen weiter ausführen: &#8220;Privilegierte und Unterprivilegierte leben in Dubai scharf voneinander getrennt.&#8221;</p>
<blockquote><p>&#8220;Wo ihre Wege sich kreuzen, wie in Haushalten mit Dienstpersonal, scheut man sich nicht, die Klassenunterschiede bereits mit den Grundrissen international vermarkteter Immobilienprospekte deutlich zu machen: Der fensterlose Maid&#8217;s Room erreicht zuweilen nicht einmal die Größe des dem Master&#8217;s Bedroom benachbarten Ankleideraumes &#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>Und zu den ArbeiterInnen in den &#8220;Labor Camps&#8221; schreiben sie:</p>
<blockquote><p>&#8220;Morgens mit Bussen der Baufirmen zu den Baustellen gekarrt, abends in die trostlosen Unterkünfte zurückgefahren, am arbeitsfreien Tag in die Stadt und zurück &#8211; anderes ist für sie nicht vorgesehen. Ahmed Kanna vom Trinity College, Hartford Connecticut, nennt sie die &#8220;unsichtbare Stadt, die die sichtbare baut&#8221;. Und gerade weil 80 Prozent der Arbeitsmigranten &#8220;provisorisch&#8221; in Dubai sind, werden sie, schreibt Rem Koolhaas, einen radikalen Einfluss auf die Zukunft der Stadt haben. Weil sie nie Bürger sein werden, werde ihre Loyalität stets eine bedingte sein. Sie konstituieren keine Polis, sondern &#8220;eine provisorische Gemeinschaft der Entrechteten &#8230;&#8221;. Al Quoz, das ist die anonyme Seite Dubais.&#8221;</p></blockquote>
<p><em><strong>Ungleichheit in der Stadt</strong></em></p>
<p>Dass der Stadtraum im Allgemeinen schon immer ein Ort sozialer Verdichtung und damit der Unterschiede war, ist ein Allgemeinplatz der Stadtsoziologie. Dubai steht für eine Zuspitzung und zugleich Veränderung dieses Stadtraums. Wie oben beschrieben, gibt es keinen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_Raum">Öffentlichen Raum</a> mehr, also einen Raum, der der Öffentlichkeit frei zugänglich ist und von der lokalen Gemeinde bewirtschaftet und unterhalten wird. Ein Raum, in denen sich die Menschen sowhl geplant wie auch überraschend begegnen können. Alles scheint kontrolliert und separiert zu sein. Für die Herausbildung und Entwicklung der Habitus einer globalen sozialen Oberklasse erscheint dieser Mangel an Irritationsmöglichkeiten und Beschränkungen ihrer Perspektiven mehr als bedenklich. Auf der anderen Seite möchte ich gar nicht darüber spekulieren, wie die Gefühls- und Erfahrungswelten der Personen aussehen, die zu den oben beschriebenen ArbeiterInnen gehören (die Folgen für den Habitus dieser Personen wären ebenfalls rein spekulativ). Wenn wir den Blick dann einmal jenseits von Dubai richten wollen, ergibt sich möglicherweise ein noch weit verstörenderes Bild &#8211; eine neue globale Stadt(un)ordnung.</p>
<p><em><strong>Die globale Perspektive: Planet of Slums</strong></em></p>
<p>In seinem Buch &#8220;Planet of Slums&#8221; hat der kritische Gesellschaftsforscher  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mike_Davis">Mike Davis </a>eine Betrachtung stark gemacht, die die globale Dimension von sozialer Ungleichheit betont. Nicht das Catch-All-Word &#8220;Globaliserung&#8221; beschreibt und kennzeichnet diese Analyse, sondern die (neue) globale soziale Ungleichheit.</p>
<p>In einem Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung fasst ein <a href="http://www.bpb.de/themen/SB18M2,0,Planet_der_Slums.html">Artikel von Davis</a> seine Thesen zusammen. Er bezieht sich dabei auf den im Jahr 2003 <span class="fliesstext_m" style="x-small;">vorgelegten Habitat-Report <a href="http://www.unhabitat.org/pmss/getElectronicVersion.asp?nr=1156&amp;alt=1">&#8220;</a></span><a href="http://www.unhabitat.org/pmss/getElectronicVersion.asp?nr=1156&amp;alt=1">The Challenge of Slums &#8211; Global Report on Human Settlements</a><span class="fliesstext_m" style="x-small;"><a href="http://www.unhabitat.org/pmss/getElectronicVersion.asp?nr=1156&amp;alt=1">&#8220;</a>, den die </span><span class="fliesstext_m" style="x-small;">Habitat-Organisation der Vereinten Nationen</span><span class="fliesstext_m" style="x-small;"> vorgelegt haben</span>:</p>
<blockquote><p><span class="fliesstext_m" style="x-small;">&#8220;In den vorsichtigen Berechnungen des Berichts zufolge leben gegenwärtig eine Milliarde Menschen in Slums, und mehr als eine Milliarde kämpft in irregulären Arbeitsverhältnissen ums Überleben. Das Spektrum reicht von Straßenhändlern über Tagelöhner, Kindermädchen und Prostituierte bis hin zu Menschen, die ihre eigenen Organe zur Transplantation verkaufen. Dies sind bestürzende Zahlen, die um so mehr beunruhigen müssen, als unsere Kinder und Enkel die Menschheit auf ihrem quantitativen Höchststand erleben werden. Irgendwann um 2050 oder 2060 wird die menschliche Bevölkerung der Erde ihr Maximum erreichen, wahrscheinlich bei ungefähr zehn oder zehneinhalb Milliarden. Diese Zahl liegt zwar weit unter den apokalyptischen Vorhersagen der Vergangenheit, aber nicht weniger als 95 Prozent dieses Wachstums wird sich in den Städten des Südens abspielen. Das bedeutet: Das gesamte künftige Wachstum der Menschheit wird in Städten erfolgen, ganz überwiegend in armen Städten, und mehrheitlich in Slums.&#8221;</span></p></blockquote>
<p>Der so bezeichnete &#8220;Slum&#8221; ist also eine reale Stadwirklichkeit. Und sie transformiert sich gerade weiter, laut Davis in einer sehr problematischen Art und Weise. Davis verdeutlicht, dass einerseits ein <span class="fliesstext_m" style="x-small;">&#8220;entscheidendes Sicherheitsventil, nämlich diese oft verklärte Zuflucht zu &#8220;herrenlosem&#8221; städtischen Siedlungsland, kaum noch funktioniert&#8221;.<br />
</span></p>
<p>Andererseits brechen die Mechanismen der &#8220;<span class="fliesstext_m" style="x-small;">informelle Ökonomie&#8221; immer mehr zusammen, weil es einfach zu viele Menschen gibt, die diesem &#8220;Mikro-Unternehmertum&#8221; nachgehen (müssen).<br />
</span></p>
<blockquote><p>&#8220;<span class="fliesstext_m" style="x-small;">Das heißt: Die beiden wesentlichen Mechanismen zur Unterbringung der Armen in Städten, in die der Staat schon seit langem nicht mehr investiert, erreichen just in dem Moment ihre Wirkungsgrenzen, in dem sich abzeichnet, dass wir es während der nächsten zwei Generationen mit fortgesetzt anhaltendem Hochgeschwindigkeitswachstum in armen Städten zu tun haben werden. Die Unheil verkündende, aber auf der Hand liegende Frage lautet: Wenn es kein Neuland mehr zu erschließen gibt, was dann?</span>&#8220;</p></blockquote>
<p>Die globalen Trends, wenn wir den Beschreibungen von Mike Davis folgen wollen, haben jetzt schone eine brisante Wirkmächtigkeit &#8211; die Zukunft könnte noch problematischer werden.</p>
<p>Die von Davis beschriebene Stadtwirklichkeit gibt es in Dubai nicht, bzw. genauer gesagt, so sie in Ansätzen erkennbar ist, wird sich unsichtbar gemacht. Dubai ist zwei Städte, doch nur eine meinen wir zu kennen. Es ist die medial vermittelte Dubai-Traum-Stadt. Die zweite Stadt, obwohl sie ebenfalls real existiert, ist unsichtbar, bzw. nur mit einem kritischen Blick erfassbar.</p>
<p>Die Frage der globalen sozialen Ungleichheit ist also eine reale, eine Frage der täglichen politischen Fragestellungen und Antworten. Sie ist eine Realität der Menschen, die diesen Verhältnissen ausgesetzt sind und in ihnen leben. Sich vielleicht mit ihnen auseinandersetzen, sie gestalten, an ihnen verzweifeln, vielleicht für Verbesserungen kämpfen. (Solche Spekulationen schreiben sich leicht von einem trockenen, bequemen Schreibtisch aus, mit wohlgenährtem Bauch, mit dem Rotweinglas an der Seite.)</p>
<p><em><strong>(Un-)Möglichkeiten für Politik und Polizei im Planet of Slums<br />
</strong></em></p>
<p>Anderseits ist diese Frage überhaupt keine hörbare Frage. Denn sie ist eine Frage, die eigentlich unsichtbar ist. Unsichtbar in den medialen Auseinandersetzungen, unsichtbar in der (westlichen) Politik. Diese Unsichtbarkeit lässt (mich) hoffen, dass sie, einem Rancièrschen Politikverständnis folgend, zu einer Frage des Politischen werden wird.</p>
<p>Denn Politik, wie <a href="http://www.episteme.de/htmls/Ranciere-politische-Philosophie.html">Ranciere sie (neu) definiert</a>, ist die Verschiebung der Problemwahrnehmung innerhalb des Gesellschaftlichen &#8211; eine Bewegung, die die Körper der Menschen und ihre Funktionen anders platziert &#8211; und damit die herrschende Ordnung infragestellt und neu formiert.</p>
<blockquote><p>&#8220;Als Politisches werde ich hier eine Tätigkeit bezeichnen, von der diese Distribution in Frage gestellt und auf ihre Kontingenz, auf die Abwesenheit ihres Grundes zurückgeführt wird. Als politisch kann jene Tätigkeit bezeichnet werden, die einen Körper von dem ihm angewiesenen Ort anderswohin versetzt; die eine Funktion verkehrt; die das sehen läßt, was nicht geschah, um gesehen zu werden; die das als Diskurs hörbar macht, was nur als Lärm vernommen wurde.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dem gegenüber steht die Polizei, im Rancièrschen Sinne als &#8220;die Körperordung&#8221; bezeichnet, die für die Körper Stellen und Aufgaben zugewiest, die die &#8220;gesellschaftliche Ordnung&#8221; des Sichtbaren produzieren.</p>
<blockquote><p>&#8220;Im Konzept der Polizei versuche ich aber etwas anderes zu denken: Daß nämlich staatliche Funktionen jener Distribution von Stellen und Funktionen angehören, von der eine gesellschaftliche Ordnung gebildet wird. Für mich bezeichnet die Polizei eine Körperordnung, von der die Einteilungen zwischen den Weisen des Handelns, des Seins und des Redens definiert werden, eine Ordnung, durch die diesen bestimmten Körpern mittels ihres Namens diese bestimmten Stellen und diese bestimmten Aufgaben zugewiesen werden. Es handelt sich um eine Ordnung des Sichtbaren, die bewirkt, daß diese bestimmte Tätigkeit sichtbar ist und jene nicht, daß dieses Wort als Teil des Diskurses, jenes aber als Lärm vernommen wird.</p>
<p>Das, was im allgemeinen als Politisches bezeichnet wird, besteht aus einer Gesamtheit von Prozessen, die Verbindung und Einwilligung von Gemeinschaften hervorbringen: Organisation der Macht, Distribution von Stellen und Funktionen, Legitimationssystem dieser Distribution. Ich schlage vor, dieser Distribution von Mächten, Funktionen und Legitimationen einen anderen Namen zu geben. Ich schlage vor, sie Polizei (franz.: police) zu nennen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Überträgt man diese Überlegungen zu Politik und Polizei auf den Fall Dubai bzw. hievt sie sogar auf eine globale Perspektive, so sieht man viel irritierter und irritierender sowohl auf die Ordnung der Stadt, wie auch auf Möglichkeiten ihrer Veränderung.</p>
<p><strong><em>Fazit:</em></strong> Wer von Kapitalismus und Ausbeutung nicht reden will, sollte von Globalisierung schweigen. Wer von Polizei nicht sprechen will, sollte von Politik schweigen. Die globale soziale Ungleichheit könnte die Fragen von Politik und Polizei neu stellen. Dies muss gar nicht in Form einer globalen Bewegung passieren, sondern kann auch in lokalen, alltäglichen Auseinandersetzungen passieren. Die Kämpfe um Sichtbarkeiten und Politiken der Wahrheit müssen nicht immer mit einer neuen globalen &#8220;Multitude&#8221; oder &#8220;Klasse&#8221; (theoriepolitisch) beantwortet werden.</p>
<p>Trotzdem könnte auch eine Frage im Raum stehen, die doch die globale Perspektive wiederum betont: Liebe (neu)westliche Welt &#8211; hast du etwa Angst?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2009/05/31/planet-dubai-vs-planet-of-slums/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fußball die zweite: 6+5=Weltfußballrettungsformel?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2008/06/09/fusball-die-zweite-65weltfusballrettungsformel/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2008/06/09/fusball-die-zweite-65weltfusballrettungsformel/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsein]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.diffusionen.de/?p=16</guid>
		<description><![CDATA[Die FIFA hat auf ihrer Konferenz in Sydney Ende Mai eine Resolution zur so genannten 6+5-Regel verabschiedet. In mehreren Schritten soll diese dafür sorgen, dass künftig (zur Saison 2012/2013) für jede Fußballmannschaft bei Anpfiff mindestens sechs Spieler auf dem Rasen stehen, die spielberechtigt für die Nationalmannschaft des Staates sind, auf dessen Gebiet der Verein seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a href="http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/bodies/media/newsid=783638.html#fifa+kongress+unterstutzt+ziele">FIFA</a> hat auf ihrer Konferenz in Sydney Ende Mai eine Resolution zur so genannten 6+5-Regel verabschiedet. In mehreren Schritten soll diese dafür sorgen, dass künftig (zur Saison 2012/2013) für jede Fußballmannschaft bei Anpfiff mindestens sechs Spieler auf dem Rasen stehen, die spielberechtigt für die Nationalmannschaft des Staates sind, auf dessen Gebiet der Verein seinen Sitz hat. Einfacher gesagt: es stehen mehr &#8220;Inländer&#8221; als &#8220;Ausländer&#8221; auf dem Platz. Obwohl diese Resolution gegen europäisches Recht verstößt, unterstützt sie auch die UEFA.<span id="more-16"></span></p>
<p><strong>It&#8217;s the economy, stupid! </strong></p>
<p>Die FIFA hat natürlich Recht damit, dass die aktuelle Konzentration auf reiche Klubs in reichen Ländern für die <em>&#8220;seit nunmehr 100 Jahren anhaltende weltweite Entwicklung&#8221;</em> des Fußballs gerade auch in finanzschwächeren Weltregionen nicht erstrebenswert ist. Interessant ist allerdings der Argumentationsverlauf. Zwar geht es um ökonomische Ungleichheiten &#8211; diese werden aber zunächst als nicht näher bezeichnete <em>&#8220;Ungleichgewichte zwischen den Kontinenten, den Ländern und den Fußballakteuren&#8221;</em> beschrieben. Zudem stehen sie nicht im Vordergrund, sondern erscheinen lediglich als Effekt des Verlusts der nationalen Identität im Klubfußball, der auf die Verbandsmannschaften überschwappt: <em>&#8220;Der Verlust der nationalen Identität der Klubs gefährdet die Verbandsmannschaften und hat die Kluft zwischen den Klubs vertieft, womit die bestehenden finanziellen und sportlichen Gegensätze zwischen den Klubs noch stärker und die Klubwettbewerbe noch einseitiger und berechenbarer werden.&#8221; </em>Dieser Verlust ist es schließlich, der bekämpft werden soll &#8211; dadurch soll unter anderem auch die Identifikation der Fans vor Ort mit &#8220;ihren&#8221; Vereinen steigen.</p>
<p><strong>6+5 &#8211; die Antwort auf welches Problem? </strong></p>
<p>Wie soll nun aber die neue Regelung der Entwicklung des Weltfußballs dienen? Wenn ihre Chancen auf Verträge im Ausland sinken, ohne dass die Finanzkraft der Vereine vor Ort steigt, entwickelt sich die Lage für talentierte FußballerInnen aus ärmeren Regionen zunächst zum Schlechteren. Da die 6+5-Formel audrücklich nur für Spielbeginn gilt und das Verhältnis zu Spielende daher auch 3+8 betragen darf, gerät die Identitäts-Begründung ohnehin zur Farce.</p>
<p>Warum sollten &#8220;wir&#8221; uns überhaupt eher mit &#8220;einheimischen&#8221; FußballerInnen identifizieren als mit anderen? Ist es nicht so, dass &#8220;die anderen&#8221; dann ganz schnell zu &#8220;uns&#8221; gehören, wenn sie &#8220;unserem Verein&#8221; Punkte bringen? Rassismus im Stadion wird dadurch, dass &#8220;AusländerInnen&#8221; zu Spielbeginn in der Unterzahl sein müssen, gewiss nicht weniger werden. Mehrfach-Zugehörigkeiten und wechselnde Loyalitäten sind im Profisport salonfähig geworden. Warum nun dieser Rollback? Und schließlich: warum ist &#8220;unsere&#8221; Identifikation mit dem Verein eigentlich wichtiger als die von Fans in anderen Weltregionen? Pläne der englischen Premier League für Spiele im Ausland (siehe u.a. <a href="http://www.guardian.co.uk/football/2008/feb/07/newsstory.premierleague">Guardian</a>) scheinen eher in eine andere Richtung zu weisen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2008/06/09/fusball-die-zweite-65weltfusballrettungsformel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Rot vs. Gelb: Venezuela geht gegen die Simpsons vor</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2008/04/10/rot-gegen-gelb-venezuela-geht-gegen-die-simpsons-vor/</link>
		<comments>http://www.diffusionen.de/2008/04/10/rot-gegen-gelb-venezuela-geht-gegen-die-simpsons-vor/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2008 10:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>grenwi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Venezuela]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.engagiertewissenschaft.de/2008/04/10/rot-gegen-gelb-venezuela-geht-gegen-die-simpsons-vor/</guid>
		<description><![CDATA[Wenn bisher noch große Teile der Linken in Deutschland (also nicht nur aus der sogenannten Partei, aber vor allem auch dort) die Vorgänge in Venezuela für eine hoffnungsvolle, sozialrevolutionäre und emanzipatorische Zukunftsschablone gehalten haben, so muss spätestens jetzt damit Schluss sein. Gestern wurde bekannt, dass das Regime in Caracas die großartigste Zeichentrickserie der westlichen Welt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn bisher noch große Teile der <a title="Was heißt Links?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Links">Linken</a> in Deutschland (also nicht nur aus der sogenannten Partei, aber vor allem auch dort) die Vorgänge in Venezuela für eine hoffnungsvolle, sozialrevolutionäre und emanzipatorische <a href="http://www.haendewegvonvenezuela.org/">Zukunftsschablone</a> gehalten haben, so muss spätestens jetzt damit Schluss sein. Gestern wurde bekannt, dass das Regime in Caracas die großartigste Zeichentrickserie der westlichen Welt, die Simpsons, aus dem Programm eines Privatsenders <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27689/1.html">streichen ließ</a>. Begründung für diesen Schritt war der angeblich potenziell schädliche Einfluss auf Kinder. <span id="more-4"></span></p>
<p>An dieser Stelle zeigt sich doch deutlich die hässliche anti-emanzipatorische Fratze des &#8220;Sozialismus des 21. Jahrhunderts&#8221;. Ein Land, in dem eine so intelligente, humorvolle und traditionsreiche Serie wie die Simpsons keinen öffentlichen Raum bekommt (und durch die Verbannung in den Untergrund nur noch viel mehr zum Kult wird), kann doch unmöglich noch Ansatz für irgendeine linke Perspektive bieten.</p>
<p>Trotzalledem gibt es Hoffnung: Ersetzt wurde die Serie auf dem Sendeplatz interessanterweise durch die für Minderjährige zwar auch nicht besser geeignete Trash-Kult-Serie &#8220;Baywatch&#8221;. Wir erinnern uns: Mit deren Hauptdarsteller hat doch schon einmal eine große Revolution ihren nötigen Anschub bekommen. Am <a href="http://youtube.com/watch?v=0zXiClnK8oE">31.12.1989</a> in Berlin war es David Hasselhoff (soweit ich mich erinnere), der nachdem die DDR-Bürger die Mauer schon großflächig angekratzt hatten, den Eisernen Vorhang endgültig zum Einsturz brachte. &#8220;I&#8217;ve been looking for freedom&#8221;, 20 Jahre später könnte es wieder allumpassendes Motto für die vergrandeten VenezolanerInnen werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.diffusionen.de/2008/04/10/rot-gegen-gelb-venezuela-geht-gegen-die-simpsons-vor/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

