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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Nation</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Arme kleine Deutsche</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 12:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>r0ma</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie der Schwarze Blog berichtet, hat der Berliner Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf seinen Seiten endlich mal was für die "armen kleinen Deutschen" veröffentlicht: "Deutschenfeindlichkeit in Schulen: Über die Ursachen einer zunehmenden Tendenz unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen". Eigentlich hat der Schwarze Blog schon alles notwendige zu den verdrehten Argumenten, begrifflichen Verkürzungen und der machtvergessenden Argumentation gesagt - einschließlich der Aufforderung der GEW seine Meinung zu schicken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie der <a href="http://blog.derbraunemob.info/2009/12/18/lehrer-gewerkschaft-gew-islam-rueckwaertsgewandt-muslime-ueberlegenheitsgefuehle/">Schwarze Blog berichtet</a>, hat der Berliner Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf seinen Seiten endlich mal was für die &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=sJHNd7wiqC8">armen kleinen Deutschen</a>&#8221; veröffentlicht: &#8220;<a href="https://www.gew-berlin.de/blz/19635.htm">Deutschenfeindlichkeit in Schulen: Über die Ursachen einer zunehmenden Tendenz unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen</a>&#8220;. Eigentlich hat der Schwarze Blog schon alles notwendige zu den verdrehten Argumenten, begrifflichen Verkürzungen und der machtvergessenden Argumentation gesagt &#8211; einschließlich der Aufforderung der GEW seine Meinung zu schicken. Dennoch, das hier muss gerade mal raus:</p>
<p>Wenn &#8220;Ursachen&#8221; gesucht und in knapp 1000 Worten dargeboten werden, entstehen meist nicht unerhebliche Kollateralschäden &#8211; so natürlich auch hier. Als würde Schwachsinn durch Wiederholung sinnvoller wird zunächst <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41955159.html">einmal mehr</a> die Untergangsstimmung in Teilen &#8220;unserer&#8221; Städte heraufbeschwört. Denn nachdem erst einmal die &#8220;armen, bildungsfernen Familien&#8221; von den &#8220;Deutschstämmigen&#8221; und den &#8220;aufstiegsorientierten Migrantenfamilien&#8221; in Neukölln, Kreuzberg oder &#8220;anderen Städten&#8221; sitzengelassen wurden, verstärkt sich die &#8220;Deutschenfeindlichkeit unter <em>vielen</em> SchülerInnen mit Migrationshintergrund&#8221; und &#8220;<em>viele</em> deutsche SchülerInnen&#8221; empfinden sich als &#8220;diskriminierte Minderheit&#8221;. Wo Verallgemeinerungen schon die Problematisierung strukturieren, können sie in der Erklärung nicht fehlen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Diese nichtdeutschen Jugendlichen wohnen in sozialen Brennpunkten, sind oft dem Prekariat zugehörig und leben isoliert. Sie entstammen häufig äußerst konservativen Familien. Auffällig ist dabei ein oft problematisches Deutschenbild. Vielfach werden Deutsche verachtet und Deutschland nur als Beutegesellschaft betrachtet, eine Integration abgelehnt. [...] Eine der Ursachen für diese Entwicklungen scheint ein Kulturkonflikt zwischen westlichen und aus dem traditionellen Islam herrührenden Vorstellungen zu sein. Viele der jungen ImmigrantInnen erleben in ihren Familien eine verzweifelte Abwehr aller Veränderungen, insbesondere der Individualisierung. [...]  Angesichts des Autoritätsverlusts des muslimischen Mannes in der europäischen Diaspora und der perspektivischen Unsicherheit muss es zu Persönlichkeitskonflikten kommen. Unsicherheit aber kollidiert mit den traditionellen Überlegenheitsgefühlen vieler Muslime, ihrer Vorstellung dem einzig wahren, ursprünglichen Glauben anzugehören.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ungefähr diese Erkenntnis-Schnittmenge dürfte es sein, die reißenden Absatz findet und das Pass-stiftende Volksblut der Zugehörigkeit zur &#8220;deutschen Minderheit&#8221; in Wallung bringt. Unter Eltern aus der &#8220;deutschen Minderheit&#8221; in Berlin (und &#8220;anderen Städten&#8221;) könnte es garniert mit einem &#8216;ich habs doch immer schon gewusst&#8217; oder &#8216;man wird doch endlich mal sagen dürfen&#8217; zur gemeinsamen Suche nach der Schule mit dem größten Kartoffelanteil im Umkreis von 50 km führen. Oder die Aneinanderreihung von Pauschalurteilen und Kausalketten findet ihren Weg in den <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,649421,00.html">diagnostischen Katalog</a> von SchulleiterInnen und LehrerInnen und dient zur Interpretation von Beiträgen, als Instrument der Ferndiagnose von Streitereien auf dem Schulhof oder gleich zur grundsätzlichen Skandalisierung überdurchschnittlicher Anmeldungen von SchülerInnen, denen man einen &#8220;Hintergrund&#8221; zuschreiben kann. Die &#8216;Drohung&#8217; der AutorInnen jedoch, geht gleich noch ein paar Schritte weiter:</p>
<blockquote><p>&#8220;Jeder Rassismus muss bekämpft werden. Uns scheint, dass es nicht reicht, allen Formen des Rassismus pädagogisch entgegenzutreten, man muss den SchülerInnen auch juristisch den Tatbestand der Volksverhetzung verdeutlichen. Jüngst hat Baden-Württembergs Bundesratsminister Wolfgang Reinhart (CDU) einen Vorstoß seines Bundeslandes angekündigt, wonach deutschenfeindliche Parolen künftig als Volksverhetzung bestraft werden sollen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wenn man schon mal was gegen die &#8220;Ausländer&#8221; machen kann&#8230;wird der Rassismusbegriff nicht nur völlig verdreht &#8211; als &#8220;Deutschenfeindlichkeit&#8221; geht er auch viel leichter über die Lippen. Wenn &#8220;Deutsche&#8221; als Täter identifiziert werden, ist das R-Wort böse und selbst körperliche Gewalt wird als &#8220;<a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/muegeln-ueberfall_aid_130261.htm">Rangelei, die sich &#8216;hochgeschaukelt&#8217; hat</a>&#8221; abgetan. Sobald sich eine Möglichkeit bietet, den Begriff von seinen machttheoretischen Implikationen wie instiutionellen Rahmenbedingungen, strukturellen, staatlichen &#8211; kurz: &#8220;deutschen&#8221; &#8211; Vorraussetzungen zu lösen, fällt er in einem Satz mit jenen drei Buchstaben, die sonst nur in analytischen Texten mit ihm in Verbindung gebracht werden können: CDU. Aber zurück zum Thema.</p>
<p>In Anbetracht der pauschalisierenden Aussagen erstaunt kurz vor Ende des Artikels folgender Satz:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wichtig bleibt festzuhalten, dass »Deutschenfeindlichkeit« keine Wesenseigenschaft von Muslimen, Türken oder Arabern ist. [...] Deutschenfeindlichkeit ist eine Folge sozialer Bedingungen; allen Versuchen einer Ethnisierung sozialer Erscheinungen sollte entgegengetreten werden. Denn wer Menschen nicht individuell bewertet, bildet rasch vorurteilsvolle Pauschalurteile über ganze Menschengruppierungen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dass die sozialstrukturellen Rosinen im kulturalistischen Kuchen dieses Texts tatsächlich den ethnisierenden Nachgeschmack überdecken sollten, kann einfach nicht ernst gemeint sein. Vielleicht ist diese Passage aber auch einfach irreführend &#8211; vielleicht wird hier gar nicht vor einer ethnisierenden Zuschreibung von &#8220;Muslimen, Türken oder Arabern&#8221; von &#8220;MigrantInnen&#8221; oder &#8220;Ausländern&#8221; gewarnt. Vielleicht werden vielmehr SIE gewarnt vor der ethnisierenden Wirkung ihrer &#8220;Deutschenfeindlickeit&#8221;. Schließlich haben wir weiter oben gelernt, dass sich die &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; in einem verzweifelten Abwehrkampf &#8220;insbesondere der Individualisierung&#8221; befinden. In einer spekulativen Deutung könnte man mutmaßen: Im Umkehrschluss und im Gegensatz dazu sind &#8220;Deutsche&#8221; individualisiert. Insofern ist völlig klar, dass die traditionalistischen &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; erst lernen &#8211; sich integrieren &#8211; müssen. Aus dieser Perspektive macht der Satz auch wieder Sinn: &#8220;Wer <span style="text-decoration: line-through;">Menschen</span> Deutsche nicht individuell bewertet, bildet rasch vorurteilsvolle Pauschalurteile über <span style="text-decoration: line-through;">ganze Menschengruppierungen</span> die deutsche Minderheit.&#8221;</p>
<p>Der Umkehrschluss zu diesem Satz gilt in der vorliegenden Argumentation nicht &#8211; eben weil &#8220;türkisch- und arabischstämmige Jugendliche&#8221; <em>ihrer </em>Kultur in dieser Logik nicht entkommen können, solange sie sich nicht in die &#8220;westliche&#8221;, individualisierende, moderne Gesellschaft integrieren. Ich erinnere beispielhaft: &#8220;Angesichts des Autoritätsverlusts <em>des</em> muslimischen Mannes in der europäischen Diaspora und der perspektivischen Unsicherheit <em>muss</em> es zu Persönlichkeitskonflikten kommen.&#8221; Wie an dieser Stelle auch, müssen die &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; an jeder Stelle der Argumentation, in der es um diskriminierende Erfahrungen geht, zwangsläufig mit den archaischen Momenten &#8220;ihrer Herkunftskultur&#8221; reagieren, z.B. der &#8220;Fähigkeit, Angst zu erzeugen&#8221;. Was die Modernisierungstheorie für die Suche nach kulturalistischen &#8220;Erklärungen&#8221; respektive ethnisierenden Zuschreibungen leisten kann, <a href="http://www.informaworld.com/index/741628906.pdf">zeigt sich unter anderem bereits bei Max Weber</a>. Weil &#8220;Integration&#8221; schon als Erkenntniskategorie nicht von einem (methodologischen oder strukturellen) Nationalismus gelöst werden kann, gilt für die <em>Forderung</em> nach &#8220;Integration&#8221; umso mehr: sie ist nur selten eine Lösung für irgendein Problem, in den meisten Fällen <em>ist</em> sie vielmehr <em>Teil</em> eines Problems (<a href="http://www.transcript-verlag.de/ts890/ts890_1.pdf">&#8220;no integration&#8221;?!</a>). Wenn dieser Begriff überhaupt noch Sinn macht, dann höchstens in einem Sinne, den <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31235">Georg Diez kürzlich im Magazin der Süddeutschen Zeitung</a> formuliert hat:</p>
<blockquote><p>Ihm zufolge geht es „beim Thema Integration, so merkwürdig das klingt, weniger um die Frage, wie man mit Ausländern umgeht als vielmehr darum, <em>wie man die Demokratie versteht</em>. Und da ist es nun mal so, dass die Anerkennung anderer als Menschen die Grundlage für all das ist, was mit dem Begriff Demokratie gemeint ist. Diese Anerkennung wird nicht in manchen Fällen gewährt, in anderen nicht. Sie hat bedingungslos zu sein, sonst wäre sie ein feudaler Gnadenakt.“</p></blockquote>
<p><!--StartFragment--><!--EndFragment-->Nicht weniger &#8220;feudal&#8221; erscheint es, wenn das Verhalten von jungen Menschen aus ihrem Rechtsstatus (&#8220;Ausländer&#8221;) oder dem Geburtsort (bzw. dem ihrer Eltern oder Großeltern) erklärt wird. Albert Scherr <a href="http://home.ph-freiburg.de/scherrfr/Ethnisierung.pdf">hat herausgearbeitet</a>, dass man die &#8220;Beanspruchung von ethnisch-kulturellen Faktoren als eigenständige Ursache bzw. Bedingung sozialen Handelns&#8221; durchaus &#8220;unter den Verdacht einer ideologischen Verklärung von wesentlich durch ökonomische Strukturen und politische Machtverhältnisse bedingten Problemen, Interessen und Konflikten&#8221; stellen kann &#8211; und zwar ohne deshalb die differenzierte Betrachtung von religiösen, kulturellen oder anderen Bezugspunkten von Alltagspraktiken aufgeben zu müssen. Vorzuwerfen ist dem Beitrag also nicht, dass er überhaupt über dieses Thema sprechen will. Vielmehr geht es um ungenaue oder &#8211; schlimmer noch &#8211; skandalisierende (&#8220;Deutschenfeindlichkeit&#8221;) Begriffe und Argumente. Anstatt erkenntnisfreie Pauschalisierungen aneinanderzureihen, die sowieso (latent) mehrheitstauglich sind, hätte bei diesem Thema gerade im Kontext einer Bildungsgewerkschaft mit eben diesen Pauschalisierungen aufgeräumt werden müssen.</p>
<p><!--StartFragment--><span><br />
</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>&#8220;Revolution ohne Basis&#8221;? Zur nationalen Entwicklung &#8230;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/07/15/revolution-ohne-basis-zur-nationalen-entwicklung-in-der-turkei/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 07:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Türkei: Projektionsfläche von antieuropäischen Ressentiments, westlichen Ordnungsvorstellungen, antislamischen und -türkischen Reflexen. Dazu gelobtes Land von Modernisierung und Laizismus, emanzipativer nationaler Konstruktion, etc. pp. Nicht zuletzt: &#8220;unser&#8221; Urlaubsland.
Das dies alles nicht so einfach funktioniert, ist vermutlich vielen Leuten klar. Doch welche Geschichte repräsentieren die angesprochenen Bilder. Und wofür steht &#8220;die Türkei&#8221;, wenn es sie denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Türkei: Projektionsfläche von antieuropäischen Ressentiments, westlichen Ordnungsvorstellungen, antislamischen und -türkischen Reflexen. Dazu gelobtes Land von Modernisierung und Laizismus, emanzipativer nationaler Konstruktion, etc. pp. Nicht zuletzt: &#8220;unser&#8221; Urlaubsland.</p>
<p>Das dies alles nicht so einfach funktioniert, ist vermutlich vielen Leuten klar. Doch welche Geschichte repräsentieren die angesprochenen Bilder. Und wofür steht &#8220;die Türkei&#8221;, wenn es sie denn so gibt?</p>
<p>Dazu hat <a href="http://www.history.ucla.edu/people/faculty?lid=252">Perry Anderson</a>, ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Perry_Anderson">renommierter, kritischer Historiker</a>, gerade ein Buch veröffentlicht, dass nun auch auf Deutsch erschienen ist. Es heißt &#8220;<strong>N</strong><strong><strong>ach </strong>Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa</strong>&#8220;, <em>Perry Anderson</em>. Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Berenberg, Berlin 2009, 184 S., 19 €</p>
<p>Eine Rezension dazu im <a href="http://www.freitag.de/kultur/0927-perry-anderson-tuerkei-moderne-olli-rehn-kurden">Freitag vom 2.7.2009</a>.</p>
<p>Die Herstellung der &#8220;modernen&#8221; Türkei wird darin als eine &#8220;Revolution von oben&#8221; dargestellt, der sozusagen schon seit ihrer erfolgreichen Implementierung ihre Basis in der Bevölkerung gefehlt hat. Weitere Brüche und problematische Politiken dieses nationalen Projektes beschreibt der Rezensent:</p>
<blockquote>
<h2>&#8220;Dessen [der Massenmord an den Armeniern, c.] bis heute andauernde Leugnung hält Anderson – ganz zu Recht – für einen ähnlichen schwerwiegenden Geburtsfehler der Republik wie den falschen Säkularismus. In seinem Bestreben, die Religion zu kontrollieren, habe der „robuste Atheist“ Atatürk die Religion erst verstaatlicht, dann aber zunehmend als Identitäts-Füllstoff für das „dubiose Konstrukt“ seiner erfundenen Nation instrumentalisiert. Zusammen mit der „Sakralisierung des Staates“ sei jene „pervertierte Dialektik von Staat und Religion“ entstanden, die die Türkei heute noch beherrscht. Die Entwicklung der Religion als „unausgesprochener Definition des Nationalen“ hallt in dem legendären Satz des Putschgenerals Evren nach: „Laizismus bedeutet nicht Atheismus“, den Anderson zitiert. Die Mär vom Militär als „Hüter des Säkularismus“ sieht man bei diesem Bekenntnis in einem anderen Licht.&#8221;</h2>
</blockquote>
<p>Und heute: scheinen die Homogenierungsträume der Politiker_innen nicht mehr so einfach zu funktionieren. Die Gesellschaft scheint gespalten zwischen religiösen bzw. religiös-strategischen Machtakteur_innen, Militärinteressen, sowie laizistischen Akteur_innen, die ebenfalls um ihre Machtbasen und Einflussnahmen in dieser Gesellschaft streiten. Das ist vielleicht, bei allen unerwünschten und mehr kritikablen Gewaltverhältnissen besser, als wenn sich eine Vorstellung von &#8220;der Türkei&#8221; durchgesetzt hätte &#8211; sowohl im Inneren, als auch, was die westlichen Bilder der Türkei betrifft. Und wer noch etwas über die Bilder Europas lernen und lesen will, kann gerne den Artikel von Perry Anderson aus der <a href="http://www.lettre.de/archiv/79_Anderson.html">lettre international nr. 79</a> zu Rate ziehen.</p>
<p>Mit welchem Ausgang pakt die Geschichte die Lebenden? The Future is unwritten&#8230;</p>
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		<title>Tapferkeitsorden: Diskurs-Politik reversed</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/07/09/tapferkeitsorden-diskurs-politik-reversed/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 14:11:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>grenwi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Euphemismen in der Politik sind seit jeher Gang und Gäbe. Der Kriegsminister wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Verteidigungsminister. Die Bundesrepublik &#8220;bestellt&#8221; Botschafter wie zuletzt den Iranischen zu &#8220;Gesprächen&#8221; ein. Innenpolitisch werden z.B. flächendeckende Gehaltskürzungen als Tarifkorrekturen und Wirtschaftrezessionen als Null- oder Negativwachstum beschönigt. In der Regel funktioniert der Mechanismus so, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Euphemismen in der Politik sind seit jeher Gang und Gäbe. Der Kriegsminister wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Verteidigungsminister. Die Bundesrepublik &#8220;bestellt&#8221; Botschafter wie zuletzt den Iranischen zu &#8220;Gesprächen&#8221; ein. Innenpolitisch werden z.B. flächendeckende Gehaltskürzungen als Tarifkorrekturen und Wirtschaftrezessionen als Null- oder Negativwachstum beschönigt. In der Regel funktioniert der Mechanismus so, dass für ein Signifikat ein im sprachlichen Gebrauch als &#8220;besser&#8221; konnotierter Signifikant eingeführt wird. Oft mit erheblichen Aufwand in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und z.T. auch nachhaltigen Erfolg.</p>
<p>Einen umgekehrten Fall scheinen die vorgestern von Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals verliehenen, sogenannten &#8220;Tapferkeitsorden&#8221;, offiziell <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenkreuz_der_Bundeswehr_f%C3%BCr_Tapferkeit">&#8220;Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit&#8221;</a> zu bilden. Sprachlich wird zwar auch hier das von den Nazis zur Stärkung der Truppenmoral wiederbelebte &#8220;Eiserne Kreuz&#8221; umbenannt. Funktional und gestalterisch aber bleibt es aber ein zum Verwechseln ähnliches Objekt. Nichtsdestotrotz wird ein erheblicher Aufwand betrieben, dem Signifikanten &#8220;höchste militärische Auszeichnung verliehen für herausragende Taten&#8221; einen neuen Inhalt, einen neuen Sinn zu verpassen.</p>
<p>Schön zusammengefasst hat das die ARD in ihrer Ausgabe des <a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video527158.html">Nachtmagazins vom 7. Juli 2009</a>. In der elften Minute der Sendung heißt es &#8220;Das Eiserne Kreuz: [...] die Nazis verliehen es gleich zwei Millionen mal. Der Tapferkeitsorden ähnelt zwar dem Eisernen Kreuz, ist aber neu in der Bedeutung. Er soll den gestiegenen Gefahren bei Auslandseinsätzen Rechung tragen&#8221;. Die Verleihungszeremonie sei angeblich ganz ohne Pathos erfolgt, der Orden eine notwendige und überfällige Anerkennung der Leistungen der Truppe im Afghanistaneinsatz.</p>
<p>Wo genau sich jetzt allerdings das Neue verbirgt bleibt das Geheimnis sowohl des Beitrags als auch der Bundesregierung. Zwar werden Medien und Bundesregierung nicht müde den Charakter der Bundeswehr als Armee von Bürgern in Uniform, deren Mission die Bewahrung der Demokratie sei, zu betonen. Gerade aber die Anlehung an militaristische Traditionen der deutschen Vergangenheit, und nichts anderes ist die Verleihung einer höchsten Ordensauszeichung, die dazu noch optisch das Eiserne Kreuz kopiert, scheint wenig geeignet die vorgeblichen Ideale der Bundeswehr zu stärken. Ein ausgezeichneter Soldat sagt stolz im Beitrag: &#8220;Es ist schön, dass es endlich eine Medaille gibt für Tapferkeit. Ich wünsche mir Unterstützung für die Truppe&#8221;.</p>
<p>Also doch: Ausmaß an Pathos hin oder her, es geht um Stolz, Truppenunterstützung und letztlich Heldenkult. Ein Vertreter der Bundeswehr verheddert sich gar in seinen Widersprüchen, als er statt eines Heldenkultes &#8220;wirkliche Helden&#8221; fordert (die er dann anscheindend nicht mehr ehren möchte).</p>
<p>So ist denn auch dem ebenfalls im Beitrag zu Wort kommenden Politikwissenschaftler Jochen Hippler uneingeschränkt zuzustimmen, der in der Verleihung des Ordens einen bewussten Prozess zur &#8220;Normalisierung&#8221; (im Sinne von Normal-Machung) militärischer Gewalt als Teil deutscher Außenpolitik sieht. Soldaten und Öffentlichkeit sollen wieder an Krieg und damit notwendig verbundene Opfer wieder gewöhnt werden. Und dazu bedarf es eben eines neuen, ganz anderen Inhaltes und Sinns des Ordens&#8230;</p>
<p>Mal sehen ob die Botschaft ankommt. Der umgekehrte Prozess der Einführung neuer Worte zur Beschönigung beschissener Situationen funktioniert ja bislang auch nur begrenzt (ich erinnere mich an den kalten Schauer, der mir in der späten Schröder-Ära über den Rücken lief, sobald von &#8220;Reform&#8221; die Rede war). Dem konservativen Wähler, der sich von dieser Maßnahme so kurz von den Wahlen angesprochen fühlt, dürfte ein &#8220;neuer Sinn&#8221; hinter der höchtsen militärischen Auszeichung am Ende womöglich eh schnuppe sein.</p>
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		<title>&#8220;Respekt²&#8221; für das &#8220;neue Deutschland&#8221;?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/06/14/respekt%c2%b2-fur-das-neue-deutschland/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 21:40:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Gegenteil von gut ist gut gemeint? Zur Relativierung und Abschaffung deutscher NS-Vergangenheit im migrantischen Rap dieser Gesellschaft. Eine Befragung

Vor einigen Wochen erschein die CD &#8220;Respekt!² Die Hinhören CD&#8220;, herausgegeben vom Jugendsender MDR Sputnik, in Kooperation mit dem Landesjugendring Thüringen e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und SPIESSER - Die Jugendzeitschrift.  Diese ist mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Gegenteil von gut ist gut gemeint? Zur Relativierung und Abschaffung deutscher NS-Vergangenheit im migrantischen Rap dieser Gesellschaft. Eine Befragung<br />
</strong></p>
<p>Vor einigen Wochen erschein die CD &#8220;<a href="http://respekt.yougend.com/pages/respekt-cd.php">Respekt!² Die Hinhören CD</a>&#8220;, herausgegeben vom Jugendsender MDR <a href="http://www.sputnik.de/">Sputnik</a>, in Kooperation mit dem <a href="http://www.landesjugendring-thueringen.de/">Landesjugendring Thüringen e.V.</a>, der <a href="http://www.lpb.sachsen-anhalt.de/">Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt</a> und <a href="http://www.spiesser.de/">SPIESSER </a>- Die Jugendzeitschrift.  Diese ist mit 13 Songs von prominenten KünstlerInnen wie Jennifer, Rostock, Tomte, Jan Delay, Peter Fox, Samy Deluxe etc. ausgestattete CD wurde und wird mit der Stückzahl von 40.000 Exemplaren u. a. an Schulen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verteilt. In diesem Kontext gab es auch im Mai 2009 eine sog. <a href="http://www.sputnik.de/respektwoche-2009/aktion">Respekt-Woche </a>des Radio-Senders Sputnik unter dem Motto &#8220;Respekt statt Hass, Toleranz statt Gewalt&#8221;.</p>
<p>Auf der besagten CD steuert der Rapper Samy Deluxe den Titel &#8220;Dis ist wo ich herkomm&#8221; einen zentralen Titel der CD bei, ist er doch auch im Booklet der Sachsen-CD mit den kompletten Lyrix vertreten. Und Samy Deluxe hat auch gerade eine <a href="http://www.rowohlt.de/buch/Samy_Deluxe_Dis_wo_ich_herkomm_Deutschland_Deluxe.07062009.2739000.html">Biographie unter dem gleichen Namen </a>herausgebracht.</p>
<p>Aber was singt der schon seit Jahren bekannte und erfolgreiche Rapper da eigentlich genau? So fängt das Lied an:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ey, uh, yeah, hört ihr das?                                                                                                         Das ist &#8216;ne neue Perspektive auf die ganze Scheiße, haha!</p>
<p>Dies hier ist unser Deutschland<br />
Dies hier ist euer Deutschland<br />
Dies ist das Land wo wir leben<br />
Dies ist das neue Deutschland&#8221;</p></blockquote>
<p>Naja, also erstmal ne nationale Perspektive reinbringen &#8211; &#8220;Deutschland&#8221; ist erst mal als Referenzrahmen des Sprechens und als Problemraum aufgemacht.</p>
<p>Dann geht es fröhlich weiter:</p>
<blockquote><p><span>&#8220;Pass auf es geht so, hoff ihr verstehts so<br />
wir müssen was für unser Land tun für unser Ego<br />
Dies ist der Startschuss für die Kampange es geht los<br />
Ziele sind gesteckt und extrem groß es ist phäno-<br />
menal egal was ihr auch sagt<br />
ich werd beweisen das ich mehr für Deutschland mach als der Staat<br />
Mit meinen Partnern denn wir geben den Kids Perspektive<br />
bisschen Aufmerksamkeit und ein bisschen mehr Liebe&#8221;<br />
<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br />
<!--[endif]--></span></p></blockquote>
<p>Okey? Ein Rapper, der was für &#8220;Deutschland&#8221; machen will (sogar in guter neoliberaler Art und Weise ohne den Staat), was für die &#8220;Kids&#8221; &#8211; und zwar &#8220;Aufmerksamkeit und Perspektive. Na, wenn soziale Ungleichheit überall so einfach bekämpft werden könnte, dann lasst bitte den guten Samy in die ganze Welt mit seinen Projekten und seinen Songs. Aber mal Spass beiseite: Die sozialen Problemlagen und strukturellen Unglerechtigkeiten in der Gesellschaft werden gar nicht benannt, sondern verbleiben im Nichtsagbaren.</p>
<p>Aber der Song hat noch mehr zu bieten:</p>
<blockquote><p>&#8220;<!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]-->Ich schau mich um und habe Zweifel                                                                                           wie es weitergehen soll in diesem Land das meine Heimat ist                                                       Und ich sehe ein das die Vergangenheit hier nicht einfach ist<br />
doch wir können nicht steh&#8217;n bleiben<br />
weil die Uhr immer weiter tickt (tick &#8211; tack)<br />
Und wir haben kein Natinalstolz und das alles bloß wegen Adolf -<br />
ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich &#8216;n Österreicher<br />
Ich frag mich was soll das, als wäre ich Herbert Grönemeyer<br />
Die Nazizeit hat unsere Zukunft versaut<br />
die Alten sind frustriert deshalb badet die Jugend es aus<br />
Und wir sind es Leid zu leiden, bereit zu zeigen<br />
wir fangen gerne von vorne an, schluss mit den alten Zeiten&#8221;</p></blockquote>
<p>Ahh, ja &#8230; auch so ein altbekannte Argumentation. Die negative Geschichte hat &#8220;uns&#8221; eigentlich am Wickel, bremst &#8220;unsere&#8221; Entwicklung, unser Fortkommen, sorgt für Stillstand, obwohl sich alles doch weiter bewegt. Also, &#8220;Die Vergangenheit ist also &#8220;nicht einfach&#8221;, aber was daran eigentlich? Werden die Verbrechen der NS-Diktatur genannt? Nein, es geht um eine etwas nebulöse Vergangenheit. Und dann kommt die Krönung, die Pointe: Hitler, der ja Österreicher war, versaut(e) uns den Nationalstolz. Wie bitte? Als ob <a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php4?page=28&amp;show=15487">das Problem Hitler allein war </a>&#8230; irgendwie kommt das einem doch ätzend bekannt vor. Nirgends ein Verweis, dass es doch die deutsche Mehrheitsgesellschaft war, die durch ihr Handeln mindestens sechs Millionen Juden und viele andere Menschen getötet, ermordet und vernichtet haben, die alle zu nicht lebenswerten Subjekten gemacht wurden.</p>
<p>Aber damit noch nicht genug, ein wenig müssen noch das Kriegsende, die Wende, der Mauerfall, Nationalgeführ und die Schuld an zwei Weltkriegen in den Rap-Mixer, damit das rauskommt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Siehs mal so: <!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]--></p>
<p><span>64 Jahre nach dem Krieg, 20 nach der Wende<br />
das war kurz nach dem Mauerfall<br />
krass wenn ich dran denke<br />
7 Jahre nach der DM, 3 Jahre nach der WM<br />
Ein Monat waren wir kurz stolz dann mussten wir uns wieder schämen<br />
denn es heißt wir haben beide Weltkriege gestartet<br />
vielleicht kann man da auch keine Selbstliebe erwarten<br />
aber, was soll&#8217;n wir tun etwa für immer depressiv sein<br />
trotz den ganzen Fortschritten der kulturellen Vielfalt&#8221;<br />
<!--[if !supportLineBreakNewLine]--><br />
<!--[endif]--></span></p></blockquote>
<p>Der nächste Hammer folgt also: Weil es nur &#8220;so heißt&#8221;, dass &#8220;wir&#8221; beide Weltkriege gestartet haben, kann also keine Selbstliebe der Deutschen erwartet wartet werden. Also: Solche Sätze ermöglichen saubersten Geschichtsrevanchismus: Denn historisch richtig ist, dass &#8220;Deutschland&#8221; diese beiden Kriege verschuldet hat, daran gibt es überhaupt keinen historischen Zweifel. Wenn daraus keine Selbstliebe der Deutschen erwächst, dann erscheint mir das normal und sogar wünschenswert, nicht problematisch.</p>
<p>Kurzum &#8211; es bleiben viele Fragen, die dieser Text meiner Meinung nach aufwirft: Müssen migrantische Stimmen im Hip-Hop einen &#8220;deutsch&#8221;-Bezug aufmachen? Diese Bezugnahme be- und hinterfragt natürlich die bisherige weisse, rassisistische Konstruktion eines &#8220;Deutschsein&#8221;. Und eine Neonazi- Instrumentalisierung der Zeilen von Samy Deluxe könnte (glücklicherweise) auch schwierig werden, weil seine migrantische Subjektivität einer rassistischen Volks- oder Bevölkerungskonstruktion einer scheinbaren &#8220;Reinheit&#8221; einer Rasse entgegen stehen würde.</p>
<p>Trotzdem eine weitere Frage: Für wen spricht eigentlich der Rapper? Und mit wem? Die Frage der Repräsentation muss auf jeden Fall kritisch beleuchtet werden, gerade wenn hier an das Tun für ein Land , gegen Langeweile, Depression, Pessimismus und andere vermeintlich falsche Daseinszustände appelliert wird.</p>
<p>Zuletzt: Warum wird die Vergangenheit als Last, als Hindernis, als problematische Erzählung wahrgenommen? Ich hätte vielleicht eher erwartet, dass sie ein zu aktualisierender, zentraler Erinnerungsraum für die Gesellschaft sein sollte. Die Erinnerung könnte auch im migrantischen Rap diskutiert werden unter mindestens zwei Gesichtspunkten: a) Was für Alltagsrassistsiche und strukturelle Diskriminierungserfahrungen es in dieser postnazistischen Gesellschaft weiterhin gibt gegenüber Menschen, die wir als &#8220;Anders&#8221; wahrnehmen, ordnen, sortierten. Und sollte hier vor Kontinuitäten bzw. neuen Entwicklungen eher gewarnt werden, vor dem Hintergrund der historischen Schuld Deutschlands. b) Es wäre wünschenswert einmal zu schauen, welche alternativen Geschichten als aus einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postkolonialismus">postkolonialen Perspektive</a> in die offizielle Deutschlandgeschichtsschreibung hineingetragen werden müssten, die migrantische Stimmen und Erfahrungen zu erzählen haben &#8211; und die das homogene Deutschland(-Bild) inklusive Volksideologie etc. auch infrage stellen könnten. Diese beiden genannten und andere Gesichtspunkte müssen natürlich überall in emanzipativen und kritischen Räumen diskutiert und proliferiert werden &#8211; dass den MigrantInnen als Aufgabe einzuschreiben, wäre genau so eine (post)koloniale Praktik, die unerwünscht ist.</p>
<p>Ich kann zu diesem ganzen Problemfeld ehrlich keinen objektiven Standpunkt formulieren, dass wäre aus einer weißen, mittelklassegeprägten Perspektive absolut anmaßend. Deshalb sind diese ganzen Zeilen eher Fragen und Problematisierungen, denn fertige Antworten.</p>
<p>Aber by the way: Warum haben eigentlich die CD-MacherInnen diesen Track für den Sampler gewählt &#8211; und dann noch die Lyrics des Textes so zentral platziert?</p>
<p>Zugegeben: Ich bleibe bei diesen vielen Fragen etwas ratlos zurück&#8230;</p>
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		<title>Fußball die Dritte: &#8220;Integrationstest Halbfinale&#8221;?</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jun 2008 12:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Halbfinale der Europameisterschaft schien schon im Vorfeld ganz besonders viele Nerven zu treffen.
Schon seit einigen Wochen wird über die &#8220;richtige&#8221; Nationalmannschaft für deutschtürkische Fußballer diskutiert (vgl. taz, Cem Özdemir in der FAZ, u.v.m&#8230;.) In der türkischen Nationalmannschaft spielte in dieser EM mit Hamit Altintop lediglich ein Spieler eines deutschen Clubs. Seitdem klar wurde, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Halbfinale der Europameisterschaft schien schon im Vorfeld ganz besonders viele Nerven zu treffen.</p>
<p>Schon seit einigen Wochen wird über die &#8220;richtige&#8221; Nationalmannschaft für deutschtürkische Fußballer diskutiert (vgl. <a href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-fussball-em-2008/artikel/1/die-neuen-deutschlinge/">taz</a>, <a href="http://www.faz.net/s/Rub50CB16F2CCB7495BBAB0A154CC647299/Doc~EAA803A13B14E4CB78BD7BFC537A73532~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell">Cem Özdemir in der FAZ</a>, u.v.m&#8230;.) In der türkischen Nationalmannschaft spielte in dieser EM mit Hamit Altintop lediglich ein Spieler eines deutschen Clubs. Seitdem klar wurde, dass &#8220;Deutschland&#8221; und &#8220;die Türkei&#8221; sich im Halbfinale gegenüberstehen würden, überboten sich die Medien mit allerlei Schlagzeilen und Fotomontagen. Während BILD &#8220;Wir gegen die Türken&#8221; titelte (siehe <a href="http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1158908/">Foto</a>), machte die <a href="http://www.ftd.de/sport/euro2008/splitter/:Integrationstest%20Halbfinale/376896.html">Financial Times Deutschland</a> das Halbfinale zum &#8220;Integrationstest&#8221;, den die taz mit ihrem Halbfinaltag- <a href="http://img2.freeimagehosting.net/uploads/930de397a1.png">Titelbild </a>vermutlich bestanden haben dürfte. Doppelte Loyalitäten &#8211; sonst ein Schreckgespenst, das unbedingt verhindert werden muss &#8211; werden im Fußball plötzlich toleriert. Dass <a href="http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-fussball-em-2008/artikel/1/der-deutsche-aus-polen/">&#8220;der Deutsche aus Polen</a>&#8221; <a href="http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2008_23_00_02.htm">&#8220;die Kraft der zwei Herzen&#8221;</a> hat, wissen wir nicht erst, seit er bei seinen Toren gegen Polen nicht richtig jubelte. So lange er sie aber schießt, darf er das auch. Auch Hamit Altintop hat <a href="http://www.welt.de/sport/em2008/article2141389/Deutsch-Tuerke_Altintop_hat_Kraft_der_zwei_Herzen.html">&#8220;die Kraft der zwei Herzen&#8221;</a> &#8211; laut <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&amp;dig=2008%2F06%2F10%2Fa0040&amp;cHash=3afc071e30">taz</a> gilt das für etwa 50 EM-Stars.</p>
<p>&#8220;Heimatland gegen Heimatland&#8221; titelte die <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/weltfussball/special/960/142646/index.html/sport/weltfussball/artikel/714/182150/article.html">Süddeutsche</a> &#8211; der Autor war mit der &#8220;Hauptsache, wir gewinnen&#8221;-Einstellung nicht allein, bedenkt man z.B. die <a href="http://www.morgenpost.de/berlin/article575302/Berlins_Tuerken_gewinnen_das_Halbfinale_in_jedem_Fall.html">Berliner Morgenpost</a> oder die im ZDF-Morgenmagazin interviewten SchülerInnen und LehrerInnen einer deutsch-türkischen Schule. Für das ZDF befinden &#8220;wir&#8221; uns sowieso im <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/29/0,3672,7258013,00.html">Multikulti-Fußballrausch</a>.</p>
<p>Wenig überraschend bot und bietet die EM viele Gelegenheiten für die &#8220;harmlose&#8221; Reproduktion nationaler Stereotype &#8211; die auch freudig genutzt wurden &#8211; sowie für das &#8220;harmlose&#8221; Fahnenschwenken. (Ein paar &#8220;harmlose&#8221; Hitlergrüße und Sieg-Schreie sind dabei nicht der Rede wert.) Nach dem Halbfinale werden nun wieder die Gemeinsamkeiten betont. &#8220;Ein Sommermärchen zwischen Currywurst und Döner&#8221; habe auf der Berliner Fanmeile stattgefunden, so BILD. <a href="http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/06/26/das-geilste-fan-fest/soviele-fahnen-gabs-noch-nie,geo=4955062.html">&#8220;So viel Fahne hatten wir noch nie!&#8221;</a> schreibt die Zeitung denn im Überschwang etwas geschichtsvergessen &#8211; zwar berichtet BILD nach eigenem Bekunden &#8220;leider erst seit 1952&#8243;, aber die Fahnenmeere zur WM 2006 auszublenden grenzt an Demenz. Currywurst und Döner haben sich aber in verschiedenen deutschen Städten auch nicht so gut verstanden &#8211; jedenfalls wurden Dönerläden Zielscheibe rassistischer Angriffe, unter anderem in Dresden. Da möchte man nicht wissen, was passiert wäre, wenn die Türkei ins Finale eingezogen wäre.</p>
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		<title>Fußball die zweite: 6+5=Weltfußballrettungsformel?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2008/06/09/fusball-die-zweite-65weltfusballrettungsformel/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsein]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[International]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[Die FIFA hat auf ihrer Konferenz in Sydney Ende Mai eine Resolution zur so genannten 6+5-Regel verabschiedet. In mehreren Schritten soll diese dafür sorgen, dass künftig (zur Saison 2012/2013) für jede Fußballmannschaft bei Anpfiff mindestens sechs Spieler auf dem Rasen stehen, die spielberechtigt für die Nationalmannschaft des Staates sind, auf dessen Gebiet der Verein seinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a href="http://de.fifa.com/aboutfifa/federation/bodies/media/newsid=783638.html#fifa+kongress+unterstutzt+ziele">FIFA</a> hat auf ihrer Konferenz in Sydney Ende Mai eine Resolution zur so genannten 6+5-Regel verabschiedet. In mehreren Schritten soll diese dafür sorgen, dass künftig (zur Saison 2012/2013) für jede Fußballmannschaft bei Anpfiff mindestens sechs Spieler auf dem Rasen stehen, die spielberechtigt für die Nationalmannschaft des Staates sind, auf dessen Gebiet der Verein seinen Sitz hat. Einfacher gesagt: es stehen mehr &#8220;Inländer&#8221; als &#8220;Ausländer&#8221; auf dem Platz. Obwohl diese Resolution gegen europäisches Recht verstößt, unterstützt sie auch die UEFA.<span id="more-16"></span></p>
<p><strong>It&#8217;s the economy, stupid! </strong></p>
<p>Die FIFA hat natürlich Recht damit, dass die aktuelle Konzentration auf reiche Klubs in reichen Ländern für die <em>&#8220;seit nunmehr 100 Jahren anhaltende weltweite Entwicklung&#8221;</em> des Fußballs gerade auch in finanzschwächeren Weltregionen nicht erstrebenswert ist. Interessant ist allerdings der Argumentationsverlauf. Zwar geht es um ökonomische Ungleichheiten &#8211; diese werden aber zunächst als nicht näher bezeichnete <em>&#8220;Ungleichgewichte zwischen den Kontinenten, den Ländern und den Fußballakteuren&#8221;</em> beschrieben. Zudem stehen sie nicht im Vordergrund, sondern erscheinen lediglich als Effekt des Verlusts der nationalen Identität im Klubfußball, der auf die Verbandsmannschaften überschwappt: <em>&#8220;Der Verlust der nationalen Identität der Klubs gefährdet die Verbandsmannschaften und hat die Kluft zwischen den Klubs vertieft, womit die bestehenden finanziellen und sportlichen Gegensätze zwischen den Klubs noch stärker und die Klubwettbewerbe noch einseitiger und berechenbarer werden.&#8221; </em>Dieser Verlust ist es schließlich, der bekämpft werden soll &#8211; dadurch soll unter anderem auch die Identifikation der Fans vor Ort mit &#8220;ihren&#8221; Vereinen steigen.</p>
<p><strong>6+5 &#8211; die Antwort auf welches Problem? </strong></p>
<p>Wie soll nun aber die neue Regelung der Entwicklung des Weltfußballs dienen? Wenn ihre Chancen auf Verträge im Ausland sinken, ohne dass die Finanzkraft der Vereine vor Ort steigt, entwickelt sich die Lage für talentierte FußballerInnen aus ärmeren Regionen zunächst zum Schlechteren. Da die 6+5-Formel audrücklich nur für Spielbeginn gilt und das Verhältnis zu Spielende daher auch 3+8 betragen darf, gerät die Identitäts-Begründung ohnehin zur Farce.</p>
<p>Warum sollten &#8220;wir&#8221; uns überhaupt eher mit &#8220;einheimischen&#8221; FußballerInnen identifizieren als mit anderen? Ist es nicht so, dass &#8220;die anderen&#8221; dann ganz schnell zu &#8220;uns&#8221; gehören, wenn sie &#8220;unserem Verein&#8221; Punkte bringen? Rassismus im Stadion wird dadurch, dass &#8220;AusländerInnen&#8221; zu Spielbeginn in der Unterzahl sein müssen, gewiss nicht weniger werden. Mehrfach-Zugehörigkeiten und wechselnde Loyalitäten sind im Profisport salonfähig geworden. Warum nun dieser Rollback? Und schließlich: warum ist &#8220;unsere&#8221; Identifikation mit dem Verein eigentlich wichtiger als die von Fans in anderen Weltregionen? Pläne der englischen Premier League für Spiele im Ausland (siehe u.a. <a href="http://www.guardian.co.uk/football/2008/feb/07/newsstory.premierleague">Guardian</a>) scheinen eher in eine andere Richtung zu weisen.</p>
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		<item>
		<title>Fußball die erste: Nationalstolz schlecht fürs Klima</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2008/06/09/fusball-die-erste-nationalstolz-schlecht-furs-klima/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 19:59:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Demonstration]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Nation]]></category>

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		<description><![CDATA[Pünktlich zur EM  (oder muss man jetzt &#8220;Euro 2008&#8243; sagen?) erreichte uns schon am 28. Mai die erfreuliche Nachricht, dass die Autofähnchen, die schon wieder massenweise verhökert und zur Schau gestellt werden (kann man noch irgendwo Kartoffelchips ohne Gratisfähnchen kaufen?), den Spritverbrauch steigern. Das berichten u.a. der Spiegel und die Website stromspar-tipps.de. Auch für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pünktlich zur EM  (oder muss man jetzt &#8220;Euro 2008&#8243; sagen?) erreichte uns schon am 28. Mai die erfreuliche Nachricht, dass die Autofähnchen, die schon wieder massenweise verhökert und zur Schau gestellt werden (kann man noch irgendwo Kartoffelchips ohne Gratisfähnchen kaufen?), den Spritverbrauch steigern. Das berichten u.a. der <a href="http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,555742,00.html">Spiegel</a> und die Website <a href="http://www.stromspar-tipps.de/index.php/fusball-em-fahne-am-auto-erhoht-spritverbraucher/">stromspar-tipps.de</a>. Auch für NichtexpertInnen einleuchtend: die Fähnchen, egal welcher Couleur, erhöhen den Luftwiderstand und der Verbrauch steigt, &#8220;nicht linear, sondern überproportional&#8221;.</p>
<p>Dass wir deswegen von Fähnchen oder Autokorsos verschont bleiben würden, musste schon vor Beginn der EM als illusorisch gelten. Schließlich scheint in Sachen Nation und/oder Auto die Ratio zu versagen. Wie anders wäre der Leipziger Protest zahlloser LKW- und TransporterfahrerInnen zu verstehen, die mittels Stop-and-Go im Innenstadtverkehr gegen die hohen Spritpreise protestierten (siehe Diskussion im <a href="http://forum.lvz-online.de/showthread.php?p=14411">LVZ-Forum</a>)?</p>
<p>Freundliche FähnchenentfernerInnen können sich zukünftig also im Wissen sonnen, nicht nur etwas gegen Nationalismus, sondern auch was fürs Klima zu tun.</p>
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