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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Rassismus</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Making up Rassismus! – und ein Plädoyer für den „unwiss&#8230;</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/09/02/making-up-rassismus-%e2%80%93-und-ein-pladoyer-fur-den-%e2%80%9eunwissenden-lehrmeister%e2%80%9c/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 13:37:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon   viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so   zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt   stellen.
Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische   Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Debatte um den derzeitigen Vorzeigerassisten Thilo Sarrazin ist schon   viel gesagt und geschrieben worden. Zwei Punkte, die in der Debatte nicht so   zentral diskutiert werden, möchte ich hingegen hier kurz in den Mittelpunkt   stellen.</p>
<p>Zunächst ist es spannend mitzuerleben wie rassistische   Argumentationsmuster sich bilden und entwickeln. Hierzu kann man auf die   Ideen von Ian Hacking zurückgreifen, der in seinem Essay „<a href="http://www.generation-online.org/c/fcbiopolitics2.htm">Making up   People</a>“ auf sehr interessante Weise zeigt, wie Personengruppen gemacht,   also definiert, klassifiziert, quantifiziert, normiert etc. werden. Genau das   hat auch Sarrazin auf nahezu perfekte Weise hinbekommen.</p>
<p>Er hat das   vollzogen, was Hacking beschreibt: <em>„More generally, we try to biologise, to   recognise a biological foundation for the problems that beset a class of   people“</em>. Sarrazins Argumentation wirkt wie ein Begehren nach einer   biologisch und genetisch einwandfrei verstehbaren Welt, auf deren Grundlage   und durch das Wissen ihrer Funktionsweisen man ganz einfach steuern und   Probleme lösen kann. Nur wird diese Welt eben nicht durch diesen   biologistischen und genetisierten Blick einer adäquaten Analyse vollzogen,   sondern sie wird – inklusive der Menschen und ihrer Probleme – erst durch   diesen Blick erschaffen. Und so erschafft sich auch der Rassismus von   Sarrazin selbst. In dem er die vermeintlichen Probleme erzeugt, definiert,   ordnet und schließlich lösen will.</p>
<p>Dass diese Welt nicht so funktioniert, kann jede Person jeden Tag erleben,   wenn sie sich den Realitäten stellt und mit dem Blick für Ambivalenzen,   Uneindeutigkeiten und Kontingenzen eine andere Welt erschafft.</p>
<p>Daran schließt sich noch ein <em>weiterer Punkt</em> an, der in der   Debatte um die Thesen von Sarrazin nicht so im Fokus steht. Gemeint ist die   Frage der Entwicklung von Bildung und Wissen in unser heutigen Welt. Bei   Sarrazin muss man das Gefühl haben, dass der Zugang zu Bildung und das   Verstehen von Welt sich biologisch und sogar genetisch vermittelt. Das   heißt, dass das Ideal der Gleichheit der Menschen und der Gleicheit der   Chancen hier in tausend Stücke zerfällt.</p>
<p>Dieser Sichtweise, dass sich “Intelligenz” und Bildung genetisch   entwickeln und determinieren, kann man eine ganz andere Position   entgegenstellen. Sie stammt vom französischen Philosophen Jacques   Rancière, der sie in seinem Buch “Der unwissende Lehrmeister”   ausgebreitet hat. Ausgehend von seiner engagierten Darstellung der   historischen Figur Joseph Jacotot, eines universitäten Lehrbeauftragten in   den Niedelanden des 19. Jahrhunderts, macht Rancière daraus ein Plädoyer   für ein Lernen und Lehren ohne elitären Habitus. Dazu gehört ebenso das   Wissen um die Gleichheit aller Menschen. Ohne biologistische Zwangsbrille und   genetisch-deterministisches Weltbild auskommend, zeigt diese Sicht auf die   Menschen, dass die Möglichkeiten für Lernen und die Emanzipation durch   Bildung erst einmal alle gleich in allen Menschen vorzufinden sind. Wichtig   ist nur, diese Möglichkeiten zu fördern – was weder die aktuelle   Bildungslandschaft noch die Debatten über Migration und “Unterschicht”   tun.</p>
<p>Dazu Rancière: <em>“Man hat keine besonderen pädagogischen Leistungen   von einem emanzipierten Gärtner zu erwarten oder überhaupt von einem   unwissenden Lehrmeister. Was ein Empanzipierter wesentlich kann, ist,   Emanzipierender zu sein: nicht den Schlüssel zum Wissen geben, sondern das   Bewusstsein davon, was eine Intelligenz sein kann, wenn sie sich allen   anderen gleich und jeden anderen als ihr gleich betrachtet.”</em></p>
<p>Eine solche Position suchen wir bei Sarrazin und Co. vergeblich. Sie   glauben zu wissen, aber letztendlich stehen sie einer intellektuellen und   gesellschaftlichen Emanzipation fundamental entgegen.</p>
<p>[Auch erschienen als Editorial unseres Newsletters vom September 2010]</p>
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		<title>Kulturfragen</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/07/03/kulturfragen/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 10:52:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>alocin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsein]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Bilder sprechen für sich.
Hier: Das Auswärtige Amt stellt die &#8220;Aktion Afrika&#8221; vor. Es geht um deutsch-afrikanischen Kulturaustausch. Nebenbei wird Afrika als bilateraler Partner für Deutschland mal wieder als ein Gesamtstaat behandelt.
Mir geht es aber um die beiden Bilder:
Wie sieht &#8216;deutsche&#8217; Kultur aus, und was ist &#8216;afrikanische&#8217; Kultur?





Auswärtiges Amt: &#8220;Aktion Afrika &#8211; Deutschland setzt sein Engagement [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bilder sprechen für sich.<br />
Hier: Das Auswärtige Amt stellt die &#8220;Aktion Afrika&#8221; vor. Es geht um deutsch-afrikanischen Kulturaustausch. Nebenbei wird Afrika als bilateraler Partner für Deutschland mal wieder als ein Gesamtstaat behandelt.</p>
<p>Mir geht es aber um die beiden Bilder:<br />
Wie sieht &#8216;deutsche&#8217; Kultur aus, und was ist &#8216;afrikanische&#8217; Kultur?</p>
<div class="mceTemp">
<dl id="attachment_232" class="wp-caption" style="width: 460px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a rel="attachment wp-att-232" href="http://www.diffusionen.de/2010/07/03/kulturfragen/bild-5/"><img class="size-medium wp-image-232" src="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/07/Bild-5-450x714.png" alt="" width="450" height="714" /></a></dt>
</dl>
</div>
<p>Auswärtiges Amt: &#8220;Aktion Afrika &#8211; Deutschland setzt sein Engagement fort&#8221;.</p>
<p>Zu finden auf <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/Afrika/Kultur/aktion-afrika-grundsatz,__page=3.html">www.auswaertiges-amt.de</a></p>
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		<title>Das E-Wort als notwendige Skandalisierung?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/06/17/das-e-wort-als-notwendige-skandalisierung/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 21:53:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elena</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der ehemalige Berliner Finanzsenator, von einigen Zuständigkeiten entlastete Bundesbank-Vorstand und nach wie vor SPD-Parteibuchbesitzer Thilo Sarrazin hat sich wieder einmal geäußert. &#8220;Rassistisch&#8221;, sagt (u.a.) die taz: Intelligenz sei &#8220;zu fast 80%&#8221; erblich und unterscheide sich zwischen (nach Herkunft unterschiedenen) Bevölkerungsgruppen, die auch ein unterschiedliches Reproduktionsverhalten hätten. Beides zusammen bedrohe Deutschland. &#8220;Provokant&#8221;, sagt der Spiegel. &#8220;Dumm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der ehemalige Berliner Finanzsenator, von einigen Zuständigkeiten entlastete Bundesbank-Vorstand und nach wie vor SPD-Parteibuchbesitzer Thilo Sarrazin hat sich wieder einmal geäußert. &#8220;<a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/wir-werden-immer-duemmer/">Rassistisch&#8221;, sagt (u.a.) die taz</a>: Intelligenz sei &#8220;zu fast 80%&#8221; erblich und unterscheide sich zwischen (nach Herkunft unterschiedenen) Bevölkerungsgruppen, die auch ein unterschiedliches Reproduktionsverhalten hätten. Beides zusammen bedrohe Deutschland. &#8220;Provokant&#8221;, sagt der Spiegel. &#8220;Dumm und nicht weiterführend&#8221;, sagt die Kanzlerin (laut <a href="http://jungle-world.com/artikel/2010/24/41134.html">Jungle World</a>). &#8220;Rechtsextrem&#8221;, sagt,  <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/06/16/berlin-21-6-2010-18h-demo-gegen-sarrazin/#more-2339">wie der Schwarze Blog berichtet</a>, der Aufruf zu einer Demo gegen Sarrazin am 21.6. in Berlin. Die Forderungen, laut <a href="http://profile.ak.fbcdn.net/hprofile-ak-snc4/hs167.ash2/41498_1339647064_6862_n.jpg">Flyer</a>:</p>
<blockquote>
<ol>
<li>Sarrazin muss aus der SPD ausgeschlossen werden!</li>
<li>Entlassung Sarrazins vom Vorstand der Bundesbank!</li>
<li>Gesicht zeigen gegen Rassismus!</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Der beim Schwarzen Blog dokumentierte Aufruf weiter:</p>
<blockquote><p>“SARRAZINS RECHTSEXTREME ÄUSSERUNGEN NEHMEN WIR NICHT LÄNGER HIN !!!  DESHALB BITTEN WIR JEDEN UNS IN DIESEM VORHABEN ZU UNTERSTÜTZEN UND AM <strong>MONTAG,  21.06.2010 um 18 Uhr vor dem WILLY-BRANDT-HAUS</strong> mit uns zu  demonstrieren ! Je mehr Leute wir sind, desto klarer wird der SPD, dass  Herr Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen werden muss (…)</p>
<p>Die ZEIT IST GEKOMMEN, um der Führungsriege der SPD klar zu machen,  dass wir diese RECHTSEXTREMEN ÄUSSERUNGEN NICHT LÄNGER HINNEHMEN (…)</p></blockquote>
<p>So schnell wird aus Rassismus Rechtsextremismus. Die <a href="http://www.spd-berlin.de/w/files/spd-presse/pe-012-schiedskommission-zu-sarrazin.pdf">Entscheidung</a> gegen einen Parteiausschluss Sarrazins geschah u.a. mit dem Argument, Rassismus habe in der SPD zwar keinen Platz, Sarrazins Äußerungen seien aber &#8211; entgegen dem eigens eingeholten Gutachten &#8211; nicht &#8220;im klassischen Sinne&#8221; rassistisch. Der Nicht-Ausschluss stelle aber keinen &#8220;Freifahrtschein für weitere Provokationen&#8221; dar. Sarrazin war vermutlich nicht der Meinung, einen solchen zu brauchen.</p>
<p>Ob die öffentliche Forderung nach einem Parteiausschluss fruchtet? Sarrazins aktuelle Aussagen sind nicht mehr oder weniger, sondern ziemlich genau so rassistisch wie die früheren. Jenseits der Frage, was und wem ein solcher Ausschluss nützt, ist auch die Frage interessant, welche Reaktionen die Unterstellung, Sarrazins Äußerungen seien nicht (nur) rassistisch, sondern (auch) rechtsextrem, in der SPD hervorrufen wird. Die Definitionen von &#8220;rechtsextrem&#8221; eignen sich noch besser als bekannte Rassismusdefinitionen für eine vergleichbare Argumentation gegen den Ausschluss. Ist die Begriffsverschiebung als größere Skandalisierung gemeint? Muss Rechtsextremismus auch ablehnen, wer Rassismus toleriert? Ist, was als &#8220;extrem&#8221; bezeichnet wird, tatsächlich leichter auszuschließen, als etwas, das menschenfeindlich und rassistisch ist?</p>
<p>Der Verein DeuKische Generation e.V. spricht auch in einem <a href="http://www.deukischegeneration.de/index2.html">Offenen Brief an Sigmar Gabriel </a>von rechtsextremen Äußerungen Sarrazins und fordert den sofortigen Parteiausschluss.</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.diffusionen.de/2010/03/24/sarrazin-rassismusdefinitionen-und-die-spd/">Sarrazin, Rassismusdefinitionen und die SPD</a></p>
<p>Danke an: <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/06/16/berlin-21-6-2010-18h-demo-gegen-sarrazin/">Der Schwarze Blog </a></p>
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		<item>
		<title>Sarrazin, Rassismusdefinitionen und die SPD</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/03/24/sarrazin-rassismusdefinitionen-und-die-spd/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 11:15:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elena</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerade läuft die internationale Woche gegen Rassismus. Die Debatte um die Äußerungen Thilo Sarrazins in der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; zeigt deutlich, dass keine Einigkeit darüber besteht, was &#8220;Rassismus&#8221; denn nun ist &#8211; geschweige denn, was es bedeutet, &#8220;gegen Rassismus&#8221; zu sein.
Wir erinnern uns: der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und prominenter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade läuft die <a href="http://www.interkultureller-rat.de/projekte/internationale-wochen-gegen-rassismus/#a1">internationale Woche gegen Rassismus</a>. Die Debatte um die Äußerungen Thilo Sarrazins in der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; zeigt deutlich, dass keine Einigkeit darüber besteht, was &#8220;Rassismus&#8221; denn nun ist &#8211; geschweige denn, was es bedeutet, &#8220;gegen Rassismus&#8221; zu sein.</p>
<p>Wir erinnern uns: der ehemalige Berliner Finanzsenator<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin"> Thilo Sarrazin</a>, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und prominenter SPD-Genosse, äußerte sich im <strong>September 2009</strong> in einem Interview mit der Zeitschrift &#8220;Lettre International&#8221; abfällig über &#8220;Menschen [...], die nicht ökonomisch gebraucht werden&#8221;. Zu diesen gehörten &#8220;Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat&#8221; und die &#8220;keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel&#8221; hätten. Die Mentalität dieser Menschen sei &#8220;aggressiv und atavistisch&#8221;, sie seien in weiten Teilen &#8220;weder integrationswillig noch integrationsfähig&#8221; und &#8220;produziert[en]&#8221; &#8220;ständig neue kleine Kopftuchmädchen&#8221;. Speziell türkische Menschen &#8220;erobern&#8221; Deutschland &#8220;durch eine höhere Geburtenrate&#8221;. Aber auch &#8220;verfettete Subventionsempfänger&#8221;, &#8220;Unterschichtengeburten&#8221; und &#8220;Nichtleistungsträger&#8221; will Sarrazin nicht mehr in Berlin haben. Im Gegensatz dazu sprach er von &#8220;vielen fleißigen asiatischen Arbeitern, von Thailand bis China&#8221; sowie von der &#8220;altdeutsche[n] Arbeitsauffassung&#8221; der &#8220;Detuschrussen&#8221; und attestierte jüdischen Menschen aus Osteuropa einen &#8220;um 15% höheren IQ&#8221; als der deutschen Bevölkerung. Direkte Folge: eine mediale Debatte, schnelle Solidaritätsbekundungen und Schulterklopfen für Sarrazin (unter anderem von <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/deutschland_in_aufruhr/">Henryk M. Broder</a>, <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/ralph-giordano-sarrazin-hat-vollkommen-recht_aid_442352.html">Ralph Giordano</a>, aber auch der DVU, der PRO-Bewegung und den Republikanern), Anregung eines Parteiausschlussverfahrens aus der SPD, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,654915,00.html">Ärger</a> <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/thilo-sarrazin-bundesbank-praesident-legt-ruecktritt-nahe_aid_441393.html">mit der Bank</a>- derweil Lettre International mit dem Blick über den Tellerrand und kontroversen Interviews wirbt.</p>
<p>Ein erster Antrag auf Parteiausschluss durch Mitglieder seines SPD-Kreisverbandes wird im <strong>November 2009 </strong>abgelehnt &#8211; unter anderem mit Verweis auf das Hamburger Programm der SPD, das eine  Integrationsbereitschaft &#8220;seitens der Migranten&#8221; fordere, und die  Tradition der SPD, die &#8220;stets Raum für verschiedene Auffassungen  gelassen&#8221; habe (siehe <a href="http://www.spd-berlin.de/w/files/spd-presse/pe-012-schiedskommission-zu-sarrazin.pdf">hier</a>).</p>
<p>Im <strong>Dezember 2009</strong> kommt ein vom SPD-Kreisverband Spandau und der SPD-Abteilung Alt-Pankow in Auftrag gegebenes wissenschaftliches <a href="http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2010/01/Botsch_Gutachten-SPD-Schiedskommission.pdf"> Gutachten</a> (Autor: Dr. Gideon Botsch, Moses-Mendelssohn-Institut) zu dem Schluss, dass &#8220;die Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin  im Interview mit der Zeitschrift &#8216;Lettre International&#8217; (deutsche Ausgabe, Heft 86)&#8221; eindeutig als rassistisch zu bewerten seien.  <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/01/22/wissenschaftliches-gutachten-sarrazins-aeuszerungen-eindeutig-rassistisch/">Der Schwarze Blog kommentiert</a>. Botsch beschreibt eingangs, dass es unterschiedliche Rassismusdefinitionen und unterschiedliche Spielarten des Rassismus gibt (bspw. kulturalisierenden Rassismus und &#8220;sozialen Rassismus&#8221;), und bezieht sich auf Albert Memmi, demzufolge Rassismus in einer &#8220;Hervorhebung von Unterschieden, in einer Wertung dieser Unterschiede und schließlich im Gebrauch dieser Wertung im Interesse und zugunsten des Anklägers&#8221; bestehe (Memmi, Rassismus, S. 44). Von Rassismus könne entsprechend nur gesprochen werden, wenn &#8220;Differenz, Wertung, Verallgemeinerung und Funktion&#8221; vorliegen (Botsch, S. 4). Das Gutachten weist den Äußerungen Sarrazins kulturalistischen und sozialen Rassismus sowie andere gruppenbezogene Vorbehalte nach &#8211; und weist explizit darauf hin, dass die Identifikation rassistischer Äußerungen nicht gleichzusetzen ist mit dem Vorwurf, jemand sei Rassist (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=b0Ti-gkJiXc&amp;feature=player_embedded">Jay Smooth hat&#8217;s immer noch gut formuliert</a> und diese Unterscheidung scheint auch rechtlich relevant zu sein, wie die <a href="http://andersdeutsch.blogger.de/stories/1600708/">Kontroverse um Dr. Sabine Schiffer</a> deutlich macht).</p>
<p>Im <strong>März 2010</strong> entscheidet die SPD-Landesschiedskommission Berlin, dass Sarrazin Mitglied der SPD bleiben darf. Die Entscheidung (hier <a href="http://www.spd-berlin.de/w/files/spd-presse/pe-012-schiedskommission-zu-sarrazin.pdf">als  pdf</a>) hält fest: &#8220;<em>Rassismus hat in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands keinen Platz.</em>&#8221; (im Original fett) Sarrazin wird dennoch nicht ausgeschlossen &#8211; weil seine Äußerungen nicht alle Kriterien für Rassismus erfüllen. Weil nicht nur Migrant_innen, sondern auch ein &#8220;bestimmter Teil der deutschen Bevölkerung&#8221; kritisiert würden, finde kein Rassismus statt &#8211; es würden schließlich Gruppen von Migrant_innen mit Gruppen von Deutschen gleichgesetzt. Eine Verallgemeinerung finde nicht statt, weil Sarrazin nicht von &#8220;den Migranten&#8221; rede, sondern zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen unterscheide. In dem Dokument ist außerdem zu lesen, Sarrazins &#8220;Tabubruch&#8221; sei in &#8220;den Reihen der Menschen mit Migrationshintergrund&#8221; auf Verständnis gestoßen &#8211; und Sarrazin (der &#8220;Antragsgegner&#8221;) beklagt die Tabuisierung seiner Kritik u.a. durch &#8220;staatlich finanzierte Antidiskriminierungsvereine&#8221;, die den Rassismusvorwurf strategisch einsetzten, um Dinge &#8220;unter der Decke&#8221; zu halten. Zurück zur Entscheidung: wenn sich Sarrazin auch vom &#8220;Menschenbild des Hamburger Programms entfernt&#8221; hätte, so wiege das Gut der Meinungsfreiheit schwerer: &#8220;<em>Die Volkspartei SPD muss solche provokanten Äußerungen aushalten</em>.&#8221;  Sarrazin erhalte damit aber &#8220;<em>keinen Freifahrtschein für alle künftigen Provokationen</em>&#8221; (kursive Hervorhebungen sind im Original fett). Parteischädigendes Verhalten sei in seinen bisherigen Äußerungen noch nicht festzustellen.</p>
<p><a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/persilschein-fuer-alle-rassisten/">Sebastian Heiser kommentiert in der taz</a>: ein Parteiausschluss hätte &#8220;nochmal die ganz große Runde gemacht&#8221;, der Nicht-Ausschluss sei also als strategisch zu verstehen &#8211; und musste dennoch inhaltlich begründet werden, woran die Schiedskommission gescheitert sei. Dies habe verheerende Folgen &#8211; darunter in Heisers Worten &#8220;ein Persilschein für Rassisten&#8221;. <a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/das-ist-geradezu-grotesk/">Hajo Funke betont in der taz </a>den rassistischen und sozialdarwinistischen Charakter von Sarrazins Äußerungen, die er als &#8220;rassistischen Rechtspopulismus&#8221; bezeichnet. Die Kommission, die sich auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus#Rassismusdefinition_nach_Albert_Memmi">Rassismusdefinition von Albert Memmi</a> beruft, habe &#8220;den Memmi und den Rassismusdiskurs nicht verstanden&#8221;. Die Behauptung, durch die &#8220;Differenzierung zwischen Migrantengruppen&#8221; (taz) sei das Kriterium, dass sich eine Beschuldigung gegen fast alle Mitglieder einer Gruppe richte, nicht erfüllt, bezeichnet Funke as &#8220;geradezu grotesk&#8221;. <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/chance-verpasst/">Im Kommentar von Daniel Bax</a> wird die Schiedskommission mit der Aussage paraphrasiert, Sarrazins Aussagen seien nicht biologisch begründet, also nicht &#8220;im klassischen Sinne rassistisch&#8221;. Bax prophezeit: die SPD wird sich auch in Zukunft mit &#8220;dummen Sprüchen&#8221; Sarrazins &#8220;herumschlagen&#8221; müssen &#8211; weil die Entscheidung als Bestätigung seiner Positionen wirkt. Wie <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/sarrazin-darf-sozi-bleiben/">die taz berichtete</a>, gibt Sarrazin den Vorwurf, nicht für die SPD zu sprechen, nun an die Parteilinke weiter.</p>
<p>Die SPD lehnt also Rassismus ab. Kulturalisierende, ethnisierende und sozialdarwinistische Zuschreibungen, Abwertungen und Ressentiments gelten laut Landesschiedskommission zwar als problematisch, weil sie &#8220;viele Menschen verletzt&#8221; haben &#8211; aber nicht als Spielarten des Rassismus. Dass Intelligenz und ökonomische Nützlichkeit an soziale Herkunft, Nationalität und die Zugehörigkeit zu doch recht großen &#8220;Kulturkreisen&#8221; geknüpft werden und Sarrazin sich zudem aus dem Fundus antisemitischer Klischees bedient, scheint dabei nicht weiter zu stören. Wenn Sarrazins Äußerungen SPD-Organen nicht als &#8220;parteischädigend&#8221; gelten, sondern Positionen repräsentieren, die innerhalb der Volkspartei &#8220;ausgehalten&#8221; werden müssen, nimmt diese zumindest in meinen Augen Schaden. Um eine Formulierung von Sarrazin zu borgen: Ich muss niemanden respektieren, der mehrfach privilegiert ist, die Gleichwertigkeit aller Menschen abstreitet und ständig neue &#8220;Tabubrüche&#8221; produziert.</p>
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		<title>Wende im &#8220;Disko-Krieg&#8221;?</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/03/14/wende-im-disko-krieg/</link>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sfr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leipziger Verhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländerkriminalität]]></category>
		<category><![CDATA[LVZ]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Rund zwei Jahre nach den von lokalen Medien zum &#8220;Disko-Krieg&#8221; hochstilisierten Auseinandersetzungen zwischen Türstehern und zumeist als &#8220;Ausländern&#8221; betitelten jungen Männern in Leipzig,  bei denen u.a. ein Unteiligter erschossen und mehrere Menschen schwer verletzt wurden, hat die Staatsanwaltschaft nun erste Anklagen erhoben. In der medialen Berichterstattung war zunächst weitestgehend die Perspektive der Security-Leute eingenommen worden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rund zwei Jahre nach den von lokalen Medien zum <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0422/seite3/0001/index.html">&#8220;Disko-Krieg&#8221;</a> hochstilisierten Auseinandersetzungen zwischen Türstehern und zumeist als &#8220;Ausländern&#8221; betitelten jungen Männern in Leipzig,  bei denen u.a. ein Unteiligter erschossen und mehrere Menschen schwer verletzt wurden, <a href="http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig/citynews/erste-anklage-nach-disko-krieg/r-citynews-a-21437.html">hat die Staatsanwaltschaft nun erste Anklagen erhoben</a>. In der medialen Berichterstattung war zunächst weitestgehend die Perspektive der Security-Leute eingenommen worden. Trotzdem wurde bald klar, dass es sich bei den Sicherheitsleuten, die den Zugang zu innenstädtischen Diskotheken kontrollieren, um alles andere als unbescholtene Bürger handelt. Trotzdem empfindet es die LVZ nun als ungerecht, dass sich demnächst einzig sieben Türsteher vor Gericht verwantworten müssen. In einem Kommentar in der Ausgabe vom 13./14. Februar heißt es:</p>
<blockquote><p>Zudem würden die Security-Männer als einzige Schuldige der brutalen Auseinandersetzungen dastehen. Und dies hätte &#8211; bei allen vielleicht berechtigten Vorbehalten gegenüber der Türsteher-Szene &#8211; mit der Realität nicht mehr viel zu tun.</p></blockquote>
<p>Wie aber sieht sie aus, die Realität? Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, am 8. März 2008 mit zehn weiteren, bislang noch unbekannten Männern in der Diskothek Schauhaus eine &#8220;Migranten-Gang&#8221; (LVZ) angegriffen zu haben. Dass die Tumulte in dieser Nacht durch einen gewalttätigen Übergriff der Türsteher ausgelöst worden waren, hatte man so in der LVZ bisher nie lesen können. Handelt es sich also um eine Wende im &#8220;Disko-Krieg&#8221;?</p>
<p>Keine Sorge, vieles bleibt beim Alten. So wird betont, dass die Tatverdächtigen &#8220;allesamt Deutsche&#8221; seien.  Sie hätten beabsichtigt, ihren &#8220;Kontrahenten&#8221; eine &#8220;Abreibung&#8221; zu verpassen. Die Angegriffenen erlitten bei der unter anderem mit Stock und Baseballschläger ausgeführten Attacke Kopf- und Schnittverletzungen. In welcher Art Konkurrenzverhältnis sich die beiden Gruppen befanden, wird leider nicht mitgeteilt. Und das, obwohl die Bezeichnung &#8220;Kontrahent&#8221; gleich mehrfach zur Charakterisierung der &#8220;Migranten&#8221; verwendet wird. So habe &#8220;ein Kontrahent&#8221; während der Tumulte den Chef einer Leipziger Security-Firma, der sich jetzt unter den Angeklagten befindet, niedergestochen. Kurz danach hatte dieser einen gebürtigen Armenier, der als Anführer der im Schauhaus angegriffenen Gruppe gilt und der von der LVZ als &#8220;sein Erzfeind&#8221; bezeichnet wird, als Täter beschuldigt, danach aber keine Aussagen mehr gemacht.</p>
<p>Aufgrund der geringen Aussagebereitschaft der Beteiligten konnte die Staatsanwaltschaft bisher nur diesen ersten Zwischenfall erhellen, nicht jedoch die darauf folgenden gegenseitigen Übergriffe in der Nacht. Trotzdem ist für die Polizei (und damit auch für die LVZ) offenbar klar, dass es sich um einen Konflikt zwischen (deutschen) Türstehern und (kriminellen) Migranten handelt. Der Leipziger Polizeispräsident Horst Wawrzynski, dessen Vorgänger nach den Vorfällen vom März 2008 abgelöst wurde, äußerte sich in der LVZ kürzlich so über die aktuelle Situation:</p>
<blockquote><p>Die Migrantenszene ist in der Tat ruhiger geworden, seit ihr Anführer Artur T. das Land verlassen hat. Aber der Konflikt zwischen Türsteherszene und Migrantenszene schwelt nach wie vor.</p></blockquote>
<p>Angesichts solch einer Reduzierung des Problems auf einen nicht näher erläuterten Konflikt zwischen zwei Gruppen, die der Einfach heit halber als &#8220;Türsteher&#8221; und &#8220;Migranten&#8221; bezeichnet und damit irreführend auf ihre Nationalität (&#8220;allesamt Deutsche&#8221;) bzw. ihre nicht-deutsche Herkunft (&#8220;Migranten&#8221;) beschränkt und als jeweils homogene Gruppen dargestellt werden, ist es kaum verwunderlich, dass sich die LVZ-Leserschaft in den <a href="http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig/citynews/erste-anklage-nach-disko-krieg/r-citynews-a-21437.html">Online-Kommentaren zu dem Artikel</a> ebenfalls nicht so recht über die Anklageerhebung erfreut zeigt. In einem der ersten Einträge heißt es da:</p>
<blockquote><p>Ich sehe den Tag kommen, wo die Leipziger genötigt sein werden, die  Sache selbst in die Hand zu nehmen. Da wir von diesem Staat nichts mehr  zu erwarten haben, sind alles Vertrauen und alle Hoffnung, die  Angelegenheit werde rechtssaatlich gelöst, eh für die Katz. Wir haben  viel zu lange still gehalten. Das müssen wir uns vorhalten lassen. Aber  auch unsere Geduld wird einmal ein Ende haben.</p></blockquote>
<p>Ein anderer schreibt:</p>
<blockquote><p>&#8230; es kann nicht sein, dass &#8220;migranten&#8221; hier in diesem land besser dastehen  wie wir deutschen!!! ich hoffe es ändert sich balde hier im land was,  es kann nicht so weiter gehen!!!!!!!!!!</p></blockquote>
<p>Die rassistischen Wahrnehmungmuster in den öffentlichen Debatten um „Jugendkriminalität&#8221;, „Ausländerkriminalität&#8221; und „Extremismus&#8221; hatte das <a href="http://engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Forum_fuer_kritische_Rechtsextremismusforschung">Forum für Kritische Rechtsextremismusforschung (FKR)</a> noch vor den blutigen Auseinandersetzungen im März 2008 in einem gemeinsamen Positionspapier mit dem <a href="http://www.adb-sachsen.de/">Antidiskriminierungsbüro (ADB)</a> kritisiert. Anlass dafür war unter anderem die LVZ, die bereits im Oktober 2007 den &#8220;Disko-Krieg&#8221; ausgerufen und in diesem Zusammenhang von einer &#8220;Debatte um kriminelle Ausländer&#8221; geschrieben hatte. Das <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Positionspapier_Kritik_der_aktuellen_Debatten_um_Jugendkriminalitaet_Auslaenderkriminalitaet_">Positionspapier</a> endet mit folgender Passage:</p>
<blockquote><p>Sowohl die gegenwärtige Debatte über „Ausländerkriminalität&#8221; als auch  die Extremismusdiskussion reproduzieren und stärken vorurteilsgeprägte  Wahrnehmungsmuster und Lösungsvorschläge, die auf Abschottung und einen  „starken Staat&#8221; zielen. Wir kritisieren deshalb die gegenwärtigen  populistischen Diskurse, ihre Sprachbilder und undifferenzierten  Erklärungsmuster, denn sie laufen auf die Bedrohung einer weltoffenen,  vielfältigen Lebenskultur hinaus.</p></blockquote>
<p>Diese Einschätzung hat in Bezug auf die LVZ offenbar auch nach mehr als zwei Jahren nichts von ihrer Berechtigung verloren.</p>
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		<title>Rassismus und die weiße Norm</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/02/09/rassismus-und-die-weise-norm/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 22:32:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elena</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Poko]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ressourcen]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Beispiele, ein Thema: zur Wichtigkeit nichtrassistischer Tätigkeit und Ressourcen für die eigene Auseinandersetzung. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den USA ist der Februar Black History Month (In <a href="http://bhmberlin2010.blog.de/">Berlin</a> und <a href="http://www.bhmhamburg.de/">Hamburg</a> auch). Auf <em>stuff white people do</em> gibt es den passenden Artikel von macon d: &#8220;&#8230;<a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com/2010/02/wonder-why-theres-no-white-history.html">wonder why there&#8217;s no &#8216;white history month</a>&#8216;&#8221;. In Großbritannien findet der jährliche <a href="http://www.black-history-month.co.uk/">Black History Month</a> im Oktober statt. Die neonazistische British National Party agitiert jährlich mit einer Kampagne für einen &#8220;White History Month&#8221; im November. Sie argumentiert dabei a) ganz klassisch ethnopluralistisch mit der Forderung nach gleichen Entfaltungsrechten für alle &#8220;races and nationalities&#8221; und appelliert b) ebenfalls ganz klassisch an Ressentiments der <em>weißen</em> Dominanzgesellschaft gegen jede Affirmation spezifischer &#8220;anderer&#8221; Identitäten:</p>
<blockquote><p>The BNP has no problem with anybody wishing to celebrate Black History Month, which allows black people to celebrate their identity, explore their heritage and show pride in their achievements.</p>
<p>The BNP would like to see all races and nationalities doing the same thing. It is only with pride and knowledge of who we are and where we came from, that we will all learn to live together in this world.</p>
<p>This is why the British National Party, Youth BNP, Student BNP and our historical group, British Pride, are giving their full support to official White History Month. During this month all white people around the world — and in Britain — will celebrate their history and heritage with pride.</p>
<p>The BNP hopes that White History Month will attract the same level of funding, public recognition and support from politicians and celebrities which Black History Month has drawn.</p></blockquote>
<p><strong>Ähm, nein. </strong></p>
<p><em>(ich verlinke die BNP-Seiten hier aus hoffentlich verständlichen Gründen nicht. Wer sich das Elend unbedingt selbst ansehen möchte, möge eine Suchmaschine bemühen)</em></p>
<p><strong>Andere Baustelle:</strong></p>
<p>In den USA gaben die Grammy Awards wieder Anlass, über Abendgarderobe zu berichten. Derzeit scheint, na ja, sagen wir mal &#8220;beige&#8221;, eine Modefarbe zu sein. Die Bezeichnung der Farbengruppe als &#8220;nude&#8221; oder &#8220;fleischfarben&#8221; hat schon <a href="http://contexts.org/socimages/2009/11/27/stunning-example-of-the-neutrality-of-whiteness/">vor ein paar Monaten</a> für Unruhe gesorgt &#8211; als Michelle Obama ein champagnerfarbenes Kleid trug und berichtet wurde, es sei ein wunderschönes hautfarbenes Kleid. Diesmal war es Beyoncé (neben anderen). Sociological Images dazu: &#8220;<a href="http://contexts.org/socimages/2010/02/02/fashion-world-still-clueless-about-what-naked-non-white-people-look-like/">Fashion world still clueless about what naked non-white people look like</a>&#8220;. Auf demselben Blog gibt es auch einen älteren Post <a href="http://contexts.org/socimages/2008/08/03/white-privilege/">über &#8220;hautfarbene&#8221; Pflaster, Wachsfarben etc</a>.</p>
<p>Dies sind Beispiele dafür, dass Weißsein als &#8220;Normalität&#8221; kodiert wird. Womit &#8211; zumindest für mich &#8211; wiederum die Wichtigkeit einer kritischen Auseinandersetzung <em>weißer</em> Menschen mit rassistischen Normalzuständen bestätigt wäre. Dies beinhaltet zunächst einmal die Identifikation, Bewusstmachung, Reflexion und Hinterfragung eigener Privilegien. Unterstützung dabei bieten die <em>Critical Whiteness Studies</em>. Und dann fällt vielleicht auch eine Rassismusdefinition leichter, die Dominanz- und Machtverhältnisse reflektiert und Rassismus nicht mit Differenz verwechselt.</p>
<p>Ressourcen dazu:</p>
<ul>
<li> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fsein">Wikipedia (de) </a>und<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fsein"> </a><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Whiteness_studies">Wikipedia (en)</a></li>
<li><a href="http://www.case.edu/president/aaction/UnpackingTheKnapsack.pdf">Unpacking the Visible Knapsack</a> von Peggy McIntosh</li>
<li><a href="http://www.unrast-verlag.de/unrast,3,0,261.html">&#8220;Weißsein und kritische Weißseinsforschung&#8221;</a> von Susan Arndt &#8211; aus dem Sammelband <a href="http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,222,13.html">Mythen, Masken und Subjekte</a></li>
<li><a href="http://www.copyriot.com/diskus/03_04/01_weiss.html">&#8220;weiß-sein&#8221;</a> von diskus</li>
<li><a href="http://them.polylog.org/4/cwe-de.htm">&#8220;Der Weißheit letzter Schluss&#8221;</a> von Eske Wollrad</li>
<li>&#8220;<a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com">stuff white people do</a>&#8220;, ein Blog von macon d, der über sich schreibt: &#8220;I&#8217;m a white guy, trying to find out what that means. Especially the &#8220;white&#8221; part.&#8221; &#8211; die Post geben Reflexionen wieder und regen eigene an.</li>
<li><a href="http://community.livejournal.com/debunkingwhite/">&#8220;Beyond White Guilt&#8221;</a>, eine Livejournal-Community &#8220;where people who are active in anti-racism communities can share in our struggles against internalized relations of dominance/subordination / superiority/inferiority and look for ways to move beyond these. Unlike many approaches to anti-racism communities, this one will not focus solely on the &#8220;Other,&#8221; while leaving whiteness invisible and unchallenged. For white members, this will require a willingness to look at ourselves and our often unconscious investment in the systems of white supremacy. This effort is undertaken in the belief that widespread anti-racist social change will not occur until white people are willing to turn a reflexive, self-critical eye upon ourselves and the unearned privileges we receive (and/or perform upon others) on a daily basis. For People of Color, as well as for whites, we hope that this community can become a resource for allies, bridge-building, and the special quality known as &#8220;tough love,&#8221; in which we push each other toward being better people, better community members and better activists.&#8221;</li>
<li>&#8220;<a href="http://deutschlandschwarzweiss.de/">Deutschland Schwarz Weiß</a>&#8221; von Noah Sow</li>
<li>&#8230;u.v.m.</li>
</ul>
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		</item>
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		<title>Arme kleine Deutsche</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/12/18/arme-kleine-deutsche-deutschenfeindlichkeit-als-rassismus/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 12:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rest der Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie der Schwarze Blog berichtet, hat der Berliner Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf seinen Seiten endlich mal was für die "armen kleinen Deutschen" veröffentlicht: "Deutschenfeindlichkeit in Schulen: Über die Ursachen einer zunehmenden Tendenz unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen". Eigentlich hat der Schwarze Blog schon alles notwendige zu den verdrehten Argumenten, begrifflichen Verkürzungen und der machtvergessenden Argumentation gesagt - einschließlich der Aufforderung der GEW seine Meinung zu schicken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie der <a href="http://blog.derbraunemob.info/2009/12/18/lehrer-gewerkschaft-gew-islam-rueckwaertsgewandt-muslime-ueberlegenheitsgefuehle/">Schwarze Blog berichtet</a>, hat der Berliner Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf seinen Seiten endlich mal was für die &#8220;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=sJHNd7wiqC8">armen kleinen Deutschen</a>&#8221; veröffentlicht: &#8220;<a href="https://www.gew-berlin.de/blz/19635.htm">Deutschenfeindlichkeit in Schulen: Über die Ursachen einer zunehmenden Tendenz unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen</a>&#8220;. Eigentlich hat der Schwarze Blog schon alles notwendige zu den verdrehten Argumenten, begrifflichen Verkürzungen und der machtvergessenden Argumentation gesagt &#8211; einschließlich der Aufforderung der GEW seine Meinung zu schicken. Dennoch, das hier muss gerade mal raus:</p>
<p>Wenn &#8220;Ursachen&#8221; gesucht und in knapp 1000 Worten dargeboten werden, entstehen meist nicht unerhebliche Kollateralschäden &#8211; so natürlich auch hier. Als würde Schwachsinn durch Wiederholung sinnvoller wird zunächst <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41955159.html">einmal mehr</a> die Untergangsstimmung in Teilen &#8220;unserer&#8221; Städte heraufbeschwört. Denn nachdem erst einmal die &#8220;armen, bildungsfernen Familien&#8221; von den &#8220;Deutschstämmigen&#8221; und den &#8220;aufstiegsorientierten Migrantenfamilien&#8221; in Neukölln, Kreuzberg oder &#8220;anderen Städten&#8221; sitzengelassen wurden, verstärkt sich die &#8220;Deutschenfeindlichkeit unter <em>vielen</em> SchülerInnen mit Migrationshintergrund&#8221; und &#8220;<em>viele</em> deutsche SchülerInnen&#8221; empfinden sich als &#8220;diskriminierte Minderheit&#8221;. Wo Verallgemeinerungen schon die Problematisierung strukturieren, können sie in der Erklärung nicht fehlen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Diese nichtdeutschen Jugendlichen wohnen in sozialen Brennpunkten, sind oft dem Prekariat zugehörig und leben isoliert. Sie entstammen häufig äußerst konservativen Familien. Auffällig ist dabei ein oft problematisches Deutschenbild. Vielfach werden Deutsche verachtet und Deutschland nur als Beutegesellschaft betrachtet, eine Integration abgelehnt. [...] Eine der Ursachen für diese Entwicklungen scheint ein Kulturkonflikt zwischen westlichen und aus dem traditionellen Islam herrührenden Vorstellungen zu sein. Viele der jungen ImmigrantInnen erleben in ihren Familien eine verzweifelte Abwehr aller Veränderungen, insbesondere der Individualisierung. [...]  Angesichts des Autoritätsverlusts des muslimischen Mannes in der europäischen Diaspora und der perspektivischen Unsicherheit muss es zu Persönlichkeitskonflikten kommen. Unsicherheit aber kollidiert mit den traditionellen Überlegenheitsgefühlen vieler Muslime, ihrer Vorstellung dem einzig wahren, ursprünglichen Glauben anzugehören.&#8221;</p></blockquote>
<p>Ungefähr diese Erkenntnis-Schnittmenge dürfte es sein, die reißenden Absatz findet und das Pass-stiftende Volksblut der Zugehörigkeit zur &#8220;deutschen Minderheit&#8221; in Wallung bringt. Unter Eltern aus der &#8220;deutschen Minderheit&#8221; in Berlin (und &#8220;anderen Städten&#8221;) könnte es garniert mit einem &#8216;ich habs doch immer schon gewusst&#8217; oder &#8216;man wird doch endlich mal sagen dürfen&#8217; zur gemeinsamen Suche nach der Schule mit dem größten Kartoffelanteil im Umkreis von 50 km führen. Oder die Aneinanderreihung von Pauschalurteilen und Kausalketten findet ihren Weg in den <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,649421,00.html">diagnostischen Katalog</a> von SchulleiterInnen und LehrerInnen und dient zur Interpretation von Beiträgen, als Instrument der Ferndiagnose von Streitereien auf dem Schulhof oder gleich zur grundsätzlichen Skandalisierung überdurchschnittlicher Anmeldungen von SchülerInnen, denen man einen &#8220;Hintergrund&#8221; zuschreiben kann. Die &#8216;Drohung&#8217; der AutorInnen jedoch, geht gleich noch ein paar Schritte weiter:</p>
<blockquote><p>&#8220;Jeder Rassismus muss bekämpft werden. Uns scheint, dass es nicht reicht, allen Formen des Rassismus pädagogisch entgegenzutreten, man muss den SchülerInnen auch juristisch den Tatbestand der Volksverhetzung verdeutlichen. Jüngst hat Baden-Württembergs Bundesratsminister Wolfgang Reinhart (CDU) einen Vorstoß seines Bundeslandes angekündigt, wonach deutschenfeindliche Parolen künftig als Volksverhetzung bestraft werden sollen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wenn man schon mal was gegen die &#8220;Ausländer&#8221; machen kann&#8230;wird der Rassismusbegriff nicht nur völlig verdreht &#8211; als &#8220;Deutschenfeindlichkeit&#8221; geht er auch viel leichter über die Lippen. Wenn &#8220;Deutsche&#8221; als Täter identifiziert werden, ist das R-Wort böse und selbst körperliche Gewalt wird als &#8220;<a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/muegeln-ueberfall_aid_130261.htm">Rangelei, die sich &#8216;hochgeschaukelt&#8217; hat</a>&#8221; abgetan. Sobald sich eine Möglichkeit bietet, den Begriff von seinen machttheoretischen Implikationen wie instiutionellen Rahmenbedingungen, strukturellen, staatlichen &#8211; kurz: &#8220;deutschen&#8221; &#8211; Vorraussetzungen zu lösen, fällt er in einem Satz mit jenen drei Buchstaben, die sonst nur in analytischen Texten mit ihm in Verbindung gebracht werden können: CDU. Aber zurück zum Thema.</p>
<p>In Anbetracht der pauschalisierenden Aussagen erstaunt kurz vor Ende des Artikels folgender Satz:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wichtig bleibt festzuhalten, dass »Deutschenfeindlichkeit« keine Wesenseigenschaft von Muslimen, Türken oder Arabern ist. [...] Deutschenfeindlichkeit ist eine Folge sozialer Bedingungen; allen Versuchen einer Ethnisierung sozialer Erscheinungen sollte entgegengetreten werden. Denn wer Menschen nicht individuell bewertet, bildet rasch vorurteilsvolle Pauschalurteile über ganze Menschengruppierungen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Dass die sozialstrukturellen Rosinen im kulturalistischen Kuchen dieses Texts tatsächlich den ethnisierenden Nachgeschmack überdecken sollten, kann einfach nicht ernst gemeint sein. Vielleicht ist diese Passage aber auch einfach irreführend &#8211; vielleicht wird hier gar nicht vor einer ethnisierenden Zuschreibung von &#8220;Muslimen, Türken oder Arabern&#8221; von &#8220;MigrantInnen&#8221; oder &#8220;Ausländern&#8221; gewarnt. Vielleicht werden vielmehr SIE gewarnt vor der ethnisierenden Wirkung ihrer &#8220;Deutschenfeindlickeit&#8221;. Schließlich haben wir weiter oben gelernt, dass sich die &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; in einem verzweifelten Abwehrkampf &#8220;insbesondere der Individualisierung&#8221; befinden. In einer spekulativen Deutung könnte man mutmaßen: Im Umkehrschluss und im Gegensatz dazu sind &#8220;Deutsche&#8221; individualisiert. Insofern ist völlig klar, dass die traditionalistischen &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; erst lernen &#8211; sich integrieren &#8211; müssen. Aus dieser Perspektive macht der Satz auch wieder Sinn: &#8220;Wer <span style="text-decoration: line-through;">Menschen</span> Deutsche nicht individuell bewertet, bildet rasch vorurteilsvolle Pauschalurteile über <span style="text-decoration: line-through;">ganze Menschengruppierungen</span> die deutsche Minderheit.&#8221;</p>
<p>Der Umkehrschluss zu diesem Satz gilt in der vorliegenden Argumentation nicht &#8211; eben weil &#8220;türkisch- und arabischstämmige Jugendliche&#8221; <em>ihrer </em>Kultur in dieser Logik nicht entkommen können, solange sie sich nicht in die &#8220;westliche&#8221;, individualisierende, moderne Gesellschaft integrieren. Ich erinnere beispielhaft: &#8220;Angesichts des Autoritätsverlusts <em>des</em> muslimischen Mannes in der europäischen Diaspora und der perspektivischen Unsicherheit <em>muss</em> es zu Persönlichkeitskonflikten kommen.&#8221; Wie an dieser Stelle auch, müssen die &#8220;jungen ImmigrantInnen&#8221; an jeder Stelle der Argumentation, in der es um diskriminierende Erfahrungen geht, zwangsläufig mit den archaischen Momenten &#8220;ihrer Herkunftskultur&#8221; reagieren, z.B. der &#8220;Fähigkeit, Angst zu erzeugen&#8221;. Was die Modernisierungstheorie für die Suche nach kulturalistischen &#8220;Erklärungen&#8221; respektive ethnisierenden Zuschreibungen leisten kann, <a href="http://www.informaworld.com/index/741628906.pdf">zeigt sich unter anderem bereits bei Max Weber</a>. Weil &#8220;Integration&#8221; schon als Erkenntniskategorie nicht von einem (methodologischen oder strukturellen) Nationalismus gelöst werden kann, gilt für die <em>Forderung</em> nach &#8220;Integration&#8221; umso mehr: sie ist nur selten eine Lösung für irgendein Problem, in den meisten Fällen <em>ist</em> sie vielmehr <em>Teil</em> eines Problems (<a href="http://www.transcript-verlag.de/ts890/ts890_1.pdf">&#8220;no integration&#8221;?!</a>). Wenn dieser Begriff überhaupt noch Sinn macht, dann höchstens in einem Sinne, den <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/31235">Georg Diez kürzlich im Magazin der Süddeutschen Zeitung</a> formuliert hat:</p>
<blockquote><p>Ihm zufolge geht es „beim Thema Integration, so merkwürdig das klingt, weniger um die Frage, wie man mit Ausländern umgeht als vielmehr darum, <em>wie man die Demokratie versteht</em>. Und da ist es nun mal so, dass die Anerkennung anderer als Menschen die Grundlage für all das ist, was mit dem Begriff Demokratie gemeint ist. Diese Anerkennung wird nicht in manchen Fällen gewährt, in anderen nicht. Sie hat bedingungslos zu sein, sonst wäre sie ein feudaler Gnadenakt.“</p></blockquote>
<p><!--StartFragment--><!--EndFragment-->Nicht weniger &#8220;feudal&#8221; erscheint es, wenn das Verhalten von jungen Menschen aus ihrem Rechtsstatus (&#8220;Ausländer&#8221;) oder dem Geburtsort (bzw. dem ihrer Eltern oder Großeltern) erklärt wird. Albert Scherr <a href="http://home.ph-freiburg.de/scherrfr/Ethnisierung.pdf">hat herausgearbeitet</a>, dass man die &#8220;Beanspruchung von ethnisch-kulturellen Faktoren als eigenständige Ursache bzw. Bedingung sozialen Handelns&#8221; durchaus &#8220;unter den Verdacht einer ideologischen Verklärung von wesentlich durch ökonomische Strukturen und politische Machtverhältnisse bedingten Problemen, Interessen und Konflikten&#8221; stellen kann &#8211; und zwar ohne deshalb die differenzierte Betrachtung von religiösen, kulturellen oder anderen Bezugspunkten von Alltagspraktiken aufgeben zu müssen. Vorzuwerfen ist dem Beitrag also nicht, dass er überhaupt über dieses Thema sprechen will. Vielmehr geht es um ungenaue oder &#8211; schlimmer noch &#8211; skandalisierende (&#8220;Deutschenfeindlichkeit&#8221;) Begriffe und Argumente. Anstatt erkenntnisfreie Pauschalisierungen aneinanderzureihen, die sowieso (latent) mehrheitstauglich sind, hätte bei diesem Thema gerade im Kontext einer Bildungsgewerkschaft mit eben diesen Pauschalisierungen aufgeräumt werden müssen.</p>
<p><!--StartFragment--><span><br />
</span></p>
<p><!--EndFragment--></p>
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