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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Stereotype</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Kritik an Blackface-Werbeplakat</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 07:47:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Karneval ist alles erlaubt? Das finden zumindest einige Leipziger studentische Karnevalsvereine, unter anderem der Ba-Hu-Elferrat. Die AG postkolonial bei EnWi hat eine kritische Stellungnahme zu deren rassistischem Blackface-Plakat veröffentlicht, das von vielen namhaften Initiativen unterstützt wurde. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Karneval ist alles erlaubt? Leipziger studentische Karnevalsvereine haben sich dieses Jahr zu beleidigenden Plakatwerbungen entschlossen. Der Ba-Hu-Elferrat warb für seinen Fasching am 11.11.2010 mit einem schwarz angemalten Weißen, der Roberto Blanco parodieren sollte. Der Schwarze Blog <a href="http://blog.derbraunemob.info/2010/11/13/blackface-karneval-nicht-rassistisch-da-in-leipzig/">berichtete</a> bereits im November dazu und dokumentiert eine Mailauseinandersetzung mit dem Sprecher des Ba-Hu-Elferrats. Nach dem Motto &#8216;Ein bisschen Spaß muss sein&#8217; verteidigt dieser das Recht seines Vereins auf rassistische &#8216;Späße&#8217; und weist darauf hin, dass &#8220;in Deutschland insbesondere Leipzig&#8221; Kolonialrassismus keine Rolle spiele und man das deswegen dürfe.</p>
<p>Während die gesamte Abwehrtaktik (in der Antirassismusarbeit im englischsprachigen Raum als &#8220;Derailing&#8221; bezeichnet, mehr weiß die sarkastische Anleitung <a href="http://www.derailingfordummies.com/">Derailing for Dummies</a>) des Ba-Hu-Öffentlichkeitsarbeiters kritikwürdig ist – da ist alles dabei: Täter-Opfer-Umkehr, Zensurvorwürfe, Emotionalisierung der Kritik, eigentlich sei all dies ein Zeichen der &#8220;Bewunderung&#8221; Schwarzer – schreit insbesondere die Behauptung, Kolonialrassismus habe in Deutschland keine Bedeutung, nach Berichtigung.</p>
<p>Dies hat nun die <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Postkolonial">AG postkolonial</a> bei EnWi übernommen. In einer <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Rassismus_ist_kein_Karnevalsspass_Stellungnahme_zum_Blackface_Werbeplakat_des_BaHu_Elferrats">Stellungnahme</a> weist sie darauf hin, dass und wie Kolonialismus Alltag und Kultur auch in Leipzig wesentlich beeinflusste. Auch den berechtigten Rassismusvorwurf an das Plakat erklärt und kontextualisiert die Stellungnahme:</p>
<blockquote><p>Es ist rassistisch, weil das Plakat auf Stereotype zurückgreift, die von Weißen geschaffen wurden, um Schwarze als einfältig herabzuwürdigen und auf diese Weise eine weiße Identität als rational und überlegen zu erfinden. Das Plakat ist rassistisch, weil es Schwarze entmenschlicht, nämlich aus ihnen Figuren macht, über die Weiße jederzeit verfügen können, um sich und andere Weiße zu bespaßen.</p>
<p>Rassismus ist kein Problem allein von Neonazis. Darauf weisen unzählige WissenschaftlerInnen und politische Initiativen hin – und das keineswegs mit erhobenem Zeigefinger gegen vermeintlich Falschdenkende, sondern aus der selbstkritischen Einsicht heraus, dass Rassismus die Gesellschaft, in der wir leben, durchdringt und damit alle in ihr lebenden Menschen, uns alle, prägt. Eine Einsicht, die nicht nur, aber in ganz besonderem Maße Weiße Menschen dazu einlädt, darüber nachzudenken, warum sie so vehement einfordern, sich auf Kosten von People of Color amüsieren zu dürfen und warum sie so vehement verweigern, in diesem ihrem Spaß von Personen gebremst zu werden, die sich durch diesen Spaß diskriminiert fühlen.</p></blockquote>
<p>Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von zahlreichen Initiativen, die sich in Deutschland für die Aufarbeitung der Rolle kolonialer Bilder insbesondere im Alltagsrassismus einsetzen. Darunter die<a href="http://www.isdonline.de/"> Initiative Schwarze Menschen in Deutschland</a>,  <a href="http://www.africavenir.org/de/home.html">AfricAvenir</a>, sowie die postkolonialen Initiativen <a href="http://www.berlin-postkolonial.de/">berlin postkolonial e.V</a>., <a href="http://frankfurt.postkolonial.net/">frankfurt-postkolonial</a>, <a href="http://www.freiburg-postkolonial.de/">freiburg-postkolonial.de</a> und <a href="http://www.kopfwelten.org/kp/">KopfWelten &#8211; gegen Rassismus und Intoleranz e.V. / Köln Postkolonial</a></p>
<p>Auch Leipziger Gruppen – das Forum für kritische Rechtsextremismusforschung, das <a href="http://www.uni-leipzig.de/~afrika/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=20&amp;Itemid=41&amp;lang=de">AfrikanistikForum am Institut für Afrikanistik der Uni Leipzig</a> und die Berlin-Leipziger Gruppe &#8220;<a href="http://www.berliner-afrika-konferenz.de/events/92">Kolonialismus im Kasten?</a>&#8221; unterstützen den Aufruf. Eine <a href="http://www.stura.uni-leipzig.de/news-einzel/datum/2010/11/15/fasching-alles-nur-spass/">kritische Stellungnahme des StuRa-Referats für Antirassismus</a> reagierte ebenfalls im November auf dieses Plakat sowie eines des Medi-Elferrats (Bild <a href="http://www.leipzig-medizin.de/bilder/medifasching_11_2010k.jpg">hier</a>).</p>
<p>Die gesamte Stellungnahme der AG postkolonial gibt es <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/Rassismus_ist_kein_Karnevalsspass_Stellungnahme_zum_Blackface_Werbeplakat_des_BaHu_Elferrats">hier</a> – auch <a href="http://www.engagiertewissenschaft.de/de/file/2042/download/2721">als PDF zum Download</a>.</p>
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		<title>&#8220;schön&#8221; oder &#8220;stolz&#8221; &#8211; daily sexism</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2010/04/06/schon-oder-stolz-daily-sexism/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 11:36:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[blöd]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<description><![CDATA[Gegen das Verkaufen schöner Kleidung für Schwangere mit dem nötigen Kleingeld ist an sich nichts einzuwenden. Unter Verkaufsgesichtspunkten liegt es auch nahe, das Sortiment um Baby- und Kinderkleidung zu erweitern. Aber der Werbeslogan dieses Ladens in der Leipziger Südvorstadt hat es in sich:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gegen das Verkaufen schöner Kleidung für Schwangere mit dem nötigen Kleingeld ist an sich nichts einzuwenden. Unter Verkaufsgesichtspunkten liegt es auch nahe, das Sortiment um Baby- und Kinderkleidung zu erweitern. Aber der Werbeslogan dieses Ladens in der Leipziger Südvorstadt hat es in sich:</p>
<p><a href="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/04/9m.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-158" title="9m" src="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/04/9m-425x282.jpg" alt="" width="425" height="282" /></a></p>
<p>Lassen wir uns das noch mal auf der Zunge zergehen:</p>
<p><a href="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/04/schön-oder-stolz.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-159" title="schön oder stolz" src="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/04/schön-oder-stolz-425x129.jpg" alt="wer darf/soll schön, wer stolz sein?" width="425" height="129" /></a></p>
<p>Das wirft interessante Fragen auf: Wer darf/soll schön sein? Wer darf/soll stolz sein und worauf?</p>
<p>Die Antworten möge sich jede_r selbst denken &#8211; und gerne in den Kommentaren teilen.</p>
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		<title>&#8220;Küchen ganz persönlich&#8221; &#8211; daily sexism</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 11:34:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Leipziger Verhältnisse]]></category>
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		<description><![CDATA[Manchmal sind es die alltäglichen Dinge, die am meisten nerven. Neulich hatte ich endlich einmal die Kamera dabei, als ich an meinem Leipziger "Lieblings"schaufenster vorbei ging. Schauwerbegestalter_innen haben nicht immer die einfachste Aufgabe, aber wirklich auch nicht immer die besten Ideen:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal sind es die alltäglichen Dinge, die am meisten nerven. Neulich hatte ich endlich einmal die Kamera dabei, als ich an meinem Leipziger &#8220;Lieblings&#8221;schaufenster vorbei ging. Schauwerbegestalter_innen haben nicht immer die einfachste Aufgabe, aber wirklich auch nicht immer die besten Ideen:</p>
<p><a href="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/01/ganz-persönlich.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-87" title="ganz persönlich" src="http://www.diffusionen.de/wp-content/uploads/2010/01/ganz-persönlich-425x318.jpg" alt="" width="425" height="318" /></a></p>
<p>So vieles ist daran verstörend:</p>
<p>Die (beabsichtigte oder unbeabsichtigte) Assoziation von Küchen mit Frauen und die Reduktion von Frauen auf ihre Körper. Sex sells &#8211; auch Einbauküchen?</p>
<p>Nackte weibliche Körper als Einrichtungsgegenstand. Wahrscheinlich sollte ich mich freuen, dass dieser einen Kopf und ein Gesicht hat, anders als <a href="http://www.sexyfurniture.nl/pagina2.html">diese &#8220;Möbel&#8221;</a> (via feministing, <a href="http://www.feministing.com/archives/012867.html">hier</a> und <a href="http://www.feministing.com/archives/004742.html">hier</a> &#8211; hier noch ein <a href="http://www.feministing.com/archives/013912.html">Beispiel</a> für Frauenkörper als Möbel). Aber daran hindern mich der Kontext &#8211; und: die Pose der Holzfrau.</p>
<p>Die Tatsache, dass das vermutlich als originelle Verbindung von Slogan und Schaufenstergestaltung durchgeht (die anderen Schaufenster sind eher &#8220;konservativ&#8221; gestaltet).</p>
<p>Aber vor allem: das Alltägliche daran, das zynisch macht. Es bedeutet Aufwand, dies zu benörgeln und würde mehr Aufwand bedeuten, zu erklären, was benörgelnswert daran ist. Es ist einfacher, müde zu lächeln, als sich der Einordnung als humorlose Feministin auszusetzen. Doch mal ehrlich, Verfechter_innen des patriarchalen Humors: mehr war nicht drin?</p>
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		<title>Welche Schublade gewinnt? Eine Polemik</title>
		<link>http://www.diffusionen.de/2009/07/24/welche-schublade-gewinnt-eine-polemik/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 23:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rest der Welt]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[Eines kann man den Macher_innen der Kampagne „Studieren in Fernost“ nicht vorwerfen: dass ihnen die Wirkung und das Image ihrer Kampagne egal wären. Im Gegenteil – kritische Stimmen werden gehört und das Gespräch wird gesucht. Sogar mein <a href="http://www.diffusionen.de/2009/06/28/was-lustig-gemeint-ist-kann-nicht-rassistisch-sein/">kritischer Beitrag</a> auf diesen Seiten wurde registriert und in den Kommentaren wurde ich durch Lisa vom „Team Fernost“ auf einen <a href="http://www.studieren-in-fernost.de/deutsche-schubladen/">Beitrag auf der Kampagnen-Website</a> verwiesen, der sich mit der durch einen Professor geäußerten Kritik, die Kampagne setze „auf eine Stigmatisierung des Ostens“ und sei „fast schon rassistisch“, auseinandersetzt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines kann man den Macher_innen der Kampagne „Studieren in Fernost“ nicht vorwerfen: dass ihnen die Wirkung und das Image ihrer Kampagne egal wären. Im Gegenteil – kritische Stimmen werden gehört und das Gespräch wird gesucht. Sogar mein <a href="http://www.diffusionen.de/2009/06/28/was-lustig-gemeint-ist-kann-nicht-rassistisch-sein/">kritischer Beitrag</a> auf diesen Seiten wurde registriert und in den Kommentaren wurde ich durch Lisa vom „Team Fernost“ auf einen <a href="http://www.studieren-in-fernost.de/deutsche-schubladen/">Beitrag auf der Kampagnen-Website</a> verwiesen, der sich mit der durch einen Professor geäußerten Kritik, die Kampagne setze „auf eine Stigmatisierung des Ostens“ und sei „fast schon rassistisch“, auseinandersetzt (die Kritik ist in der aktuellen <a href="http://www.unicum.de/files/pdf/UC/UC_2009_07_Web.pdf">Unicum</a> nachzulesen). * </p>
<p>Der Artikel trägt den Titel „Deutsche Schubladen“ und stellt eine Frage, von deren Antwort, so die Autor_innen, „Sinn und Unsinn einer solchen Kampagne abhängt: Wie wiedervereint sind die Deutschen?“</p>
<p>Der Artikel reagiert auf die Kritik, es würde mit einer Stigmatisierung des Ostens (Deutschlands) und seiner vermeintlichen Exotik gespielt. Die Existenz von Vorurteilen („Nur 5 Prozent der West-Abiturienten würden gerne im Osten studieren.“) zeigt, so die Autor_innen, „dass die Kampagne keine Klischees schafft oder bedient, sondern sich mit einer messbaren Realität auseinandersetzt.“ Dass diese Realität auf Vorurteilen beruhe, mache sie nicht weniger wirkmächtig. West-Ost-Vorurteile seien aber, anders als die „liebevoll gepflegten und gehegten Animositäten der Deutschen Stämme [sic!] gegeneinander“ &#8211; gemeint sind Nord-Süd-Differenzen, der „Weißwurstäquator“ als „kaum überbrückbare Mentalitätsschranke“ und liebevolle Ostfriesenwitze – nicht als solche bewusst. Das liege daran, dass die Vorbehalte so groß seien, dass sie eigene Erfahrungen verhinderten. </p>
<p>Die Kampagne wolle darum „mit Klischees […] brechen.“ Die Zielgruppe &#8211; „Schüler, von denen 39 Prozent den Osten kategorisch ablehnen“ &#8211; sei mit Fakten schwer zu erreichen (als Indiz hierfür gilt die StudiVZ-Gruppe „Schon ein Glas Hamster deckt den gesamten Tagesbedarf an Hamster“ mit 5733 Mitgliedern), Seriosität habe bisher auch nicht geholfen &#8211; „Also muss die Kampagne schrill und bunt sein.“ Und jetzt kommen wir zum Kern des Arguments – und auch der von mir bereits geäußerten Kritik: </p>
<blockquote><p> Aber eine alberne Kampagne mit stark sächselnden Clowns, die versucht Klischees aufzubrechen, würde die meisten in ihren Vorurteilen womöglich noch bestätigen und der eingangs erwähnte Vorwurf hätte seine Berechtigung. Doch zwei Asiaten als Heimwerker, Rocker, Roboter, Beach Boys oder auch Bruce Lee-Verschnitte machen an den ostdeutschen Hochschulen keinen Sinn, sie scheitern an der Realität genauso wie die überkommenen Vorurteile. Sie treiben die Klischees auf einer abstrakten Ebene ins Absurde.</p></blockquote>
<p><strong>Lassen wir uns das nochmal auf der Zunge zergehen.</strong> Würde man existierende Klischees über „Ossis“ überzeichnen, liefe man Gefahr, existierende Vorurteile zu bestätigen. (Sie in einer Rechtfertigung zu reproduzieren, scheint hingegen weniger ein Problem zu sein – was, wenn sich die Klischees auf die leicht zu widerlegende Vermutung beschränkten, alle „Ossis“ sächselten stark, vielleicht auch zu verschmerzen wäre.) Drum wählt man geflissentlich andere Klischees zum Überzeichnen (wie von mir bereits messerscharf im Originalbeitrag festgestellt). Und jetzt kommt&#8217;s – ich überspitze: </p>
<blockquote><p>
„Doch zwei Asiaten […] machen an den ostdeutschen Hochschulen keinen Sinn […].“ </p></blockquote>
<p>(Ich gebe zu: eine vielleicht unzulässige Überzeichnung. Man nehme also beispielsweise zwei Schwaben „als Heimwerker, Rocker, Roboter, Beach Boys oder auch Bruce Lee-Verschnitte“ &#8211; machen die „an den ostdeutschen Hochschulen“ mehr Sinn? Ich bin zu einem Selbstversuch bereit. Aber ich schweife ab.)</p>
<p>Einerseits geht es also darum, zu zeigen, dass an ostdeutschen Hochschulen ganz normale Menschen studieren. Sogar aus dem Westen. Deutsche nämlich. Andererseits – und das wurmt mich wirklich – gehen die Macher_innen davon aus, dass <em>innerdeutsche</em> Ost-West-Klischees so wirkmächtig sind, dass man von ihnen besser die Finger lassen sollte. <em>Internationale</em> Ost-West-Klischees verorten sie jedoch „auf einer abstrakten Ebene“. Eine Begründung hierfür scheint nicht nötig. </p>
<p>Warum sollten Klischees nicht mehr wirkmächtig sein, sobald sie nicht Deutsche betreffen? I don&#8217;t get it. Mit meinen Verweisen auf eine Tradition von Stereotypen, an die die Bilderwelt der Kampagne meines Erachtens anschließt, wollte ich genau darauf hinaus: es ist eben nicht abstrakt und aus der Luft gegriffen, bei „bunt und schrill“ an &#8220;Asiaten&#8221; zu denken. Genauer gesagt: die Effekte von Stereotypen sind immer konkret. </p>
<p>Sicher: ohne Stereotype stünde Werbung jeglicher Art vor einem großen Problem (Geschlechterstereotype in der Werbung nimmt übrigens die wunderbare <a href="http://current.com/target-women/">Sarah Haskins</a> regelmäßig humorvoll aufs Korn). Dennoch muss solche Werbung einer Kritik ausgesetzt werden. Wie die Macher_innen schreiben: Klischees sind nicht unveränderlich. Es wäre schön, zur Dekonstruktion von Klischee A andere Mittel zu wählen als die Reproduktion von Klischee B. Das Schlusswort überlasse ich dem „Team Fernost“: </p>
<blockquote><p>In dieser Kampagne geht es nicht um Schubladen und Klischees, derer sich jeder bedient, um sich die Welt zu erklären oder zumindest zu vereinfachen. Darin liegt ja auch die Erklärung für Klischees – sie machen alles so schön einfach.</p></blockquote>
<p>* auch ein Kommentar von mir auf einem US-amerikanischen Blog wurde von einem Macher der Kampagne kommentiert – darauf gehe ich in einem Update meines ursprünglichen Posts ein. </p>
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		<item>
		<title>Was lustig gemeint ist, kann nicht rassistisch sein</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 18:10:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>elb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsrassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Kampagne <a href="http://www.studieren-in-fernost.de">"Studieren in Fernost" </a>soll Abiturient_innen für ein Studium an ostdeutschen Universitäten begeistern. Weil "neue Bundesländer" nicht sexy genug klingt, wird in die Exotismus-Schublade gegriffen. "Fernost" klingt nach Kultur, Exotik, wohlchoreografierten Kampfsportszenen, Gongs und Geishas... und nach Boom, Wirtschaftswachstum, Zukunft gepaart mit uralten Wissenskulturen. Was wäre also besser geeignet, um jungen Menschen aus den alten Bundesländern ein Studium im "Osten" schmackhaft zu machen und bei ihnen "oft noch vorhandene Vorbehalte zu entkräften"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kampagne <a href="http://www.studieren-in-fernost.de">&#8220;Studieren in Fernost&#8221; </a>soll Abiturient_innen für ein Studium an ostdeutschen Universitäten begeistern. Weil &#8220;neue Bundesländer&#8221; nicht sexy genug klingt, wird in die Exotismus-Schublade gegriffen. &#8220;Fernost&#8221; klingt nach Kultur, Exotik, wohlchoreografierten Kampfsportszenen, Gongs und Geishas&#8230; und nach Boom, Wirtschaftswachstum, Zukunft gepaart mit uralten Wissenskulturen. Was wäre also besser geeignet, um jungen Menschen aus den alten Bundesländern ein Studium im &#8220;Osten&#8221; schmackhaft zu machen und bei ihnen &#8220;oft noch vorhandene Vorbehalte zu entkräften&#8221;?</p>
<p>Vielleicht dachte sich das die <a href="http://www.hochschulinitiative.de/">&#8220;Hochschulinitiative Neue Bundesländer&#8221;</a> so ähnlich, als sie sich für das Konzept der Agentur Scholz&amp;Friends entschied. Die Kampagne arbeitet außerdem mit <a href="http://www.schuelervz.net/studiereninfernost">schülerVZ</a> zusammen und wurde unter anderem für diese innovative Kooperation am 9. Juni 2009 mit dem Deutschen Multimedia Award (DMMA) <a href="http://www.s-f.com/agenda/Press/tabid/224/Default.aspx?id=1537">ausgezeichnet</a>. Finanziert wird die Kampagne durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die Kampagne ist also zumindest als solche erfolgreich.</p>
<p>Auch wenn die Website &#8220;nur ein kleiner Teil&#8221; der Kampagne ist, dürften das Logo und die Hochschulfilme auf der grellfarbigen Website für die Wahrnehmung der Gesamtkampagne eine große Rolle spielen. Beginnen wir also mit dem Logo.</p>
<p style="text-align: center;"><img style="float: left;" src="http://www.stura.tu-chemnitz.de/redaks_img/273/logo_fernost.jpeg" alt="" width="292" height="149" /></p>
<p>Lustig soll es sein. Es geht um die Neuen Bundesländer und &#8220;Vorbehalte&#8221; sollen &#8220;abgebaut&#8221; werden. Also passt Zonen-Gabi nicht so ganz. Könnte sich außerdem jemand auf den Schlips getreten fühlen. Und grau sollte das Logo auch nicht sein (oder gar braun), denn: der Osten ist bunt, jawoll. Mal brainstormen&#8230; Fernost&#8230; was fällt uns da ein&#8230; die naheliegende Lösung: stilisierte Schlitzaugen! Einmal in rosa, einmal in blau! Einmal mit einem traurigen und einmal mit einem lachenden Strichmund! Und damit die Fernost-Referenz niemandem entgeht, bekommen die beiden als Körper diese lustigen Schriftzeichen, mit denen da in Fernost geschrieben wird.</p>
<p>Ein Logo hat die Kampagne also schon. Jetzt muss noch aufgepasst werden, dass die Hochschulfilme nicht zu dröge oder informativ daherkommen. Am besten brauchen wir zwei lustige Menschen, die uns durch die Videos führen. Die könnten ja ein bisschen fernöstlich aussehen. Und so fernöstliche Namen haben. Wie wäre es mit Gang und Dong? In den <a href="http://www.studieren-in-fernost.de/category/filme/">Videos</a>, die jeweils eine Universität präsentieren, fahren Gang und Dong in einem grellbunten Kleinbus und zu einem irgendwie asiatisch klingendem Jingle durch ostdeutsche Hochschulstädte. Sie verhalten sich ziemlich clownesk, ziehen sich schrill an und bedienen so einige Klischees. Eher konservativ gekleidet werben sie auch für die Studiensuchmaschine:</p>
<p style="text-align: center;"><img style="float: center; margin-left: 10px; margin-right: 10px;" src="http://www.hochschulinitiative.de/content/de/kampagne/massnahmen/detailContentCollection/00/text_files/file0/maschine.jpg" alt="" width="277" height="277" /></p>
<p>Abgesehen davon, wie die Aufmerksamkeitsstrukturen von Jugendlichen eingeschätzt werden und die Kriterien, nach denen sie ihre Universität wählen; abgesehen davon, dass die Kampagne &#8211; wie die Konferenzen Sächsischer und Thüringer Studierendenschaften <a href="http://www.stura.uni-leipzig.de/kss-cms/fileadmin/kss/pressemitteilungen/2009/PM_11_2009_090402_Studieren_in_FernOst_ist_Geldverschwendung.pdf">kritisierten</a> &#8211; eine Geldverschwendung ist und lieber in bessere Studienbedingungen investiert werden sollte; abgesehen davon, dass die Idee mit den &#8220;Campusexperten&#8221; gut ist; abgesehen davon, dass ich auch nicht weiß, wie man eine solche Kampagne &#8220;gut&#8221; machen sollte: <strong>Finden es denn wirklich alle OK, Charaktere, die Gang und Dong heißen, als wandelnde Klischees und Spaßvögel durch die Filmchen stolpern zu lassen?</strong></p>
<p><a href="http://www.hochschulinitiative.de/content/de/kampagne/massnahmen/detailContentCollection/00/text_files/file0/maschine.jpg">&#8220;Portraying Asian People as Ridiculous&#8221;</a>, so der Titel eines Posts auf <a href="http://contexts.org/socimages">Sociological Images</a>, kritisiert einen US-amerikanischen Fastfood-Werbespot, der ostasiatische Männer in einer ähnlichen Weise einsetzt (Sociological Images hat übrigens auch besser durchdachte Posts zu bieten und ist generell sehr empfehlenswert!). Und macon d von <a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com/">stuff white people do</a> hat vor kurzem zu einem ähnlichen Thema gepostet: &#8220;<a href="http://stuffwhitepeopledo.blogspot.com/2009/06/spice-up-blandly-white-entertainment.html">spice up blandly white entertainment with bizarre asian characters</a>&#8220;. Wie man in seinem Post lesen kann, hat diese Darstellungsweise Tradition.</p>
<p>&#8220;Humor&#8221; und &#8220;Ironie&#8221; machen aus Stereotypen nicht automatisch harmlose Späßchen&#8230; &#8220;war doch nur Spaß&#8221; ist ein häufiger Abwehrreflex, um sich nicht mit Rassismen, Sexismen etc. auseinanderzusetzen. Eine öffentlich finanzierte Kampagne, die völlig ohne Not die Exotismus-Karte zieht, muss sich zumindest fragen lassen, warum. Meiner Ansicht nach gehört sie auch aus diesem Grund kritisiert. Was meinen andere?</p>
<p>Achtteilige Serie von Sociological Images zu &#8220;People of Color&#8221; in der Werbung: <a href="http://contexts.org/socimages/2008/05/18/why-and-how-people-of-color-are-included-in-advertising-first-in-a-series/">hier</a></p>
<p><strong>Update</strong>:</p>
<p>Auf &#8220;Sociological Images&#8221; hat sich einer der Macher von &#8220;Studieren in Fernost&#8221; zur Kritik geäußert. Hier der <a href="http://contexts.org/socimages/2009/06/17/portraying-asian-people-as-ridiculous/#comment-63989">Link zum gesamten Kommentar</a>.</p>
<p>Ein paar Sätze würde ich gern herausgreifen:</p>
<blockquote><p>&#8220;The campaign uses well-known stereotypes about Asia in order to draw attention to less obvious stereotypes about eastern Germany. We want young people to re-think (or unthink^^) their notion of what is an exciting region in the heart of Europe with lots of excellent opportunities for studying and living. It only works if people recognise these stereotypes as such. The feedback we get from young Germans with Asian origin and from young people in Japan is very encouraging.&#8221;</p></blockquote>
<p>Also bleibt es dabei: Stereotype sollen mit Stereotypen bekämpft werden. Dahingehend bleibt meine Kritik bestehen. Den obigen Verweis auf die Traditionen, an die mit der Verwendung bestimmter stereotypischer Darstellungen möglicherweise angeknüpft wird, möchte ich wiederholen. Zur (humoristischen) Bekämpfung von Stereotypen gibt es schließlich immer auch die Mittel der Überzeichnung oder der Selbstironie. Die zitierte Argumentation überzeugt mich nicht.</p>
<p>Der letzte Satz spricht ein Thema an, das ich in meinem Post nicht erwähnt hatte. Ich will mir nicht anmaßen, im Namen anderer zu bestimmen, was rassistisch ist. &#8220;Missionieren Sie nicht im Namen anderer&#8221;, schriebt Noah Sow in ihrem Buch<a href="http://www.deutschlandschwarzweiss.de/"> &#8220;Deutschland Schwarz Weiß&#8221;</a> &#8211; mich ertappt fühlend, versuche ich, das zu unterlassen. Daher habe ich absichtlich vermieden, die Kampagne als rassistisch zu kritisieren, und statt dessen &#8211; mit kritischem Blick, versteht sich &#8211; eine Frage gestellt.</p>
<p>Die ich nun erweitern möchte: Stereotype über eine Gruppe dazu verwenden, vermeintlich &#8220;weniger offensichtliche&#8221; Stereotype aufzudecken &#8211; kann das funktionieren? Und angenommen es funktionierte: macht das den Gebrauch der Stereotype OK?</p>
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