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	<title>.: Diffusionen.de &#187; Streik</title>
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	<description>Fundiertes Genörgel wider die Abstraktion des Politischen</description>
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		<title>Eine Universität mit &#8220;Selbstbewusstsein&#8221;?</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 19:50:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>critiska</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Folgenden Text unter dem Titel &#8220;Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität&#8221; (von Benjamin
Rohr, Daniel Palm &#38; Mitwirkende) , der vor einigen Tagen über verschiedene Verteiler im Umfeld der (inzwischen geräumten) Unibesetzung gestreut wurde, möchte ich hier gerne dokumentieren und zur Diskussion stellen &#8211; meine Kommentare und Fragen habe ich in den Text eingeschrieben [dies ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Folgenden Text unter dem Titel &#8220;<strong>Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität</strong>&#8221; (von Benjamin<br />
Rohr, Daniel Palm &amp; Mitwirkende) , der vor einigen Tagen über verschiedene Verteiler im Umfeld der (inzwischen geräumten) Unibesetzung gestreut wurde, möchte ich hier gerne dokumentieren und zur Diskussion stellen &#8211; meine Kommentare und Fragen habe ich in den Text eingeschrieben [dies ist ein work-in-progress, letzte aktualisierung am 22.6.09]:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Präambel<br />
</strong></p>
<p><strong> </strong>Dieser Text wurde aus der Sicht der Geistes? bzw. Sozialwissenschaften geschrieben, also der Wissenschaften, die im englischsprachigen Raum unter den Begriff der Humanities subsumiert werden. Die hier postulierten Forderungen beziehen sich demnach primär auf diese Fachbereiche. Es wäre anmaßend, im Sinne eines Imperialismus der Humanities zu versuchen, die hier ausgeführten Gedanken bedingungslos auf alle Disziplinen übertragen zu wollen, ohne mögliche strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.<br />
Doch ist letztlich die gesamte Universität ein Teil der Gesellschaft und somit direkt mit dem Menschen verbunden, auch wenn Mensch und Gesellschaft nicht Gegenstand ihrer Arbeit sind. Aufgrund dessen muss die Universität als Ganze das hier Geschriebene auf sich beziehen und Entscheidendes für sich herausziehen.</p>
<p><strong>Das Selbstbewusstsein der Allgemeinen Universität<br />
</strong>Die Universität als gesellschaftliche Akteurin befindet sich im Spannungsfeld zwischen Selbstbewahrung und -verwirklichung einerseits und Integration in die Gesellschaft andererseits. Oder anders ausgedrückt: Die Universität ist weder reiner Selbstzweck, noch darf sie zum bloßen Mittel verkommen. Das Schaffen und Bewahren weit reichender Autonomie ist eine existentielle Grundvoraussetzung; gleichzeitig ist Universität nicht losgelöst von Gesellschaft zu denken. Nur die selbstbewusste Universität kann es schaffen, beide Ansprüche zu vereinen und in diesem Widerspruch zu existieren.</p>
<p>Doch die Universität ist klein; es fehlt ihr an Selbstbewusstsein.</p>
<p>Ist hier von Selbstbewusstsein die Rede, so müssen zwei Bedeutungsebenen dieses Begriffes berücksichtigt werden. Einerseits muss die Universität ein Bewusstsein ihrer selbst entwickeln, sie muss sich erkennen und herausfinden wer oder was sie ist. Andererseits – und dies ist eng mit der ersten Bedeutung verbunden – meint Selbstbewusstsein Selbstsicherheit. Sich ihrer selbst bewusst, kann die Universität selbstbewusst auftreten. Die Humboldtsche Universität war einem exklusiven Kreis von Eliten vorbehalten, dem man Privilegien wie die Freiheit von Forschung und Lehre einräumte. Oft wird heute dieses Bildungsverständnis bemüht, ohne es jedoch ausreichend kritisch zu hinterfragen. Beispielsweise werden sowohl die Rolle der Universität während der Zeit des Nationalsozialismus als auch der eben genannte elitäre Kontext nur selten in den Focus der Kritik gerückt.<br />
Das Verhältnis von Bildung und Gesellschaft hat sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts gravierend verändert. Mit dem Anspruch „Jeder hat das Recht auf Bildung“ ergab sich das Problem der begrenzten Mittel. Nicht jeder kann sich seinen Elfenbeinturm leisten.<br />
Dieser Widerspruch zwischen dem krampfhaften einseitigen Festhalten an einem anachronistischen Ideal und den veränderten Bedingungen scheint für die Orientierungs- und Profillosigkeit der Universität mitverantwortlich zu sein. Sie hat es versäumt, sich ihrer Verantwortung und Rolle innerhalb der Gesellschaft bewusst zu werden; sie ist unfähig zur eigenen Positionierung.<br />
Die Radikalisierung der Humboldtschen Universität hin zu den so genannten Exzellenzuniversitäten,<br />
wie sie Wolfgang Fach in „&#8217;Unbedingte Universitäten&#8217;. Exzellenz als Geist und Geistlosigkeit“ beschreibt, kann als Folge der neu formulierten Ansprüche an Bildung begriffen werden. Mit der Umsetzung des Ideals „Bildung für alle“ und den damit einhergehenden höheren Immatrikulationszahlen löste sich die scharfe Abgrenzung zwischen universitären Eliten und Nicht-Akademikern auf.&#8221;</p></blockquote>
<p><em><strong>Kommentar: </strong></em>Hier wird das Ideal wohl mit den komplexen Realitäten verwechselt. Sicherlich haben sich die Studierendenzahlen seit der Bildungsexpansion Ende der 60er/Anfang der 1970er Jahre quantiativ erhöht. Aber das Ideal &#8220;Bildung für Alle&#8221;, wenn es denn wirklich so auf dem demokratisch-emanzipativen Bauchladen vor sich hergetragen wurden, hat nie seine tatsächliche Entsprechung entwickeln können.</p>
<p>Und das sich durch die Bildungsexpansion die Abgrenzung zwischen unversitären Eliten (was bzw. wer soll das eigentlich sein?) und Nichtakademikern aufgelöst hätten, kann man nun wirklich nicht sagen. Da bleibt dann doch &#8220;<a href="http://www.zeit.de/1972/07/Die-Illusion-der-Chancengleichheit">Die Illusion der Chancengleichheit</a>&#8221; bestehen, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu">Pierre Bourdieu</a>, der große französische Sozialwissenschaftler, schon zwischen den 1960ern und Anfang der 70er Jahre konstatiert hat.</p>
<p>Und wenn man sich die <a href="http://www.sozialerhebung.de/">Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerkes </a>anschaut, die alle drei Jahre erhoben werden, müsste eigentlich klar werden, das eine soziale Öffnung der Universitäten kaum stattgefunden hat. Gerade die sozial benachteiligten Milieus haben es nie hinreichend schaffen können, gleichberechtigt an Universitäten zu gelangen. Von Pisa und Co-Erhebungen in Sachen sozialer Schließungsprozesse ganz zu schweigen.</p>
<p>Und wie hermetisch die Sozialstruktur in der BRD bis heute geblieben ist, kann man u.a. bei <a href="http://www.campus.de/isbn/9783593353067">Hilke Rebensdorf</a> und ihrer Untersuchung der politischen Klasse nachlesen, sowie ebenfalls bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hartmann_(Soziologe)">Michael Hartmanns</a> eindrucksvollen Untersuchungen zum <a href="http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&amp;dig=2002/10/09/a0321">Mythos von Leistungseliten</a>, die Ulrich Brieler in der taz vom 9.19.2002 pointiert rezensiert hat. Dazu auch ein lesenswertes <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/Elite;art772,2481835">Interview mit Hartmann</a> im Tagesspiegel vom 23.2.2008. Die Offenheit dieser Gesellschaft ist also ein (Real-)Illusion, die auch durch ständige Reproduktion nicht weniger problematisch wird. Hier müsste das Papier also dringend überarbeitet werden.</p>
<blockquote><p>&#8220;Dieser gesteigerten Möglichkeit für Menschen, ein Hochschulstudium aufzunehmen, wird mit einer Ausdifferenzierung innerhalb der Hochschullandschaft begegnet: „Massenuniversitäten“, Fachhochschulen, Exzellenzuniversitäten etc. „Mit ihr [der Exzellenz] verbunden ist ein Paradigmenwechsel: Nicht mehr Ideen wetteifern miteinander, sondern Institutionen – Universitäten“ii. Die so genannte Exzellenz der Universitäten unterliegt der Ökonomisierung von Innovation, welche nicht durch den freien Geist bestimmt wird, sondern durch aktuelle Moden und das dafür verfügbare Geld. Diese Logik führt zu einem Wettbewerb, der einen aggressiven Kampf um das Monopol, den ersten Platz im Exzellenz-Ranking, mit sich zieht. Fach illustriert dies anhand eines Bildes aus der Biologie. Der Universitätsdarwinismus bringt Giraffen hervor, welche die Blätter von den Baumkronen fressen können, um zu überleben. Diese Universitäten haben kein Identitätsproblem. Sie sind die angeblichen Gewinnerinnen eines Konkurrenzkampfes, was es ihnen ermöglicht, sich über fragwürdige Zertifikate zu definieren. Gleichzeitig schafft die universitäre Evolution Ziegen. Diese kleinen und stark spezialisierten Universitäten grasen im Unterholz. Sie suchen sich ihre Nischen, geben sich anhand ihrer Spezialisierung ein Profil und schaffen es so, sich zu erhalten. Es scheint demnach Ausnahmen zu geben, welche nicht mit einem fehlenden Selbstbewusstsein zu kämpfen haben.<br />
Wie Fach deutlich macht, ist das identitätsstiftende Moment der Exzellenz bzw. der Spezialisierung jedoch ein künstliches, ein entfremdetes. Die folgende Betrachtung des Selbstbewusstseinsmangels bezieht sich demnach nicht allein auf die Allgemeine Universität, welche weder Exzellenz- noch Spezialuniversität ist und sein kann, sondern auf die Universität im Allgemeinen.</p>
<p>Mangel an Selbstbewusstsein drückt sich u. a. in Verschulungstendenzen im Studium aus. Lehrende befürchten, dass ihnen die Studierenden aus der Vorlesung laufen, sobald sie die Anwesenheitslisten abschaffen. Den Studierenden wird das Selbstbewusstsein bzw. die Eigenverantwortung abgesprochen. Sie werden entmündigt. Man traut ihnen nicht zu, dass sie ihr Studium eigenverantwortlich gestalten können und glaubt, ihnen die Entscheidungen abnehmen zu müssen, um sie „zu ihrem Glück zu zwingen“. Pflichtmodule, wöchentliche Hausaufgaben und permanenter Leistungsdruck, der durch die hohe und von Anfang an bestehende Prüfungslast erzeugt wird, sind Ausdruck dieser Bevormundung. Darüber hinaus steigt – bedingt durch das fehlende Selbstbewusstsein – der Einfluss externer Kräfte auf die Universität. Die Universität entmündigt sich selbst. Erst verrät sie ihre Prinzipien wie die Freiheit von Forschung und Lehre oder die „unbedingte Freiheit der Frage und Äußerung“iiiund begibt sich außerhalb ihrer Mauern auf die Suche nach neuen. Sie wird fündig und unterwirft sich kapitalistischen Handlungsmaximen: Rationalisierung, Effizienzsteigerung, Messen aller Handlungen unter dem Aspekt der Verwertbarkeit mit dem Ziel den materiellen Wohlstand zu maximieren. Dann stellt sie fest, dass sie allein es nicht schafft, privatwirtschaftlich zu funktionieren und diese Kriterien umfassend zu erfüllen und begibt sich erneut auf die Suche. Diese Suche nach externer Hilfe manifestiert sich u. a. im Hochschulrat, welcher nicht allein mit Hochschulangehörigen besetzt ist, bzw. im Einfluss privatwirtschaftlicher Unternehmen auf Lehr- und Forschungsinhalte, in der Drittmittelakquirierung oder in der Kommerzialisierung der Hochschulen. Wobei hier die Gefahr besteht, Dienerin von unternehmerischen Eigeninteressen zu werden, welche den genannten Kriterien letztlich entgegenstehen.Die Universität muss sich ihrer selbst, ihrer Rolle und Verantwortung bewusst werden. Nur so kann sie sich gegenüber der Gesellschaft öffnen ohne sich zu verraten. Solange sie weiß, was sie ist und was sie kann, solange kann sie sich auch innerhalb der Gesellschaft positionieren, kann ihre Räumlichkeiten und ihre Expertise offerieren, kann kritisch-gestalterisch eingreifen. Mangelt es ihr jedoch an Selbstreflexion und Selbstsicherheit, so verkommt jede Öffnung zur reinen Instrumentalisierung der Universität. Ihr Ruf lautet nun: „Hier bin ich! Macht mit mir, was ihr wollt!“. Indem sie sich öffnet, macht sie sich zur Handlangerin von Politik und Wirtschaft. So kommt es, dass unter „Öffnung“ die Einrichtung einer Sparkassenfiliale in universitären Gebäuden oder das Selbstverständnis der Hochschulen als Produzentinnen von Arbeitskräften verstanden wird.<br />
Sind im ersten Fall Kritik, Opposition und Widerstand die Prinzipien, welche Universität und Gesellschaft verbinden, so sind es im zweiten Anpassung, Auslieferung und Dienen.</p>
<p>Möchte die Universität nicht gänzlich an Bedeutung verlieren oder sich in letzter Konsequenz gar auflösen, so muss sie es schaffen, ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.</p>
<p>Es lassen sich zwei Wege ausfindig machen, zu einem neuen Selbstbewusstsein zu gelangen. Zum einen mögen die „exzellenten“ Universitäten erkennen, dass dieser artifizielle und entfremdete wissenschaftliche Wettstreit einer Universität unwürdig ist. Dieser Fall ist unwahrscheinlich. Realistischer ist es, anzunehmen, dass die Allgemeine Universität aus ihrer Verzweiflung heraus umdenkt und zu neuer Stärke und Bedeutung findet. Um die Analogie zum Tierreich noch einmal aufzugreifen: Auch wenn der Elefant, mit dem die Allgemeine Universität nicht allein aufgrund ihrer Größe und Masse verglichen werden kann, schwerfällig ist, so kann er doch enorme Kräfte entfalten. Darüber hinaus – und dies scheint von zentralerer Bedeutung zu sein – hat er, neben seiner sozialen Eigenschaft als Herdentier, ein Selbstbewusstsein. Er ist befähigt sich selbst im Spiegel zu erkennen.iv Wichtig ist, zu verstehen, dass der Entwurf eines Verständnisses der Allgemeinen Universität – der Rettung dieser aus ihrer Orientierungslosigkeit wegen – keinesfalls gleichbedeutend ist mit der Akzeptanz des intellectual divide, also der Unterscheidung in exzellente und damit förderungswürdige und nicht exzellente Universitäten, wie ihn Fach konstatiert. Diese Diskriminierung zwischen den Universitäten ist grundsätzlich in Frage zu stellen.</p></blockquote>
<p><strong>Wie könnte das Selbstbewusstsein bzw. -verständnis aussehen?<br />
</strong></p>
<blockquote><p><strong> </strong>„Die Universität macht die Wahrheit zum Beruf – und sie bekennt sich zur Wahrheit, sie legt ein Wahrheitsgelübde ab. Sie erklärt und gelobt öffentlich, ihrer uneingeschränkten Verpflichtung gegenüber der Wahrheit nachzukommen“v. Diese Verpflichtung gegenüber der Wahrheit, oder vielmehr gegenüber der Idee der Wahrheit, ist für die Wissenschaft und damit die Universität existentiell. Doch sagt dies, wie Derrida bemerkt, nichts über den Status der Wahrheit aus. Es meint nicht notwendigerweise die Suche nach einer metaphysischen Wahrheit, deren Existenz vorausgesetzt wird. Wahrheit kann ebenso als normative oder auf Konsens beruhende verstanden werden. Letztlich ist selbst ihre Ablehnung eine Auseinandersetzung mit dem Begriff oder der Idee der Wahrheit.<br />
Primär wird aber der Streit darüber, was Wahrheit ist oder nicht ist, in der Universität geführt. Dieses Privileg erhielt die Universität einst vom König. Heute scheint es eine auf dieser Tradition beruhende Vereinbarung zu sein, welche es der Universität zugesteht, über Wissen und Wahrheiten zu entscheiden. Ist die Universität der Ort der Wahrheit, so doch nur solange ihr die absolute Unabhängigkeit zugestanden wird. Eine der Wahrheit verpflichtete Institution darf nicht von außen, von politischen und/oder wirtschaftlichen Kalkülen, geprägt werden. Jeder Eingriff in die Universität färbt auf das dort hervorgebrachte Wissen ab. Die Idee der und der Glaube an die Wahrheit kann nur unter der Bedingung der Unbedingtheit der Universität aufrecht erhalten werden. Ist das universitäre Wissen in hohem Maße von außen beeinflusst, so unterscheidet es sicht nicht vom restlichen Wissen und verliert seine Autorität.<br />
Die Forderung nach der „unbedingten“, der „bedingungslosen“vi Universität soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Universität immer auch politisch ist und sich somit zugleich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen muss. Alles was in der Universität passiert, passiert in ihren Mauern und wirkt nach außen. Mit dem Vertrauen in das unbeeinflusste wissenschaftliche Wissen, kann die Universität politisch werden.<br />
Geht ihr jedoch der alleinige Einfluss auf das universitäre Wissen verloren, so wird sie in jedem politischen Akt instrumentalisiert. Bourdieu spricht in diesem Zusammenhang von „scholarship with committment“. „Tatsächlich müssen wir als autonome Wissenschaftler nach den Regeln der scholarship arbeiten, um ein engagiertes [respektive politisches] Wissen aufbauen und entwickeln zu können“vii.<br />
Die universitäre Freiheit verpflichtet. Mit der Forderung nach finanzieller und politischer Unabhängigkeit, welche in letzter Konsequenz zwar utopisch aber dennoch ungemein wichtig ist, muss auch die Bereitschaft verbunden sein, „der Gesellschaft etwas zurückzugeben“. Diese Aussage soll nicht die (unmögliche) Trennung zwischen Universität und Gesellschaft suggerieren, sondern lediglich die Verantwortung der Universität im gesellschaftlichen Kontext verdeutlichen. Eng mit der Bereitstellung von wissenschaftlichem Wissen und der Forderung nach committment verbunden ist auch die kritische Auseinandersetzung mit Mensch und Gesellschaft und den Herausforderungen unserer Zeit. Die Universität sollte ihre Autorität, die ihr auf gewissen Gebieten zugesprochen wird, anerkennen. Sie muss sich der politischen Bedeutung ihres Schaffens bewusst werden, wie auch der Gefahr ihrer daraus resultierenden Instrumentalisierung.<br />
Die einzige Antwort kann eine Bereitschaft zum bewussten politischen Handeln sein. Der Begriff der Kritik ist untrennbar mit der Institution Universität verbunden. Es muss der Anspruch der Universität sein, reflektierende, kritische und fragende Menschen hervorzubringen. Dafür müssen ihnen Kompetenzen vermittelt werden. Nicht zu Fachidioten, sondern zu „Experten für  das Allgemeine“ sollen die Studierenden werden. Derrida verbindet mit der Universität die Prinzipien „der Autonomie, des Widerstands, des Ungehorsams“viii. Da die Kritik immer auch über das Bestehende hinausweist, indem sie die Möglichkeit der Verbesserung in sich trägt, ist sie entscheidend für den Fortschritt einer jeden Gesellschaft. Dieser zentralen Aufgabe muss die Universität nachkommen.<br />
Zugegeben: dieses Bild einer Universität ist ein idealistisches, welches noch nie der Realität<br />
entsprach und es wohl auch nie tun wird. Gleichwohl ist es wichtig dieses Ideal aufrecht<br />
zu erhalten, um eine Idee von Universität zu bewahren, an der sich die gegenwärtigen<br />
Zustände messen lassen müssen.</p>
<p>Benjamin Rohr, Daniel Palm &amp; Mitwirkende</p>
<p>i Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 26<br />
ii Fach, Wolfgang, 2008: „Unbedingte Universitäten“. Exzellenz als Geist und Geistlosigkeit,<br />
in: Forum Wissenschaft, Heft 1/2009<br />
iii Derrida, Jacques, 2001: Die unbedingte Universität. Frankfurt am Main: Suhrkamp,<br />
S.10<br />
iv http://www.pnas.org/content/103/45/17053.abstract, Stand: 05.06.2009<br />
v Derrida: S.10; Hervorhebung im Original<br />
vi Ebd. S.9<br />
vii Bourdieu, Pierre: Für eine engagierte Wissenschaft (Vortrag Mai 2001, Athen)</p>
<p>http://www.engagiertewissenschaft.de/content/view/74/81/</p>
<p>viii Derrida: S.21</p></blockquote>
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		<title>Bildungsstreik in Leipzig!</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 06:44:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<description><![CDATA[Ab heute (Montag, 15.6.09) ist Streikwoche zum Thema Bildung in Leipzig.
nähere Infos Hier!
Heute gibt es u.a. eine Podiumsdiskussion zum Thema Bologna-Prozess/Bachelor- und Master-Einführung ab 19 Uhr in der mb. Mehr Infos hier.
Und am Mittwoch gibt es ab 10.30 Uhr (HTWK) eine Demo, die schließlich mit einer Kundgebung am Augustusplatz enden wird.
Das ganze läuft im Rahmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ab heute (Montag, 15.6.09) ist Streikwoche zum Thema Bildung in Leipzig.</strong></p>
<p><a href="http://www.bildungsstreik.tumblr.com/">nähere Infos Hier!</a></p>
<p>Heute gibt es u.a. eine Podiumsdiskussion zum Thema Bologna-Prozess/Bachelor- und Master-Einführung ab 19 Uhr in der mb. <a href="http://www.jusos-leipzig.de/">Mehr Infos hier</a>.</p>
<p>Und am Mittwoch gibt es ab 10.30 Uhr (HTWK) eine Demo, die schließlich mit einer Kundgebung am Augustusplatz enden wird.</p>
<p>Das ganze läuft im Rahmen einer <a href="http://www.bildungsstreik2009.de/">bundesweiten Steikaktion</a>.</p>
<p>Tja, hinaus in die Sonne &#8230; um die reale Utopie zu fordern und zu fördern?</p>
<p>Mehr Gedanken dazu jetzt und (wieder aktualisiert) später &#8230;</p>
<p>Interessant ist ein Bericht der LVZ vom 16.5.09 zum Bildungssteik an einer Leipziger Schule.</p>
<p><!--[if gte mso 9]&amp;gt;  Normal 0 21       MicrosoftInternetExplorer4  &amp;lt;![endif]--></p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">„Streiken heißt nicht Schwänzen“</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">Schülerprotest am Klinger-Gymnasium / Bildungsagentur hält sich zunächst zurück</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">Die Klingel im Max-Klinger-Gymnasium schellte gestern vergeblich: Viele Schüler ignorierten das Signal zur</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">ersten Stunde. Acht Uhr beginnt normalerweise der Unterricht in dem Plattenbau in Grünau, doch statt in</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="black;">den Klassenzimmern traf sich ein Großteil der Schülerschaft auf dem Hof zur Kundgebung. Absperrbänder an Türen mit der Aufschrift „Bildungsstreik“ signalisierten, dass sich die Gymnasiasten in die bundesweite Protestbewegung einklinken.</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Wir lassen uns aber nicht von ideologischen Strömungen instrumentalisieren, halten hier keine Propaganda-Veranstaltung für irgendjemanden ab“, erklärte Steffen Juhran. Der Abiturient gehört zum Arbeitskreis Bildung, der sich schon vor zwei Wochen am Klinger konstituiert hatte, um die Aktionen vorzubereiten und sie „nicht destruktiv, sondern konstruktiv“ zu gestalten. Juhran: „Es geht nicht gegen die Lehrer hier und</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">auch nicht gegen unsere Schule an sich.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">Warum die Gymnasiasten mobil machen, versuchte Bertrand Zunker in Worte zu fassen. Mit dem Bildungssystem,</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">wie es derzeit gestrickt sei, ließe sich kein Blumentopf gewinnen, so seine</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">Lautsprecher-Botschaft an die versammelte Mannschaft. „Die Lehrerkollegien sind überaltert, die Lehrpläne</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">überfrachtet, das dreigliedrige Schulsystem antiquiert, die Klassen zu groß, der Bildungskanon nicht zeitgemäß“, listete der Neuntklässler Defizite auf und stellte die Sinnfrage: „Wozu ist Schule da, wenn die Abschlüsse einer ständigen Entwertung unterliegen, wenn die Abgänger von Mittelschulen kaum noch Berufschancen haben</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">und endlose Runden in Warteschleifen drehen müssen?“ Pisa hin oder her – Zunker hält nichts von der</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Selbstbeweihräucherung“ Sachsens, das bei der Bildungsstudie Vergleichsweise gut abgeschnitten hatte. Auch im Freistaat werde gleich dem Nürnberger Trichter viel unnützes Wissen in die Schülerköpfe geschüttet.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="black;">„Wir werden damit vollgepumpt, um es dann zur Prüfung auszuspucken.“ Da die Bildungspolitiker versuchten, sich mit „Worthülsen und Phrasen über eine angebliche Bildungsrepublik“ aus der Affäre zu ziehen, müssten die Schüler im Schulterschluss mit den Studenten nun Druck machen, um „aus dem Hamsterrad herauszukommen“. Streik stand am Klinger gestern zwar drauf, aber drin war keine Totalverweigerung. Nach der Ouvertüre auf dem Hof, konnten die Schüler am Vormittag wählen, ob sie beim regulären Unterricht die Bank drücken oder sich in Diskussionsrunden etwa zu den Themen „Demokratie in Schule und Gesellschaft“ oder „Selbstbestimmung in der Bildung“ einbringen. Rund die Hälfte nutzte die alternativen Angebote. S c h u l l e i t e r i n Margit Hanisch kehrte nicht die gestrenge Direktorin heraus: „Die Schüler müssen sich auch in Meinungsbildung ausprobieren können. Ich vertraue auf ihre Ehrlichkeit und ihre Rücksichtnahme auf jene, die am Unterricht teilnehmen wollen“. Hanisch war sich aber auch der rechtlichen Gratwanderung bewusst: „Alle, die nicht den regulären Schulbetrieb absolvieren wollen, mussten eine Einverständniserklärung der Eltern beibringen, auch aus versicherungstechnischen Gründen.“ Ebenso wie der Schülerrat hatte sie sich im Vorfeld mit einem erklärenden Brief an die Eltern gewandt und auch die Leipziger Bildungsagentur über die anstehenden Aktionen informiert. Agentursprecher Roman Schulz: „Juristisch gesehen, haben Schüler kein Streikrecht. Eine Denkweise wäre, solche Schulpflichtverstöße konsequent zu ahnden, zumal es demokratisch gewählte Gremien für Grundsatzdebatten gibt.“ Er hoffe aber, dass die Behörde nicht aktiv werden müsse: „Es geht darum, ob das Ganze nicht politisch unterwandert wird und in einem tolerierbaren Rahmen abläuft. Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Damit sich keiner unter dem Deckmantel des Streiks in die Büsche schlägt, hatten die Protestorganisatoren Listen ausgelegt, in denen jeder per Unterschrift bekunden musste, dass er bei den Workshops oder aber im Unterricht präsent ist. Steffen Juhran: „Streiken heißt nicht Schwänzen.“ </span><em><span style="black;">Mario <span> </span>Beck</span></em></p>
</blockquote>
<p>Nicht weniger belustigend ist eine <a href="http://www.cducsu.de/Titel__pressemitteilung_linke_nutzen_bildungsstreiks_als_wahlkampf_events/TabID__6/SubTabID__7/InhaltTypID__1/InhaltID__13362/Inhalte.aspx">Pressemitteilung der CDU-Bundestagsfraktion v. 15.6.09 </a>zum Thema:</p>
<blockquote><p>&#8220;Linke nutzen Bildungsstreiks als Wahlkampf-Events.<br />
Aufrufe linker Studentenverbände und Gewerkschaften entlarvend</p>
<p>Zu den von fzs, GEW und anderen Organisationen ausgerufenen<br />
Bildungsstreiks erklärt der bildungs- und forschungspolitische Sprecher<br />
der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Müller MdB:</p>
<p>Entlarvend sind die Aufrufe linker Studentenverbände und Gewerkschaften zu<br />
Bildungsstreiks. Mit Musikfestfestivals, Partys und vorgetäuschten<br />
Banküberfällen wollen sie Studierende und Schüler zu ?Bildungsstreiks?<br />
anlocken und damit von ihrer Ausbildung abhalten. Im Sommer seien Parks<br />
irgendwie tausendmal attraktiver als Schulen. Darum setze man sich lieber<br />
in den Park. Schüler und Studenten sollten mitbringen, was für einen<br />
netten Streik-Tag im Park von Nutzen sein könne.</p>
<p>Wer so Schüler und Studenten davon abhalten will, ihr Recht auf Bildung<br />
wahrzunehmen, offenbart, wie wenig ihm tatsächlich an der Bildung junger<br />
Menschen gelegen ist. Hier sollen arglose Schüler und Studenten als<br />
Statisten für öffentlichkeitswirksame Wahlkampf-Events der Linken gewonnen<br />
werden.</p>
<p>Wem wirklich an der Bildung gelegen wäre, der müsste derzeit gegen die<br />
Pläne des rot-roten Berliner Senates aufbegehren, Schulplätze künftig<br />
nicht mehr nach Leistung sondern per Los zu vergeben. Bei solchen Demos<br />
dürfte allerdings niemandem zum Feiern zumute sein.&#8221;</p></blockquote>
<p>Selten so über das Beleidigtsein eines Bildungskindes, mit dem keine Personen mehr spielen will gelächelt <img src='http://www.diffusionen.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Ansonsten verweise ich gerne auf die noch gar nicht so alten Gedanken zum Thema <a href="http://www.diffusionen.de/2009/05/10/universitat-zerschlagen-vs-universitatskulturen-zuchten/">Universitätskulturen</a> auf diesem Blog &#8230;</p>
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